Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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27. Januar 1933 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite ü zur Mit der _ Bremen „Gardez la dame!" Kriminalburleske mit Gasang und Tanz von Sa!o Kunin Das stimmungsvollste Fest der Saisonl Vorverk.: M.Pr»IBmann,NII(olal3tr.;BTi<hifdSehl«riTnnn,Rtlchs«tr.S,u.beldenKo,nltaemllgll«d3r,i DAS KOSTÜMFEST Weltausstellung der Schachabteilung des J.S.V. Bar Kochba nach am Sonnabend, dam 11. Fabruar 1033, in den oberen 4 Sälen des ..Künstlerhauses' r, -*». ... .3 Kapellen - Zelte Chikago mit Hervorhebung der Bedeutung der Freizeiten, vor allem auch der Uruppcngemeinschaft, gelegt. Auch hier sollen in erster Reihe Arbeitslager gefördert werden, bei denen naturgemäß die Fragen der Führcrimieri ihre besondere Wichtigkeit besitzen. Als weitere Sonderfrage wurde von Dr. Kreuzberger die Anwendung des Freiwilligen Arbeitsdienstes auf die Studenten in Form des sogenannten Werklahres dargestellt. Wenn auch hier, schon aus finanziellen Gründen, kaum mit der vollen Verwirklichung mancher Pläne zu rechnen ist. so wird doch bei dem verhältnismäßig grollen Anteil der jüdischen .lugend au der Zahl der Studierenden jedem praktischen Ergebnis in dieser Frage vom jüdischen Standpunkt aus größte Aufmerksamkeit zuzuwenden sein. — Nach ergänzenden Ausführungen von Dr. Georg Lubinski (Reichsausschuß der jüdischen Jugendverhände), der besonders die Aufgaben hervorhob, die der organisierten und unorganisierten .lugend auf dem Gesamtgebiet gestellt sind, kamen vor allem die Vertreter der bisher eingerichteten und in der Durchführung befindlichen jüdischen Freiwilligen Arbeitsdienste zu Wort. Zunächst schilderte Fol mann (Leipzig) die dortige Tätigkeit des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die sowohl männliche .lugendliche (vor allem Bodenarbeiten) wie auch weibliche .lugendliche (Nähstube, Kochen und Haushaltung) umfaßt, und der Kurse zur geistigen Schulung angegliedert sind. Sodann gab Moch (Neuendorf) eine eingehende Darstellung des größten jüdischen Arbeitsdienstes im Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde (das im wesentlichen zusätzlichen landwirtschaftlichen Meliorationsarbeiten dient). Turnen und Gymnastik, sorgfältig gegliederte Kurse zur geistigen Schulung ergänzen die Arbeit, die sich bisher voll bewährt bat. Dr. Her gel (Frankfurt a. M.) berichtete von den in Frankfurt unternommenen Versuchen. Frau Falkcnberg (Herlin) legte Ziele und Mand des in Fangschleuse bei Erkner von der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes eingerichteten Freiwilligen Arbeitsdienstes für Mädchen dar (im wesentlichen Näh- und andere Instandsetzungsarbeit für die Winterhilfe, verbunden mit mannigfachen Kursen). Sodann gab Frau Hr. M c y e r - W ede 11 - Hamburg, die auf Veranlassung der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg anwesend war, eine umfassende Darstellung der besonders beachtlichen, bereits weitgehend durchgeführten Einrichtung des jüdischen Freiwilligen Arbeitsdienstes für männliche und weibliche Jugendliche in Wilhelmincnhöhc bei Hamburg (die männlichen Jugendlichen werden in landwitrschaftlichcr und gärtnerischer, die weiblichen in allen Formen der Hausarbeit beschäftigt). Auf die körperliche Pflege. Turnen und Gymnastik, auf Kurse zur geistigen Ausbildung, vor allem auf Musik wird größter Wert gelegt. Schließlich berichtete Hirektor Glaser (Breslau) in einem Ucbcrblick über die im Zusammenhang mit den Jugendorganisationen im Gange befindlichen Bestrebungen in Breslau. — Die Berichte werden in einer der nächsten Nummern der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" zur Veröffentlichung gelangen. im übrigen befaßte sich die Aussprache eingehend mit den Möglichkeiten einer weiteren Ausdehnung des jüdischen Freiwilligen Arbeitsdienstes. Es bestand der allseitige Wunsch, daß eine solche nach Mögixhkeit angestrebt werde. Dabei fällt der Hauptstclle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise die Ausarbeitung und Durchführung der sachlichen Projekte, dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände die Heranziehung der arbeitslosen jüdischen Jugend und die iugendpflegerische Betreuung zu. Jüdische Handwerker-Werbeschau, Leipzig Am Sonntag, dem 22. Januar, wurde, wie angekündigt, die von selbständigen jüdischen Handwerkern Leipzigs veranstaltete Werbeschau eröffnet. Namens der Aussteller begrüßte Herr Bohrer die aus allen Schichten unserer Gemeinde in stattlicher Zahl erschienenen Gäste und wies auf den Zweck der Ausstellung hin, vor Juden und Nichtjuden <lie Leistungsfähigkeit jüdischer Handwerker zu erweisen. Er dankte dem Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde für die Förderung der Ausstellung, die in der Uebernahme des Protektorats ihren Ausdruck gefunden hat. Danach ergriff Rabbiner Dr. G o I d m a n n das Wort, um für den Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender die Werbeschau aufs wärmste zu begrüßen: sie solle eine Aufmunterung zur Bewährung jüdischer Solidarität sein. Es werde zwar die Notwendigkeit, jüdische Gewerbetreibende durch Aufträge zu fördern, mit Worten anerkannt: es solle nun aber auch von den Worten zur Tat übergegangen werden. Dabei sei selbstverständlich nicht daran gedacht, daß man ausschließlich dem jüdischen Handwerker seine Aufträge zuweisen solle. Aber man solle ihn nicht ausschalten, wie dies noch immer viel zu oft geschehe, sondern ihm sein volles Recht zuweisen. Rabbiner Dr. Carlebach wies darauf hin. wie hoch schon in alten Zeiten bei den Juden das Handwerk gewertet worden sei und daß die, wie schon ein flüchtiger Rundgang zeige, auch heute wieder hochwertigen Leistungen jüdischer Handwerker vollster Anerkennung wert seien, die sich auch in der Praxis auswirken solle. Namens der Volkspartci und der volksparteilichen Fraktion der israelitischen Religionsgemeinde gab Herr D u h i n e r seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Ausstellung zustande gekommen sei, und der Hoffnung, daß sie ihre Bestimmung in vollem Umfange erfülle. Für die „Poale Zion" betonte Herr Seiinger die Dringlichkeit einer gerechteren Beurteilung der Lage, in der sich der jüdische Handwerker befindet. Wie überhaupt der jüdische Arbeitnehmer, so leide auch besonders der jüdische Handwerker unter der ungerechten Behandlung der Nichtjuden; um so mehr sei es Pflicht der jüdischen Solidarität, daß wenigstens in jüdischem Kreise der jüdische Handwerker gestützt werde. Man wolle kein Almosen, keine Unterstützung, sondern Arbeit, die man vollwertig zu leisten imstande sei. Herr Stadtrat Krause. Vorsitzender der Ortsgruppe des C.-V.. sieht in der Werbcschati ein äußerst wertvolles Mittel im Kampfe gegen den Antisemitismus. Sie lege Zeugnis dafür ab, auch vor den Nichtjuden. daß der den luden so häufig nachgesagte Mangel an produktiver Tätigkeit den Tatsachen widerspreche. - Nach Schluß der Begrüßungsansprachen übernahm Dr. P i e t r k o w s k i namens des Vorstandes der israelitischen Religionsgemcinde, der Protektorin der Werbcsehau. die Ausstellung und erklärte sie als eröffnet. Seine Ausführungen gipfelten in der Feststellung, daß die Juden in allen Zeiten und in allen Ländern in der Ausübung des Handwerks Großes geleistet haben, daß sie dadurch immer ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in diesen Ländern gewesen seien. Nur in Deutschland habe Konkurrenzneid sie an der Ausübung manueller Betätigung behindert. So sei es zu erklären, daß sich der Jude, auch nach Durchführung der Emanzipation, im Handwerk nicht von vornherein in größerem Ausmaße habe bewähren können. Nun. da dieser Prozeß sich entwickle, habe er Hemmnisse zu überwinden, die teils außerhalb, teils aber auch im eigenen Kreise bereitet werden. Die Werbeschau solle auf diesem Wege förderlich sein. — Nach der Eröifnung der Ausstellung fand ein Rundgang statt, der allgemein einen äußerst günstigen Eindruck hervorgerufen hat. Auch skeptische Besucher mußten vor dem ausgezeichneten Können, das in den einzelnen Ständen bewiesen wird, ihre Vorurteile als unbegründet erkennen. Es kann nur immer wieder dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß die Werbeschau von recht zahlreichen Gemcindemitgliedern besichtigt wird: die großen Opfer, mit denen ihr Zustandekommen verknüpft war, dürfen nicht umsonst gebracht sein. Und wer diese in jeder Hinsicht sehenswerte Schau besucht, wird sie nicht ohne den festen Willen verlassen, dem jüdischen Handwerker seine wirksame Aufmerksamkeit zuzuwenden. Unsere Gemeinde Moaus-Chitim-Ausschuß. Es naht die Zeit, in der der Moaus-Chitim- Ausschuß seine Arbeit für das diesjährige Pessach-Fest wieder aufnehmen wird. Schon jetzt weist der Ausschuß darauf hin. daß die Anforderungen au Beihilfen zum Pessach-Feste in diesem Jahre noch erheblich gewachsen sind, und bittet um reichliche Zuwendungen, damit er seine Aufgaben, den Verhältnissen der Zeit entsprechend, lösen kann. Im vergangenen Jahre kamen seitens der Gcmeindefürsorge lediglich Mazzos zur Verteilung. Der Ausschuß übernahm es. diese Pessachhilfe durch Gewährung von Barunterstützungcu zur Beschaffung von Lebensmitteln zu ergänzen. Für diese Zwecke wurden durch Sammlungen 6797 M. aufgebracht. Verteilt wurden insgesamt 6866,86 M., so daß ein Fehlbetrag von 69,86 M. zu decken war. In diesem Jahre wird der Bedarf an Barunterstützungen erheblich größer sein, da ja die Not weiter angewachsen ist. Der Ausschuß würde es weiterhin begrüßen, wenn sich noch einige Persönlichkeiten bereit erklären würden, ihn in den Bemühungen für die diesjährige Pessachvcrteilung tatkräftig zu unterstützen. Gemeinderabbiner Dr. Goldmann beendete seinen Vortragszyklus ..Zeitströmungen im Lichte der jüdischen Religion" unter dem Thema „Eigentum und K a p i t a 1 i s m u s". Sein systematischer Aufriß wies die Sanktionierung des persönlichen Eigentums in der sinaitischen Gesetzgebung als grundlegenden Begriff jüdischer Lebensauffassung nach, die, weit entfernt von utopischen Projektionen, den Menschen mit all seinen Fehlem, Begierden und Fähigkeiten als Objekt der Erziehung sieht, ihn nur mit realisierbaren Aufgaben betraut und — mit Rücksicht aui seine natürliche individuelle Veranlagung — der Idee des höchste Charakterbildung voraussetzenden Kommunismus nicht entsprechen kann. Schon deshalb nicht, weil das Judentum in der Aussicht auf < Morgen, Sonnabend, den 28. Januar, in den Sälen des .Künstlerhauses" e Veranstaltet vom Jüdischen Gesangverein „Hasamir" j [ @r0ßra 3MI mit Dtririmjtyaii, tomtwla untr Bali ii el Buchhandlung M. W. Kaufmann, BrUhl 8, sowie M. PreiBminn A sonn, Nikoiaistr. 6S. terner an der Abcndkatse J [ a, ^mirinikarten zu I,— RM. bc