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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-12-02 · 29 (2.12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
29 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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2. Dezember 1882 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN R C LIQ ION SO EM EINDE ZU LEIPZIG Seite 3 VORANZEIGE! Das gesellschaftliche Ereignis der Wintersaison 1932/33 Ball der Zionistisdien Vereinigung Leipzig, Sonnabend, den 14 Januar 1Q33, in den Festsälen des „Zoo". infolge seiner gedanklichen Konstruktionen sich der Wirklichkeit des Lebens zu entfremden. Demgegenüber ist ein Denken aus Lebenszusammenhängen notwendig. Das hat sowohl der jüdische Nationalismus übersehen, als er sich dem Religiösen gegenüber vielfach gleichgültig zeigte, wie auch der jüdische Liberalismus, indem er — an Begriffen, wie Volk und Gemeinschaft, lange achtlos vorübergehend — der prinzipiellen Auseinandersetzung mit den Problemen „Judentum und und Volk", „Judentum und Staat" auswich. Nur in diesem Denken aus Lebenszusammenhängen wird der Liberalismus sein Eigenstes wiederfinden, wird er sich freilich immer wieder auch der Spannung bewußt werden zwischen Prelheit und Gesetz. Auf diesem Spannungsverhältnis, dieser Krlsis, beruht die Kraft des Liberalismus. Dieser Krisis immer wieder inne zu werden, das ist unsere Aufgabe. Eine lebhafte und fruchtbare Aussprache folgte den Vorträgen. Prof. □bogen, Berlin, der als Vertreter der Wissenschaft des Judentums erschienen war. warb für die Notgemeinschaft der jüdischen Lehranstalten zur Ausbildung von Rabbinern in Deutschland. Grünewald, Mannhelm, referierte über eine Zeitschrift für jüdische Theologie, deren Gründung beschlossen wurde. Der bisherige Vorstand, bestehend aus Seligmann, Frankfurt a. M., Blumenthal, Galliner, Salomonski, Wiener. Herlin, Dienemann, Offenbach a. M.. Grünwald, Mannheim, Italiener, Hamburg, Schönberger, Aachen, Vogelstein. Breslau, Wolf. Dresden, wurde wiedergewählt; neu trat Lazarus. Wiesbaden, in den Vorstand ein. Die Wiederwahl Seligmanns gestaltete sich zu einer spontanen Kundgebung der Versammlung für den bewährten Führer. Am Spätnachmittag schloß die eindrucksvolle Tagung, um deren äußeres Gelingen sich neben dem Wiesbadener Rabbiner Lazarus auch der Vorstand der Israelitischen Rcligionsgemeinde, auf der Tagung vertreten durch die Herren Justizrat Marxheimer und Dr. Goldstein, besonders verdient gemacht hatte. Der Allgemeine Rabbinerverband und die Not des deutschen Judentums. Die ordentliche Hauptversammlung des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes fand unter zahlreicher Beteiligung aus allen Gebieten Deutschlands In Mainz statt. Seit mehr als einem halben Jahrtausend die erste Versammlung deutscher Rabbiner in den Mauern der altehrwürdigen Gemeinde, war sie in hingebungsvoller Welse von der Israelitischen Religionsgemcindc und deren Rabbiner Dr. Salv Levi vorbereitet worden. Die Beratungen standen ganz unter dem Eindruck der Fragen, die sich für den Rabbiner aus der gegenwärtigen Lage des Judentums erstehen. Sie begannen am Abend des 15. November mit der Erstattung des ersten Teils des Geschäftsberichtes durch Rabbiner Dr. Dienemann. Offenbach. In Verfolg einer Anregung aus dem Kreise der Mitglieder, den Schülern bei der Schulentlassung ein Merkblatt über die wesentlichsten Dinge der jüdischen Lehre und ihrer Verteidigung mitzugeben, wurde ein Ausschuß eingesetzt, der einleitende Schritte zur Ausführung dieses Planes tun soll. Ueber die Einrichtung der Bezirksrabbinatc wurde berichtet. Die Sitzung am 16. November begann mit einer feierlichen Begrüßung durch den Ortsrabbiner und Kommerzienrat Albert Mayer namens des Vorstandes der Gemeinde und des Gemeindeverbandes sowie durch nerzliche Begrüßungsworte des Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Kabbinerverbandes Dr. Baeck. Berlin. Das Hauptreferat hielt Rabbiner Dt. Wiener. Berlin, über „Jüdische Lehre und jüdische Theologie". Der Referent und die zahlreichen Diskussionsredner bemühten sich um eine systematische Grundlegung des jüdischen Lehrmnaltes In Auseinandersetzung mit den mannigfachen Richtungen und Anschauungen im Judentum der Vergangenheit und den Strömungen incrhalb der christlichen Theologie der Gegenwart. Der als Gast anwesende Prof. Dr. Ismar Elbogen. Berlin, berichtete "n Namen aller drei Anstalten, die der wissenschaftlichen Erforschung des Judentums und der Ausbildung der Rabbiner gewidmet sind, über uie katastrophale Lage dieser Institute und die zur Abhilfe unternommenen Schritte. Unter dem erschütternden Eindruck des Berichtes beschloß die Versammlung die folgende Resolution: „Die Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes nimmt mit tiefem Kummer von der katastrophalen Notlage der jüdisch-theologischen akademischen Bildungsanstalten in Deutschland Kenntnis. In schwerer Sorge um die Zukunft des rabbinlschen Nachwuchses und seine wissenschaftliche Ausbildung richtet sie an die jüdischen Gemeinden und Verbände die dringende Bitte, den auf Beseitigung des Notstandes gerichteten Vorstellungen der drei Anstalten in Berlin und Breslau ernsteste Beachtung zu schenken und alle Schritte zu tun, um die Existenz der Anstalten zu sichern. Sie richtet an die eigenen Mitglieder die Mahnung, ihre Gemeinden auf den eingetretenen Notstand nachdrücklich hinzuweisen und ihnen die Verpflichtung gegenüber den Stätten der jüdischen Wissenschaft zum Bewußtsein zu bringen." Rabbiner Dr. Dieneinann erstattete sodann den zweiten Teil des Geschäftsberichtes und leitete die Erörterung des zweiten Hauptthemas der Sitzung ein: „Was kann der Rabbiner in dieser Notzeit tun zur Sicherung der Gemeinde und zur Fürsorge für die Arbeitslosen?" Die eingehende Diskussion bezog sich sowohl auf die Erörterung praktischer Hilfsmaßnahmen für die Gemeinden und die einzelnen als auch auf die Erörterung der Gefahren, die den Gemeinden und dem Judentum aus dem Abfall ringender und erregter Jugend erwachsen. Man war sich einig, daß alle Möglichkeiten der seelsorgerischen Arbeit erfaßt werden müssen, um den vielen sozialen und seelischen Nöten zu begegnen, die dem Judentum entfremdeten Kreise zurückzugewinnen und damit dem gefährdeten Gemeindeleben neue Kräfte zuzuführen. Den Rest der Tagung füllten Wahlen aus. Zum 1. Vorsitzenden des Verbandes wurde aus dem einmütigen Verlangen der ganzen Versammlung Dr. Baeck, Berlin, als allseitig geschätzter und erprobter Führer wiedergewählt. Aus sächsischen Gemeinden Sitzung des Sozialen Ausschusses der Landeswohlfahrtsstelle des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes am 20. November 1932 In Dresden. Auf Veranlassung der Zcntralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden, Berlin, fand eine Zusammenkunft statt, die dem Ausbau der Wohlfahrtspflege dienen soll, und in der Herr Max Lesscr, Dresden, den Vorsitz führte und Herr Dr. 011 e n d 0 r f f von der Zentralwohlfahrtsstelle die Berichterstattung übernommen hatte. Dieser stellte fest, daß die Zusammenarbeit mit den sächsischen israelitischen Religionsgemeinden sich besonders gut gestaltet hat, so daß die Frage der Organisation kaum behandelt zu werden braucht. In dieser schwierigen Zeit sei die Arbeit der Landeswohlfahrtsstelle mehr denn je notwendig, und es möge doch mit Ernst die Frage erwogen werden, dieser Stelle mehr Mittel zur Verfügung zu stellen: unter Umständen könne die Zentralwohlfahrtsstelle einen kleinen Zuschuß leisten. Herr Dr. Goldberg, Plauen, wies darauf hin. daß alle Möglichkeiten geprüft werden müßten, staatliche Zuschüsse zu erhalten. Es wurde festgestellt, daß grundsätzlich Ausländer ebenso Anspruch auf Unterstützung aus öffentlichen Mitteln haben wie Inländer. Für die verstärkte Beschaffung von Mitteln aus den Kreisen der Gemcindcmitglieder hat die Zentralwohlfahrtsstelle wertvolle Anregungen gegeben. Die Berichte der Gemeinden ergaben, daß nach diese. Richtung hin in jeder einzelnen Gemeinde je nach den örtlichen Verhältnissen erfolgreich vorgegangen wird. Ueber die Schaffung und den Ausbau von Darlchnskassen an den Sammelpunkten des jüdischen Lebens berichtet fesselnd Herr Dr. Kreutzberger von der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen. Berlin. Im Anschluß daran berichteten die Gemeinden Chemnitz. Leipzig, Plauen und Zwickau über ihre Erfahrungen. Ueber den außerordentlichen Nutzen der Darlehnskassen bestand Einmütigkeit, die Gemeinden werden nach wie vor dieser Frage die ernsteste Beachtung schenken. Herr Dr. Ollendorff sprach die Hoffnung aus, daß es der Zentralstelle für jüdische Arbeitsnachweise, Berlin, doch gelingen werde, die Genehmigung zur Errichtung eines jüdischen Arbeitsnachweises in Leipzig zu erreichen. Die Arbeitsbeschaffung für jüdische Arbeiter und Angestellte müßte allen Glaubensgenossen am Herzen liegen. In Dresden hat rege Werbearbeit nach dieser Richtung hin besonders gute Erfolge erzielt. Der Fürsorgebeamte der Gemeinde Leipzig. Herr Folmann, berichtete über den freiwilligen Arbeitsdienst in Leipzig und fand damit größte Aufmerksamkeit bei den anderen Gemeinden und bei dem Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle, die sich die Erfahrungen in Leipzig zunutze machen wollen. Zum Schluß wurden noch einige Fragen der Wanderfürsorge kurz besprochen. Unsere Gemeinde Konzertabend für den Israelitischen Kindergarten. Der für den 6. Dezember geplante Konzert- und Gesellschaftsabend für den Israelitischen Kindergarten findet mit Rücksicht auf das am gleichen Tage stattfindende Konzert von Gigli erst am 13. Dezember statt. Näheres im Inserat dieser Nummer. DAS GROSSE WINTERFEST Uraufführung: „Jaques Ottenbach*4 Singspiel in 4 Bildern und einem Vorspiel von S a I o K u n i n. Musik nach Jaques Offenbach. Dargestellt von Damen und Herren der Gesellschaft. EinlaS 8 Uhr Beginn pünktlich 9 Uhr im"großen*Varietesaal des Krystallpalastes am Sonnabend, dem 8. Dezember 19S2 Tombola — Zelte — Ueberraschungen Tanzorchester — Symphonisches Orchester Piccadilly-Freudenberg — In der Mokkadiele spielt das Balalaika-Trio. DES J.S.V. BAR KOGHBA Bei Beginn der Aufführungen werden die Saaltüren geschlossen!

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