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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-11-18 · 27 (18.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
27 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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18. November 1932 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL10IONSOEME1NDE ZU LEIPZIG Seite 3 [ DAS GROSSE 1 WINTERFEST im großen Varietesaal des Krystallpalastes am Sonnabend, den 3. Dezember 19S2 Tombola — Zelte — Ueberraschungen Tanzorchester — Symphonisches Orchester Piccadilly-Freudenberg Uraufführung: „Jaques Ottenbach" Singspiel in 4 Bildern und einem Vorspiel von S a 1 o K u n i n. 1 9 f 1» Je) t9n V« Musik nach Jaques Offenbach. Dargestellt von Damen und Herren der Gesellschaft. Einlaß 8 Uhr Beginn pünktlich 9 Uhr BAR KOCHBA kräftige, appetitanregende Luft haben dazu beigetragen, den Kindern die I so notwendige Erholung zu bringen. Bei fast allen Kindern war eine I erhebliche Besserung ihres körperlichen Zustandcs festzustellen. Auch 1 in diesem Jahr ist uns unser Werk nur ermöglicht worden durch die Iimmer erneute Opferfreudigkeit unserer zahlreichen Gönner. Wir danken ihnen an dieser Stelle herzlich und würden uns freuen, wenn sie isich im nächsten Jahr durch einen Besuch bei uns von den Leistungen |in unserem Heim überzeugen würden. Frau Louise Ariowitsch 75 Jahre alt. Am 23. November vollendet Iprau Louise Ariowitsch ihr 75. Lebensjahr. Die Jubilarin hat das IWohlfahrtswesen unserer Gemeinde durch die Stiftung des Altersheims Iin der Auenstraße um eine ebenso wertvolle wie notwendige Einrichtung {bereichert und sich durch dieses Heim, das ihren Namen trägt, ein un- Ivergängliches Verdienst erworben. Die Greisin hat nicht nur ihr ganzes Leben hindurch die uralten heiligen Traditionen persönlich gewahrt, sie Iist auch immer bestrebt gewesen, ihre Aufrcchtcrhaltung zu fördern, limd hat der in ihrem Hause errichteten Synagoge ihre ganze Hingebung gewidmet. Mit weiten Kreisen, deren hohe Schätzung sie sich lerworben hat, wünschen auch wir an dieser Stelle, daß der Allgütige Iihr noch viele gesegnete Jahre schenken möge. Das Schultest der Höheren Israelitischen Schule. Alle städtischen Schulen machen alljährlich eine Veranstaltung in Igroßem Maßstabe, bei welcher die gesamte, aus Zöglingen, Lehrerlkollegium und Elternschaft bestehende Schulgemeinde sich ein Stell- Idiehein gibt. Erfahrene Pädagogen legen dem Schulfest große Bedeutung ■bei und sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der erzieherische |Wert desselben nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Für die jüdische Schule, die unter wesentlich schwereren Bedingungen existiert als alle anderen, und die als einzige jüdische Bildungslaiistalt unserer Stadt einen Anspruch auf Interesse und Förderung von Iseitcti aller jüdisch-interessierten Kreise hat, kommt auch der festlichen ■Veranstaltung, die bisher alljährlich einmal stattgefunden hat, erhöhte ■Bedeutung zu. Hier muß ja ganz besonders starkes Gewicht auf den (persönlichen Zusammenhalt, auf den Konnex zwischen Schule und Eltern- Ihaus gelegt und darauf Bedacht genommen werden, daß herzliche Beiziehungen zwischen den Kindern untereinander und Schülern und Lehrerlschaft gepflegt werden. Es muß ferner immer von neuein wieder daran Igcarbeitet werden, daß das leider in vielen Kreisen noch bestehende [Verurteil zerstreut werde, als stünde sie in disziplineller Hinsicht und [bezüglich der Erziehung zur Freude an allem Guten und Schönen hinter Idem Niveau anderer Schulen zurück. Erfahrungsgemäß haben die früher ■veranstalteten Feste ein wesentliches zur Erreichung dieses Zieles beigetragen; die Schule hat immer bei solchen Gelegenheiten neue Freunde |und neue Fürsprecher gewonnen. Es ist auch immer ein materieller Erfolg erzielt worden. Ohne daß Ider einzelne Besucher des Festes stark in Anspruch genommen wurde, ■war das Gesamtergebnis doch stets recht erfreulich. Von dem Ertrag [konnten freilich niemals Rücklagen gemacht werden. Aber bei der — ver- Iständlicherweise — meist sehr prekären Finanzlage der Schule half der lUewinn des Festes, immer dazu mit, daß dringende Zahlungen geleistet, (rückständige Schulden beglichen werden konnten. In diesem Jahre — wohl dem allerschwersten, das die Schule auf [ihrem ohnedies dornenreichen Wege zu absolvieren hatte — steht die ■Schule auch mit ihrem Feste vor ganz besonderen Schwierigkeiten, loci einem solchen ist die Raumfrage das Entscheidende. Der Saal, der fast t als einziger in Leipzig hierfür in Frage kommt, nämlich der Vanetfisaal des „Krystallpalastes", ist nur am Donnerstag, dem I. Dezember, verfügbar. Ein Donnerstag ist für unsere Hausfrauen, speziell im Winter, wo dieser Tag ja schon ganz der Vorbereitung für den heiligen Sabbat gilt, denkbar ungünstig, der I. Dezember, als Tag nach dem Monatsschluß auch für die Kaufleute gewiß nicht geeignet. Und doch ist die Schule an dieses Datum gebunden, und sie rechnet auf die gute Gesinnung unserer interessierten jüdischen Mitbürgerschaft, daß diese die, wie gesagt, naheliegenden ßchinderungsgründe nicht geltend machen, sondern, weil es sich um die Schule handelt, die an diesem Abend keinen ihrer Freunde missen kann, allen Schwierigkeiten zum Trotz dennoch erscheinen und der Veranstaltung zu dem Erfolge verhelfen wird, den die Leitung und der Vorstand der Schule wünschen und erwarten. Dieser Appell an unsere Freunde wird nun noch durch den Hinweis unterstützt, daß die Schule, die zu Ostern 1912 ihre Pforten geöffnet hat, ganz eigentlich zu Beginn dieses Schuljahres ein 20jähriges Jubiläum hätte feiern müssen. Eine solche Feier ist in Rücksicht auf die schwere Zeitenlagc unterblieben. Aber das Schulfest soll gleichzeitig Gründungsfest sein. Es wird deshalb mit verdoppelter Sorgfalt vorbereitet, und alle, die mit der Sache befaßt sind, machen die höchsten Anstrengungen, um diesen Abend zu einem nicht nur für die Kinder, sondern für alle Teilnehmer unvergeßlichen zu gestalten. In anderen jüdischen Gemeinden, in denen jüdische Schulen bestehen, die, wie alle Kulturinstitutionen, furchtbar unter der Wirtschaftskrise zu leiden haben, werden beinahe allwöchentlich Sammlungen veranstaltet, damit der Etat balanciert werden könne. Wir treten äußerst selten an die hiesigen Gemeindemitglieder heran, und die Zahl derjenigen, die freiwillige Beiträge leisten, ist ganz minimal. Wohl aber verhält sich die Schule vielen verarmten Eltern gegenüber so, als wäre sie ein reines Wohltätigkeitsinstitut, und gewährt in überraschend großem Maße Schulgeldcrmäßigungen und Freistellen. Es kann sich also in Leipzig niemand darüber beschweren, daß er allzu stark für die Schule in Anspruch genommen worden sei. Die Sorge für dieselbe lastet auf wenigen Schultern. Um so mehr glauben sich die Unterzeichneten berechtigt, wenigstens das kleine Zeichen der Freundschaft und des Interesses, das in dem Besuch des Schulfcstes liegt, von jedermann erbitten zu dürfen. Vorstand, Direktor und Lehrerkolleglum der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig. Unsere Jugend Jüdischer Jugendring. Zur Erhaltung ihres Hauses hat die Leipziger jüdische Jugend eine Aktion eingeleitet, die in dreifacher Weise dem erstrebten Ziele dient. Zunächst ist hier eine rege Mitglicderwerbung für den Verein „Jüdisches J u g e n d h a u s" zu nennen, die bereits in vollem Gange ist. Da nicht alle in Frage kommenden Gemeindeglieder dabei angegangen werden können, ergeht hierdurch an alle diejenigen, die der jüdischen Jugend helfen wollen, die Bitte, unter 232 05 (Jugendhaus, Elsterstraßc) telephonisch anzurufen. Genau Auskunft über die geringe Höhe des Mitgliedsbeitrages sowie über alle sonstigen Fragen wird darauf umgehend erteilt werden. Des weiteren wurde am 16. November und wird am 20. November eine Hau s t a m m I u n s bei allen Gemeindemitgliedern Hurch- •i öffentl. Protestkundgebung: „Im Kampf gegen die Lüge am Montag, den 21. November 1932, im .Kaufminnischen Vereinshaus", Leipzig C1, Schulstraße 5. — Anfang punkt 8.15 Uhr. Jüdische Bevölkerung Leipzigs! Auf »um Protest! Vorspruch: Qlna Petruschka von der Städtischen Schauspielschule. Zu dem Thema: .Im Kampf gegen die Löge" werden sprechen: Dr. Alfred Wiener, Berlin, Hauptvorstandsmitglied des Z.-V. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Elkeles, Berlin, Hauptvorstandsmitglied des Z.-V. Rittergutsbes. Arthu r Sandelowsky.Norgehne n Außerdem aus Leipzig: Vorsitzender des Landesverbandes Mitteldeutschland Rabbiner Dr. Felix Qoldmann, Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland: Artur Schweriner, für die Frauen des Z.-V.: Frau Dora Ury, f. die Jugend d. Z.-V. Dr. Herbert Lindemann. Die Erneuerer Deutschlands wollten in letzter Stunde vor der Reichstagswahl durch einen dreisten Wahlschwindel ihre verlorene Sache retten und den Zentralverein nach außen und innen schwer belasten. Wir benutzen die erste Gelegenheit nach Beendigung des Burgfriedens, um deu Moralpredigern gegen den Sumpf „Juda" die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reisen. Führer des Zentralvereins werden der jüdischen Bevölkerung Leipzigs über die gewaltige Arbeit Im Kampf gegen dl« Lüge sachkundig berichten und ein Bild der politischen Lage unserer Tage geben. Keiner darf fehlen! Erscheint In MassenI Ortsgruppe Leipzig des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Krause. Zutritt haben nur Mitglieder dar Judischen Gemeinde1 I

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