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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-10-05 · 40 (5.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
40 (5.10.1933)
Date
1933-10-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4500 Stück ßeraeuiö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEI N DE ZU 1 JELI 07\fZm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT 1«L Ii XmIV7 DER GEMEINDEVERWALTUNG« chrlftleitunj»: GcmeiiKierahbiner Gustav Cohn Leipzig, ter lUümcl-Sir. 10. Nachdruck nur mit Quellenangabe i mit Oenebnigung dea Verfaaacri gestattet« Nummer 40. ■ Jahrgang 9 5. Oktober 1933 Am ci gen an nähme: K. Ooldfrcund, I eip'ig O 5, Cichoi iusstraße 2a, Famaprccbef Nr. 6<)7 71. Druck: Druckerei der VC'crkjjcnu'inschafl, Lvlpaig C 1* Arbeitsgemeinschaft aller jüdischen Flüchtlingskomitees. seil etwa sechs Monaten vollzieh) sich die jüdische I inigration Deutschland ziellos, ungeregelt, und immer noch Eibl es keinen ganisatorischen Rahmen, um diesen Strom ratloser Menschen auffangen, ihn in geordnete Bahnen zu lenken und die einzelnen iigsfamilicn und I lüchtlingsgruppen an einen Platz zu bringen, villi in einen Wirtschaftskörper eingliedern und Wurzel fassen ten. Die Weizmann-Aktion zui Scßliaitmachung deutscher Juden ii Palästina ist bisher der einzige konstruktive Plan aul weite Sicht, er beantworte) nichl den ganzen Fragenkomplex, der außerordent- : komplizier) und schicksalhaft ist. I >u Qenter jüdische Wertkonrenz hat sich /war Berichte vorlegen lassen, ha) abei keine Zeil funden, auch über eine einheitliche konstruktiv« Aktion zu beraten. ■ bleibt denn die Tätigkeil der Hilfskomitees in iU-ii verschiedenen indem wie bisher daraul beschränkt, dafi jedes für sich Unterützungsgelder sammell und verteilt, ohne daß etwas zui Linderung r immer auswegloser erscheinenden I .ilhgeschieht. Wni': es so sein? Oibt es nichl in jedem Lande Möglichkeiten, um 1 Emigranten aus dem Zustand dei Deklassiertheit, unter dem sie elisch und materiell leiden, herauszubringen, sie wieder sozial cinzuiedera, indem man Ihnen zu einei selbständigen wirtschaftlichen asten/ verhilft? Ja, solche Möglichkeiten yibi es wohl überall, allein übersteigt die Kräfte der einzelnen, isolier) arbeitenden Landesimitees, weitgespannte Aktionen im eigenen beschränkten Wirkung»- is durchzuführen. Hier müßte eine Arbeitsgemeinschaft der Hillsmitees in den verschiedenen I ändern eingreifen, entsprechende ine ausarbeiten, die Aktionen finanzieren und überwachen. Diese Uedanken entwickelten zwei Führerinncii dei jüdischen rrauen in der Tschechoslowakei, die jetzt mii an der Spitze dei Fliichtlingshilfswerki stehen, Iran Professor Mauna Steinci und Iran uir Si'hmolka, in einem Qespräch mil dem JTA-Vertrcter, der sie ■ di r Prager Flüchtlingshilfszentrale aufsuchte. Wirft mau einen Blick ' die Räume dicsei FTüchtlingszentrale, die ausgefüllt sind mit Menden jeden Alters und Oeschlechts, den verschiedensten sozialen und tcllektuellen Schichten angehörend, die alle schon in ihrem äußeren iabitus die Spuren jenes Sturmwinds tragen, der sie aus ihren alten 'rwurzelungen riß, ■■u versteh! man, daß Prag der Orl ist, an dein lehr aU anderswo dii Flüchtlingssache vollei akuter Probleme steckt. Die Qrenze zwischen Deutschland und der rschechoslowakci ist eine er längsten, die es zwischen zwei Staaten gibt Hierher flüchten in lassen gerade diejenigen, denen es an Mitteln fehlt, weitere Ziele '! suchen. Iran Prof. Steine) und Iran Schmolka bitten den Jl V-Vcrtreter, n Mißverständnis richtigzustellen, das sich aus dem Berich) der unter Weitkonferenz ergeben könnte, Die in diesem Bericht geinnte Zahl von 956 Flüchtlingen hi> 20. August bezieh! sich nichl il die ganze rschechoslowakei, sondern allein auf Prag. I|; der >chechoslowakei dürften sich etwa 5000 unterettitzunKsbedürftige lüchtlinge aufhalten. Auch stimm) is »treffenden Flüchtlingen etwa 70 i»wandern. In letzter Zeil ziehen es t inglich Osterreich gewesen war, vor ■ iben, ebenso viele, die nach Polen oder ändere Flüchtlinge bleiben, weil ihnen di< mihi mihi, dal! von ihn hier in entfernter liegend« I inder I!. I migranten, deren Ziel anin der Tschechoslowakei zu Rumänien gehen wollten, westeuropäischen I linder md, vorläufig noch, Palästina versperr) sind. So kommt es, dan ein Land mit beschränkterem Aufnahmeraum und schwächeren Mitteln mit einer weil größeren Zahl unmittelbar notleidender laui^rauten hcastel ist;ils /. B. Linder wie Frankreich, England, die Schweiz, Holland, die weniger stark überflutet und zudem das Ziel von Wan lerem mit eigenen Mitteln sind. Hauscha no. /l//.s dem Oebeti des Succosfestes Hilf doch! Um deinetwillen, du unser Qott, hilf dock! Um deinetwillen, du unser Schöpfer, hilf doch! I 'm deinetwillen, tlu unser Erlöser, hilf doch! I 'm deinetwillen, du unser Rewakrer, hilf doch! Wie du tin*t den Lauteren (Israel) uu* dem Hanse der Knechtschaft hti/t*t s<> dm< sie dir, Gnädiger, ihren Dienst weihen konnten sc hilf auch uns ' Wie tlu einst denen halfst, die in den Wogen des gespaltenen Meeres versunken wären, ••<> dmi siedeinen Olant mit sich führen konnten so hilf auch uns! Wie du einst mit der Verheißung halfst: ick führt euch hinaus, dessen gewiß, daß sie dich mit sich führen würden so hilf auch uns.' Wie tln einst denen halfst, die um deinen Altar sieh scharten, den Feststrauß tragend, den Altar umkreisend so hilf auch im*.' Wie tlu einst denen hoffst, die deine l ehre wakrten, auf Hilft harrten ran dir, Qott der Rettung s(> hilf mich uns.' Hilf deinem Volke und segne, die dein eigen sind, und weide sie und trage sie kis in I wigkrit. Möchten dock diese Worte, die ick in innigem Fleken gebetet habe rar dem Ewigen, unserem Qott, ihm nake sein hei In» und bei Xtichi, iltn> /*■ das Reckt seim* Knechtes untl tlu* Reiht seines Volkes Isuiel wahre Tag für Tag: damit alle Völker der Erde erkennen, daß der Ewige Qott ist. keiner sonst. (Psalm 2S, untl I. Kto. t, ) Also Zentralisierung des i migrantenhüfwerks? Schaffung etwa einer Zentralkassc /um Ausgleich dei gegenseitigen Lasten? Nein, das ist nicht d.is wesentliche. Die beiden Führerinnen peinlich darauf bedacht, nicht als Pläneschmiede /u erscheinen. Wa vor allem nottut, ist die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft allei Flüchtlingshilfskomitees; und auch diese nicht, um sieh gegenseitig die momentanen lasten abzunehmen d.i~ Prager Hilfskomitee wird bis auf weiteres mit den ihm obliegenden, wenn auch immer drückender werdenden Aufgaben der sofortigen Hilfe au die Flüchtlinge schon fertig zu werden wissen sondern um Erfahrungen auszutauschen, eine Übereinstimmung du Aktionen herbeizuführen, schließlich um gemeinsam über einen Wan konstruktiver Hilfe aul weitere Sicht zu Beraten: nämlich wie mau du- Emigrantenfamilien und ihre Kinder aus der sie niederdrückenden und demoralisierenden ausweglosen Situation herausbringen und sie in die arbeitende Qesellschafl wiedei einreihen konnte. In dei Tschechoslowakei / Ii. gibt es nach dicsei Richtung hin verschiedene Möglichkeiten. Sie müssen bei unseren Inserenten kaufen!

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