Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 10 (10.3.1933)
- Date
- 1933-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4876568-5968810-5969343--4627-4881713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10. März 1933 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 CT Sie speisen zu Mittag und Abend im KEMPINSKI BERLIN Bewirtschaftung: Dittrichring 19 Neu eröffnet: Restaurant und Kafffee / Kasino: Messe-Programm haben es Übernommen, für 1000 Kinder im Verlaufe der Wintermonato 1932/33 die erforderlichen Kosten zu tragen. Für die Verpflegung einer Anzahl von Zöglingen von Jeschiwoth in Polen, die in großer Bedrängnis waren, sowie für Verschickung kranker Zöglinge wurden Lteträge bewilligt. Zur Ausgestaltung einer Sommerforienkolonio in Siebenbürgen, in Tihuta, sowie zur Errichtung einer Sommerferienkolonie in Strunga, unweit Jassy, ferner zur Errichtung von Halbtageskolonien in Karpathorußland wurden Mittel zur Verfügung gestellt. Das Kinderhaus in Kowno, zu dessen Errichtung der Hilfsvercin auf Grund einer Sonderaktion 28 500 RM. beigesteuert hat, ist Anfang 1932 eingeweiht worden. Im ganzen wurden für die Jugendfürsorge 27 400 RM. ausgegeben. Seit Begründung des Hilfsveroins werden jüdische Schulen in Rumänien gefördert. Meist werden Handwerker- und Gewerbeschulen gestutzt. Zuschüsse erhielten ferner die jüdische Realschule in Haifa, die deutschen Sprachkurse an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, der deutsche Sprachunterricht in dem Lehrerinnenseminar des Misrachi zu Jerusalem, dio Realschule Tachkeraoni in Tel Aviv, eine jüdische Schule auf dem Balkan, das Krakauer Lehrerinnenseminar der Bcth-Jakob-Schulorganisation, ferner verschiedene Schulen in Polen. Im ganzen wurden für Schulen in verschiedenen Ländern aus dem James-Simon-Fonds und aus laufenden Mitteln des Hilfsvercins 19000 RM. verausgabt. An Studien -Beihilfen wurden 5015 RM. gewährt. Katastrophen: Unterstützt wurden die von der Überschwemmung in Soroca, Bcssarabien, Heimgesuchten, die Geschädigten bei der Brandkatastrophe in Kolno an der nordostpolnischen Grenze u. v. a. Dem Verband russischer Juden in Deutschland wurde zur Durchführung dringender Hilfsarbeit ein Beitrag von 2000 RM. gewährt. Dr. Wischnitzer gab dann ausführlich Bericht über die Tätigkeit der vom Hilfsverein verwalteten Haffkine -Stiftung zur Unterstützung von Jeschiwoth und führte aus: gemäß den Intentionen von Prof. Haffkinc sollen die Jeschiwah-Zöglinge auch ein handwerkliches Fach erlernen, um sich eine wirtschaftliche Existenz begründen zu können. Im September 1932 inspizierte Dr. Wischnitzer das Jcschiwahllilfswcrk in Rumänien. Die Aufwendungen der Hnffkine-Kommission beliefen sich i. J. 1932 auf insgesamt 41 750 RM. Mit dem Zitat aus der Mischnah: „Wer eine Seele in Israel am Leben erhält, der erhält eine ganze Welt" und dem Appell, dem Hilfsverein in seinem weiteren Hilfswerk beizustehen, schloß Dr. Wischnitzer. Seine Ausführungen wurden ergänzt durch einen eingehenden Finanzbericht von Dr. Sigmund Wassermann (an Stelle des am Erscheinen verhinderten Direktor M. Joachiinssohn). Auch Dr. Wassermann schloß mit einem Ruf un die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, den Hilfsvercin in die Lage zu versetzen, sein segensreiches Werk fortzuführen. Erste Dclcgierteittaguiig des Landesverbandes Mitteldeutschland C. V. Freunde des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aus dem Lande und den großen Städten, die zum Landes verband Mitteldeutschland de« C. V. gehören, traten in Halle o. d. S. zusammen, um die Referate des Syndikus Dr. Alf ml Wiener über die politische Lage, des Landesverbandssyndikus Arthur Schweriner Uber dio O. V.-Arbeit in Mitteldeutschland und des Vorsitzenden des Landesverbandes Dr. Felix Goldmann über die Arbeit des C. V. jogen den Boykott anzuhören und sich ferner in dieser ernsten Zeit darüber auszusprechen, wio dos Recht der deutschen Juden zu schützen sei. Das Wort Dr. Alfred Wieners: „In diesen Tagen gehört unsere große seelsorgerischo Aufgabe dem flachen Lande. Der C. V. wird alles tun, was in seiner Macht steht, um die Freunde auf dem Lande zu stutzen und zu schützen", war das Leitmotiv der Ausführungen fast aller Redner aus den Städten. Die Delegierten aus dem Lande kamen ausgiebig zu Worte. Man merkte auf der Tagung nichts von Kleinmut und Zaghaftigkeit Die Tagung trug das Gepräge eines ein zigen großen Bekenntnisses für Deutschtum und Judentum. Aus den verschiedenen Ortsgruppen lagen Anträge vor. Ein Antrag Friedmann (Jena) lautete dahin, daß Einsendungen an Zeitungen in politischen Fragen nur im Einverständnis mit der Geschäftsleitung des Landesverbandes erfolgen dürfen. Es wurde beschlossen, eine Werbeaktion in jeder Ortsgruppe uus Landesverbandes vorzunehmen. Freudig begrüßt wurden Anträge der Damen Ury (Leipzig) und Tuchmann (Magdeburg), die Frauenarbeit des C. V. im Landesverband zu beleben. Während der Tagung zogen sich die zahlreich anwesenden Jugendlichen zu einer kurzen Sondertagung zurück, um dann durch Dr. Lindemann (Leipzig) erklären zu lassen, daß die Bildung eines Land e s - J o g e n d - A u s s c h u 11 e s , der sieh auch der Angestellten annehmen will, in Angriff genommen werden soll. In einer Entschließung gelobten die Delegierten einmütig der Leitung des C. V. für die unentwegte und würdevolle Führung im Kampfe um das Recht und die Erhaltung der wirtschaftlichen Existenz der deutschen Judenhoit Treue und Dank. Der Vorsitzende des Landesverbandes Dr. Felix Goldmann stellte am Schluß der Tagung fest, daß diese alle Teilnehmer in Opferwilligkeit und Kampfesmut gestärkt habe. Im Rahmen der Delegiertentngung fand eine Kundgebung unier Vorsitz von Rabbiner Dr. Kahlberg (Halle) statt, in der Syndikus Dr. Alfred Wiener (Herlin), Dr. Felix Goldmann (Leipzig) und Dr. Goldberg (Plauen) Uber „Die neuen Probleme unserer Tage" sprachen. Eine Anzahl neuer Mitglieder trat dem C. V. bei. Unsere Gemeinde. Berichtigung. In dem Artikel der vorigen Nummer „Warum 22'A% Gemeindesteuer?" ist im dritten Absatz durch Fortfall einiger Worte eine Unklarheit entstanden. Wir geben deshalb die betreffenden Sätze im Zusammenhange hier nochmals wieder: „In einem vor kurzem veröffentlichten Aufsatz ist schon darauf hingewiesen worden, daß der Haushalt von 803000 RM. in 1929/30 auf 503 000 RM. gesenkt worden ist. Infolgedessen konnte der Steuerbedarf von 618 000 RM. zunächst auf 478000 RM. in 1931/32 gedrosselt werden. Er wurde im Voranschlag 1932/33 durch weitere einschneidende Sparmaßnahmen auf 383 000 RM., also um nochmals fast 100 Odo KM. herabgedrückt," Reifeprüfung an der Höheren Israelitischen Schule. Am Montag und Dienstag, dem 6. und 7. März 1933, fanden in der Höheren Israelitischen Schule die diesjährigen Reifeprüfungen statt. Sie standen unter Vorsitz des staatlichen Kommissars Herrn Oberstudienrat Prof. Dr. Seyfert. Von 24 Prüflingen der Klasse 1 sind 23 zugelassen worden. Dieselben haben sämtlich die Prüfung bestanden. Das Ergebnis hinsichtlich der zuerkannten Noten kann als ein ganz ausgezeichnetes bezeichnet werden. Es wurde gegeben: einmal 1, viermal lb, sechsmal 2a, dreimal 2. sechsmal 2b, dreimal 3a. Die feierliche Entlassung findet am Sonntag, den 19. März 1933, nachmittags 4'A Uhr, in der Aula der Schule, Gustav-Adolf-Straßc 7, statt. Israelitischer Wohltätigkcitsverein zu Leipzig. Abt. Solbad-Kolonie Dürrenberg (AIfons-Jacobson-Kinderheim). Das Kinderheim wird Anfang Mai eröffnet. Anmeldungen für sämtliche Kolonien werden entgegengenommen: Donnerstag, den 16- März, Freitag, den 17. März, Donnerstag, den 23. März, vormittags von 10 bis 12 Uhr im Gemeindeamt, Löhrstr. 10, part. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Der 13. Kartelltag de» Kartells jüdischer Verbindungen in Leipzig. Der 13. Kartelltag des Kartells jüdischer Verbindungen fand soeben in Leipzig unter besonders reger Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands statt. Die dem K. J. V. angehörenden zionistischen Studentenverbindungen und Alteherren-Organisationcn aus Berlin. Bonn, Breslau, Freiburg, Frankfurt a. M., Köln, Röthen, Hamburg, Heidelberg, Danzig, Königsberg, München, Leipzig und Riga waren vollzählig vertreten. Auch der Vorsitzende der /innisfisehen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, wohnte der Tagung bei. Am Vorabend des Kartelltags fand eine öffentliche Kundgebung statt, in der Professor Rosen bäum -Leipzig und Dr. Siegfried Kann WitS»Berlin über das Thema „Der Weg des deutschen Juden" referierten. Der Einladung waren Vertreter verschiedener jüdischen Organisationen Leipzigs und führende Persönlichkeiten gefolgt. Wie wir erfahren, konnte der Gemeindevorstand zu seinem großen Bedauern an der Veranstaltung nicht teilnehmen, da alle Herren durch anderweite Inanspruchnahme bzw. Krankheit behindert waren. Am Sonntag früh hielt nach einer Eröffnungsansprache des Kartellpräsidenten Dr. Paul Hirsch, Herr Rechtsanwalt Dr. Herbert F o e r de r- Berlin ein Referat über „Zionistische Politik in Deutschland", in der der Referent die durch die veränderte politische Lage an die Zionistische Organisation in Deutschland gestellten Anforderungen eingehend skizzierte und eine Reihe von Wegen aufzeigte, auf denen eine von Verantwortungsbewußtsein getragene jüdische Politik in Deutschland gefuhrt werden könne. An das Referat und an den Bericht des Präsidiums schloß sich eine eingehende Generaldebatte. Zugunsten von Erei Jisroel und Keren Hatorah Wir veranstalten diesen Mauzoe Schabbos, Purim, den 11. März 1933 um 20.30 Uhr in BJ II R I Svf E E 1 E B der groltn Aula der Höheren Israelitischen Schule, Gustav Adolfstr. 7 unsere diesjährige %ß f% | |*| & | C I C W% Auf vielfachen Wunsch ist ea gelungen die berühmten Künstler Gebrüder Mellzer, Söhne des weltbekannten .Alter Keliur", die diesmal mit vollständig neuem Programm in ihren hervorragenden Purim-Sketchs und Lachschlagern auftreten werden, in verpflichten. Außerdem finden Theater-Aofffthrangen und musikalische Darbietungen statt U. a. vom 13jährigen Oeigensolist Felix Freilich mit Klavierbegleitung seiner Schwester / Rechtzeitiges Erscheinen sichert gute PlätzeI / TOMBOLA / IIITI / UBIRRAICHUNQIN I AQUDAS JISROEL, LEIPZIG