Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 40 (5.10.1933)
- Date
- 1933-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Oktober 193i i.! rhaltung von i Migranten in ihren bisherigen Berufen. Dies könnte am besten durch Schaffung von Darlehnskassen geschehen, die Handwerkern, Heimarbeiterinnen, Spezialkaufleuten u.a.m. durch Gewährung von billigen oder gar zinslosen Darlehen dazu verhelfen sollen, ihre bisherigen Berufe auszuüben. Ein zu bildendes Damenkoiüitee müßte den Absatz der also erzeugten W ann organisieren, räglich laufen beim Prager Komitee Qesuche von Emigranten ein, die nachweisen, dafl sie mit Hilfe eines verhältnismäßig sehr geringen Darlehens in die Lage kommen werden, sich ihre frühere wirtschaftliche Existenz auf neuem Boden wieder aufzubauen. .'. Berufsumschichtung, besonders der Jugend. 1 - gibt in der Tschechoslowakei eine große Zahl mustergültig eingerichteter jüdischer Joint-Schulen und allgemeiner deutschsprachiger Fachschulen, die Platz für viele Hunderte Emigrantenkinder und Tugendliche bieten, wo diese zu hochqualifizierten Arbeitern ausgebildet werden könnten. Sehr viele freie Plätze gibt es /. B. in den landwirtschaftlichen Musterschulen des Landbundes. Auch könnte man viele Jugendliche auf Mustergütern als Landwirte ausbilden. Besonders für die Palästina-Hachscharah eröffnen sich hier mannigfache Möglichkeiten. Es kämen zehnmonatige bis zweijährige Kurse in Frage. 1. Fachausbildung jüdischer Kinder aus Deutschland. Wir wollen, betonen Iran Prof. Steiner und Iran Schmolka mit Wärme, den Kindern jener deutschen Juden lullen, die selbst ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen die aber Qcwähr dafür haben wollen, dafl ihre Kinder in einer Atmosphäre absoluten Wohlwollens aufwachsen. Nicht für alle ist Palästina eine Lösung; manche I tern träumen davon, sich mit ihren Kindern nach deren Ausbildung im Auslande wieder in Deutschland ZU vereinen. Viele solcher Kinder könnten in der Tschechoslowakei zu aufrechten und kenntnisreichen Menschen erzogen werden. Ein großer Teil der Eltern würde vielleicht für die geringen Kosten einer solchen Erziehung selbst aufkommen. i. Kolonisation in Karpathorußland. In fast keinem Lande der Welt besteht die Möglichkeit, Juden als Landwirte mit m> geringen Mitteln anzusiedeln, wie in der Tschechoslowakei, besonders im karpathorussischen Teil der Republik, Ober die Bedingungen einer solchen Kolonisation liegt bereits ein festumrissener Plan vor. der im besonderen eine Kombination von Landwirtschaft und Hausindustrie vorsieht, in der W eise, daß die Kolonistenfamilien in der landwirtschaftlich toten Saison sich der Erzeugung \ oti Gegenständen allgemeinen Qebrauchs widmen. Line eigene Kommission wird den Abs.it/ der Produkte dieser Heimarbeit zu organisieren haben. Das Prager Hilfskomitee ist materiell ZU schwach, um allein an die Durchführung von Plänen von solcher Tragweite heranzugehen. Ähnliche Plane und Möglichkeiten bestehen wohl auch in anderen Zielländern der deutsch-judischen Emigranten. Zur Verwirklichung solcher Pläne bedarf es der Zusammenarbeit der Flüchtlingsrettungskomitees in den verschiedenen Ländern im Osten und W esten Europas. Die tschechoslowakischen Kreise hoffen besonders auf Verständnis und tatkräftige Mithilfe seitens des lAmerican Joint Distribution Committee, das auf dem linden der Republik seit vielen Jahren segensreiche Aufbauarbeit leistet. Fürs erste regen I ran Prof. Steiner und Krau Schmolka eine Konteren/ von Vertretern der Flüchtlingskomitees in den verschiedenen Ländern an. Sie hoffen, daß die notwendige Arbeitsgemeinschaft aus einer solchen Konteren/ zwangsläufig hervorgehen wird. Jüdische Zeitschau Das Theater des Kulturbundes deutscher Juden eröffnet. Das rheater des Kulturbundes deutscher Juden w urde am I. Oktober mit einer Aufführung von Leasings „Nathan der Weise" eröffnet. Der Abend zeugte in seiner von nervös übersteigertem Premierenfieber und müder Resignation gleich weit entfernten Stimmung, in der hingebungsvollen Leistung der Darsteller und in der ernsten Aufnahmebereitschaft und Aufgeschlossenheit des Publikums, von dem rieten Willen der im Kulturbund zusammengeschlossenen, Spielende und Schauende einigenden Theatergemeinde, auch in einer Zeit innerer und äußerer Not und in ihr erst recht die W erte echter Kunst wie bisher zu pflegen und an ihnen Stütze und Erhebung /u finden. Mit Recht konnte der Vorsitzende des Kulturbundes, Intendant Dr. Kurt Singer, in seinen einleitenden Worten darauf hinweisen, daß wohl noch niemals das Oben und Unten im Theater, Huhne und Zuschauerraum, so miteinander verschmolzen gewesen seien, wie in diesem rheater und bei dieser Aufführung, in der Juden für Juden spielen und jedes von der Huhne gesprochene Wort an gemeinsames Schicksal anklinge. Es sei die Aufgabe des Kulturbundes, erklärte Dr. Silier, aus dieser Schicksalsgemeinschaft eine Arbeitsgemeinschaft zu machen. Er schilderte die mühselige Arbeit, die dem Zustandekommen dieses jüdischen Theaters vorangegangen ist. sagte den Künstlern und Arbeitern, die in tage- und u ichtelangen Proben die erste Aufführung im Theater des Kulturbundes vorbereitet haben, seinen Dank und dankte auch der Regierung für ihr wohlwollendes Entgegenkommen, durch das die Begründung dieser Pflegestätte von Kunst und Kultur erst ermöglicht worden ist. „Wenn der Vorhang über dem Bilde eines einsamen luden gefallen sein wird," schloß Dr. Singer seine Ansprache, ..dann nehmen Sic den Eindruck mit sich, dalf wir aus der Einsamkeit zueinander gefunden haben, wir Juden in Deutschland, wir deutschen Juden!" Du Aufführung, von einem harmonisch abgestimmten Ensemble getragen, und stellenweise. Insbesondere in der Ringerzählung, zu mitreißender Kraft sich steigernd, fand den stürmischen Heifall des vollbesetzten Hauses In den Problemstellungen einer verflossenen Geistesepoche suchte und fand das Publikum Analogien zu seinen I Erleben in dieser Zeit und folgte dem Spiel mit innerer Anteilnahme auch da, wo Handlung und Diktion neueren Auffassungen nicht mehr I ganz entsprechen können. Der großen Leistung Kurt Katschs a - I Nathan reihte sich das Spiel Martin Brandts (Sultan), Küthe Foerdei- I (Recha), Ernst Lennarts (Tempelherr), Martin Woifgangs (Kloste . t bruder), Frit/ Lions (Patriarch) und der Übrigen Darsteller (Jein Schaffer, Lüh Kann, Frit/ Wisten, Fred Alexander, Heinz Schonfeld, I Max Koniuski, Klaus Hrill) würdig an. Nach dem siebenten Bild un i I am Schluß des Stückes wurden die Darsteller, der Regisseur Dr. Ka i § Loewenberg und Hein/ Condeil, der das Bühnenbild entworfen hatt- I immer wieder an die Wampe gerufen. Der Erfolg des Abends lälit erwarten, dall der Kulturbund den1- I scher Juden, der schon heute über eine ansehnliche Mitglicder/a verfügt, immer w eitere Kreise des kunstliebenden jüdischen Pub: kums Berlins um sieh sc haren vv ird. In der Pause hatten die H< 1 sucher Gelegenheit, die im Foyer und in den Umgängen des Theaters ' der Kulturbund hat das Berliner Theater in der Charlottenstral für seine Zwecke geschmackvoll adaptiert untergebrachte Aussu hing jüdischer Kunstler, die von Pro;. Eugen Spiro und Dr. Max 0 £ bom geleitet wird, und Bilder und Zeichnungen von Max Liebe mann, Mark Chagall, Arno Nadel, Jakob Steinhardt u.v.a. enthält, I zu besichtigen. Nichtarische Krießerwitwen verbleiben im öffentlichen Dienst. Du- I Reichsregierung hat in Abänderung des Berufsbeamtengesetzes b ■ -chlossen, daß der Arierparagraph für solche weiblichen Beamte . Angestellten und Arbeiterinnen in Öffentlichen Betrieben, deren Ehe- I männer im Weltkrieg gefallen sind, keine Anwendung finden darf. I Die Reichsregierung hat ferner beschlossen, daß vom Arlerparagraphcn J weitere Ausnahmen in Einzelfällen vom Reichsminister des Innern im I Einvernehmen mit der zuständigen obersten Weichs- oder Lande; behörde dann gemacht werden können, wenn dringende Rücksichten I der Verwaltung es erfordern. (JTA.) Der Reichswirtschaftsminister gegen die Roykotticrung nichtari- I scher Firmen. Wie der Parlamentsdienst der T.U. meldet, hat du I Weichswirtschaftsminister einen Erlaß an den Industrie- und Handels- I tag gerichtet, in dem er gegen die Boykottierung nichtarischer Finnen I Stellung nimmt. In dem Erlaß heißt es u.a.: „Eine Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen oder I nicht rein arischen Finnen innerhalb der Wirtschaft, insbesondere b I dem Eingehen ge chäftlicher Beziehungen, halte ich nicht für durch- » fuhrbar. Line solche Unterscheidung mit dem Zwecke einer Boykotte I rung nichtarischer Finnen müßte notwendig zu erheblichen Störung) n E des wirtschaftlichen Wiederaufbaus fuhren, da ungünstige Rückwirkun- ( gen auf den Arbeitsmarkt durch ßetriebselnschränKungcn der von dein | Boykott betroffeneu Firmen und nachteilige Folgen für die Lieferanten dieser Finnen und deren Arbeitnehmer unvermeidbar wären . Im übrigen bin ich ebenso wie der Herr Reichsminister für Volk t aufklirung und Propaganda der Auffassung, dalt keine Veranlassui \ besteht, gegen eine Firma vorzugehen, solange ihre Inhaber nicht gegen! gesetzliche Vorschriften oder gegen die Grundsätze der kaufmännisch I hre verstoßen." Sicherung der elementaren .Menschenrechte. Der Delegierte von I Haiti Frangulies hat in der letzten Plenarsitzung der Völkerbunds-1 Versammlung den von ihm angekündigten EntschließungsentwurJ he-1 treffend ein die elementaren Menschenrechte der Einwohner all r I Staaten garantierendes internationales Abkommen eingebracht. In dem I Entwurf werden die Grundsätze der Gleichheit aller Bürger ohm I Unterschied von Wasse, Sprache oder Weligion vor dem Gesetz iu"l | des staatlichen Schut/es von Leben und Freiheit bekräftigt. Anläßlich I der Ankündigung dieses Entschließungsentwurfs wurde auch mitgetei t I dall der Antrag des Delegierten von Haiti außerdem die Einsetzung I einer internationalen Körperschaft zur Regelung der Angelegenheit; I solcher Personen vorsehe, die w eiten ihrer Zugehörigkeit zu Minder-1 heitengruppen ihre Heimatländer verlassen. Ob diese Forderung ml endgültig textierten Entschließungsentwurf enthalten ist, geht aus <L n I letzten Meldungen nicht hervor. W ie aus Völkerbundskreisen mitgeteilt I wird, ist die deutsche Delegation, die zunächst Bedenken gegenii1 : I dem vom holländischen Außenminister de Oraeff der Völkerbun -■ I Versammlung vorgelegten Lntschlieliungsentwurf betreffend die Plücht- I lingsfrage hegte, nunmehr geneigt, einer Regelung dieser Frage m I Sinne des holländischen Antrages zuzustimmen. Juden in Ungarn: 600 Jahre vor der Landnahme durch die I Magyaren. Hei Erdaushchungcii im Garten des Fürstprimas in Oral I wurde ein jüdischer Grabstein aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. I gefunden. Fachgelehrte stellten fest, dall sieh an der betreffenden I Stelle des Oartens eine Beerdigungsstätte für jene Juden befand, dir I mit den Römern nach Pannonien, dem heutigen Ungarn, gekommen I waren. Es waren dies Nachkommen jener Juden, die Titus nach I der Zerstörung Jerusalems als Gefangene nach Rom brachte und I die sich später auf die verschiedenen Kolonien des römischen Reicht | verteilten. Wie die Ausgrabungen in Gran zeigen, gab es bereif I 600 Jahre vor der Landnahme Ungarns durch die Magyaren in diesen I Gebiete jüdische Niederlassungen. Unsere Gemeinde. | Festtage in Bad Dürrenberg. Aus Bad Dürrenberg wird uns [ schrieben: Nachdem infolge der ungünstigen Zeitverhaltnisse das vom! hiesigen Gemeindeverein seither abgehaltene Minjan eingestellt werdell mußte, war es fiir alle hies. jüdischen Einwohner eine wahre FreUW I dall an den Feiertagen in den Räumen des Alfons Jacobson-Hcim^ I ein Gottesdienst abgehalten wurde. Damit wurde die jiid. Haushal-■ tungsschule für diese Tage der religiöse Mittelpunkt des Dürren-■ berger jüdischen Lebens. Nur der aufopfernden Tätigkeit des Herrn I Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!