Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 50 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4876568-5968810-5969392--4877-4881923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
15. Dezember 1933 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIO Seite 3 *0C^^*.} Q%emma«</tfp*>c4a^ ««/ (i^i/um ^^etfixtp "0 / Q&«i6»&>. », /tA/i/.on <£%tmme/St«mm** 72?5f Qs6rtfi&«np 4ämj/ic&+ dffiaafpeit/äft* - G^rm/uny <<*«' Q^ui/irVa/anfay« Samuel Leib Gordon gestorben. Im 67. Lebensjahr verstarb in Tel-Awiw der Schriftsteller und Pädagoge Samuel Leib Gordon, der sich auch als Übersetzer von Werken der Weltliteratur ins Hebräische einen Namen gemacht hat. Gordon, der 1867 in Lida bei Wilna geboren wurde, entstammte einem orthodox-jüdischen Milieu. Seine erste Gedichtsammlung erschien 1892 unter dem Titel „Jeschuruns Geige". 1898 ging er nach Palästina, wo er bis 1901 blieb. 1924 kehrte er in das Land zurück und lebte seither in Tel-Awiw. Während seines ersten Aufenthalts in Palästina leitete er im Auftrag des Odessaer Komitees die Knabenschule in Jaffa und schied aus dieser Stellung, als die Alliance Israelitc die Schule übernahm. Er leitete sodann in Warschau die hebräische Privatschule Sefath Chaja, in der er — ein für die damalige Zeit gewagtes Experiment — allgemeine Fächer in hebräischer Sprache unterrichtete. Er gab auch die erste hebräische Kinderzeitung „Olam Katan" heraus. Seine „Theorie der hebräischen Literatur" erreichte eine Reihe von Auflagen. Insgesamt hat er 23 Bände, Essays, Erzählungen, Gedichte, Übersetzungen usw. veröffentlicht. Er hat u. a. Shakespeares „König Lear", Hebbels „Judith" und La Fontaines „Fabeln" ins Hebräische übertragen. In der letzten Zeit hielt er Bibelvorlesungen bei den Oneg Schabbath-Feiern im Ohel Schem-Saal in Tel-Awiw. An seinem Begräbnis nahmen zahlreiche Vertreter der hebräischen Literatur teil. Ansprachen hielten Dr. Benzion Mossinson, Asariahu, Dr. J. Kaufmann und als letzter Chaim Nachman Bialik. der ein eindrucksvolles Bild von Gordon als Publizist, Dichter und Mensch entwarf. (JTAJ Kardinal Faulhaber über „Christentum und Judentum". In der ersten Predigt eines dem Thema „Christentum und Judentum" gewidmeten Zyklus beschäftigte sich Kardinal Faulhaber mit der von manchen Kreisen in letzter Zeit erhobenen Forderung, das Alte Testament aus dem christlichen Gottesdienst zu entfernen, und dem Bestreben, Christus als Juden abzulehnen oder ihn durch seine Mutter, obwohl sie aus dem Hause Davids stamme, zum Arier umzufälschen. Da dadurch die Grundlagen des Christentums berührt würden, könne der Bischof nicht dazu schweigen. Nicht Bluts-, sondern Glaubensbezichungen seien Grundlage der Religion. Als Werkzeuge Gottes hätten die Männer des Alten Testaments die Voraussetzungen für das geschaffen, was das Neue Testament der Welt gegeben habe. Freilich sei nach dem Tode Christi das Volk Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen worden. Man müsse daher unterscheiden zwischen den Schriften des Alten Testaments und den Talmudschriften späterer Zeit. Die Kirche habe die alten heiligen Schriften übernommen, nicht aber den Talmud. Aus den Schriften des Alten Testaments aber komme die Botschaft vom einzigen mächtigen Gott. Darum müsse man die Schriften des Alten Testaments in Ehren halten und dürfe sie aus den Schulen nicht verdrängen lassen. Auch auf ihnen stehe der Name Gottes. Mit dem Alten Testament müßten aus dem deutschen Sprachschatz viele Ausdrücke entfernt werden, die der Bibel, aus der auch die deutschen Klassiker aller Jahrhunderte geschöpft hätten, entnommen seien. (JTA.) Aus sächsischen Gemeinden. Plauen. Ende November fand eine Sitzung des Gemeüiderates statt. Der stellvertretende Vorsitzende gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des bisherigen 1. Vorsitzenden Herrn Dr. Goldberg, der seinen Wohnsitz nach Paris verlegt hat. Vor seinem Weggang nahm er in einem sehr herzlichen Schreiben Abschied von Gemeinde, Gemeinderat und Vorstandskollegen. Herr Goldmann führte aus, daß die grollen Verdienste, die sich Dr. Goldberg in jahrzehntelanger Genieindearbcit erworben habe, nicht besonders betont zu werden brauchen, da sie allgemein bekannt seien. Die Lücke, die durch diesen Fortzug entstanden sei, wäre nicht auszufüllen. Er wünscht im Namen der ganzen Gemeinde Herrn Dr. Goldberg das Beste für seine fernere Zukunft und der Gemeinderat beschließt, diese Ansprache Herrn Dr. Goldberg schriftlich zur Kenntnis zu bringen. Der seit 19 Jahren die Kassengeschäfte führende Herr A. Löwenthal hat zu Jahresende sein Amt zur Verfügung gesteift, da ihn sein hohes Alter an der weiteren Fortführung des Amtes hindert. Der Vorsitzende weist auf die vorbildliche Amtsführung des Herrn Löwenthal hin und meint, daß es schwerfallen wird, einen Ersatz zu finden. Aus den sonstigen Eingängen interessiert ein Schreiben der Kreishauptmannschaft Zwickau, mit welchem die gegen das vom Plauener Stadtrat erlassene Badeverhot eingelegte Aufsichtsbeschwerde abgewiesen wird. Das Verbot ist aus sicherheitspolizeilichen Gründen erlassen worden. Gegen diesen Entscheid ist Beschwerde beim Ministerium des Innern eingelegt worden. Durch das Ausscheiden des bisherigen 1. Vorsitzenden machte sich satzungsgemäß eine Neuwahl des Vorstandes nötig. Es wurde einstimmig zum I.Vorsitzenden Herr Jacob Goldmann und zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Adolf Langgut gewählt. Sodann wurde beschlossen, den gegenwärtigen Gemeinderat bis 31. 12. 1934 zu verlängern und Neuwahlen nicht vorzunehmen. Ferner wurde dem Vorstand eine Ermächtigung erteilt, die es ihm gestattet, auch solche Sachen zu regeln, die zu anderen Zeiten der Beschlußfassung des Gemeinderates unterliegen. Schließlich legte der Vorstand den Etatsentwurf für 1934 vor, der aut ein Steuer-Soll von M. 95(100.— aufgebaut ist. Gegen das Vorjahr stellt das Steuer-Soll eine Verminderung von mehr als M. 80 000.— dar. Es ergibt sich daraus, daß auch der Zuschlag zur Einkommensteuer erheblich erhöht werden muß, doch konnte sich der Gemeinderat noch nicht dazu entschließen, die geforderten 40°/0 zu bewilligen. Die Sitzung wurde nach Mitternacht auf acht Tage vertagt und soll dann der Etat endgültig beraten werden. Der Vorstand hat die Bildung eines Ausschusses für geistige Interessen veranlaßt, dem es obliegen soll, auch für Plauen einen Kulturbund ins Leben zu rufen. Am 7. 12. 1933 fand eine erneute Gemeinderatssitzung statt, die sich mit der in der letzten Sitzung unterbrochenen Etatberatung beschäftigte. Die Gemeinderatsmitglieder haben sich in der Zwischenzeit davon überzeugt, daß die geforderte Erhöhung des Steuerzuschlages nicht auf den Bau der Synagoge zurückzuführen ist, sondern darauf, daß einesteils eine erhebliche Anzahl steuerkräftiger Mitflieder fortgezogen ist, und andrerseits das Steuer-Soll der verbleienden Gemeindemitglieder gegen das Vorjahr um 50u 0 gesunken ist. Gegen 1 Stimme wurde beschlossen, auf die Einkommensteuer 1932 einen Zuschlag von 35% als Gemeindesteuer 1933 zu erheben. Unsere Gemeinde. Veranstaltungen der nächsten Zeit: 17. XII.: Mendelssohn-Trio: Trioabend. 19. XII.: CV.: Gemeindeversammlung, Redner: Dr. Bruno Weil, Berlin. 20. XII.: 2. Gemeindeabend: Professor Martin Buber. 31. XII.: Konzertdirektion Artur Ehrlich: 0. Bunter Abend. ^* Dr. Anneliese Landau, Berlin: Offenbach und die Operette. Warnung! Das Fürsorgeamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig läßt folgende Warnung ergehen: Wir warnen davor, Herrn Hans Sil* berfeld, Leipzig-Mockau, Oberläuterstraße 40, der sich an jüdische Familien und Firmen und Familien wegen Unterstützung wendet, zu berücksichtigen, bitten vielmehr, sich mit uns (Fernruf 213 82) in Verbindung zu setzen, falls Herr Silberberg vorspricht. Im besonderen warnen wir jeden Unterstützungsempfänger, der von uns mit Kohlen berücksichtigt wird, dieselben von Herrn Silberfeld abholen zu lassen. Melde- und Auskunftsstelle für Veranstaltungen. In einer Besprechung zwischen den Vorsitzenden und Leitern der maßgebenden Organisationen und Vereinen wurde es als bedauerlich festgestellt, daß innerhalb unserer Gemeinde häufig an einem und demselben Tage oder in unmittelbarer Folge Veranstaltungen stattfinden, so daß solche sich gegenseitig beeinträchtigen. Um dem zu begegnen, wurde die Einrichtung einer Melde- und Auskunftsstelle für Veranstaltungen beschlossen. Seitens der Organisationen soll bei dieser Stelle Meldung von geplanten Veranstaltungen erfolgen, tunlichst vor ihrer endgültigen Festlegung, damit jederzeit festgestellt werden Wegen der regen Nachfrage Wiederholung des Kammermusik - Abends des Mendelssohn-Trios (Hella Chitrik-Klavier, Konzertmeister Leo Schwarz-Violine, Professor Afrem Kinkulkin-Cello) am Sonntag, den 17. Dezember, 20 Uhr im Orotrlan -Steinweg-Saal, Ditt rieh ring 18 mit gleichem Programm (Beethoven: Trio op. 1 Nr. 1 Es-dur, Brahms: Trio op. 8 H-dur, Mendelssohn: Trio op. 49 D-moli) Volkstümliche Preise: RM 2.-, 1.50, 1.— Vorverkauf: Buchhandlung Kaufmann, Kaufhaus Brühl und Orot rian-St ein weg, Dittrichring 18. \