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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-11-10 · 45 (10.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
45 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 10. November 1933 Staatenlos von Dr. Hans Lö\venhci,;i, Leipzig Rechts- und Fachanwalt für Auslandsrecht (Polen, England, U.S.A.). V. Nachtrag I. Ausbürgerung von Optanten. l> ist die Frage aufgetaucht, ob Juden, die ans den nach dem Versailler Vertrag an Polen abgetretenen Qebieten stammen, aber für Deutschland optiert haben, als „Ostjuden" Im Sinne des Gesetzes Ober den \\ iderruf der Einbürgerung zu betrachten sind. Diese Frage ist entschieden /u verneinen. Wer als Bewohner der abgetretenen Gebiete auf Grund einer Option Deutscher geworden ist, ist überhaupt nicht „eingebürgert" worden und kann infolgedessen nicht ausgebürgert werden. Das Gesetz verbietet die Ausbürgerung ja sogar gegenüber solchen Personen, die auf Grund des Versailler Vertrages ohne ihr Zutun Ausländer geworden waren und sich dann in Deutschland haben einbürgern lassen. 2. A u s b ü r g c r u n g v o n N ichtf r o n t k ä m p f e r n. Das (ieset/ verbietet die Ausbürgerung von .0 Ostjuden, wenn sie auf deutscher Seite im Weltkrieg an der Front gekämpft oder sich sonst um die deutschen Belange verdient gemacht liaben; b) Personen, die einen Anspruch auf Einbürgerung hatten. Zu letzteren gehören auch Ausländer, die mindestens 1 Jahr aktiv gedient haben. Es ist die Frage aufgetaucht, ob nach Punkt h) auch die Ausbürgerung von solchen Ostjuden unzulässig ist, die während des Krieges hinter der Front im deutschen Heer mindestens I Jahr gedient haben, wie das bei solchen der Fall ist, die sich als Kriegsfreiwillige gemeldet hatten. Die Frage ist /u bejahen. Aktiver Dienst ist auch der Militärdienst hinter der Front. Wer ihn 1 Jahr lang geleistet hat, hat den Einbürgerungsanspruch. Der Ostjude, der nur kürzere Zeit beim deutschen Heere war, kann die Ausbürgerung nur dann vermeiden,, wenn er an der Front gekämpft hat. Dali die beiden Personenkreise, welche das Gesetz unter Punkt a) und b) benennt, sich zum Teil überschneiden, ändert an der Rechtslage nichts. Jeder kann die Ausnahmebestimmung für sich in Anspruch nehmen, die gerade auf ihn zutrifft. A u m e rk u n g der Schriftleitung: Von berufener Seite werden wir darauf hingewiesen, daß sich in einem Punkte die Lage der Staatenlosen im Deutschen Reiche neuerdings gebessert hat. Nach dem Reichsgesetz vom 27. Oktober 1933 kann ihnen das Arnienreeht gewährt werden, wenn sie es als Inländer erhalten würden. (Reichsgesetzblatt S. 784.) Jüdische Zeitschau. Gründung des Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände Sachsens. Der RcichsausschuB der Jüdischen Jugendverbände Berlin als Zentralkörperschaft der Jüd. Jugendverbände Deutschlands ordnete bereits vor einigen Jahren die Gliederung der örtlichen Verbände in Ortsauschüsse an und verbindet in diesen Wochen diese Ortsausm hüsse zu Landesausschüssen. In diesem Sinne erfolgte am 2<). Oktober 1933 in Leipzig, als dein Ort der grollten sächsischen Ortsverbinde die Konstituierung des sächsischen Landesausschusses in Anwesenheit de- Geschäftsführers des Reichsausschusses Berlin, des OrtsausschuBleiters Dresden und der Fuhrer der Leipziger Bünde. Der LandesausschuB erhielt folgende Leitung: Leitung: Dr. Leo Goldhaber, Leipzig (J.P.D.); Stellvertreter und Geschäftsführer: Hans Osterreicher. Leipzig \\ II; Ressort Arbeitshilfe: a) für Chaluzim und Hachscharah: Asael Davidson, Leipzig (Hechaluz); b) für die orthodoxe Jugend: Karl Feintuch, Leipzig (Misrachi-Jugend); c) für die kaufmännische Jugend: Lrnst Lob, Leipzig. (Verb. d. jüd. Jug.Ver. I).); Ressort Bildungsarbeit: Dr. Jacob Brande, Leipzig; Posort Klein- (gemeinden und Jüd. Jugendherbergen: Joe de Haas, Dresden, (Deutschlüd. Jugend-Qem.); Ressort Sport: Dr. Lehrfreund, Leipzig (Bar Kochba); Geschäftsstelle und Anschrift für alle Zuschriften: Leipzig C1, Elsterstr. ' (Jüdisches Jugendheini). Die Kessorts weisen bereits auf, welche Arbeitsgebiete dem LandesausschuB zufallen. Seine organische Gliederung basiert in erster Linie auf der Erfassung aller jüdischen Jugendbunde innerhalb der Sächsischen Orte, die ihrerseits zu Ortsausschüssen zu verbinden und ebenso zu gliedern sind, wie der LandesausschuB. Darüber hinanerfalit der L-A. alle Dichtorganisierten jüdischen Jugendlichen auch außerhalb von Ortsausschüssen (in den Kleingemeinden und auf dem Lande) und bringt sie somit in eine dauernde Verbindung mit allen die jüdische Jugend angehenden Dingen, deren Verfolgung ihnen tonst ohne diese Verbindung unmöglich wäre. I s werden daher bereits au die.er Stelle alle jüdischen Jugendlichen außerhalb di r sächs. jüd. Gemeinden aufgefordert, sich mit Anschrift und näheren persönlichen Angaben und Wünschen bei der Geschäfts- Itelle anzumelden, von WO aus sie dann fortlaufend Bericht erhalten. Die Tätigkeil di r wichtigsten Ressorts, der Arbeitshilfe, erstreckt sich auf die Aufgaben der Berufsumschichtung und der damit verbundenen Stellenbeschaffung. Diese Tätigkeil muß, so stark sie auch -ejtens der Gemeinden selbst schon ausgeübt wird, noch in viel t irkeri in Maße betrieben werden und bildet für vorläufig noch nicht absehbare Zeil die Basis aller praktischen Jugendarbeit. — Da- Ressort Bildungsarbeil veröffentlicht in Kurze sein Programm, dessen Inhalt die prakti-cheu Erfolge der vorläufig für Leipzig vorgesehenen Kur-e und Einrichtungen zugrunde gelegt werden. - Für die I rage der Klcingeincjiidcn und auch der zu errichtenden Jugendherbergen beginnt Joe de Haas, Dresden, durch persönliche Reisen in die Ortschaften schon in der kommenden Woche seine Tätigkeit. - I im- Verständigung in den jüdischen Sportdingen hat sofort dann zu erfolgen, wenn die sich mehr und mehr zu zwei Verbänden herausbildenden Sportgruppen des R.J.F. und des Makkabi in ihren Reichsleitungen eine l Ibereinkunft erreicht haben werden. Ludlich ist aber darauf hinzuwirken, dall die in sich schon seit Jahren fast überall geeinten Jugendbünde aller Richtungen daran gehen, parteilich ebenso ungebundene Vertreter in die Gemeindevertretungen zu entsenden. Vor den Aufgaben der Zeit sind die Gegensätze unter den Älteren in unseren Gemeindestuben wohl unwesentlicher geworden, aber verschwunden sind sie nicht. Es ist eine unserer nächsten Aufgaben, sie durch unser Eintreten in die Gemeinden und durch unsere Mitarbeit bald gänzlich auszuschalten. Hilfe und Aufbau. Der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau hat int Oktober 1933 eine Broschüre herausgegeben, die die Fragi beantworten soll: „Was leistet der ZentrafausschuB?" Nacl halbjährigem Bestehen, währenddessen seine Leitung sich der jüdischen Öffentlichkeit gegenüber eine beabsichtigte Zurückhaltung auferlegt hatte, um zunächst den Grundstein zu seinen Arbeiten fest zu verankern, soll diese zusammenfassende Darstellung einen Anfang auf dem Wege zur Popularisierung seiner Arbeiten bedeuten. Die beiden Aufgaben, die der Zentralausschuß sich gestellt hat Hilfe und Aufbau - bedürfen der Unterstützung weitester Helfer schichten, die einen Anspruch darauf haben, Rechenschaft darüber zu verlangen, welchen Zwecken die von ihnen aufgebrachten Mittel zugeführt werden sollen und in welcher Weise sie Verwendung finden Unbeschadet der gedanklichen Unterschiede innerhalb der verschiedenen Richtungen des deutschen Judentums hat der ZentralausschtlB sich die Förderung sämtlicher llilfs- und Aufbauarbeiten zur Aulgabe gesetzt, die von allen Gruppen gemeinsam als notwendig betrachtet werden. Sie gliedern sich in Wanderung, Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtspflege. (Iber ihre Untergliederung unterrichtet eine über sichtliche graphische Darstellung, in der auch die Organisationen aufgeführt sind, welche die einzelnen Aufgabengebiete betreuen. Eine Reihe von anschaulichen Photos aus der Arbeit der landwirtschaftlichen und gewerblichen Berufsumschichtung sind der Broschüre beigegeben Der heutige Stand der Arbeiten auf den einzelnen Gebieten und dii Aufgaben für die nächste Zukunft werden umrissen. An den Schiuli ihrer Darstellung stellt die Broschüre wieder dit Frage: „Was leistet der Zentralausschuß?" Der Leser vermag nun mehr auf Grund eigenen Urteils sich die Antwort dahin zu gehen, dall die Hilfs- und Aufbauarbeit des Zentralausschusses eine wirklich zentrale ist, die alle zu ihrer eigenen machen müssen. Gewiß sind die Aufgaben so groß und umfassend, daß die finanziellen Kräfti des deutschen Judentums allein vielleicht nicht mehr ausreichen um fiir alle Erfordernisse genügend vorzusorgen. Aus einem richtigen Prinzip heraus aber haben die Institutionen des ausländischen Juden Ulms ihre Hilfeleistung von der eigenen Leistung der jüdischen Ge meinschafl in Deutschland abhängig gemacht. Sie sind bereit, jeweils im Verhältnis zu den in Deutschland selbst aufgebrachten Summen aus ihren Fonds beizusteuern. Niemand wird sich seiner Pflicht entziehen dürfen, um so mehr als äußerste Sparsamkeit in der Uu kostengebarung die Gewähr dafür bietet, daß keine Mark verloren geht. Mit Recht schreiben die Herren Bacck und Melchior in ihrem Vorwort: „Wir sollten mit dem Können es genau nehmen um! es wissen, daß unser jüdisches Gebot der Hilfe seine ganze Erfüllung erst dann erhält, wenn ein Opfer beginnt." Wenden und Juden in Deutschland. Im Rahmen einer Betrach hing über die Möglichkeiten einer Regelung des rechtlichen Statuder Juden in Deutschland zitiert die „Jüdische Rundschau" in dem dci Völkerbundsversammlung in Oenf gewidmeten Leitartikel ihrer letzten Nummer eine vom Wolff-Büro verbreitete Rede, die Amtshauptmaii: Dr. Sievert namens der sächsischen Regierung am 21). September an di Vertreter der Wenden gehalten hat und in der er II. a. erklärte: „Von altersher haben die Wenden Freud und Leid mit ihren: deutschen Vaterland geteilt. In guten wie in schlechten Zeiten haben sie ihre staatsbürgerlichen Pflichten treu erfüllt und dafür auch di' gleichen Rechte erhalten wie jeder andere Deutsche. Auf allen Oe bieten lies staatlichen Lebens, insbesondere auf kulturellem Gebiet konnten sie sich im Rahmen der für alle Deutschen geltenden Oesetze treu und ungehindert entfalten, und bis in die letzte Zeit hinein wußten sie ihrem Vaterland durch Wort und Tat Dank dafür. Im großen Kriege haben sie Schulter an Schulter mit den anderen Deut sehen tapfer gekämpft und für das gemeinsame Vaterland geblutet. .. Darum sei hier klar und deutlich ausgesprochen, daß ... genau so wie bisher auch in Zukunft jeder Wende auf allen Qebieten des poli tischen und kulturellen Lebens die gleichen Rechte wie jeder anderi deutsche Staatsbürger genießen soll. Insbesondere soll auch kuiifti hin den Wenden die Erhaltung und die Pflege ihrer volkstümlichen Eigenarten, Sitten, Trachten und < lebräuche unbenommen bleiben . Denn die Regierung weiß, daß nur ein VoUcsstamm, der seine Vergangenheit ehrt und sich zu seinem Volkstum bekennt, ein gesund«- und starkes (ilied am Körper des Volksganzen sein kann." Hierzu bemerkt die „Jüdische Rundschau": Was die deutsche! Juden beanspruchen, ist nichts anderes als was den Wenden hier aN selbstverständlich zugesichert wird. Ob man das nun „Minoritätenrechte" nennen will oder nicht, ist recht belanglos. Worauf es ankommt, ist die Anerkennung des Prinzips der Vereinbarkeit einer völkischen Sonderart mit der Gleichberechtigung im Staate. Und selten wurde der Gedanke, auf den sich die Ansprüche der deutschen Juden stutzen, in schönerer Form zum Ausdruck gebracht als in den Worten Dr. Sieverts. Rektor Feiner 70 Jahre. Am 14. Oktober feierte der Ehrenvorsitzende des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereinc Rektor Feiner, Hamburg, Oberstraße 135, seinen 7(1. Geburtstag. Herausgabe der Werke jüdischer Autoren in Deutschland. Der Verlag Erwin Löwe, Berlin W50, Schaperstraße 8, beabsichtigt, eine Serie von Büchern jüdischer Aulorei., Romane, Biographien, Erzählungen. Novellen usw. herauszubringen. Das erste Buch soll zu Cha-

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