Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 33 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG 30. Dezember 1932 wurde. Sonntagsfahrten und größere Touren stärkten das Qemeinsamkeitsgefühl und das Zusammenleben der Qruppe. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Erlernung jüdischer und allgemein proletarischer Kampflieder gelegt. Die J. S. A. J. beschränkte aber Ihre Aufklärungsarbeit nicht nur auf ihre Chawerim, vielmehr versuchte sie durch öffentliche Versammlungen der breiten jüdischen Oeffentlichkeit ihren Standpunkt kundzutun. Unsere Veranstaltungen fanden stets eine gute Resonanz. So wurde unsere erste Mai-Feier, das erste öffentliche Auftreten der J. S. A. J., von 400 Personen, meist Jugendlichen, besucht. Ebenso waren unsere folgenden öffentlichen Veranstaltungen: Reiseeindrücke aus Palästina, Kommunismus und die nationale Frage, gut besucht. Zurzeit findet eine Arbeitsgemeinschaft über B, Borochows Werk: „Klasse und Nation", ferner ein Funktionärkursus über die Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung, geleitet von Elieser Schächcr, statt. Für die Chaweroth wird eine Arbeitsgemeinschaft über „Die Frau und der Sozalismus" an Hand des gleichnamigen Werkes von Bebel, geleitet von Vera Katzenellenbogen, abgehalten. Des weiteren planen wir noch eine Arbeitsgemeinschaft der Chaweroth über „Die Frau in Palästina", die Eröffnung von Sprachkursen in Jiddisch und Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Heimabende der Gesamtgruppe finden im Jugendheim, Elster- Straße 7. jeden Montagabend H9 Uhr statt, die Arbeitsgemeinschaft der Chaweroth jeden zweiten Mittwoch, ebenso der Kursus für Funktionäre. Ueber die Eröffnung der Sprachkurse werden wir noch demnächst Mitteilung machen. Neue Bücher David Baumgardt, Professor der Philosophie an der Universität Berlin, Spinoza und Mendelssohn. Reden und Aufsätze zu ihren Gedenktagen. 28 Seiten. Berlin 1932. (Philo-Verlag GmbH.) In knappsten Umrissen sucht Baumgardt in der vorliegenden Broschüre zu umschreiben, was die beiden bahnbrechenden Denker des neueren Judentums, Spinoza und Mendelssohn, uns heute noch zu sasen haben. Die Geistesatmosphäre, aus der sie einst aufwuchsen, und die tiefen Wandlungen, die ihr Wirken bisher erfuhr, werden kurz lebendig gemacht, um vor allem zu zeigen, was für uns noch vorbildlich blieb. Besonders ihre Haltung zur Machtmoral und ihr Kampf um aktive Toleranz im geistigen wie im praktischen Leben wird dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit Gegenwartsfragen neu beleuchtet.. So dürfte dieser Beitrag Baumgardts zum Verständnis der beiden Philosophen an ihren Gedenktagen Anstoß bester neuer Besinnung auf ihre geistigen Taten geben. Dr. Rudolf Callmann, Zur Boykottfrage. Ein Gutachten. 44 Seiten. Berlin 1932. (Philo-Verlag GmbH.) Ein Problem, das durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Gegenwart zu besonderer Wichtigkeit gelangt ist, wird hier von einem durch seinen Kommentar zum Gesetz über den unlauteren Wettbewerb rühmlich bekannten Verfasser wissenschaftlich behandjlt. An einein Sonderfall werden die grundlegenden Fragen erörtert und beantwortet. Nachruft Herr Chaim Eitingon Ehrenmitglied unseres Vereins, hat über ein Jahrzehnt als erster Vorsitzender an der Spitze des Vereins „Bikkur-Cholim" gestanden. Nach Kriegsschluß, als die Notwendigkeit hervortrat, den Verein neu aufzubauen, stellte der Dahingeschiedene seine wertvolle Kraft in den Dienst des Vereins. Was seine Tätigkeit für unseren Verein bedeutete, wird uns ewig unvergessen bleiben, insbesondere als er nicht nur dem Namen nach Vereinsvorsitzender war, vielmehr seine persönliche Kraft und sein großes Ansehen den Vereinsangelegenheiten gewidmet hat. Sein Andenken wird für alle Zeiten in unserer Mitte in hohen Ehren gehalten werden. Der Vorstand des Krankenunterstützungs-Vereins „Bikkur Cholim" (e. V.) zu Leipzig Wir betrauern schmerzlich den Heimgang unseres Ehrenmitgliedes, des Herrn Chaim Eitingon Der Verstorbene war uns ein treuer Freund und Helfer, überall wo es Not und Leid zu lindern galt. Er wird uns unvergessen bleiben. Der Vorstand des Hilfsvereins israelitisch. Gewerbetreibender e. V., Leipzig. Durch eine glücklich verlaufene Oparation eben dem Leben wiedergegeben, verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager heute unser teurer, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager, Großvater, Onkel und Großonkel, Herr Chaim Eitingon im eben vollendeten 73. Lebensjahre. Dr. Max und Mirra Eitingon ranny und Motti Eitingon Esther Elkuß und Kinder Il)a und Fanny Eitingon Bertha und Ilja PaCnson Eva und Hans Eskrais zugleich Im Namen aller Hinterbliebenen. Berlin, New York, Leipzig, Paris, Lodz, London, 24. Dezember 1932. t