Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 33 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Dezember 1932 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 75, 100. ja, sogar 125 Prozent von den wenigen zahlungsfähigen Glaubensgenossen erheben müssen. Selbst mit derartigen Steuersätzen wäre nicht auszukommen, wenn nicht die kleinen Gemeinden in Ostpreußen einen erheblichen Jahreszuschuß vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bekommen würden. Ostpreußen ist ein mit Juden sehr dünn besiedeltes Gebiet. Entfallen;uii den Gesamtdurchschnitt im Reich 0,9 Prozent der Juden auf den Urvölkcrungsanteil. so sind es in Ostpreußen nur 0,5—0,6 Prozent. Die Königsberger Gemeinde, eine Mittelgcmcinde mit 4500 Köpfen, ist in den Jahren 1910 bis 1925 um 10,7 Prozent zurückgegangen, in den Jahren von 1925 bis 1932 um 11,3 Prozent. In erster Linie wirkt sich dabei die starke Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen aus; bezeichnend für den wirtschaftlichen Zusammenbruch ist auch der Geburtenrückgang sowie der Rückgang der Eheschließungen. Sicherlich ist auch unter den Juden in anderen Teilen des Reiches die Not groß. Die politische und wirtschaftliche Sonderlage der Provinz Ostpreußen hat aber gerade anter den dort wohnenden Juden eine Verelendung höchsten Grades hervorgerufen, die noch durch die iudenfeindlichc Hetze und deren wirtschaftliche Auswirkungen vermehrt wird. So sind alle Bestrebungen um Aufklärung und Verständnis bei der nichtjüdischen Bevölkerung nicht nur die Grundlage für die Sicherung der politischen, sondern auch der wirtschaftlichen Zukunft der Juden im deutschen Osten. (C.-V.-Pressedienst.) Amtliche Bekanntmachungen Flclschbozug von auswärts. Wie uns zu Ohren gekommen ist, beziehen viele Gemcindemitglieder ihr koscheres Fleisch und geschächtetes Geflügel von auswärts. Das ist im Interesse der Aufrechtcrhaltung unserer Kaschruseinrichtungen tief bedauerlich. Wir machen darauf aufmerksam, daß es in wahrhaft religiösen Häusern von jeher üblich gewesen ist, nur die Schechita der Gemeinde, der man als Mitglied angehört, als vollkommen zuverlässig anzuerkennen. Auch ist der einzelne Verbraucher meist nicht in der Lage, zu entscheiden, von welcher Quelle man ohne Bedenken beziehen darf. Der gesetzestreuo Jude soll also sein Fleisch nur aus den Betrieben beziehen, die unter Aufsicht des einheimischn orthodoxen (ieineinderabbinats stehen. Jedes Gcmeindcmitglied muß dazu beitragen, daß die einheimischen Fleischgeschäfte aufrechterhalten werden und die Qemelnde imstande bleibe, die Angestellten für das Kaschruswesen zu behalten. In diesem Zusammenhange wird nachdrücklichst darauf hingewiesen. daB unser orthodoxes Gemcindcrabbinat lediglich für das in den hiesigen, unter Aufsicht stehenden Fleischereien verkaufte Fleisch und Geflügel die Verantwortung übernimmt. Leipzig, den 20. Dezember 1932. Der Vorstand der israelitischen Rcligionsgemeinde zu Leipzig. Aufsicht zu Pessach. Kolonial Warengeschäfte, die zu Pessach 19 3 2 nicht unter Aufsicht des Qemcindcrabbinats gestanden haben, aber zu Pessach 1933 Aufsicht wünschen, werden aufgefordert, sich bis zum 3. Januar 1933 beim israelitischen Gemeindeamt zu melden. Ob und unter welchen Bedingungen die Aufsicht erteilt werden wird, wird dem Antragsteller bekanntgegeben. Nur diejenigen Firmen werden in das Verzeichnis der zu Pessach unter Aufsicht stehenden Geschäfte, das am 20. Januar 1933 in unserem (icmcindeblatt bekanntgegeben wird, neu aufgenommen, die bis zum 3. Januar 1933 einen entsprechenden Antrag gestellt haben und denen unser Rabbinat die Aufsicht erteilt. Leipzig, den 8. Dezember 1932. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Wohlfahrtsbrlef marken. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß Wohlfahrtsbriefmarken an der Kasse unseres Gemeindeamtes erhältlich sind. Wir bitten unsere (kineindcmitglieder um zahlreiche Bestellungen, da ein Teil des Erlöses den Bedürftigen unserer Gemeinde zugute kommt. Leipzig, den 16. Dezember 1932. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Wohltätigkeitsveranstaltung. Die Landesgruppe Westsachseti des Deutschen Schriftstellerverbaudes und der Verein Leipziger Presse (Vereinigung freier Schriftsteller) unternehmen eine Wohltätigkeitsveranstaltung zum Besten der Leipziger Nothilfe am Montag, dem 6. Februar 1933, Uhr. im Theater der Kammcrspiele. Elsterstraße. An der Veranstaltung wirken hervorragende Künstler mit. unter anderen Nora Nikisch. Kammersänger Willy Zilken, Opernsänger Walter Löhe, Lautensängerin Agnes Delsarto. Die Gesangsvorträge werden •im Flügel von Amadeus Nestler vom hiesigen Konservatorium begleitet. Außerdem findet die Uraufführung eines Lustspiels „Der Schüchterne" von A. Kutschbach statt. Um zu einer sicheren Grundlage der wohltätigen Veranstaltung beizutragen, bitten wir unsere Gemeindemitglieder, schon jetzt Kartenbestellungen bei uns aufzugeben. Die Preise der Eintrittskarten betragen 3, 2 und 1 Mark. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß durch zahlreiche Beteili- Kimg diese der Nächstenliebe gewidmete Veranstaltung gefördert wird. Leipzig, den 14. Dezember 1932. Der Vorstand der israelitischen Reilgtoasgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Gemeindesynagoge (Gottschedstraße 28). Chanukka. Sabbat- Kottesdienst: Freitag, den 30. Dezember, Abendgebet 16.30 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Ooldmann); Sonnabend, den 31. Dezember, Morgengebet 9 Uhr. Nachmittagsgebet 16.30 Uhr. anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann), Abendgebet 17.01 Uhr. — Morgeniiottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr. werktags 7-30 Uhr, Abendgottesdienst 16.30 Uhr. Qemelndesynagoge (Gottschedstr. 28). Sabbatgottesdienst: Freitag, den 6. Januar, Abendgebet 16.30 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn. — Sonnabend, den 7. Januar, Morgengottesdienst 9 Uhr, Nach- •nittagsgebet 16.35 Uhr; anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 17.09 Uhr. — Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.30 Uhr. Ex-Chalm-Synagoge (Otto-Schill-Straßo) und Talmud-Thora-Synagoge (Kcilstraße).. Freitag, den 30. Dezember. Abendgebet 16.15 Uhr. — Sabbat: Morgengebet 8.30 Uhr, Mincha 16. Uhr, Ausgang 17.01 Uhr. Wochentags: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 16.15 Uhr. Personenstandsnachrichten. G e b u r te n : 7. Dezember 1932: Hersch Mendel Baumöhl und Lucia geb. Feldklein, Halle a. d. Saale, Magdeburger Straße 13a, einen Sohn. 11. Dezember 1932: Paul Grünberg und Grete geb. Grünewald, Leipzig, Promenadenstraßo 17, einen Sohn „Gert". 15. Dezember 1932: Nathan Stauber und Gisela Dora geb. Lifschütz, Leipzig, Nordstraße 64, einen Sohn „Ingo W o 1 f g a n g ". 15. Dezember 1932: Chi! Piliccr und Friderike geb. Lindauer. Leipzig, Czermaks Garten 12, einen Sohn. Barmizwas: Am Sonnabend, dem 7. Januar 1933: Herbert Schild. Sohn des Herrn Leopold Schild und Frau Therese geb. Schwarz. Richterstraße 2, in der Gemeindesynagoge. Am Sonnabend, dem 7. Januar 1933: Rolf Pergamenter, Sohn des Herrn Jean Pergamenter und Frau Martha geb. Hartmann, Sedanstr. la, in der Gemeindesynagoge. Todesfälle: 21. Dezember 1932: Alexander Tennenbaum, Nordstraße 21. 24. Dezember 1932: Chaim Eitingon, Döllnitzer Straße 9. Warnung! Ein Herr Harry Weil, der in Berlin als angeblich Beauftragter des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei einem jüdischen Bankier auftrat, treibt auch in anderen Städten, z. B. in Nürnberg, sein Unwesen und hat auch schon kürzlich mit Hilfe seiner Frau in Leipzig versucht, Geld zu erschwindeln. Er trägt Pfadfinderkleidung und Ledergamaschen. Es wird mitgeteilt, daß er sich auch jetzt wieder in Leipzig aufhält. Es wird dringend davor gewarnt, ihm irgendwelche Unterstützung zu gewähren. Unsere Jugend Jugend und Sozialismus. (Aus der Tätigkeit der J. S. A. J.) Es sind kaum acht Monate seit der Gründung der Jüdischs o z lallt tischen Arbeiterjugend verstrichen, und doch können wir bereits konstatieren, daß unsere Arbeit in stetig fortschreitender Linie weitergeht. Als eine sozialistische Organisation der jüdischen werktätigen Jugend in Leipzig hat es sich die J. S. A. .1. zur Aufgabe gemacht, mit aller Energie für die Interessen der in Leipzig lebenden jüdischen Jugend einzutreten und die Mitglieder zur persönlichen Mitarbeit am Werke der palästinensischen Arbeiterschaft zu erziehen. Wir haben daher in der ersten Zeit folgende Arbeitsgemeinschaften veranstaltet: 1. Jüdische Geschichte: a) Die jüdische Emanzipation, b) die Assimilation der Juden in Westeuropa, c) die Haskalah Im Osten, d) das Aufkommen der nationalen Bewegung bei den Juden. 2. Materialistische Geschichtsauffassung: a) Der utopische Sozialismus, b) der marxistische Sozialismus, c) die Grundlagen des modernen Kapitalismus. 3. Poale-Zionismus: a) Das Wesen der Nation, b) die sozialistische Einstellung zur nationalen Frage überhaupt und zur jüdischen im besonderen, c) die poale-zionistische Auffassung der jüdisch-nationalen Frage. Zu allen diesen Themen wurden von den einzelnen Chawerim einführende Referate gehalten, die auf den Heimabenden eingehend behandelt wurden. Einige Abende waren ferner der Besprechung über das Wesen der Kwuzah sowie über Aufgaben und Ziele des Nationalfonds gewidmet. , , ..... Um den Chawerim das Selbststudium der jüdisch-sozialistischen Literatur und Presse, die zum großen Teil in jiddischer Sprache geschrieben sind, zu ermöglichen, wurde ein Blltzkursus zur Erlernung von Jiddischschreiben und -lesen eingerichtet. Nach diesen Vorbereitungsarbeiten konnten wir daran gehen, eine Funktionärprüfung abzuhalten, zu der sich neun Chawerim und Chaweroth meldeten. Nun wurden Wesen und Ziel der einzelnen jüdischen Parteien innerhalb der Funktionärkurse besprochen. Presserevuen und Referate über aktuelle politische Oeschehnisse informierten die Chawerim über die wichtigsten Vorgänge im jüdischen Lager und in der nichtjüdischen Umwelt. Aller vierzehn Tage wurde ein Literarischer Nachmittag veranstaltet, wo das Leben und Wirken jüdischer und nichtjüdischer sozialistischer Schriftsteller behandelt Werbeschau der jüdisch. Uandwcvhar vom 22.-29. Sanum 1933 im österreichischen Meßhaus, Uainsir. 16. Auskunft Tel. 2C*C9