Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 7 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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IT. Februar 19» GEMEINDEULATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Jüdischer Frauenbund Bitte auf den Sael zu achten! Ortsgruppe Leipzig Hannah Karminski, Berlin "'Ä?7,»»D,e F™u «" <•« Wchtungsioilake» unserer Zeit Güldenen Saal dp* RT I)n8 akt,lel,e Thema> von «iner.9? Siebten Rednerin behandelt, verspricht einen wertvollen Nachmittag. uumiHiBiioaaiuBSUi E8 Wlr({ daher um einen recht reRen BegU(h ^tm. Ii Als letzter Redner gab der Leiter der Sammlungen, Kustos Dr. Karl Schwarz, einen Überblick über die einzelnen Teile und ihre Bedeutung. Das Museum ist die größte und bedoutendste Sammlung dieser Art in Deutschland. Es dient auch der Erziehung des jüdischen Nachwuchses und der Anregung jüdischer Künstler zu lebendigem Schaffen auf den Grundlagen jüdischen Geistos. Es ist nur ein Anfang und viele Bestandteile der Sammlungen sind nur Stichproben aus den durch sie vertretenen Kunstgebieten. DasArbeitsziel ist die Ausgestaltung dieses Museums zu einer zentralen Statte jüdischer Kunst und jüdischen Kulturstrebens. Im Anschluß an dio Feier wurden dio Sammlungen unter Führung von Dr. Karl Schwarz besichtigt. Gleich an den Wänden der Eingangshalle drei Monumentalgemäidc: I^esser Ury'a „Jeremias" und ..Sterbender Moses" und eine Frophetendarstellung von Jakob Steinhardt. In der Mitte des Raumes die Jünglingsgcstalt des „David" von Arnold Zadikow. An den Wänden Tassactts borühmte 1795 entstandene Mewlelssohn-Büsto und Max Levi's Büs-tc Abraham Geigers. In dem Durchgang zu den vorderen Räumen eino Reihe kleinerer Gemälde, u. a. das „Ephraim'scho Palais" von Julius Jacob, palästinensische Landschaften des verstorbenen Architekten Alex Baerwald, das Doppel- Mldnis Hugo Krayns und seiner Mutter, Werke der Corinth-Schülerin Helene Tischbein, des Litauers Issai Kulviansky, Max Rappaports und Friedrich Feigels. Die drei großen jüdischen Impressionisten Pissnro, Israels und Liebcrmanu sind an dieser Wand mit charakteristischen Arbeiten vertreten. An der anderen Wand ein Aquarell von Maurice Minkowsky und ein Porträt von Joseph Oppenheimer (Georg Kareski). Reim Betreten der Portriit-Galcrio fällt der Blick auf das Bildnis Ludwig Börnes von Morilz Oppenheim. Man sieht mehrere Porträts hervorragender jüdischer Ärzto, darunter das Porträt des Chirurgen Prof. James Israels von Max Liebermann. Von den Oberältesten der Berliner Gemeinde sind vertreten Jacob Moses, Daniel Itzig, Isaac Daniel Itzig, man sieht das Moses Mendelssohn-Porträt von Frisch, I'nrträts von Leopold Zunz, Michael Sachs, Rabbiner Dr. Baeck (von Ludwig Meidlcr), Jozef Israels, das letzte Selbstporträt von Lesser tlry, oin Bildnis Dr. 1. Kastans von Joseph Oppenheimer, das Selbstbildnis Max Liebermanns, das er in den ersten Jnnuarwocben 1933 für das Jüdische Museum gemalt und zur Eröffnung gestiftet hat. Man sieht weiter Bildnisse Jakob Wassermanns von Suzanne Carvallo, I'rnestino Eschelbachcrs von Käte Ephraim-Marcus und Ludwig Hardts von Eugen Spiro. An den Pilastorn des Saales sind Büsten von Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan, beide von Arnold Zadikow, und der Kopf Albert Einsteins, sowie Ernst Cassirers von dem Berliner Bildhauer Kurt Harald Isenstein. Im Saal der modernen Maler fällt zunächst das bekannte Gemälde von Samuel Hirszenberg „Sie wandern" auf. Mit charakteristischen Werken sind hier vertreten Geskcl Salomon, Max Band, Kanelba, Tvgmunt Menkes, 0. Lubit&ch, Marc Chagall, Lesser-Ury, Rudolf Lcvy, ■loseph Budko, Henoch Barczynski, Abraham Neu. Von einer außerordentlichen Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit find die Kulträume 1 bis 3, dio Kunst- und Kultechätze aus den ältesten ge&chichtlichen Epochen bis auf den heutigen Tag vereinigen. Ein vierter Raum ist der Archäologie Palästinas gewidmet. Es sind darin Gegenstände aus der ältesten Kanaaniter- bis zur Römer-Zeit. Eino Schrifttafel veranschaulicht dio Entwicklung der hebräischen Schriftzeichen. Im Gange ist eine Auswahl von Werken moderner jüdischer Graphiker. Es folgt eine Wand mit Bildern, dio die Geschichte der •Indischen Gemeinde Berlins und anderer jüdischer Großgemeinden illustrieren, daneben sieht man Darstellungen jüdischer Feste und Gebräuche. Der letzte Teil stellt einen Vorraum einer Synagoge dar, anschließend einen Synagogenraum, der wertvolle Gegenstände aus iiitesten jüdischen Gemeinden Deutschlands enthält. 50 Jahre Bnai Briss-Orden in Deutschland. 40 Jahre nach der Gründung des „Independent Order of Bnai Herith" in den Vereinigten Staaten von Amerika errichteten nach Überwindung zahlreicher innerer und äußerer Widerstände etwa 2fl jüdische Männer 1880 die erste jüdische Loge in Deutschland, die ..Deutsche Reichs-loge" in Berlin. Nach 2 Jahren bestanden schon 12 Logen im Reiche, davon 3 in Berlin, und vor 50 Jahren wurde mit Genehmigung der Ordensleitung die „Großlogo für Deutschland VIII UOBB (Unabhängiger Orden Bnai Briss) gegründet. Der Logengründer Julius Fenchel, der erst vor wenigen Jahren in hohem Alter — noch zuletzt als Mentor der Ordensidee und der Deviso „Wohl tätigkeit, Bruderliebe, Eintracht" unerkannt — gestorben ist, zog sich bald von der Loitung zurück. Großprusidenten waren nach ihm Dr. Maretzki, dor Schöpfer der sozialen Logenwerko, Geheimer Justizrat Timendorfer, der 25 Jahre Führer war, und seit 1924 Rabbiner Dr. Leo Baeck. Im Logenhause zu Berlin wurde dio Tagung der Großlogo als Jubiläum&tagung abgehalten. Ihren Auftakt bildete eino Festsitzung im großen Logentempel. Außer den mehreren hundert Teilnehmern der Tagung aus Berlin und dem Reiche waren fast alle bedeutenden jüdischen Organisationen, an ihrer Spitze der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden und dio Jüdischo Gemeinde zu Berlin, von Weltverbänden die Präsidien der Jewish Agencv for Palestine, dor Zionistischen Föderation Misrnchi und des Weltverbandos für Sabbathschutz Schomro Schabbos durch ihre fahrenden Persönlichkeiten, die großenteils zugleich führende Mitglieder des Ordens sind, vertreten. Die Woiherede hielt der Großpräsident Rabbiner Dr. Baeck. Den Zeitströmungen rücksichtsloser Eigensucht stellte er die Ziele- und Arbeiten des Ordens entgegen: um der Gemeinde willen eine Gcmeindo in der Gemeinde zu sein. Die Loge hat ihre Aufgabe nicht in sich selbst, sondern sie will „dienen und Ehrfurcht pflegen". Menschen erziehen, die mehr als das Notwendige leisten, ..dio das Gesetz in dio Freiheit überführen". Keiner wird nach dem Ausdruck seine» Glaubens gefragt, aber niemand geduldet, der dem Judentum resigniert den Rücken kehrt. Gehegt wird dio Kraft des deutschen Vaterlandes: wir wissen, was es von uns fordern kann. Es ist für uns der Boden, in den Gott uns gepflanzt, der dio Geschichte führt. Um der Volksgemeinschaft willen sind wir diese Gemeinschaft; in ihr bauen wir auf dem Grunde, den Goethe, Schiller, Herder, Lessing und Beethoven als vaterländischen Boden gültig gestaltet haben. Was das Vaterland berührt, rührt an unsero Lebenswurzel. Mit warmen Worten gedenkt Dr. Baeck hier unter tiefer Bewegung der Versammelten der Opfer des Explosionsunglücks von Neunkirchen und kündigt eine Hilfsaktion der Großlogo an. Er mahnt zu treuem Zusammenstehen filr das Vaterland, von dessen Geschick auch dio Entwicklung jeder seiner Gliodgemeinschaften abhängt, und das jedes Maß von Treuo von uns verlangen darf. Sondergemeinschaft ist aber der Orden auch um der großen Gemeinschaft der Menschen willen. Das Erziehungswerk des Ordens hat das Ziel, im Menschen nur den Menschen zu sehen, zu hören, zu begreifen. Keiner wird nach Partei und Gruppe gefragt, aber jeder verbannt, der über der Partei den Menschen im anderen verkennt und in sich verleugnet. Nicht immer wird das Erziehungsziel erreicht, seine Kraft aber erwiesen durch die vielen Tausende, die in den 50 Jahren Gemeinschaft wieder schätzen gelernt, das Judentum wieder entdeckt und seelischen Grund gefunden haben. Über den 50 Jahren steht das jüdische Priesterwort: Brüderlichkeit und Liebe, Friede und Gemeinschaft! Die Festrede hielt der Expriisident der Berthold Auerbach-Logo UOBB in Berlin Prof. Dr. Ismar E1 b o g e n. Er gab ein umfassendes Bild von der Ideen- und Arbeitsgeschichto des Ordens in Deutschland: Dio ersten deutschen Logen waren die ersten Zweige am Baum der „jüdischen Renaissance". 1880 drohte das jüdische geistige und Gemcindcleben zu versanden, das Judentum schien Uberaltert und nichtssagend für die neue Zoit. Moderne Sozialauffassung war in den Gemeinden unbekannt und Wohlfahrtspflege durch gönnerhafto Bevormundung des „Armen" gekennzeichnet. Einrichtungen für das jüdische Großstadtleben fehlten, der Individualismus lähmte jede soziale Initiative. Parallel zur christlich-sozialen Bewegung entstand eino jüdisch-soziale, diese angeregt durch den Orden und aus ihm wachsend. Fenchels Werk war eine befreiende Tat. Der Orden fordert die Einsetzung dos ganzen Menschen für dio Erhaltung von Juden und Judentum. Er war kein „jüdischer Orden" im eigentlichen Sinne; er schloß die Erörterung von Fragen der Religion aus. Er wurde aber das Gewiseen in jeder jüdischen Not, eine Erziehungsgemeinschaft, die Disziplin von den Brüdern fordert und den Opferwillen stählt. Die Formen des Ordenslebens sind verschiedene: Während in den amerikanischen B.-B.-Logen die Gründung von Hilfs- und Sterbeversicherungen und -Kassen werbend wirken soll, hat sich hier nach harten Kämpfen der Grundsatz durchgesetzt und über Krieg, Inflation und Krise er- CT Täglich abends Die lustige CT-Faschlngs-Rovue ffi „HALLO! C^T WIR SCHALTEN UM" « ein Sensationserfolg! Mittwoch, Sonnabend, Sonntag 5 UHR-TEE Farkas mit seiner Stimmungsorigungarischen Kapelle In Kürze Bewirtschaftung durch Kempinski, Berlin.