Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 27 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Soito 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG empfingt. Er stellt den Antra«, deshalb für die Jugend religiöse Feiern /u veranstalten. Der Antra« wird an das Rabbinat und an den UnterrichtsansschnB verwiesen. II. Dem Vorstand wird die Ermächtigung erteilt, das Gemeinde- Statut In der durch die letzten Nachträge bedingten Form zu fassen. 12. Herr Seiinger fragt an, was in der Frage des Wahlrechts geschehen ist Der Vorsitzende antwortet, daß die liberale Fraktion die Frage erörtert hat und ihren Beschluß den anderen Fraktionen mitteilen wird. Die Niederschrift wird vorgelesen und genehmigt, die Sitzung um 20.10 Uhr geschlossen. Aus aller Welt Der Sabbatschuldispens in den europäischen Ländern. In Anbetracht der entscheidenden Bedeutung, die dem Sabbatschuldispens für die Heranziehung eines sabbattreuen Nachwuchses zukommt, hat der We 11verband „Schomre Schabbos" eine umfassende E n q u e n t e eingeleitet, um die Regelung der fraglichen Materie in den verschiedenen europäischen Ländern festzustellen. Nachdem die meisten Antworten eingelaufen sind, läßt sich ein ungefähres, wenn auch noch nicht vollständiges Bild der bestehenden Verhältnisse gewinnen. Für England bestimmt das Schulgesetz bezüglich der öffentlichen Elementarschulen, daß die jüdischen Eltern für ihre Kinder vollständigen Dispens am Sabbat verlangen können. In der Praxis liegen die Dinge dadurch noch einfacher, daß die meisten Elementarschulen überhaupt am Sonnabend geschlossen sind. In den höheren Schulen kann für die Zeit des synagogalen Qottesdienstes Dispens beantragt werden, darüber hinaus gilt der Schreibdispens. Bemerkenswert ist, daß öffentliche Elementarschulen, die vornehmlich von jüdischen Kindern besucht werden, eine spezielle Ferienordnung haben, die so eingeteilt ist, daß die Ferien die jüdischen Feiertage mit einschließen. In den Niederlanden ist der Schuldispens ein vollkommener und gilt in gleicher Weise für Elemntarwie für höhere Schulen. In Amsterdam, wo in bestimmten Vierteln die jüdische Bevölkerung überwiegt, gibt es öffentliche Schulen, auch höhere, die am Sonnabend gänzlich geschlossen sind. Auch in Deutschland liegen die Verhältnisse günstig. In Preußen kann jedes jüdische Kind vom Schreiben sowohl wie auch vom Gesamtunterricht am Sabbat befreit werden. Das gleiche gilt für die Hansestädte. In Sachsen und Hessen wird die Unterrichtsbefreiung unter der Bedingung gewährt, daß für einen Ersatz der ausfallenden Stunden durch Privatunterricht oder in anderer Weise gesorgt wird. Die süddeutschen Länder geben den Unterricht Insoweit frei, als dies zur Teilnahme der Schüler am Gottesdienst erforderlich ist. Thüringen und Oldenburg gewähren Schreibdispens sowie Befreiung von sonstiger manueller Tätigkeit. Auch in den österreichischen und tschechischen Schulen erhalten die jüdischen Kinder keine Unterrichtsbefreiung, ausgenommen an jüdischen Feiertagen. Hingegen ist bestimmt, daß bei der Abfassung der Unterrichtsplänc auf das für die jüdischen Kinder geltende religiöse Verbot des Schreibens tunlichst Rücksicht zu nehmen, und daß jeder direkte oder indirekte Zwang zur Uebertretung dieses Gebotes von selten der Schule zu unterlassen ist. Auch in Ungarn wird Unterrichtsbefreiung prinzipiell abgelehnt und nur Schreibdispens zugestanden. Polen macht nur in den Elementarschulen Konzessionen, in den höheren Schulen ist keinerlei Dispens gesetzlich vorgesehen: doch gelingt es vielfach in Einzelfällen, Dispense durchzusetzen. In Jugoslawien hat das zuständige Ministerium auf die erneute Intervention der jüdischen Instanzen hin eine Verfügung über vollständige Unterrichsbefreiung in Aussicht gestellt. In der T ü r k e i besuchen nur 2 Prozent der jüdischen Schüler staatliche Schulen, sie müssen ausnahmslos am Sabbat schreiben. Eigentümlich sind die Verhältnisse in der Schweiz. Neben Kantonen, die vollständige Unterrichtsbefreiung gewähren, gibt es solche, in deren höheren Schulen nicht einmal Schreibdispens zugestanden wird. In Frankreich und Italien ist formell wenig festgelegt; soweit jüdische Eltern für ihre Kinder Ausnahmen beantragt haben, haben sich die Schulleitungen entgegenkommend gezeigt. In Elsaß-Lothringen ist wenigstens der Schreibdispens für die Elementarschulen offiziell festgelegt. Hier wird auch eine gewisse Zahl von Schülern für die Zeit des Sabbat-Morgengottesdienstes vom Unterricht dispensiert. In Dänemark gibt das Ministerium Gesuche jüdischer Eltern auf Befreiung ihrer Kinder vom Schulbesuch am Sabbat dem Oberrabbiner zur Begutachtung weiter, auf dessen Befürwortung der Dispens erteilt wird. Schreibdispens wird ohne weiteres gewährt. Auch Norwegen kennt keine Bestimmungen, die Praxis ist loyal. In den öffentlichen Schulen Schwedens ist eine Dispensation am Sabbat noch nicht erteilt worden. Jüdische Verbinde und Gemeinden Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. blickte am 2. November 1932 auf ein d r e i ß i g j ä h r ig e s Bestehen zurück. Sie hat während der Zeit ihres Wirkens die Aufgabe, der Wissenschaft des Judentums zu dienen, durch Herausgabe von Schriften und durch Subventionierung jüdisch-wissenschaftlicher Arbeiten auf das glänzendste gelöst. Von dem „Grundriß der Gesamtv. issenschaft des Judentums" sind bisher 13 Bände erschienen, von dem „Corpus Tannaiticum" ist eben der dritte Band in den Druck gegeben. Die ..Germania Judaica" wird vollendet. Außerdem hat die Gesellschaft 37 „Schriften" herausgegeben. Die subventionierten Werke erreichen mindestens dieselbe Ziffer. Auch die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", das Organ der Gesellschaft, die jetzt im 76. Jahrgang erscheint, ist ein Beweis für ihre ungetrübte Schaffenskraft. Etwa 1500 Mitglieder in allen Teilen der Welt zeugen davon, daß es der Gesellschaft gelungen ist. trotz der Ungunst der Zeiten nicht nur kulturfördernd zu wirken, sondern auch zur Annäherung und Verständigung zwischen den einzelnen Ländern beizutragen. Das Verzeichnis sämtlicher Veröffentlichungen der Gesellschaft, die an Mitglieder zu einem Vorzugspreis abgegeben werden, ist unentgeltlich vom Büro der Gesellschaft, Berlin-Schöneberg, Beiziger Straße 46, II. 2 (Nathan), zu beziehen. GMamtvorfttaadMltzrag«! der ZeBtraiwohHahrtssielte der deutsches Juden und der Hauptstelle lür jüdische Wanderlärsorge. In Berlin fanden die Qesamtvorstandssitzungen der Zentralwohlfahrtsstelle und der Hauptstelle statt. Als wesentliche Ergebnisse konnte der Vorsitzende die folgenden Punkte hervorheben: Der Gesamtvorstand legt einmütig den größten Wert darauf, daß die Einrichtung der dringend notwendigen Heilstätte für tuberkulöse jüdische Männer nunmehr baldigst und entschieden gefördert wird. Die Erholungsfürsorge soll im Hinblick auf den Gesundheitszustand vor allem der Kinder und Jugendlichen unbedingt aufrechterhalten werden. Die Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und Fortbildung sollen eine Umgestaltung in der Richtung erfahren, daB sie auch In geeigneter Weise an mehreren Stellen im Reich veranstaltet werden. Die von dem Vorsitzenden des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin abgegebene Erklärung, daß mit der baldigen Errichtung des Uebergangsheimes für gefährdete jüdische Mädchen zu rechnen sei, wurde dankbar zur Kenntnis genommen. Der Gesamtvor-1 stand erklärte sich ferner zur Mitarbeit und zur Werbung für die Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" bereit. Ueber die) Fragen der Zusammenarbeit mit den großen interkonfessionellen Organisationen soll demnächst eingehend besonders berichtet werden. Im Mittelpunkt der Qesamtvorstandssitzungen standen sodann Referate und Aussprache über „Hilfe für die Erwerbslosen — Kampf gegen die Erwerbslosigkeit". Dr. Friedrich Ollendorf schilderte die durch die außerordentlichen Einschränkungen der öffentlichen Wohlfahrtspflege für die jüdische Wohlfahrtspflege geschaffene neue Lage, die außerordentlich gesteigerten Anforderungen vor allem an die Gemeinden und die| zur Erfüllung dieser Aufgaben erforderlichen und möglichen Maßnahmen. Sodann erörterte er die besonders gefährdete Lage der erwerbslosen I jüdischen Jugend und die auf diesem Gebiet geschaffenen und noch notwendigen Einrichtungen. Schließlich wurde die Frage verstärkter Mittelbeschaffung behandelt, auf die neue aussichtsvolle Form der sogenannten „Blocksammlungen" (intensivste ehrenamtliche Sammlung regelmäßiger, auch kleinster Beiträge in Häuserblocks oder bestimmten kleinen Bezirken) nachdrücklich hingewiesen und der Gedanke eines allgemeinen jüdischen Gemeinschaftswerkes dargestellt, das eine überall! während der Notzeit durchzuführende Solidaritätsaktion aller Erwerben-1 den für die Erwerbslosen darstellen soll. Dr. Max Kreutzberger sprach sodann über „Produktive Erwerbslosenfürsorge". Nach einer Schilderung der allgemeinen und jüdischen I Wirtschaftssituation in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung des Umfangs und der Struktur der jüdischen Erwerbslosigkeit verlangte | er eine Konzentration des jüdischen sozialen Aufwandes und eine sinnvolle und planmäßige jüdische Berufspolitik. Im einzelnen wies er auf I die entscheidende Bedeutung der Beschaffung von Krediten auf wirtschaftlicher Grundlage hin, schilderte die Lage der Jugend ohne Beruf I und Arbeit und legte die Möglichkeiten einer gesamt jüdischen Berufs-1 Politik dar. Nach einem Hinweis auf die Siedlungsbestrebungen und auf die besonders schwierige Lage der Jungakademiker legte er eingehend die zur Verstärkung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens notwendigen Maßnahmen dar. Zum Schluß verlangte auch er eine der Erhaltung der I Wirtschafts- und Lebenskraft der jüdischen Gemeinschaft dienende Neu-1 Ordnung der jüdischen sozialpolitischen Arbeit, zu der auch eine Rangordnung der Oemeindearbeit gehören müßte. Der Referent schloß mit I einem Hinweis auf die internationalen Zusammenhänge und appellierte I an die neuen und großen Verpflichtungen der jüdischen Gemeinschaft! Beide Referenten hoben die besondere Lage der Ausländer hervor I und wiesen eindringlich auf die dadurch gegebenen Notwendigkeiten hin I Als Hauptergebnisse einer eingehenden Aussprache konnten die | folgenden festgestellt werden: Es besteht Einigkeit über die Notwendigkeit neuer Wege zur verstärkten Mittelbeschaffung. Die Blocksammlungen werden allseitig ge l billigt und dringend empfohlen. Es bestand auch Zustimmung dazu, daß! der Weg zu einem umfassenden „Jüdischen Gemeinschaftswerk der Erwerbenden für die Erwerbslosen" entschieden weitergegangen werden I soll. Die Bedeutung der Darlehnskasse, gerade auch zur Beschaffung! kleinerer Darlehn, die Notwendigkeit der alsbaldigen Begründung von! Bezirksdarlehnskassen wurde nachdrücklich betont und gebilligt, ebenso die volle Auswertung aller durch die gesetzlichen Bestimmungen für die jüdische Arbeit gegebenen Möglichkeiten. Die besondere Bedeutung aller gemeindlichen und freiwilligen Arbelt auf dem Gebiete der Erwerbslosenhilfe, besonders der produktiven Maßnahmen, wurde aufs stärkste betont; es soll für dieses Oebiet eine besondere Korrespondenz zur | Information der Oemelnden herausgegeben werden. Die am Nachmittag stattgefundene Sitzung der Hauptstelle für | jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweis hatte folgendes Ergebnis: Die hohe Bedeutung des Landwerks Neuendorf wurde allseitig an-| erkannt, dem Ausbau des jüdischen Arbeitsnachweiswesens, n. a. durch | einen Werbemonat für diesen Zweck allseitig zugestimmt. Die Aufrechterhaltung der Wanderfürsorgeorganisation und der von ihr durchgeführten internationalen Zusammenarbeit wurde gefordert. Am nächsten Vormittag fand unter zahlreicher Beteiligung auch der I auswärtigen Teilnehmer eine Besichtigung des Landwerks Neuendorf I bei Fürstenwalde statt, auf dem 35 junge Leute tätig sind, und das in seinen Einrichtungen die volle Zustimmung und Anerkennung der Be-I sucher fand. Unsere Gemeinde Diirrenberger Kinderheim. Der Dürrenberg-Ausschuß bittet uns I folgendes zu veröffentlichen: Der Sommer ist zu Ende, und die letzte 1 unserer vier Kolonien ist zurückgekehrt. Wir freuen uns sehr, daß es uns möglich war, 140 Kindern zu einer Sommerfrische zu verhelfen. sie für kurze Zeit aus dem Elend des Alltags zu befreien. Die sorgfältige j Pflege, die regelmäßige Mittagsruhe in unserer Liegehalle und die