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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-05-05 · 18 (5.5.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
18 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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5. Mai 1933 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seile 3 der Professor für pathologische Anatomie Schorr, sowie der von Juden abstammende Mikrobiologe Professor Nadsohn, alle drei von der Universität Leningrad, wurden durch Verleihung des Titels „Verdienstvolle wissenschaftliche Arbeiter" ausgezeichnet. Der Besitz dieses Titels, der zu den höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Sowjetunion gehört, ist mit gewissen Privilegien verbunden. Professor Njemenow ist Gründer und Leiter des Leningrader Instituts für Röntgenologie und Radiologie. Er hat das Institut vor 15 Jahren eingerichtet und als erster die Bestrahlungstherapie in Sowjetrußland eingeführt. Seit Bestehen der dem Institut angeschlossenen Klinik haben dort 10500 Kranke, im letzten Jahre allein 1100 Kranke Heilung gefunden. Die wissenschaftlichen und klinischen Methoden des von Professor Njemenow geleiteten Instituts haben auch außerhalb Sowjetrußlands hohe Anerkennung gefunden. — Professor Schorr ist einer der bedeutendsten in Rätcrußland lebenden Forscher auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie, Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Werke und Lehrbücher. — Professor Nadsohn ist Begründer einer neuen Richtung der allgemeinen Mikrobiologie, Verfasser von über 150 wissenschaftlichen Arbeiten und Lehrer einer Reihe sehr bekannter Mikrobiologcn. Wieviel Mischstämmige gibt es? In der „Voss. Ztg." vom 23. April wirft Prof. Dr. Max WaUmüller, München, die vorstehende Frage auf. Er betont dabei, daß er selber urdeutscher Abstammung ist, und hebt hervor, daß einer seiner Urgroßväter einem altpreußischen Grafengeschlecht angehörte, und führt dann aus: Der in dem neuen Bcamtengesetz gebrauchte Ausdruck „nichtarisch" bedarf näherer Bestimmung durch den Gesetzgeber. Bisher war von zuständiger Stelle nur mitgeteilt worden, daß für Finnen und Ungarn die gleichen Bestimmungen gelten wie für Arier, und daß unter „Nicht-Arier" außer den Juden evtl. noch Personen mit negroidem Einschlag oder mongolischem Blut fallen würden. Unter „arischer" Rasse versteht die Wissenschaft nur die sonst auch „nordisch" oder „nordeuropäische" oder „germanisch" genannte Rasse, den sog. Homo europaeus (nach Linne). Es ist nun aber Gemeingut jeder Rassenlehre, daß weite Kreise und Landschaften unseres deutschen Volkes nicht zu dieser arischen Rasse gehören, sondern entweder zur „Dinarischen" oder zur „Alpinen" oder zur „Mittelmeer-Rasse". Namentlich die (aus Vorderasicn stammende) „Dinarische" Rasse ist in Deutschland weit verbreitet und bildet in Süd-, Mittel- und Ostdeutschland vielfach sogar den Grundstock der ganzen Bevölkerung. Auch die „Alpine" Rasse, die mit den Mongolen als stammverwandt gilt, hat einen Teil Süddeutschlands besetzt. Und ein Gleiches gilt von der Mittelmeer-Rasse. Im Osten Deutschlands, namentlich in Ostpreußen, spielt dazu noch die „ostbaltische" oder „helle Ostrasse" eine große Rasse. Alle diese Einwohner, obgleich nicht arisch, fallen selbstverständlich nicht unter das Beamtengesetz. Ein neuer Ausdruck wäre hier zweckmäßig. Bedenklich scheint es auch, die Feststellung arischer Abkunft von ehrenwörtlichen Erklärungen der Studierenden abhängig zu machen. Denn es ist eine bekannte Tatsache, daß infolge der modernen Freizügigkeit sehr viele Enkel ihre Großeltern nie gesehen haben und überhaupt nicht viel von ihnen wissen. Hinzu kommt, daß gerade bei jüdischen Mischehen die Enkel ohne Kenntnis ihres jüdischen Bluteinschlages aufzuwachsen pflegen, in vielen Fällen sogar die Kinder. Auch ist zu bedenken, daß viele urechte Deutsche infolge des obenerwähnten Dinarischen oder Alpinen oder Mittelmeer-Bluteinschlages einen judenähnlichen Kopftypus aufweisen, und andererseits auch bei Juden infolge des nordisch-arischen Bluteinschlages, der seit früherer Zeit eine der fünf Komponenten der jüdischen Mischrasse ausmacht, arische Typen vorkommen. Das Aussehen kann sehr täuschen. Das Verlangen der „Vorlage von Urkunden" wird bei Mischstämmigen nicht immer zum Ziele führen. Denn bisher wenigstens haben die Behörden lediglich die Staatsangehörigkeit und die Religion beurkundet, aber über die Rassezugehörigkeit nichts ausgesagt. Es müßte also Klarheit darüber geschaffen werden, ob Religionsnachweise als genügend für die Zugehörigkeit zum Deutschtum gelten. V. Kongreß des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden des Königreichs Jugoslawien. Anfang April fand in Beograd der 5. Kongreß des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden statt. Die Beteiligung war eine noch nie dagewesene. Sämtliche Kultusgemcinden waren durch insgesamt über 200 Delegierte vertreten. Auch die Rabbiner fast aller Gemeinden waren erschienen. Der König hatte seinen Per- V. M Wr > >»' wrJttQffetv brauchen Sie nicht zu haben, wenn Sie Ihre Pelzgegenstände der Kühltransit-A.-G. Leipzig, Brandenburger Straße 16B zur mottensicheren Aufbewahrung abtrieben. Bei einer Riuntemperitur von 5-6» C unter Null werden Motten abgetötet. Die niedrige Temperatur verhindert das Auttrocknen der Fettsubitam der Felle. Die Felle bleiben porös und geschmeidig- 1),s ,ür die Haltbarkeit der Pelze schädliche Klopfen, sowie die Anwendung listiger Mottenschutzmittel unterbleibt. Die Reinigung und Verwahrung der uns abergebenen Waren erfolgt durch einen Kürschner. Kostenfreie Abholung und Zustellung, geringe Gebühr, Versicherung eingeschlossen. sonaladjutanten entsandt, auch die Ministerien und die Stadt Beograd waren vertreten. — Das wichtigste Moment, das sich bei diesem Kongreß zeigte, war die große Beteiligung der jüdischen Jugend. Aus ihren Reden erhellte, daß die Jugend auf jüdisch-nationaler und zionistischer Basis steht, daß sie aber auch den Wunsch hat, an der Führung des Verbandes der jüdischen Kultusgemcinden mitzuwirken. Ihre Forderungen erstrecken sich auf die Pflege der Jugendarbeit, Berufsuinschichtung, Kolonisation in Palästina, Förderung der Auswanderung, zunächst jener der Gärtner in Südserbien, speziell in Bitolj. — Drago Steiner trat für die Gleichberechtigung der jüdischen Frau ein. Auf seinen Antrag wurde den Gemeinden empfohlen, das aktive und passive Frauenwahlrecht einzuführen. — Der bisherige langjährige Präsident des Verbandes, Dr. Hugo Spitzer, der sich seines hohen Alters wegen von der aktiven Tätigkeit zurückgezogen hat, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. In seinem Schlußwort betonte der 1. Vizepräsident der Zagreber Kultusgemeinde, Dr. Lagoslav Sik, den großen Erfolg des Kongresses: die Einheit des Judentums habe sich gerade eben wieder glänzend manifestiert, ohne Unterschied, ob es sich um Aschkenasim oder Senhardim handelt, ohne Rücksicht auf die verschiedenen religiösen und jüdisch-nationalen Färbungen. Nach ehrenden Worten für den neuernannten Ehrenpräsidenten, Dr. Hugo Spitzer, regte er die Gründung eines „Dr. Hugo Spitzer-Fonds" an, die dem Aufbauwerk in Palästina dienen soll. Der Vorschlag fand lebhafte Zustimmung; die Gemeinden sicherten sofort erhebliche Beiträge für den Fonds zu. Sie können sidier etwas davon gebraudien... 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