Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEME1NDE ZU LEIPZIG 27. Januar 193a irdisches Qlück, auf Eigentum und persönliche Nutznießung die Triebfeder aller kulturellen Entwicklung erkennt, die ihre Träger über den Urzustand des Menschscins zur Förderung der gesamten Menschheit emporhebt. Der Schutz des persönlichen Eigentums wiederum bedingt Zusammenschluß des Einzelmenschen zu Gruppen, Stämmen und Völkern mit der letzten Institution des Staates, führt zur ständigen kulturellen Wechselwirkung zwischen diesem und dem Individuum und festigt den Begriff des persönlichen Eigentums zum Fundament des sozialen Gedankens. Tritt jedoch der Staat in seiner heutigen Struktur als sozialer Mittler zwischen Geber und Empfänger, so verkörpert er In alten Judentum das mahnende Gewissen der Gesamtheit, gebietet jedem seiner Mitglieder die von persönlicher Gesinnung unabhängige soziale Tat, nicht im Sinne des Almosens, sondern als Pflichtleistung. Eigentum ist deshalb nach jüdischer Mentalität die letzte Stufe des Individualismus und Voraussetzung des sozialen Gedankens zugleich. Die Jüdische, schon von den Propheten vertretene Forderung, wonach Eigentum als „guter Diener" an die Person gebunden sein soll, um dem Aufkommen eines kollektivistischen, den Geldverkehr. VVarenhande! und somit das Gesamtvolk beherrschenden Kapitalismus vorzubeugen, kann als antikapitalistischc Tendenz modernster Art gelten und sich bei näherer Sondierung als wohlerdachte Prohibitivmaßnahme gegen die Proletarisierung großer Volksteile erweisen, denen der Uebcrschuß des persönlichen Eigentums zuzufallen hat. Die Bezichtigung des jüdischen Menschen als Träger des modernen Kapitalismus ist, ganz abgesehen von der Notstellung, in die man ihn, den Paria Gcldverlciher, während des Mittelalters getrieben hat, nicht nur im Hinblick auf die eklatante antikapitalistischc Einstellung des Judentums widersinnig, sondern wird besonders durch die Proletarisicrung jüdischer Massen in Osteuropa und den Elendsvierteln der Weltstädte, wo sie jeglicher Untcrhaltungsmittel entblößt sind, gründlich widerlegt und läßt zudem die Tatsache unberücksichtigt, daß der wirklich wohlhabende Jude, dem Geld als „schlechtem Herrn" nicht unterworfen, jederzeit als Wohltäter seines Kreises und der gesamten Menschheit in Erscheinung trat. Diese Grundauffassung des Judentums erfährt auch durch die nachhaltigen, doch unabwendbaren Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf den einzelnen Juden keine Schmälcrung, um so weniger, als sie auch in unserer Zeit das Idealbild widerspiegelt von der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen vor Gott und die gewaltige Synthese schafft zwischen Individualismus und Kollektivismus einerseits und zwischen Eigentum und sozialer Forderung andererseits. So errichtet <las Judentum einen Schutzwall um den Menschen als „das Maß aller Dinge", damit er wieder zur Höhe seiner sittlichen Verpflichtung und Verantwortlichkeit gegen Gott und die Gesamtheit emporsteige. Mit diesem meisterhaft gebotenen Einblick in die Wesensart und Zielsetzung des Judentums schloß Dr. Goldmann seine Vortragsreihe ab zur Belehrung und Aufklärung unserer jüdischen und nichtjüdischen Mitbürger und zum Segen für unsere Gemeinschaft. Dr. Walter Leopold. Amtliche Bekanntmachungen Notwerk der Juxend. Das Arbeitsamt veröffentlicht folgenden Aufruf: „Alle arbeitslosen lugendlichen bis zu 25 Jahren, die Jugendverbände, konfessionelle wie ircie, die Turn-, Spiel- und Sportvereine werden aufgefordert, alsbald Kameradschaften bis zu 25 Mann zu bilden und sie möglichst schnell beim Vorsitzenden des Arbeitsamtes Leipzig anzumelden, damit demnächst mit der Vorprüfung und Vorbereitung zur Zulassung und Genehmigung finanzieller Unterstützung begonnen werden kann. Die Arbeitsgemeinschaft für das Jugendnotwerk erhofft von der bereitwilligen, tatkräftigen Unterstützung der arbeitslosen Jugendlichen selbst und ihrer Verbinde einen raschen Fortgang und eine erfolgversprechende Entwicklung des gemeinsamen volkaufbauenden und volkverbindenden Hilfswerks für die arbeitslose Jugend von Leipzig und Umgebung." Unserer jüdischen Jugend ist durch die Kameradschaften Gelegenheit geboten, sich körperlich und geistig, insbesondere auch beruflich, fortzubilden. Wir sind gern bereit, die Bildung solcher Kameradschaften durchzuführen. Teilnehmen können männliche und weibliche Erwerbslose. Die Kameradschaften sollen sich täglich mindestens 4 Stunden bei herufsunterrichtlichen Arbeiten und bei geistigen und sportlichen Betätigungen zusammenfinden. Teilnehmern wird täglich eine warme Mahlzeit unentgeltlich gereicht. Wir rufen die jüdische Jugend auf, zwecks Bildung von Kameradschaften sich so rasch wie möglich bei unserer Fürsorgeahteilung zu melden. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemelnde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Oottesdienste Sabbatgottesdienst: Freitag, den 27. Januar, Abendgebet 17 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn): Sonnabend, den 28. Januar, Morgengehet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 17.10 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn), Abendgebet 17.40 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 17 Uhr. Sabbatgottesdienst: Freitag, den 3. Februar, Abendgehet 17.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn): Sonnabend, den 4. Februar, Morgengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann), Nachmittagsgebet 17.20 Uhr. anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn), Abendgebet 17.51 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 7.30 Uhr, werktags 7 Uhr, Abendgottesdienst 17.15 Uhr. Ez-Cbalm-Svnagoge (Otto-Schill-Straße) und Talmud-Thora-Synagoge (Keilstraße). Freitag, den 27. Januar: Abendgebet 17 Uhr, Morgengebet 8.30 Uhr, Mincha 16 Uhr; Ausgang 17.40 Uhr. — Wochentags: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 17 Uhr. Arbeitsgemeinschaft „Die deutsche Mutterschaftslürsorge der Gegenwart". Im Rahmen der Winterkurse des „Sozialpädagogischen Frauenseminars Amr Stadt Leipzig" hi!t Fr!. Dr. Elfriede Qo!d»ck*r eUu- Arbettsgemeinschait über ~D i deutsche Mutterschaftslürsorge der Gegenwart". Beginn: Montag, den 23. Januar 193.1, 20 Uhr, im „Sozialpädagogischen Frauenseminar", Königstr. 20. Karten zu 1,50 M. in der Kanzlei. In dieser Arbeitsgemeinschaft wird neben der öffentlichen auch die private Mutterschaftsfürsorge behandelt. Auf die Arbeitsgemeinschaft wird hierdurch besonders aufmerksam gemacht. Vereinsnachrichten Poale Zion, Ortsgruppe Leipzig. Freitag, den 27. Januar, 20 Uhr, Im Borochow-Heim, Eberhardtstr. 13, ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Berichte; 2. Neuwahl des Vorstandes; 3. Verschiedenes. Pünktliches und vollzähliches Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist unbedingt erforderlich. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. — Sonnabend, den 28. Januar, 20 Uhr, im Borochow-Heim literarischmusikalischer Untcrhaltungsabend. Gäste willkommen. — Am 3. Februar Ausspracheabend über die bevorstehende Gemeindewahl im Borochow-Heim, pünktlich 20 Uhr. Zutritt haben nur Mitglieder der „Poale Zion", „J. S. A. J." und des „Brith Haolim". — Die Landeskonferenz mußte verschoben werden und findet deshalb erst am IL und 12. Februar 1933 in Berlin statt. Zlonisten — Revisionisten. Nächste Zusammenkünfte: Sonnabend, den 28. Januar 1933, 16.30 Uhr: Oneg-Schabath bei Dr. Goldwasser, Leipzig N 22. Herlossohnstr. 7a. (Nur für Mitglieder!) — Montag, den 30. Januar 1933, 20.30 Uhr, im Restaurant Gottlieb, Leipzig C 1. Plauenscho Str. 3. Gäste willkommen. Jüdische Arbeitergemeinschaft, Ranstädter Steinweg 8/10 (Goldene Laute). Sonnabend, den 28. Januar, Vortrag: „Was ist Presse". — Montag, den 30. Januar, Fortsetzung des deutschen Unterrichts für Anfänger und Fortgeschrittene. — Mittwoch, den 1. Februar, zweiter Vortrag „Ursprung und Zweck der Religionen". — Donnerstag, den 2. Februar, Fortsetzung des marxistischen Schulungskursus. — Die Vorträge beginnen pünktlich 20 Uhr. — Ausgabe von Bibliotheksbüchern Mittwochs von 21—22 Uhr. Jüdischer Arbeiter-Turn- und Sportverein. Sonnabend, den 28. Januar. 20 Uhr, im Heim, Ritterstraße 7: Vortrag über „Wehrsport" und Information über das Notwerk der deutschen Jugend. — Bericht über die Generalversammlung folgt. Jüdischer Jugendbund „Franz Rosenzweig". Mittwoch, den I. Februar 1933, spricht Herr Werczberger über „Die politische Stellung der jüdischen Parteien des 19. Jahrhunderts". (Der Vortrag ist aus technischen Gründen am 25. Januar 1933 ausgefallen.) — Freitag, den 3. Februar 1938, Freitagabend-Feier. Leitung: Herr Kantor Jaffe. Die Veranstaltungen beginnen pünktlich 20.30 Uhr. Gäste herzlich willkommen. — Am 18. Januar 1933 fand unsere diesjährige Generalversammlung statt. Nach einem Bericht des Arbeitsausschusses über die geleistete Arbeit und finanzielle Lage unseres .lugendbundes fand eine eingehende Aussprache unserer künftigen Aufgaben statt, an der sich alle Anwesenden rege beteiligten. Um weitere Kreise mit unserer zukünftigen Arbeit vertraut zu machen, veranstalten wir am 22. Februar 1933 eine große Kundgebung, an der vier Kurzreferate von Mitgliedern unseres Bundes über die nächsten Aufgaben berichten. — Anschließend fand Neuwahl des Vorstandes statt. — Die Zusammensetzung bedeutet eine Zusammeufestsetzuug sämtlicher aktiver Mitglieder, so daß künftighin mit einer noch verstärkten Arbeit und Intensivierung unseres Bundes gerechnet werden kann. -- Anschließend wurde von unserem Delegierten auf die in Frankfurt a. M. stattgeiundene Reichstaguug des Verbandes J. J. V. D. ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Tagung gesehen. — Unsere Generalversammlung wurde geschlossen, indem wir In Zukunft mit festem Willen und neuem Mut unsere Arbeit beginnen. marjienSie sickräie^ jijKngeGfilmmg 3Ufigenl lOß HADASSAH M ATA NA AZU MAH PflAMEJUtfMaBttll Diese drei flusuKM-Qualüätert entsprechen den höchsten ÄnfortkrurifleTi.die ein streng rituell getuhrter flausluatt an die von ihm benötigten Speisefette stellen feaiuisowoN hinsichtlich ihrer Güte und uielseitigenDeruwndungsmögUchReit.als auch ihrer streng boscheren 44erstdlungsu>eise, llMi*".'.' i f*v JhVj ~jV i SiVH T> fttrvtr(; v.j -,w DR JOSEPH CARLE BAC H Altona- Li.be. ÄU.tabr. Ufcstdeutsdw nahruH«nkM-t0frk« »MWÄBlTOi. Vertretung U Lager: Fa. I. Tempel, Leipzig, BlQchenttr.11.Tel.23240