Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 27 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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jum Aallage 4500 Stttek DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I Jl| \D7\Clm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LLIl Mml\k\7 DER GEMEINDE-VERWALTUNGB Schrlftlaltung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Lalpilg, LohrstraBa 10 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung da* Verfassers gaataltat. Nummer 27 / Jahrgang 8 18. November 1932 Anzeigenannahme: Varlag Ernst Goldfraund, Leipzig 0 3, ClchorluaatraBa 2a Fernsprecher Nr. 60771 — Druck: Gabr. JunghanB, Leipzig 0 5 Gemeindesitzung vom 9. November 1932 (Amtliche Niederschrift.) (iemeindevorstcher Goldschmidt eröffnet die Sitzung um 18.30 Uhr. r begrüßt Herrn Joske, der nach längerer Krankheit heute wieder i schienen ist 1. Der Vorsitzende teilt mit, daß nach Anhörung des Phianxaus* .chusses und einiger erreichbarer Verordneter im Juli dieses Jahres ine Auszahlung an die Erwerbslosen erfolgt ist, die etwa 4600 M. erfordert hat. Die Auszahlung ist mit Rücksicht auf die dringende Not erfolgt, sie findet die nachträgliche Zustimmung der Versammlung. 2. Ein Antrag der Erwerbslosen auf eine neue Auszahlung wird aui Antrag des Herrn Löwy in die nichtöffentliche Sitzung verwiesen; Herr Seiinger blieb mit dem Antrag auf Besprechung in öffentlicher Sitzung in der Minderheit. 3. Vom Vorstand wird beantragt, ein Bercchnungsgcld zur Einführung und Fortführung des freiwilligen Arbeitsdienstes für jüdische jugendliche Erwerbslose zu bewilligen. Es liegt zu diesem Gegenstand eine Denkschrift des Fürsorgers der Gemeinde, Herrn Polmann, vor, die den Mitgliedern der Gemeindevertretung zugegangen ist. Der Vorstand beantragt, zunächst ein Berechnungsgeld von 3000 M. zu bewilligen. Herr Joske fragt an, ob sachkundige Personen zur Leitung des freiwilligen Arbeitsdienstes zur Verfügung stehen; Herr Qottlieb bejaht dies, Herr Sulinger begrüßt es, daß die Gemeinde die Frage der produktiven Erwcrbslosenfürsorge auf die Tagesordnung gesetzt hat Redner behält sich vor, Anträge bei dem zu bildenden Ausschuß rar Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes zu stellen. Der freiwillige Arbeitsdienst genüge nicht, um einen nennenswerten Teil der iwerbslosen aufzufangen, doch werde er Maßnahmen vorschlagen, die einen erheblichen Teil der Erwerbslosen erwerbsfähig zu machen geeignet seien. Auch i)err Dr. Pietrkowski freut sich darüber, alt die Gemeinde den Erwerbslosen zu helfen bereit ist. Doch sei die Zeit so schlimm, daß eine durchgreifende Hilfe für die Erwerbslosen IIa Kräfte der Gemeinde übersteigen wird. Notwendig sei eine berufliche Umschichtung der von der Arbeitslosigkeit betroffenen Schichten. Auf eine Anregung des Herrn Löwy. das Gemeindeblatt durch Erwerbslose austragen zu lassen, erklärt Herr S e 1 i n g e r, daß diese rage schon erörtert wird. Dieser sagt weiter, daß. wenn alle jüdischen Arbeitgeber bereit seien, jüdische Arbeitnehmer einzustellen und zu beschäftigen, die Zahl der jüdischen Erwerbslosen sich sofort ganz bedeutend verringere. Viele jüdische Firmen beschäftigten jetzt bedauerlicherweise gar keine oder nur verschwindend wenige jüdische Arbeiter. Herr Gottlieb glaubt, daß dieser Gegenstand sich zur eingehenden Besprechung in öffentlicher Sitzung nicht eignet. Verschiedene Unternehmungen im freiwilligen Arbeitsdienst seien schon in Angriff genommen, mit einer Anzahl von Firmen schon Verhandlungen eingeleitet Die Tätigkeit des Ausschusses für den freiwilligen Arbeitsdienst soll auch auf die Arbeitsbeschaffung und Berufsberatung im allgemeinen ausgedehnt werden. Die Einstellung von Arbeitnehmern Mehc keineswegs im Belieben der Arbeitgeber, insbesondere bestünden Schwierigkeiten bei nicht reichsangehörigen Arbeitnehmern. Die Erwerbslosenfürsorge sei für die Gemeinde der Gegenstand ernstester Aufmerksamkeit. Der Vorsitzende bittet, zunächst zu dem Antrag des Vorstandes Stellung zu nehmen. Derselbe wird einstimmig angenommen und demgemäß ein Berechnungsgeld von 3000 M. zur Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes bewilligt. 4. Die Wahl eines Ausschusses zur Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes wird in die nichtöffentliche Sitzung verlegt. 5. Der Vorsitzende berichtet, daß der Wochengottesdienst in der emeindesynagoge ohne eine kleine Zahl von Minjanleuten nicht aufrechterhalten werden kann. Es macht sich infolgedessen eine Nachtewilligung von 1400 M. erforderlich. Der Ausschuß für Personal- 'ngelegenheiten empfiehlt diese Nachbewilligung, für die sich Herr Qottlieb einsetzt. Herr Pelz tritt für den Antrag ein, dem sich *uch Herr Dubiner anschließt. Die Nachbewilligung wird einstimmig •"usgesprochen. 6. Von der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen ist ein Dar- 'ehen von 15 000 M. zunächst auf 5 Jahre in Aussicht gestellt, das dazu -"nutzt werden könnte* um einen Teil der Mittel, die die Gemeinde in der Darlehnskasse stecken hat. herauszunehmen. Herr Dubiner hält es für wichtig, daß Darlehen in größerer Höhe als bisher bewilligt werden können, und empfiehlt deshalb Annahme des Angebots. Der Vorsitzende weist nachdrücklich darauf hin, daß dieses Geld dazu dienen soll, die eigenen Mittel freizumachen, nicht dazu, die Tätigkeit der Darlehnskasse auszudehnen. Die Anahme des Darlehens erfolgt einstimmig. 7. Die Gemeinde hat zwecks Beschaffung von flüssigen Mitteln eine Hypothek gegen Zahlung des Betrages abgetreten, muß aber für die Hypothek Bürgschaft übernehmen. Eine neuerliche Belastung der Gemeinde entsteht dadurch nicht. Die Bürjrschaftsiibernahme wird einstimmig beschlossen. 8. Der Israelitische Kindergarten bittet die Gemeinde um Bürgschaft für ein von ihm aufzunehmendes Darlehen von 4000 M., das er zur Ablösung eines Restkaufgeldes braucht. Das Darlehen ist durch Vermittlung der Zcntralwohlfahrtsstelle zugesagt, wenn die Gemeinde die Bürgschaft übernimmt; jedoch muß das Darlehen innerhalb 2 Jahren zurückgezahlt werden. Herr Breslauer glaubt, daß für das Darlehen andere Bedingungen zu erzielen sein werden, unter den jetzt gestellten Bedingungen könne die Gemeinde die Bürgschaft nicht übernehmen. Herr S e 1 i n g e r empfiehlt Uebernahme der Bürgschaft unter besseren Bedingungen. Der Vorsitzende teilt auf eine Frage des Herrn Pelz mit, daß, soweit er aus dem Gedächtnis wisse, außer einer größeren Bürgschaft, die durch Rückbürgschaft gedeckt ist, die Gemeinde keine größeren Verbindlichkeitn der Art eingegangen ist. Herr Markendorf hält die Bürgschaftsübernahme unter den gestellten Bedingungen nicht für angängig. Herr Breslauer beantragt, daß die Bürgschaft übernommen wird, wenn die Rückzahlungen weitgehend auf mehrere Jahre hinausgeschoben werden. Die Herren Dr* Pietrkowski und H o d e s sprechen sich angesichts der gestellten Bedingungen gegen eine Bürgschaftsübernahme aus, doch Herr Dr. Pi e t r - k o w s k i schließt sich dem Antrag des Herrn B r e s 1 a u e r an mit der Maßgabe, daß bei Inanspruchnahme der Gemeinde alle etwaigen Zahlungen auf die Beiträge für den Kindergarten angerechnet werden. Diese verbundenen Anträge werden einstimmig angenommen. 9. Der Vorsitzende teilt mit, daß eine Gewerbeschau der jüdischen Handwerker zustande kommt, wenn von der Gemeinde ein Beitrag von 600 M. geleistet wird. Da die vorige Qemeindesitzung für diesen Zweck nur einige hundert Mark vorgesehen hat, bedarf es einer bestimmten Beschlußfassung. Herr S e 1 i n g e r ist für Bewilligung von 500 M. Herr Dubiner verweist auf den Erfolg einer solchen Veranstaltung in Berlin uuü tritt warm für Bewilligung von 500 M. ein. Der Vorstand solle sich eine Kontrolle der Wirtschaftsführung sichern, vielleicht lasse sich der Zuschuß verringern. Es wird entsprechend beschlossen. Es sollen 500 M. vorgesehen, aber zunächst nur 300 M. ausbezahlt werden, der Rest nur nach Nachweis des Bedarfs. 10. Der Vorstand hat die Veranstaltung von Gemeindeabenden in Aussicht genommen. Er beantragt hierzu Bewilligung eines Berechnungsgeldes von 400 M. für den ersten Abend. Herr Pelz fragt nach der Deckung der heute beschlossenen Ausgaben. Der Vorsitzende verweist darauf, daß es sich um Aufgaben von größter kultureller Bedeutung handelt. Herr Rosenfelder warnt vor neuen Belastungen der Gemeinde, deren finanzielle Lage ernst genug sei. Herr Dubiner erklärt, daß die Sache nicht so viel kosten darf, im Prinzip müßte die Sache warm unterstützt werden. Herr Breslauer erwidert, daß die Kosten für den Saal und die Zeitungsanzeigen nicht zu umgehen seien. Unter 200—300 M werde man wohl nicht auskommen. Der Vorstand verspreche sich aber sehr viel von solchen Abenden, von denen jede politische Erörterung ausgeschlossen sein soll. $err S e 1 i n g e r fragt nach dem Programm. Wenn dies Nutzen verspricht, solle man das erforderliche Ged bewilligen, doch sei ein keinerer Betrag ausreichend. Er ist bereit, 150 M. zu bewilligen. Herr Pelz meint, daß die Sache zum mindesten beim ersten Male richtig aufgezogen werden müsse, später könne man auf kleinere Maße kommen. Es wird ein Berechnungsgeld von 300 M. für den ersten Abend bewilligt. Herr Markendorf richtet im Anschluß an diesen Gegenstand den Appell an die Gemeinde, für den Teil der Jugend zu sorgen, der weder von den Eltern aus dem Religionsunterricht zugeführt wird, noch zu Hause religiöse Anregungen / / /V