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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-03-24 · 12 (24.3.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
12 (24.3.1933)
Date
1933-03-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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24. März 1933 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 stündiger Unterbrechung fortgeführt werden konnte. Die SA-Uniformierten blieben bis zum Schluß der Aussprache im Saale. Dr. Ludwig Freund führte ungefähr aus: Der Reiclisbund jüdischer Frontsoldaten hat seit seinem Bestehen dlo Tradition dea Frontsoldaten, verbunden mit der für Frontsoldaten selbstverständlichen vaterländischen Gesinnung, gepflegt. Dabei hat er sich stets von allen parteipolitischen Tageskämpfen und -meinungen ferngehalten. Scino Grundsätze sind die alten geblieben. Nach wie vor will er der Aufgabe der Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen des deutschen Volkes dienen. Das Fronterlobnis ist die zugleich tragischste und sicherste Grundlage für die Wiederherstellung einer echten Volksgemeinschaft. Frontgomein&chaft war die Gemeinschaft aller, die in Aufopferung für die gemeinsame Sache doe Vaterlandes Kameradschaft übten bis zum Tode. Da gab es keinen Unterschied zwischen Christen und Juden. Alle trugen dasselbe Schicksal und standen zusammen im gleichen Kampfeswillen und in der gleichen Opferbereitschaft. Wir können in Deutschland nur zur echten Volksgemeinschaft gelangen, wenn wir dieselben Kräfte, die damals vor dem Feinde lebendig waren, wiedererwocken. Ein Volk kann nur siegreich sich durchsetzen im friedlichen und im kriegerischen Wettbewerb der Nationen, wenn es im Innern den Frieden und die Einigkeit wahrt. Ks darf keine Unterdrückung und keine Zurücksetzung stattfinden gegenüber wertvollen Kräften der Nation, die zur Mitarbeit am Staat und an der Gemeinschaft drängen, und die man nicht entbehren kann. Die Judenfrage ist eine Angelegenheit, dio in der Theorie verzerrt wurde durch ungerechte Verallgemeinerungen. Es gibt im deutschen Judentum eine ungeheure Masse positiv zum Staat und zur Nation eingestellter Menschen, die man bisher nur nicht insgesamt für die Nation einzuspannen verstand. Die werlvollen Teile der deutchen Judcnhcit und insbesondere die jüdischen Frontsoldaten, die, genau wie ihre christlichen Kameraden, alles eingesetzt haben für die Nation, verlangen nicht Duldung, sondern Achtung. Sie empfinden es als größtos Unrecht daß man sie mit Schädlingen in einen Topf wirft. Man soll, wie bei allen Klassen, Gruppen und Konfessionen denen die Treue nicht brechen, die dem deutschen Volke in Not und Gefahr die Treuo gehalten haben. In der Ausspruche ergriffen acht niehtjiidische Vertreter verschiedener Frontkämpferorganisationen das Wort, die zum Teil recht l.cftige Angriffe gegen das Judentum richteten, .aber einig darin waren, daß man den Juden, da sie im Kriege Ihre vaterländische Pflicht voll erfüllt hatten, Gerechtigkeit zuteil werden lassen miiswe. Herr Paul Drescher von der Reiohsvoroinigung ehemaliger Kriegsgefangener betonte, den ehemaligen Kriegsgefangenen, die unter den anderen Völkern gelebt hatten, habe sich der lllick geweitet, und darum seien sie der Auffassung, dal» eine wahre Volksgemeinschaft auch die Juden nicht ausschliefen dürfe. Herr Otto Giesler, Vorstandsmitglied des Kriegervcrbandes Berlin, wies vor allem in seiner Eigenschaft als Ehrenmitglied des Kelonial-Veroins darauf hin, daß jüdische Kolonialfreiwillige aus -einem Freundeskreise ihr Leben für Deutachland da hinge geben hätten. Diesen Toten, ihren Witwen und Waisen, Bei das deutsche Volk schuldig, daß es die Juden nicht als Staatsbürger zweiter Klasse behandeln lasse. Alle Diskut-sionsredner erklärten, die jüdischen Frontsoldaten sollten sich nicht von ihren nichtjüdischen Kameraden absondern, sondern vielmehr Mitglieder der allgemeinen Krieger- und Regimentsvereine werden, wo ihre Mitgliedschaft durchaus willkommen sei. Nach einem Schlußwort von Dr. Freund endete die Veranstaltung mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes. Die Veranstaltung wurde vom Vorsitzenden der Berliner Ortsgruppe des P. j. F. Dr. London geleitet, der die Gäste auch im Namen dos im Saale anwesenden Bundssvorsitseuden des R j. F. Dr. Löwenstein begrüßt«'. Unsere Gemeinde. Isr. Kindergarten (Tngrshciin). Für den 15. März 1933 hatte der Isr. Kindergarten seine Mitglieder zu einer General-Versammlung gebe ton. Leider waren nur wenige Mitglieder dieser Einladung gefolgt. 41, 13 und 19 also insgesamt 73 Offerten gingen auf 3 kleine Anzeigen der letzten Nummer des Gemeindeblattes bei uns ein. Gibt es einen besseren Beweis für die Zugkraft der Anzeigen im Gemeindeblatt? Geben Sie Ihre kleinen Anzeigen nur ins Gemeindeblatt. Annahmestellen: Der Verlag, O 5, Cichoriusstr. 2a, Tel. 60771 M. W. Kaufmann, C 1, Brühl 8 Buchhandlung Schütze, Humboldstr. 26, Eingang Nordstr. Zunächst zeigte eine kleine aber vorzüglich zusaminengestell'e Ausstellung von Bildern und von Handfertigkeiten der Kinder das Leben und Arbeiten im Kinder-Garten. Nachdem die Anwesenden an den, durch Frühlingsblumen festlich geschmückten Kaffeetischen Platz genommen hatten, begrüßte Frau Bettina Brenner die Anwesenden. Im Anschluß daran gab Frau Helene l''elsenstein den Tätigkeitsbericht und Frau Liebergall den Kassen bericht des Vereins. Krau Neugasser und Frau Haas, als Kassenprüferinnen, bestätigten und lobten die mustergiltige Buchführung von Frau Liehergall. Frau Kecha Carlebach dankte dann im Namen der Mitglieder «lern Vorstand für dio geleistete Arbeit und sprach ihm die volle Anerkennung aller aus. Sie empfahl die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Einstimmig billigte die Versammlung diesen Vorschlag und, mit Dank für das geschenkte Vertrauen, na lim der Vor- Btand die Wiederwahl an. Da durch die sehr bedauerliche Übersiedlung von Frau Brenner nach ihrem neuen Wirkungskreis und den durch persönliche Gründe erfolgten Rücktritt einiger Mitglieder neue Kräfte im Vorstand nötig sind, empfahl Frau Carlebach, die Damen Dr. Kremnitzer und Dr. Liepmann neu in den Vorstand zu wählen. Beide Damen nahmen mit Dank die Wahl an. Nach diesem offiziellen Teil der General-Versammlung zogen mit strahlenden Gesichtern lfi Kinder des Kinder-Gartens In den Saal und unter der vorzüglichen Leitung der Jugendleiterin, Frl. v. d. Walde, führten sie mit kleinen Instrumenten die Begleitung einer Kinder- Symphonie vor. Die tadellos klappende Aufführung fand den größten Beifall. Zum Schluß sprach Frau Brenner noch die in der Einladung angekündigten Abschiodsworto. In der ihr eigenen, vernehmen und eindringlichen Art rief sie alle Frauen zur sozialen Arbeit auf und legte? zuletzt den Mitgliedern «las Wohl und Gedeihen des Kinder- Gartens sehr ans Herz. Es ist tief bedauerlich, daß zu der überaus gelungenen Veranstaltung so wenig Mitglieder erschienen waren. Sie hätten sich gewiß, ebenso wie die Anwesende**, über die anregenden Worte von Frau Brenner und die gezeigten Leistungen der vom Verein betreuten Rinder gefreut. KOSCHER FÜR PESSACH Unentbehrlich heute wie vor 30 Jahren! nos "W3 TOMOR Mandelmilch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicher Brotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! wA, TOMOR ▼ i« nera PALMIN KOSCHER 108 TPK 6-111

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