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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-02-03 · 5 (3.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. Februar 1933 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEME1NDE ZU LEIPZIG Seite 3 Mit der Bremen Punkt .9 Uhr: ZW „Gardez la damel" Krimlnalburleske mit Gesang und Tai« von Sjlo Kun! Gra'it Verlosung einer Reite mit der „Bremen" MI. nach England u. zurück Das stimmungsvollste Fest der Saison! Eintritt: RM. 2,- im Vorverkauf, RM. 2,50 an dar Abendkassa Inkl. Steuer Eis werden nur 500 Karten ausgegeben. Vorverk.: M. PreiBmann, NikolaUtr,; Loeserd WolK, Brühl 59; Bernh.Schlormann, Relchs»tr.45, u. bei den Komltoemilgl; r■ , Weltausstellung DAS KOSTÜMFEST der Schachabteilung des J. S. V. Bar Kochba nach am Sonnabend, dam 11. Februar 1933, 70 Uhr, 11 Min., In den oberen 4 Sälen des „Künstlorhauses" 3 Kapellen - Zelte □ amen- und Herrenspendan Chikago Unsere Gemeinde Dr. Siegfried Hodes gestorben. Von einem ganz außerordentlich schweren Schicksalsschlage ist unser in den weitesten Kreisen der Gemeinde so hochgeachteter und beliebter Herr Samuel Hodes betroffen worden: Sein Sohn, der wegen seiner besonderen juristischen Fähigkeiten, seiner ungewöhnlichen Kenntnisse im Gebiete der Wirtschaftslagen und wegen persönlicher Eigenschaften sehr geachtete Rechtsanwalt Dr. Siegfried Hodes, ist nach einer Operation mitten aus einer viclgeschützten Arbeit herausgerissen worden. Ein weiter Kreis von Freunden, die dem Verstorbenen nahestanden, nicht minder zahlreiche Klienten, insbesondere die Dresdener Hank, für die der Verstorbene tätig war, rühmen ihm eine außerordentliche Begabung, eine seltene Schaffensfreude und ein in die Tiefe dringendes Erfassen der gegenwärtigen Lebensfragen nach. Wir fühlen mit den schwergetroffenen Kitern wie mit der Gattin und den Kindern des allzufrüh Hcintgegangenen den tiefen Schmerz und geben auch an dieser Stelle dem Wunsche Ausdruck, dali ihnen die Kraft werde, das Schwere zu tragen. Jüdische Hauspflege. Der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig, weist in dieser Zeit der vielen Grippeerkrankungen darauf hin, daß er zuverlässige und bewährte brauen als Hauspilcgcrimien empfiehlt. Zu erfragen bei Frau Lenl Emmerich, FritzschestraBe lu (Telephon 122 98). Frau Anna Schieß. Luisenstraße 20 (Telephon 50468), und beim Israelitischen Qemeindeaml (Telephon 21382). Die gegenwärtige politische Situation und die deutsche Judenfrage. Zu einer außerordentlich machtvollen Kundgebung gestaltete sich die Versammlung, die die Ortsgruppe des Centrai-Vereins für die Mitglieder unserer Gemeinde am Mittwoch, dem 25. Januar, veranstaltete. Iis bekundete sich in der ungewöhnlich großen Beteiligung die Spannung, mit der wir Juden der politischen Entwicklung dieser Jage entgegensehen. Iis gelang den drei Rednern des Abends durchaus, die Versammlung zu iesseln und Interesse für die Arbeit des Central-Vereins zu wecken. Arthur Schweriner, der Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland, ging von der praktischen Abwehrarbeit des Central-Vereins;.us. Mehr als je ist eine solche erforderlich geworden, da die NSDAP., um ihre inneren Schwierigkeiten zu verdecken, ihre Hetze gegen die luden ganz ungewöhnlich gesteigert hat. Der systematisch betriebene Boykott wirke sich weit sichtbarer noch als in den größeren Städten auf dem Lande und in den Kleinstädten aus. Hier suche der Central- Vcrein nach Möglichkeit den Betroffenen beizustehen. Die Arbeit sei ungeheuer schwierig. Sie sei aber doch nicht so hoffnungslos, wie es vielfach scheine. Notwendig sei eine bis ins kleinste durchgeführte Aufklärungsarbeit, die, wie die Erfahrungen des Central-Vereins beweisen, doch von großem Nutzen für die Abwehr sei. — Ein Bild der politischen Situation entrollte Polizeivizepräsident a. D. Dr. Weiß, hierzu besonders berufen durch die wichtige Rolle, die er selbst bis zu seiner gewaltsamen Entfernung aus dem Amt an einer so wichtigen Stelle gespielt hat. Er kennzeichnete die politische Lage dahin, daß weder Brüning noch Papen noch Schleicher an sich Antisemiten seien. Eür Schleicher führte er — zum erstenmal vor der Oeffentlichkeit — einen Brief an, in dem ihm Schleicher vor mehreren Jahren rückhaltlos Uebereinstimmung mit den von ihm vertretenen Grundsätzen ausdrückte, und dies in einer freundlich-persönlichen Form. Wenn dennoch den Nationalsozialisten weitgehende Berücksichtigung bei den politischen Entschlüssen zuteil werde, so liegen dem ausschließlich politische Erwägungen zugrunde: Eine Partei mit so erheblicher Stimmenzahl könne nicht gut übergangen werden. Dr. Weiß zeigt an einer Reihe von Momenten die unverkennbaren inneren Verfallserscheinungen der NSDAP.; er hält Pogrome für ausgeschlossen, glaubt auch nicht daran, daß Hitler selber 'der ein Nationalsozialist zur Macht kommen werde. (Inzwischen haben iliui die Tatsachen unrecht gegeben. Die Schriftl.) Dagegen erkennt er ungewöhnlich große Gefahren für die Errungenschaften der Emanzipation; die Bestrebungen, die Juden um die Gleichberechtigung zu bringen, seien sehr ernst zu nehmen, und darum müsse die Arbeit des Central-Vereins mit fester innerer Stellung, vor allem mit unbeugsamem Mute, ohne leisetreterisches Duckmäusertum, gefördert werden. — Der dritte Redner. Rittergutsbesitzer Sandelowski, unterstrich in temperamentvollen Darlegungen die Notwendigkeit des Abwehrkampfes, vor allem durch weitestgehende Aufklärung in nichtjüdischen Kreisen. Er weist auf Beispiele hin. wie es möglich ist, erfolgreich vor Nichtjuden tu sprechen, und bedauert es nur, daß es noch immer notwendig ist, auch Juden selber über die Dringlichkeit der Abwehrarbeit aufklären zu müssen. Es sollten die Juden doch endlich erkennen, daß. über alle sonstigen Verschiedenheiten hinweg, letzte Einigkeit unter den Juden in diesem Kampfe um die Selbsterhaltung bestehen müsse. — Der Leiter der Versammlung, Herr Stadtrat Krause, durfte von dem lebendigen Nachhall sprechen, den die Ausführungen aller Redner in der Versammlung erweckt haben. Er betont, daß es wohl ein Kampf um unsere jüdische Ehre sei. und daß deswegen unser jüdisches Selbstgefühl gestärkt werden müsse. Er forderte aber auf. doch nicht zu vergessen, daß für einen solchen Kampf, und zumal für die Durchführung «St Aufklärungsarbeit, auch die iiiaiciicüe Unterstützung OiCUt zu cn.- bchreu sei. — Die politischen Vorgänge der letzten Tage bestätigen am Montag Gemeindeamt. Löhrstraße im israelitischen beschränkten Amtliche Bekanntmachungen Oemelndesltzung dem 6. Februar 1933, 6 Uhr abends, 10, II. Tagesordnung; 1. Bericht des Wahlrechtsausschusses, 2, Verschiedenes. Anschließend nichtöffentliche Sitzung. Wegen des zu erwartenden Andranges und des Raumes ist der Eintritt für Zuhörer nur gegen Einlaßkarten gestattet. Diese werden am Montag, dein 6, Februar, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags nach Maßgabe des verfügbaren Platzes nur an jeden Besucher persönlich ausgegeben. Das israelitische Gemeindeamt. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste Gemeindesynagoge Sahhatgottcsdienst: Freitag, den 3, Februar, Abendgebet 17.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend, den 4. Februar, Morgengebet 9 Uhr. Jugeudgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. (ioldirtanil), Nachmittagsgebet 17.20 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn), Abendgebet 17.51 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 17.15 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, den 10. Februar: Abendgebet 17.30 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Sonnabend, den 11. Februar: Morgengebet 9 Uhr. Nachmlttagsgebel 17.30 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldinann); Abendgebet 18.02 Uhr. — Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr. Abendgottesdienst 17.30 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Straße) und Talmud-Thora-Synagoge (Keilstraße). Freitag, den 3 Februar: Abendgebet 17.15 Uhr: Sabbat: Morgengebet 8.30 Uhr: Mincha 16 Uhr; Ausgang 17.51 Uhr. Wochentags: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 17.15 Uhr. Reichseinkommensteuerveranlagung. Viele Fälle sind uns bekanntgeworden, in denen ücmcindcmitglieder die von den Finanzämtern ihnen zugesandten Vordrucke zur Abgabe der Steuererklärung zur R c i c h s e i n k o m m c n s t e u c r beiseite gelegt und nicht erledigt haben. Durch solche Vernachlässigung sind ihnen dann größte Unannehmlichkeiten erwachsen. Häufig verursachte es bei Ausländern unendliche Mühe, ein infolge dieses Versäumnisses schon eingeleitetes Ausweisungsverfahren zur Einstellung zu bringen. Wir möchten daher auf die sorgfältige Beachtung der von den Finanzämtern geforderten Vorschriften über Abgabe der Steuererklärung hinweisen. In den nächsten lagen werden den Steuerpflichtigen die Vordrucke zu den Steuererklärungen zugehen, die laut Bekanntmachung des Finanzamtes in der Zeit vom 15. bis 28. Februar d. J. richtig ausgefüllt und unterschrieben abzugeben sind. Auch durch verspätete Abgabe der Steuererklärung können erhebliche Nachteile erwachsen. Personenstandsnachrichten Geburten: 6. Januar 1933: Lipmann Blauzwirn und Minka geb. Dormann. kumer Weg 7a, eine Tochter „Margot". 21. Januar 1933: Leon Ascher Kuner und Czarna geb. Krämer. Keilstraße 3, einen Sohn „Siegfried". Barmizwas: Am Sonnabend, den 11. Februar 1933: Nati Zimmer. Sohn des Herrn Joachim Zimmer und Frau Ella geb. Singer, Gneisenaustraße I, II. in der Talmud-1 hora-Synagoge, Keilstraße. Am Sonnabend, dem 11. Februar 1933: Fritz Michael Reach, Sohn des Herrn Alfred Reach und Frau Adele geb. Mayer. Elisenstraße 103, in der Gemeindesynagoge. Trauungen: Am Sonntag, dem 5. Februar 1933, 4 Uhr nachmittags: Fräulein Erika Tennenbaum, Humboldtstraße 10, mit Herrn Max Litfinski, Chemnitz, im Hotel „Sachsenhof". - . Am Sonntag, dem 12. Februar 1933, 6 Uhr abends: Fräulein Sophie Feldmann, Langestraße 27, mit Herrn Abraham Lichtenstein. Gera, im Hotel „Bardenhaus". Todesfälle : 17. Januar 1933: Therese Spur, Stettiner Straße 133. 19 Januar 1933: Leon Schottländer, AwenstraBe 14. 22! Januar 1933: Isaak Lehrer. Wettinerstraße 21. 22. Januar 1933: Beren Bernhard Goldmann, Montbdstraße 33. Bor- Gasner false erneut die Berechtigung dessen, was in dieser Versammlung lefordert^-.™™ Mirjanro^^ 48/50.

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