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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-02-03 · 5 (3.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REUOIONSOEMBINDE ZU LEIPZIG 3. Februar 1933 Austritte aus der israelitischen Religionsgescllschaft. Nach seilendem sächsischem Recht bedeutet der Anstritt ans der israelitischen Religionsgesellsehafi den Austritt aus dem Judentum: xemäß Ziffer lo der Bestattungs- und Priedhotsordnung der Leipziger Gemeinde hat der Austritt aus dem .ludeutum den Verlust des Anrechtes auf Beisetzung und auf eine ewa früher erworbene Grabstede zur Fol;s'e. Henriette Kopetzky, Leibnizstralie 2. Elise Loebel. Wettlnerstraße 30. Heinrich Hühner, JahnstraBe A. Neue Bücher Hans Joachim Schoeps, Jüdischer Glaube In dieser Zeit. Prolegameiu zur GrundleKutiR einer systematischen Theologie des Judentums. 90 Seiten. Berlin 1932. (Philo-Verlag GmbH.) Mehr denn je drängen die im jüdischen Abwehrkampf heute aufsteigenden Probleme nach vertiefter Besinnung auf die Grundlage der jüdischen Existenz, die immer und zuerst im Religiösen verwurzelt war. Zur rechten Zeit erscheint eine Schrift, die geeignet erscheint, die Aufgabe dieser Besinnung zu übernehmen. In ihr wird der Versuch unternommen, neuere Geschichte und gegenwärtige Problemlage der «systematischen Theologie des Judentums" als wissenschaftlicher Lehrdisziplin zusammenhängend darzustellen. Es ist dein Verfasser dieser Schrift darum zu tun, ausgehend von der konkret geschichtlichen Analyse des jüdischen Glaubens in dieser Zeit die Frage nach der Möglichkeit eine» — im jüdischen Sinne — gläubigen Daseins zu .stellen, wobei versucht wird, unter Anknüpfung an die aktuelle theologische und philosophische Debatte die von der dialektischen Theologie heute ausgehenden Impulse bis zu einem gewissen Grade aufzunehmen. Indem am Horizont der existenzialen Möglichkeiten des Gegenwartsmenschen der Glaube als eine bestimmte Existenzform aufgewiesen wird, die bei rechter geschichtlicher BewuBtseinshaltung wieder Bezug auf das biblische Dascinsverständnis gewinnt, wird der Versuch unternommen, die Lehrmeinungen der jüdischen Theologie auf geschichtsanthropoJjOgischer Basis zu entrollen, um so dem jüdischen Menschen von heute von der Synagoge aus wieder etwas sagen zu können. Der wissenschaftstheoretischen Fundaincntierung dieses Versuches dient eine ausführliche Darstellung der theologischen Bemühungen jüdischer Gelehrter und Rabbinen in der Zeit von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart, wobei eine Mensce vergessenen und verschollenen Materials interessantester Art auf seine theologische Bedeutsamkeit hin betrachtet und gewürdigt wird. Ein weiteres, vornehmlich den christlichen Alttesiamentler interessierendes Kapitel gibt in knappem Abriß eine bislang gleichfalls Deskleratum gewesene Diszipliniteschichte der protestantischen „Alttestamentlichen Theologie". Jakob Lestschinsky: „Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums". Preis 3,50 M. Im Rahmen der von der Zcntralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische VVanderfiirsorgc herausgegebenen Schriftenreihe erscheint soeben ein neuer Band: „Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums." Der bekannte jüdische Statistiker und Nationalökonom Jakob Lestschinsky gibt in dieser I75scitigcn Broschüre an Hand reichen statistischen Materials einen Abriß der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Juden in den letzten 100 Jahren. Kr zeigt, wie Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung große Massen der aus der Fcudalepoche stammenden jüdischen Deklassierten und Luftinenschen in produktive Mitglieder des Staates und der Gesellschaft verwandelt wurden, wie die jüdische klcinkrämerische und kleinstädtische Gruppe, die sich an der Peripherie des wirtschaftlichen Geschehens befand, langsam, aber stetig mit dem wirtschaftlichen Organismus der Umgehung verflochten und zum untrennbaren Bestandteil des Staatsganzen geworden ist. Es folgen die für die kapitalistische Entwicklung charakteristischen Prozesse der Urbanisierung, Industrialisierung und Klassendifferenzierung, des Anwachsens der Lohnempfänger, der Einbeziehung der Krauen in das werktätige Leben. Lestschinsky zeigt .sodann den Verlauf des wirtschaftlichen Aufstiegs des deutschen Judentums im Einklang mit der Gesundung seiner wirtschaftlichen Struktur und seine Anglcichung an die Nachbarn, die ihrerseits einen entgegenlaufenden Prozeß der Annäherung ihrer wirtschaftlichen Formen an die bei den Juden früher herrschenden Formen wirtschaftlicher Betätigung durchgemacht haben. Am Höhepunkt der kapitalistischen S Sender der ganzen Welt all« sauber getrennt — in vollendete r Klangschönheit bringt der Schaub-Superhet mit Kurzwellenbereich von 16—70m und Wellenbereich 200-2000m.7Kroise - 3 Bandf ilter- Gorfiuschblendo (crack killer). Verstärk, auch der Kurzwellen Ober alle Rohren. Von RM. 189, o. Röhren an. Europa- Serie (4 Röhren - 3 Kreise) von RM. 146,- o. Rehren an. Verl. Sie Werbeblatt. O. L. C CHI AWB ©a* „©emeinbeblatt" fuebt jum f of ortigen Antritt einen tüchtigen lHrqn$mWzxbtx bei b o b e r r o » t f i o n. SRetbnngen jroifcben 3 u.4U6r im '»erlog, Gicfcoriuäftrafie 2 a O 'fü «4$R/» i G. ^ffc^l), IflpinlthmirS b. b. iL ÜflriitlfssW| 5 ■vtrnmsf i.vtnusf. Eientrt-fflMstin. Reicnsstr.39 (Dürens )g Entwicklung angelangt, läßt uns die Schrift die unabwendbaren, verhängnisvollen Folgen dieser Entwicklung erkennen, das vielfach verästelte Gebilde der gebundenen und verstaatlichten Wirischaf.tssysteiik'. die Kartelle und Syndikate des Hochkapitalismus, die das Judentum von neuem bedrohen, es isolieren und aus dem wirtschaftlichen Organismus des Landes zu verdrängen suchen. Dem Buch ist über den Kreis wissenschaftlich interessierter Leser hinaus schon deshalb eine weite Verbreitung zu wünschen, weil es eine fühlbare Lücke in der Literatur des behandelten Problems ergänzt und durch seine leichtfaßlichc und fesselnde Darstellung auch dem Laien mühelos zugänglich ist. Dr. Martin Frankenburger. Rechtsstellung und Neugestaltung der bayerischen Rabbinatsbezirke. München 1932. (Verlag B. Heller.) Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit einer frage, um die sich seit über KMi Jahren Regierungen und Gemeinden bemühen: der zweckmäßigen Gestaltung der Rabbinatsbezirke — das letzte noch zu lotende Problem im Aufbau der bayerischen Religionsgemeinschaft. Vorausgeschickt wird eine Analyse der jetzigen Rechtsstellung der Rabbinatsbezirke, die auch auf wichtige praktische Fragen eingeht und neue Li>- sungsniöglichkeiten andeutet. Mit der eingehenden Klarstellung der Grundlagen iür den Neuaufbau der Rabbinatsbezirke werden die allgemeinen Grundlagen des Gemeindelebens und des üemeiuderechtüberhaupt klargestellt. Die Frage der staatlichen Aufsicht und Mitwirkung bei der Einrichtung und Verwaltung der religiösen Institutionen und andere praktische organisatorische Probleme, das Verhältnis der Gemeinden zum Verband werden eingehend behandelt. Jeder am jüdischen Gemeindcleben interessierte sollte die aufschlußreiche Schrifi kennen. Purln«n!el „Haman" von Moritz Scherbel. Gerade rechtzeitig vor dem diesjährigen Purimfcst erscheint eine Neuausgabe des Purinispiels ..Haman" des Dichters Moritz Scherbel, dessen 100. Geburtstag vor kurzem in den jüdischen Zeitungen gefeiert wurde. Mit diesem „Hainau hat Moritz Scherbel ein humorvolles Purimspiel geschaffen, das durch seine Leichtverständlichkeit und schöne Versform besonders bei der Jugend Anklang gefunden hat und in jüdischen Schulen und Vereinen gern aufgeführt wird. Die Aufführungsrechte sind anläßlich des 10U. Geburtstages von Moritz Scherbel durch den Enkel (Scherbel-Verlan. Bcrlin-Charlottenburg 4) freigegeben worden, so daß die Aufführung überall gebührenfrei erfolgen kann. (Das Textbuch des „Haman" ist hübsch ausgestattet; es kostet nur 1 M.) Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Heft Nr. 6. „Bilder aus jüdischer Vergangenheit und Gegenwart" — so könnte man das neue Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums überschreiben. Prof. Samuel Klein von der Jerusalemer Universität schildert das Gas t hau swesen der alten Zeit, insbesondere die Einrichtung, daß mit den Synagogen Unterkunftsstätten für Fremde verbunden waren. Jesajas Preß, gleichfalls aus Jerusalem, bringt Glauben und Aberglauben der palästinischen Bevölkerung in Freud und Leid anschaulich zur Darstellung. Auch auf die Wurzeln des europäischen Judenhasses fällt neues Licht. In einem mittelfranzösischen Gedicht fand Heinz Pflaum eine Anspielung auf Raschi als den Verfasser (!) des Talmud. Von hier aus untersucht er die Wege, auf welchen die Kenntnis mancher Talmudst eilen über Jesus in die christliche Gelehrten weit kam: die traurige Rolle des Vermittlers spielt ein ehemaliger Jude, der zwar zum Christentum übertrat, aber dem neuen Glauben innerlich so wein»' zugetan war wie dem alten. So erscheinen Abfall und Judenfeindschaft bereits im Mittelalter in treuem Bunde. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums darf auf diesen Jahrgang der Monatsschrift mit Stolz zurückblicken. Trotz der Nöte der Zeit ist es ihr gelungen, ihren Mitgliedern für den Bei unpünktlicher Zustellung wollen sich die Bezieher des „Gememdeblattes" an den Briefträger bzw. an ihr Be«tellpostamt wenden. Erst wenn wiederholte Beanstandungen bei der Post ohne Erfolg geblieben sind, ist Mitteilung an den Verlag Ernst Goldfreund, Leipzig 0 5, CfchoriusstraBe 2a. zu richten. Nach Wohnungsveränderungen bleibt das „Oemeindeblatt" aus. falls nicht unmittelbar Mitteilung an das Gemeindeamt, Löhrstr. 10, und an den Verlag Emst Gold- Ireund gemacht wird. Neuzugezogene müssen Ihre Anschrift beim Gemeindeamt oder beim Verlag Ernst QohUreund angeben.

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