Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 29 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG 2. Dezember 1032 Sonnabend, den 31. Dezember 1932, findet im „Krystall-Palast", Theater-Saal, unser CHANURKA-FEST statt. Näheres in der nächsten Nummer dieses Blattes. Karten im Vorverkauf zu 1.—, 1.50 und 2.- RM. sind erhaltlich bei: Josef Sternhelm, Reichsstraße 25, Osear Seharfltng, KatharinenstraBe 5, Simon Kless, Nordstraße 26, Restaurant Gottlieb, Plauensohe Straße 3/5, sowie bei Damen und Herren des Festkomitees. Verein Jüdischer HHndler and Reisender Leipzigs Der Israelitische Wohltätigkeitsverein versendet folgende Chanuka- Bitte: „An unsere getreuen Freunde, Wohltäter und Mitglieder richten wir — wie seither in den 32 Jahren seit Bestehen unserer Anstalten — die herzliche Bitte, uns zur Chanuka-ßeschenkung wiederum ihre gütige Hilfe gewähren zu wollen. Die Schwere der Zeit legt uns in erhöhtem Maße die Pflicht auf. für die Kinder der Armen und Bedürftigen die im Kinderhort von uns betreut werden, zu sorgen, nicht minder für die betagten Insassen unseres Altersheimes, und eine Chanuka-Beschenkung. wie seit Jahren übich war, auch in diesem Jahre vorzunehmen. Voll Zuversicht wenden wir uns an Sie alle! Bitte, versagen Sie uns Ihre Hife nicht und unterstützen Sie unser Liebeswerk. Gütige Spenden sind zu richten an die Inspektorin Frl. Grete Pokorny, Nordstr. 15. oder auf unser Postscheckkonto 9791 Leipzig zu überweisen. Die Weltjudenhelt in der Krise. Der Verband Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit veranstaltete am 1. November 1932 einen Vortragsabend, an dem Dr. Nahum G o I d m a n n über „Die Weltjudenheit in der Krise" sprach. Der Vortragsabend wurde für die zahlreichen anwesenden Zuhörer zu einem Erlebnis. In gedankenreichen und formvollendeten Ausführungen zeichnete der Vortragende zunächst die Lage der Judenhelt in Rußland, Amerika und Deutschland. Das russische Judentum, das bis zum Kriege sich ein ungebrochenes, tief in der jüdischen Tradition verwurzeltes Volkstum bewahrte, ist letzt durch die neue Grenzführung im Osten atomisiert worden. In den Randstaaten sieht es sich einem aggressiven Nationalismus, in Sowjetrußland einem aggressiven Kommunismus gegenüber, der es in kurzer Zeit fertig gebracht hat, die zahlreichen jüdischen Kulturzentren völlig zu vernichten. In Amerika hatten die Juden bis zum Jahre 1929 geglaubt, dem Galuth-Schicksal entronnen zu sein. Es genügte ein Wirtschaftsumschwung. um auch dort einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Antisemitismus aufkommen zu lassen, der sich in keiner Weise von dem osteuropäischer Länder unterscheidet. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß dieser Antisemitismus auch in Amerika seinen politischen Niederschlag findet- Gerade Amerika, wo sämtliche Voraussetzungen für ein reibungsloses Einleben der Juden gegeben waren, zeigt deutlich, wie labil die Lage der Juden ist. Mit besonderer Eindringlichkeit behandelte der Redner die Lage der deutschen Judenheit. Die deutschen Juden haben 100 Jahre lang um die Emanzipation und Assimilation gekämpft. Heule ist ein Zusammenbruch dieses krampfhaften Bemühens der deutschen Judenheit zu verzeichnen. Nicht Progrome und wirtschaftlicher Boykott der Juden in Deutschland ist das wesentliche, sondern entscheidend ist der geistige Zusammenbruch, die Tatsache, daß nicht nur der größte Teil des Bürgertums sich dem Hakenkreuztum verschrieb, sondern daß auch die linken Parteien es nicht wagen, kämpferisch gegen diesen brutalen Antisemitismus aufzutreten. Diese Pariastellung. in die die deutschen Juden jetzt herabgedrückt sind, muß für sie, die ohne Bewußtsein jüdischer Kultur, Art und Geschichte sind, sowohl vom jüdischen wie auch vom menschlichen Standpunkte gefährlich werden. Es hat sich gezeigt, daß durch Emanzipation die Judenfrage ebensowenig gelöst werden könne wie durch nationale Autonomie oder etwa durch soziale Revolution. Antwort auf die Judenfrage gäbe allein Palästina! In packenden und überzeugenden Darlegungen wies dies' der Redner in seinem Schlußworte nach. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste Sabbatgottesdienst (Gemeindesynagoge). Freitag, den 2. Dezember, Abendgebet 16.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann). Sonnabend, den 3. Dezember. Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 16.25 Uhr. anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Dr. Goldmann); Abendgebet um 16.55 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr. werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Sabbatgottesdienst (Gemelndesynagoge). Freitag, den 9. Dezember. Abendgebet 16.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn). Sonnabend, den 10. Dezember, Morgengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Qoldmann): Nachmittagsgebet 16.20 Uhr. anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgebet 16.53 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Straße). Freitag, den 2. Dezember: Abendgebet 16.15 Uhr. Morgengebet 8.30 Uhr. Mincha 16 Uhr. Ausgang 16.55 Uhr. — Wochentags: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 16.30 Uhr. Warnung. Wir warnen davor. Herrn Fritz Körner in irgendeiner Form zu unterstützen. Der Vorstand der israelitischen Rellglonsgemelnde zu Leipzig. Austausch-Student München- Das Sächsische Akademische Auskunftsamt teilt mit, daß ein israelitischer kaufmännischer Direktor in München um Vermittlung eines Austausches nach Leipzig gebeten hat Sein Sohn wird als Medizinalpraktikant in Leipzig tätig sein, dafür bietet er dem Austauschstudenten (bzw. Studentin) Wohnung, Verpflegung und evtl. Familienanschluß. Der Haushalt wird nicht rituell geführt. Die Wohnung hat alle Bequemlichkeiten, auch Zentralheizung. Der Austausch wird für das nächste Semester gesucht. Neue Bücher Klzur Schulchan Aruch- Herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Rabbiner D. Feldmann. Was ist der eigentliche Unterschied zwischen orthodox und liberal, zwischen denen, die das ganze Religionsgesetz, wie es im Schulchan lynbä&iiMSigWi^ 3U€igt?n! ~\W3 HADASSAH MATANA AZUMAH PHANZEN-MAMARINE Diese drei flustwihl- Qualitäten entsprechen den höchsten Änfortterunjen.die ein streng rituell geführter Haushalt an die von ihm benötigten Speisefette stellen baiuisovoM hinsichtlich ihrer Güte und uielseitigenTJerloendungsmöglichheit.als auch ihrer streng koscheren UersteUungsweise. Ii J_ f. "* isC ■ f%" iMi'-: WfUli >•.-»»'."•. Sjll'VUt ••*' l;'t+r.W DR 3 OS E PH CARLE BAC H Atttabr. IDestdeuUxhe nahnuuj»«utt*t-U)erk* m.b.fl.Duisburg'ypji. Vertretung U Lager: Fa.I. Tempel, Leipzig, BlQcherstr.il.Tel.25240 Statt Korten/ Wir beehren an«. Freunde and Bekannte hierdurch in Kenntnis so «eisen, daß die harmixwah unsere« Sohnes Helmut am Sonnabend, dem 5.72.32, vorm. 9Ukr. in der Qemeindeiynagoge sialllindel. Marco« a. Site Merkel ämplang V2IS—VlS Uhr. Funkenburgtlraße2S,I Unter geliebter, gütiger Vater Herr Siegmund Gottlieb ist, 66 Jahre alt, am 26. November In Wiesbaden nach kurzer Krankheit Infolge eines Herzschlages friedlich eingeschlafen. Leipzig, Kari-Tauchnltz-StraOe 43. Im Namen aller Verwandten und Freunde Dr. Hellmuth Gottlieb Heinz Gottlieb