Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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90. März 1033 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 lose Aufopferung von Angehörigen allor Konfessionen zum Wohle des deutschen Vaterlandes. Reichspräsident Ilindenbnrg an eine Kriegermutter. Dem „Israelit" wird „von zuverlässiger Soite" berichtet: Aus tiefster Erbitterung Uber die gegen die Juden Deutschlands von antisemitischer Seite ausgestossenen Schmährufe und Beleidigungen, schrieb kürzlich eine judische Witwe in Berlin einen Brief an den Herrn Reichspräsidenten von Hindonburg. In dem Schreiben heißt es, daß sie im Weltkriege droi Söhne verToren hat, und daß auch ihr Mann kurz darauf aus Gram Uber den Verlust soiner Kinder gestorben ist. So ist es natürlich nicht nur ihr ergangen, sondern so ist es vielen jüdischen Familien ergangen, dio ihro Söhne auf dem Schlachtfeld« des großen Krieges haben zurücklassen müssen. Sie fragt nun den Herrn Reichspräsidenten an, ob sie, und mit ihr die ganze Judenheit Deutschlands sich heute Beleidigungen wie „Jude vorrecke" und ähnliche Ausdrucke anhören müssen. Ob das der Dank dafür ist, daß Tausendo im Kampf für Deutschland gefallen sind? Der Reichspräsident hat darauf den Empfang des Schreibens bestätigt, indem er mitteilte, daß er dafür Sorge tragen wird, daß keine Ungerechtigkeiten gogen deutsche Staatsbürger, welcher Konfession mo auch angehören, ausgeführt werden. Weiter teilte der Herr Reichspräsident noch mit, daß er den Brief (der jüdischen Witwe) weiterleben wird. Jrsse Isidor Stians Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich. Präsident Franklin D. Roosevelt hat Herrn Josse Isidor Straus ran Hotschaftor der Vereinigten Staaten in Frankreich ernannt. Josse Isidor Straus ist t In ««b* das bei der „Titanio"Katastrophe ums Leben gekommenen Isidor wd ein Neffe des verstorbenen Diplomaten Oscar Straus und >rbeuen großen jüdischen Philanthropen Nathan Straus. Je- Lei Straoa ist Leitor der riesigen Macey- Warenhäuser in New Vi ,i um] Vorsitzender der New Yorker Handelskammer. Er und Henry Morgemiiau jr., Sohn des früheren Botschafters der Vereinigton Staaten in der Türkei und Vorsitzenden der Völkerbundskommission für Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge Henry Morgenthau, wurden sofort nach der Wahl RooBevelts zum Präsidenten der Vereinigten Staaten als Anwärtor für Regierungsposten in Itooeevolts Kabinett genannt. Man erwartete, daß Josse Isidor Straus zum Handelsministor ernannt werde, ein Amt, welches sein verstorbener Onkel Oscar Straus unter dem verstorbenen Präsidenten Theodore Roosevelt bekleidet hatte. Statt dessen wurde nun Jesse Isidor Straus zum Botschafter in Frankreich ernannt Henry Morgenthau jr., in dem man den zukünftigen Landwirtschaftsminister sieht, wurdo vor einigen Tagen vom Präsidenten Roosevelt zum Vorsitzenden des Föderal Farm Board ernannt. Ein Bruder von Jeeso Straus, Perey Seiden Straus, ist Präsident der jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft (Jewteh Agrioultural Society). Ein jüdischer Lehrstuhl an der Universität Dorpat. Die Regierung von Estland, die den in Estland lebenden etwa 5000 Juden eine eigene Kulturautonomio gegeben hat, gewährt nun auch der judischen Wissenschaft ein Asyl, indem sie der Errichtung, eines Lehrstuhls fUr .iudaistischo Wissenschaften an der Universität Dorpat zustimmte. Der langjährige Dekan der Theologischen Fakultät an der Universität Dorpat und mehrjährige estnische Volksbildungsministcr ) rof. Dr. theol. Rahamägi hatte sich im September 1929 an die Verwaltung der jüdischen Kulturautonomie mit der Aufforderung gewandt, sich mit der Verwaltung der Dorpater Universität wegen Schaffung eines Lehrstuhls fUr judaistischo Wissenschaften an der Philosophischen Fakultät in Verbindung zu setzen. Im April 1930 wurde eine „Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wissenschaft an der Universität Tartu (Dorpat)" gebildet. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr J. Blumenfeld, besuchte die Nachbarländer und Deutschland, wo er mit Persönlichkeiten wie Prof. Albert Einstein, Prof. Simon Dubnow, Leo Motzkin, Prof. Heinrich Loewe, Prof. Ismar Elbogen, Prof. Ootthold Weil und Prof. Eugen Mittwoch in Verbindung trat Am 31. Mai 1932 nahm der Universiiiitsrat in die „gesetzlichen Verordnungen" die Bestimmung auf: Der Lehrstuhl für jüdische Wissensehaften gehört zu den wissenschaftlichen Lehrfächern der Philosophischen Fakuiiät. Studenten der Philosophischen Fakultät können Zweige der jüdischen Wissenschaft als Hauptfach wählen und in diesen Wissenschaften akademische Grade (Magister, Doktor) erwerben. Studenten arderer Fakultäten können die judischen Lehrfächer belegen und in ihnen Examina ablegen. Absolventen ausländischer Universitäten haben die Möglichkeit in den judaistischen Fächern einen wissenschaftlichen Grad zu erhalten. Das Programm des Judaistischen Lehrstuhls umfißt Alt- Hebräisch, Neu-Hebräisch, Jiddisch in Sprache, Literatur und Historie, ferner biblische Wissenschafton, Aramäisch, Syrisch, Arabisch, die alten religiösen Schriften wie Mischnu, Talmud, Midrasch, Bibel- Kommentare, mittelalterliche Philosophie, synagogaio Poesie usw. Wie alle Fächer der Philosophischen Fakuiiät sind auch die jüdischen Fächer in eine Unter-, Mittel- und Oberstufe eingeteilt für jede Stufe sind eutsprechondo Seminarübungen vorgesehen. Am 28. Juni 1032 wurden dieso Beschlüsse dos Universitätskollegiums durch das Volksbildungsministerium bestätigt. Der Lehrstuhl wird eröffnet werden, sobald dio entsprochenden Geldsummen von jüdischer Seite aufgebracht sein werden. Da dio kleine estnisch-jüdische Gemeinschaft hierzu allein nicht in der Lage ist, wird geplant, sich an dio Judenheit in anderen Ländern um teilweise Finanzierung des Lehrstuhls zu wenden. Man hofft auf Zuzug jüdischer Studenten aus dem Auslande, da in Estland die Lebenshaltung sehr billig ist und ausländische Studenten gern gesehen werden. In don größeren europäisch-jüdischen Zontren haben sich bereits Hilfskommitees zur Unterstützung des jüdischen Lehrstuhls in Dorpat gebildet. (JTA.) Unsere Gemeinde. Hinein in den R.j.F.! Der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" veröffentlicht folgenden Aufruf: Die jüdischen Kriegsteilnehmer, die in den Jahren des Weltkrieges treue Kameradschaft mit den Frontsoldaten aller Konfessionen gehalten haben, dürfen diese Kameradschaftlichkeit auch heute nicht vergessen. Ebenso aber müssen sie in kameradschaftlicher Gesinnung — und das ist gerade in diesen Tagen ihre Pflicht — zu ihren jüdischen Frontkameraden und allen ihren Glaubensgenossen stehen. Wer darum dem Rciclisbund jüdischer Frontsoldaten noch nicht angehört, der vollziehe sofort seinen Eintritt. Anmeldungen von Mitgliedern und Förderern erbitten an: Harry Hirsch, Leipzig N 22, Wilhelmshavoner Str. 8a. Moaus Chitin. Der Ausschuß gibt hierdurch bekannt, daß den Gesuchstellern rechtzeitig Nachricht zugeht wann die Mazzozuteilung erfolgt An die jüdischen Frauen. Von einigen Damen geht uns folgende Zuschrift zu: „Veranlaßt durch die doppelte Schwere der Zeit in wirtschaftlicher wie auch in religiöser Hinsicht, sehen wir uns veranlaßt wenn auch vorläufig nur versuchsweise, eine 3. Klasse in der „Mikwc" zu 0,30 RM. einzuführen. Durch Bereitstellung privater Mittel und durch die Mithilfe derer, die die besseren Klassen benutzen, hoffen wir, diese Neuerung beibehalten zu können, und geben wir somit einem jeden Gelegenheit, diese vornehmste Mizwo der judischen Frau erfüllen zu können. — Gleichzeitig wenden wir uns an euch und erbitten eure Mitwirkung zur Erhaltung einer hochheiligen Thora Vorschrift deren Erfüllung in erster Linie euch zukommt und die in Gefahr ist in weitesten Kreisen verloren zu gehen." JUdische Hauspflege. Der JüdischeFrauenbund, Ortsgruppe Leip zig, weist darauf hin, daß er bewährte Hauspflegerinnen für alle die Fälle empfehlen kann, in denen die Hausfrau erkrankt ist oder eine Vertretung der Hausfrau benötigt wird. Zu erfragen: Gemeindeamt, Löhrstr. 10, Tel. 21382, Frau Leni Emmerich, Tel. 12298. Amtliche Bekanntmachungen. Schulschlußfeier der Religionsschule I. Am Sonntag, 2. April 1933, findet vormittags 11 Uhr, pünktlich, die Schulschlußfeier in der Gemeindesynagoge statt. Hierzu werden alle Gemeindemitglieder eingeladen. Leipzig, don 17. März 1933. Der Direktor. Rabbiner Dr. Ooldmann. Beginn des Unterrichts in der Religionsschule I. Der Unterricht für das neue Schuljahr beginnt: a) in der Hauptschule am Mittwoch, 19. April 1933, 15 Uhr, im Schulgebäudo der 32. Volksschule, Vorkstraße 2—4; b) in der Ostschule am Donnerstag, 20. April 1933, 15 Uhr, im Schulgebäude der 10. Volksschule, Täubchenweg 2; KOSCHER FUR PESSACH Unentbehrlich heute wie vor 30 Jahren! TOMOR Mandelmilch Pflanzenmargarine enthält Iceine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicher Brotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer AusgiebigkeitI wV TOMOR in PALMIN *Ar XÄ KOSCHER ▼ 108 TPK Uli ▼