Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 28 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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24. November 1032 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 DAS GROSSE WINTERFEST Uraufführung: „Jaques Ottenbach" Singspiel in 4Bildern und einem Vorspiel von Salo Kunin. Musik nach Jaques Offenbach. Dargestellt von Damen und Herren der Gesellschaft. Einlaß 8 Uhr Beginn pünktlich 9 Uhr im großen Varietesaal des Krystallpalastes am Sonnabend, dem 3. Dezember 1932 Tombola — Zelte — Ueberraschungen Tanzorchester — Symphonisches Orchester Piccadilly-Freudenberg DES J.S.V. RAR KOCHRA kranken der Provinz, etwa 50, in den verschiedenen Heil- und Pflegeanstalten untergebracht. Aber für ihre religiösen Belange war nicht gesorgt, ein Uebelstand, der schwer empfunden wurde. Durch das weitgehende Entgegenkommen des Prälaten Nathan, des Besitzers der Branitzer Heil- und Pflegeanstalten, war es möglich, die jüdischen Pfleglinge der öffentlichen Heil- und Pflegeanstalten in die P r i v a t a n s t a 11 Ii r a n i t z, in der auch Kranke der Bezirksfürsorgeverbände untergebracht werden, zu verlegen. Diese Anstalt in Branitz, eine der besteingerichteten in ganz Deutschland, ist das Werk des durch seine überragenden Leistungen auf kariativem und sozialem Gebiete bekannten Prälaten Nathan. Die ganze Liebe seines Priesterherzens wandte er den Aermsten der Armen, den geistig Kranken und geistig Minderwertigen zu- In seinen Anstalten werden weit über 1100 Menschen betreut Die Anstalt nimmt nicht nur Pfleglinge der Bczirksvcrbäudc Hif, sondern sie hat auch Abteilungen, in denen Privatpatienten I. und!l. Klasse gesondert Aufnahme und Behandlung finden. In diese Anstalt nun wurden die jüdischen Insassen der übrigen öffentlichen Heil- und Pflegeanstalten der Provinz verlegt. Hier wurde vom Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege eine moderne rituelle Küche eingerichtet, aus der nunmehr 50 Insassen ihre Verpflegung erhalten. Die Küche, organisch dem Betriebe eingegliedert, untersteht der Aufsicht von Kabb. Dr. Krengel. Katibor, der auch die seclsorgerischc Betreuung der jüdischen Insassen ausübt. So wurde hier von dem Verband der jüdischen Wohlfahrtspflege unter tatkräftiger Mitwirkung der Zcntralwohlfahrtsstclle der deutschen .luden ein Werk ins Leben gerufen, das sich zum Segen der Aermsten aller Armen auswirken möge. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß die Anstalt auch Patienten aufnimmt, die nicht in Oberschlesicn zuständig sind. Aus sächsischen Gemeinden Plauen L V. (Gemeinderatssitzung). Hauptgegcnstand der Verhandlung bildete ein Antrag des Vorstandes der Gemeinde auf Aenderung der Satzungen, insbesondere des Wahlrechts. In einer den Gemeinde verordneten vom Gemeindevorsteher Dr. Qoldbcrg überreichten Denkschrift wurde ausgeführt, daß das gemeinsame Schicksal die Beseitigung von Ungleichheiten innerhalb der Gemeinde bezüglich der Vergebung der Gemeindeämter verlange. Der Vorschlag des Vorstandes ging dahin, allen Mitgliedern der Qemeinde ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit und des Geschlechtes mit vollendetem 23. Lebensjahr das aktive und mit vollendetem 28. Lebensjahr das passive Wahlrecht zu verleihen. Voraussetzung soll nur der Nachweis des einjährigen Wohnsitzes innerhalb des Qemeindebezirkes sein. Während die liberale Mehrheit des Kollegiums durchaus bereit war, diese allgemeine Gleichheit aller Gemcindemitglieder In aktiver und passiver Hinsicht mit zu beschließen, erhoben sämtliche ostiüdischen Mitglieder des Kollegiums hiergegen Einspruch und erklärten, daß sie diese allgemeine Gleichheit für sich gar nicht beanspruchen und zufrieden seien, wenn ihnen ein Drittel der Sitze garantiert würden. Da sie zugleich aber auch das Verhältniswahlrechtsystem wegen der unvermeidlichen Folge von Zwistigkeiten — die bisher in unserer Gemeinde nicht vorhanden waren — ablehnten, wurde schließlich mit 10 gegen 2 Stimmen beschlossen, das Wahlrecht in der vorgeschlagenen Weise abzuändern, jedoch so, daß zwei Drittel des Kollegiums die deutsche Staatsangehörigkeit haben müssen. Nach der neuen Satzung, die alsbald nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde in Kraft treten soll, werden etwa 500 Mitglieder der Gemeinde wahlberechtigt sein. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß nunmehr auch die bedauerliche Gleichgültigkeit, die die deutschen Qemelndemitglieder den Ucmeindewahlen entgegenbrachten, in Zukunft in Wegfall kommt, denn ein Fortschritt ist die Einführung des Frauenwahlrechts und die Herabsetzung des Alters für die Wahlfähigkeit und Wählbarkeit. Die Beratungen vollzogen sich im übrigen in ruhigen und verbindlichen Formen. Zur Beratung gelangte weiterhin in zweiter Lesung die neue Gebührenordnung, da gemäß Anregung der Regierung die Bestimmung, daß für Aufstellung eines Grabdenkmals eine besondere Gebühr zu entrichten ist, gestrichen werden mußte. Gegen die Rechtsgültigkeit einer solchen Gebühr hat sich nämlich das Sächsische Oberverwaltungsgericht in einer Entscheidung vom 8. Oktober 1930 ausgesprochen. Unter den Eingängen war bemerkenswert die Bekanntgabe einer Stiftung des früheren Qemeindemitgliedes Herrn Jonas Verleger, jetzt in Lodz, welcher zu Ehren des verstorbenen Predigers E. H e i m a n n zwei in seinem Verlag erschienene Werke, nämlich: ein mehrbändiges Talmudexemplar und eine Konkordanz, der Gemeindeverwaltung überwiesen hat. Die Stiftung wurde mit herzlichem Dank angenommen. (Aus technischen Gründen verspätet.) Neue Bücher Eine Monographie Uber David Friedländer und seinen Kreis. Wir veröffentlichen gern folgende Zuschrift: Am 25. Dezember 1934 werden 100 Jahre vergangen sein, seitdem David Friedländer, der Vorkämpfer der Judenemanzipation, gestorben ist. — Die Unterzeichneten beabsichtigen, aus diesem Anlaß eine Monographie über David Friedländer und seinen Kreis erscheinen zu lassen. Diese Arbeit — geplant ist ein Darstellungs- und ein Urkundenband — soll auf breitester quellenmäßiger Grundlage aufgebaut sein und alles heranzuziehen und auszuschöpfen versuchen, was an einschlägigem handschriftlichem und literarischem Material beschafft werden kann. Um dies Material auch wirklich annähernd voll erfassen zu können, bitten die Unterzeichneten alle diejenigen, die Briefe von und an David Friedländer, seine Familienmitglieder und Mitarbeiter sowie sonstiges einschlägiges handschriftliches Material besitzen, ihnen diese Dokumente zur Abschriftnahmc zu überlassen. Auch für Namhaftmachung von Personen und Instituten, die Schriftstücke der gesuchten Art aufbewahren, sowie für den Hinweis auf schwer zugängliches archivalisches, gedrucktes und Bildmaterial wären die Unterzeichneten sehr dankbar. — Zuschriften und Zusendungen bitten die Unterzeichneten zu richten entweder an die Bibliothek der Berliner Jüdischen Qemeinde oder an das Qesamtarchiv der deutschen Juden, beide: Berlin N24, Oranienburger Straße 29. gez. Dr. Jacob Jacobson. gez. Dr. Josef M c i s 1. „Wir deutschen Juden 321—1932". Herausgegeben vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E.V. Berlin 1932. „Wir deutschen Juden" heißt eine soeben vom Ccntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgegebene kurzgefaßte, aber inhaltsreiche und mit wirkungsvollen Zeichnungen ausgestattete Flugschrift. Der Titel enthält mit Recht den Zusatz „321—1932"; denn die Juden leben seit mehr als 1600 Jahren auf deutschem Boden, sie sind inmitten deutscher Kultur aufgewachsen, haben alle Gebiete der deutschen Kultur tatkräftig gefördert, sie lieben ihre Heimat und verteidigen ihr Vaterland wie jeder andere Deutsche. Kurz: sie fühlen sich als Deutsche, sie sind Deutsche. Alle diese an sich bekannten Tatsachen müssen in dieser politisch bewegten Zeit immer wieder mit allem Nachdruck betont werden, weil daraus die Grundlosigkeit des Umstandes hervorgeht, daß die deutschen Juden, kaum 1 Prozent der deutschen Bevölkerung, mehr denn je Gegenstand der Beschimpfung, der Verachtung, des Hasses, ja sogar Objekt des täglichen Angriffes sind. Die judenfeindliche Bewegung wird vielfach gespeist mit schlagwortartigen antisemitischen Behauptungen, die in der vorliegenden Broschüre überzeugend widerlegt werden. Man kann dieser objektiven, gut unterrichtenden Darstellung weiteste Verbreitung in allen Volkskreisen wünschen. Vom Buch, das tausend Jahre wuchs. Ein bibelwissenschaftliches Sammelbuch. Herausgegeben von Dr. Max Soloweitschik. Berlin 1932 (Welt- Verlag. Eine Parallelausgabe hat der Heine-Bund, Berlin, für seine Mitglieder gebracht). Es kann darüber Meinungsverschiedenheit bestehen, ob eine Einführung in die alttestamentliche Wissenschaft, für einen breiteren jüdischen Leserkreis bestimmt, zu den zeitgemäßen Aufgaben eines Verlages mit jüdischen Absichten gerechnet werden soll. Die kritische Betrachtung unserer Heiligen Schrift, die einige Jahrzehnte hindurch die protestantische Theologie beherrscht und auf manche jüdische Forscher Einfluß ausgeübt hat, hatte zu einer schrankenlosen Auflösung geführt. Sie muß heute von ihrem Radikalismus abgehen. Eine besondere Forschung, die weniger auf den literarischen Werdegang, mehr auf die religionsgeschichtliche Wirkung sieht, kommt zu einer angemesseneren Würdigung unseres heiligen Buches. Gleichwohl kann nicht bestritten werden, daß diese Vertiefung in unser uraltes Schrifttum, die von jener Seite *n sÄ- Qroße Weihnachls-Pelzausstellung in »amtlichen Räumen de» Haute» Schälet SondeP^Htigoboil _ Jm 'Rahmen des Weihnachltverhauies gebe ich hochwertige feUmodeüe, Leipzig Ksl wie Persianer. Sealbisam, tau. "Breitschwanz, ind. ftreilschwam. Thomaakirchhof 20121 ftH» «*— HiwMtimg. m Telefon 1061». was ausgesprochenen Keklame~vpeisen obl Um zwanglose Besichtigung der Russiellung sowie der Schaufenster wird höflichst gebeten.