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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-01-20 · 3 (20.1.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
3 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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20. Januar 1933 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIG10NSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 m ^^^^^H^U^MI mmmm o:©:©:©:©;®:©;®:®:©; Jüdische? Frauenbund ■— CtUggvumpe Leipzig Donnerstag, den 28. Januar, 16.30 Uhr pünktlich, im Hotel „Häufte" Vertrag: Frau Ör. CIsc Habit», 'Breslau »Vera Sinn einer jüdischen Frauenbewegung" seit einem Jahr in Betrieb stehen, werden erst nach Eröffnung des H;ifiiis von Haifa ihre Erzeugung nach Syrien. Irak, Persien senden können, erst dann wird es rentabel sein, den Betrieb entscheidend zu vergrößern. Im Einklang mit dieser ganzen Entwicklung stehen auch Staatslinanzen und Außenhandel. Das Budget der Regierung für 1932 hat In den ersten neuen Monaten bei 1 600 000 Pfund Ausgaben einen UeberschuB von fast 400 000 Pfund. Und während der hnport - wenigstens in Papierpfnnd gerechnet — etwas anstieg (erstes Halbjahr 1932 mit 3160000 Pfund Sterling gegenüber 5 940 000 Pfund Sterling im üesaintir.hr 1932), verdreifachte sich der Export, hauptsächlich infolge der sprunghaft wachsenden Orangenausfuhr: Im ersten Halbjahr 1932 exportierte Palästina für fast 2K> Mill. Pfund Sterling, beinahe so viel wie 1931 und 1930 zusammen! Zement, Strümpfe, Textilwaren. Ledertaschen, künstliche Zähne, Toilettenseife, Mazzoth. Biskuits, Fruchtsäfte. Wein, Itiieher werden ausgeführt. Im letzten Jahr wurden neue Fabriken für Kerzen, Siacheldraht, Fruchtsäfte eröffnet. Möbel, Autokarosserien, eiserne Kassen. Parfüms, Schokolade, Eis. Baumaterialien werden längst im Lande hergestellt — es geht aufwärts. Unsere Gemeinde hin Jemenltenfiihrer In Leipzig. In diesen Tagen wird Leipzig von einem Führer der Jemeniten im Auftrage der Zentrale der Jemeniten- Organisation in Palästina aufgesucht. Die Jemeniten führen ihre Niederlassung in Südarabien auf die Zeit nach der Zerstörung des salomonischen Tempels zurück. Schon zur Zeit Esras haben sie nach ihrer Ueberlieferung dort ein jüdisches Königreich gehabt und, in der Meinung, dal! ihre Stellung unerschütterlich ist, sich auch geweigert, dem Rufe zur Rückkehr nach Palästina Folge zu leisten. Als dann aber zu Anfang des 7. Jahrhunderts das Reich zusammenbrach, begannen für die jemenitischen Juden schwerste Verfolgungen, die sich bis in die neueste Zeit hinein fortgesetzt haben. Die schimpflichen Ausnahmegesetze, die die Jemeniten gegenüber der arabischen Bevölkerung herabwürdigten, die zum Teil im 19. Jahrhundert gemildert waren, sind seit 1918 wieder in vollem Umfange in Kraft gesetzt. Darüber hinaus sind Bestimmungen von unglaublicher Härte erlassen worden, die die Juden zwingen, Jemen iluchtartig zu verlassen. Seit 1921 besteht ein Gesetz, wonach jedes indische Waisenkind, das noch nicht 13 Jahre alt ist, zum Islam übertreten muß. Die entsprechenden Bestimmungen kennen keinen Unterschied zwischen denen, deren Eltern nach Inkrafttreten des Gesetzes gestorben sind, und denen, die schon vor langer Zeit verwaist sind. Es genügt, daß zwei Araber über einen bestimmten Juden aussagen, er habe die Eltern verloren, als er noch nicht 13 Jahre alt war, um diesen zu zwingen, Mohammedaner zu werden, selbst wenn er schon 70 Jahre alt ist. Als daraufhin in den nächsten Jahren Tausende von Juden Jemen verließen, erließ der Imam eine neue Verordnung, wonach es den Juden verboten ist, das Land zu verlassen, und das Vermögen der geflohenen luden dem Staate verfällt. Da das Land keine festen Grenzen hat, der Begriff eines Passes noch unbekannt ist, kann die Flucht der Juder. nicht verhindert werden, wenn es ihnen auch nicht möglich ist, mehr als das nackte Leben mitzunehmen. Diesen unglücklichen, verfolgten Juden steht die Vereinigte Jemeniten-Organisation in l; a II st Im helfend zur Seite. Es ist erschütternd, den Vertreter dieser Organisation, Herrn J. Gluska. die ungeheuerlichen Nöte seiner liriider schildern zu hören. Zurzeit ist es gelungen, von seilen der ilästinaverwaltung die Einreisegenehmigung für 600 Jemeniten zu erlangen. Es wäre von Herzen zu wünschen, daß es gelingt, die für die Ansledluiig dieser 600 Menschen erforderlichen Mittel zu beschaffen. WO sonst dem Untergänge geweihte Juden, die der jüdischen Gemeinschaft wertvolle Dienste würden leisten können, wären zu retten: denn bei aller äußeren Not sind diese Jemeniten mit altjüdischer Kultur eng verbunden. Es sollte Ehrenpflicht sein,, dazu beizutragen, daß sie ihr Judentum frei leben und betätigen können. „Der soziale Gedanke" lautete das Thema des zweiten Vortrages, den Herr Gemeinderabbiner Dr. Qoldmann im Rahmen seines Zyklus „Zeitströmungen im Lichte der jüdischen Religion" hielt. Der soziale Gedanke, so führte der Redner einleitend aus, entspringt nicht einer theoretischen Problemstellung, sondern zieht sich — vor Jahrtausenden erstmals vom Judentum proklamiert — wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit, faßte festen Fuß in ihren religiösen und politischen Bewegungen und realisierte sich in drei hauptsächlichen Etappen: der jüdisch-sozialen Gesetzgebung, der christlichen Charitas und der neuzeitlichen sozialpolitischen Bewegung. Sozialismus und Kommunismus als letzte weltliche, uns gegenwärtige Ausläufer mit dem Prinzip der wirtschaftlichen Gleichstellung aller Menschen und Vergesellschaftung der Produktionsmittel erklären im Gegensatz zur christlichen Charitas und In Anlehnung an die alte jüdische Lehre, daß die soziale Hilfe nicht mehr persönlichem Gutdünken, der Liebe und dem Mitleid des einzelnen überlassen bleiben dürfe, sondern erste Pflicht der Gemeinschaft und darüber hinaus der Menschheit sei und das höchste zu sanktionierende Anrecht ihrer Mitglieder. Die Sozialversicherungsära und ihre verwandten Zeitströmungen Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts steht somit als markante Epoche unter den Auswirkungen des ursprünglich religiös-sozialen Gedankens und gibt Zeugnis für sein unaufhaltsames Vordringen in der Kulturmeuschhcit. So erscheint denn der soziale Gedanke des Judentums mit seinem Leitsatz „Liebe deinen Nächsten: er ist wie du!" als erste Position kulturellen Auftriebs, findet seinen großartigen, noch nicht allseits erkannten Niederschlag in den Gesetzen über die Sklaverei und ihre Beschränkung, über Fremdenrecht, Erlaßjahr. Armen-. Kranken-, Witwen- und Waisenfürsorge, Unpfändbarkeit des Unentbehrlichen und wird gekrönt durch die einmalige und deshalb geniale Schöpfung des Sabbats, des gesetzlichen Ruhetages für Herr, Knecht, Fremdling und Tier, für hoch und niedrig, für arm und reich. Vorstufen einer bodenreformerischen Gesetzgebung als Spitze gegen die volksentwurzelte Latifundienwirtschaft, im Talmud niedergelegte arbeitsrechtliche Bestimmungen (Koalitionsfreiheit, Arbeiterschutz, Lohntarif), Pflicht der Wohltätigkeit auch für den Unterstützten nebst Gesetzen sozialhygienischer Natur umrahmen das sozialpolitische Bild des Judentums, dulden jedoch trotz alter kommunistischer Ansätze — Aufhebung des persönlichen Eigentums im jüdischen Essäerorden - - keine ülcichsetzung mit modernen kommunistischen Manifestationen. Jüdischer Sozialismus trägt deshalb keinerlei parteipolitisches Gepräge, er wurzelt vielmehr in der jüdischen Tradition sowohl als auch in der Volksseele (Ostjudentum!) und konnte infolgedessen nicht nur innerhalb der sozialistischen Bewegung, sondern auch im Konservatismus und Liberalismus und überall, wo es sich um die Verwirklichung des sozialen Gedankens drehte, Männer jüdischer Herkunft auf den Plan rufen. Die Universalität des jüdisch-sozialen Gedankens verträgt noch weniger eine Angleichung, Umdeutung oder gar Verkleinerung aus Motiven religiöser und politischer Opportunität, sondern ist als Erbteil des Judentums von Zeitströmungen unabhängig wie jüdischer Individualismus, dessen Ergänzung und nicht Gegensatz er bildet. Den Nachweis dieser Synthese kündigte der Redner für den letzten seiner hochinteressanten und stark besuchten Vorträge an. Dr. L. Hans Goslar über «Der Wirtschaftskampf der deutschen Juden". Auf Einladung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig, der Leipzig-Loge und der Zionistischen Vereinigung sprach in einer überfüllten Versammlung im Saal des „Künstlerhauses" Herr Ministerialrat Hans Goslar, durch seine amtliche Stellung wie durch seine besondere jüdische Arbeit mit der Materie ganz besonders vertraut, über das vorstehende Thema. In einem Rückblick auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Stellung der Juden in Deutschland im 19. Jahrhundert zeigte der Referent die volkswirtschaftliche Bedeutung der Juden, die keine Veranlassung haben, sich durch die antisemitische Behauptung von der Unproduktivität der Juden einschüchtern zu lassen. Es war eine außerordentliche Kurzsichtigkeit, daß bei alledem Bestrebungen anwachsen konnten, die sich der wirtschaftlichen Leistung der Juden entgegenstellten. Diese Erscheinungen haben zur Entvölkerung der früheren deutschen Ostprovinzen geführt: die Juden, denen dort ein wesentlicher Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg zugeschrieben werden muß, wurden von den Polen wegen ihrer Hinneigung zu den Deutschen wirtschaftlich boykottiert, während gleichzeitig die Deutsehen ke.n Mittel ungenützt ließen, die Juden zu verdrängen. In den Zeiten des Aufstiegs hat der Jude in Deutschland wegen seiner Aktivität, seines Initiativ willens, seiner in Häuslichkeit gestützten Sparsamkeit Vermögen erworben, so daß es neben einem wohlhabenden Mittelstand auch eine Reihe sehr vermögender Juden gegeben hat. Um so stärker war der Rückschlag durch die Inflation: diese Vermögen verfielen der Entwertung. Zudem ist nun ein wirtschaftlicher Kampf gegen die Juden von iudenfeindlicher Seite entflammt, wie er in dieser Heftigkeit, Planmäßigkeit und Wirkung nie geahnt worden war. Zu spät haben die Juden selber die Folgen dieser Entwicklung erkannt, zu spät begonnen, Maßnahmen zu ergreifen. Doch ließe sich auch heute noch vieles erreichen. Es müsse wieder die alte jüdische Solidarität erwachen. Unter lebhaftem Beifall bezeichnete es der Referent als Schamlosigkeit, wenn gerade zur Mit der „Gardez Bremen la dorne!" We|t- Knmlnalburleske mit Gesang und Tanz von Salo Kunln ^^^^^^^^»*>B»»»»^ OUSStellUHfl Das stimmungsvollste Fest d e r Saison! Vorvtrti.: M.Preissmann,Nlkolll Str.;BarnhardSchlirmann,Ralchaatr.5,u.b.ldinKomltaamlloHadern DAS KOSTÜMFEST der Schachabteilung des J. S. V. Bar Kochba im Sonnabend, dam II. Februar 1933, In den oberen 3 Sälen das .KQnitlarhauaai* nach 3 Kapallan — Zalta ftbarraachungan Chikago

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