Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-09-25 · 22 (25.9.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
22 (25.9.1932)
Date
1932-09-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968808-5969319--4465-4881573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

September 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Staatsangehörigkeit: Beruf: Reisegründe: Lettland. . . . 2 Handwerker . . 225 Heimreise . . . 571 Litauen .... 3 Kaufleute . . . 275 Arbeitsuche . . 202 Oesterreich . . 82 Händler. . . 60 Arbeitsantritt. . 77 Palästina . . . 7 Arbeiter. . . . 56 Verwandte. . . 126 Polen .... 443 Angestellte . 110 Krankheit . . . 6 Rumänien . . . 31 Landwirte . . . 39 Paßangelegenheit 30 Rußland. . . . 9 Kultusbeamte. 17 Studium.... 7 Tschechoslowakei 60 Freie Berufe . . 169 Auswanderung . 9 Ungarn .... 97 Ohne Beruf . . 95 Ohne Angaben . 18 Holland .... Versch. Staaten . 1 36 1046 1046 Unbekannt. . . 27 Staatenlos . . . 55 Inländer. . . . 193 1046 Wir gewährten Fahrkarten und ein kleines Zehrgeld in 375 Fällen, mir Barunterstützung In 386 Fällen: abgewiesen wurden auf Grund der Wanderordnung 285 Gesuehstcller. Von dein Gesichtspunkt ausgehend, dal! der überwiegende Teil der Wanderer sich im arbeitsfähigen Alter befindet, haben wir in den letzten Monaten die Möglichkeit geschaffen, daß Wanderer sich die Fahrkarten durch Arbeitsleistung verdienen können. Dies war erreichbar durch das Entgegenkommen der Inneren Mission, die die von uns Zugewiesenen auf ihren Werkplätzen kurze Zeit beschäftigt. Verdienst, Verpflegung und Uebernachtung sind durch liesondere Vereinbarung geregelt. Auch auf dem Gebiete der Wandcrfiirsorge mußten die Ausgaben . i lieblich eingeschränkt werden. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Hauptstelle für jüdische Wauderfürsorgc mit der Schaffung einer jüdischen Arbeiterkolonie, die insbesondere auch den Wanderern zugute kommen soll. Die erste nichtiiidische Arbeiterkolonie wurde im Jahre 1882 von Pastor Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld gegründet, die nach dem Grundsatz „Arbeit statt Almosen" geleitet wird. In solchen Kolonien werden besonders landwirtschaftliche Arbeiten betrieben, um die Insassen zu allen Jahreszeiten beschäftigen zu können. Jetzt ist es der Hauptstelle gelungen, das Werk zu errichten. Die Arbeiterkolonie ist im Juli 1932 im Landwerk Neuendorf (Mark Brandenburg) eröffnet worden. Arbeitsnachweis. Wie im Namen der Hauptstelle zum Ausdruck kommt, befaßt sie sich auch mit der Errichtung von jüdischen Arbeitsnachweisen im Reich. Leider ist es trotz jahrelanger eifrigster Bemühungen unserer Gemeinde und trotz tatkräftigster Mithilfe der Hauptstelle noch nicht gelungen, für Leipzig die staatliche Genehmigung zu der Errichtung eines jüdischen Arbeitsnachweises zu erlangen. Die Bemühungen werden aber immer weiter fortgesetzt, um diese außerordentlich wichtige Einrichtung erstehen zu lassen. Wir haben uns im vorstehenden darauf beschränkt, nur die Tätigkeit der Gemeinde auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge zu schildern. Für einen späteren Aufsatz bleibt ein Bericht Uber unsere gemeinsame Arbeit mit den zahlreichen wohltätigen Anstalten und Vereinen vorbehalten. Wir wollen nicht verfehlen, ihrer rühmlichen Tätigkeit zu gedenken, die den wärmsten Dank aller verdient. Dezernent des Gemeindevorstandes für die Fürsorgeabteilung ist Herr Siegmund Göttlich, der seine Aufgabe mit all der Liebe ausübt, die allein solche Tätigkeit zur wirksamen Entfaltung bringt. Dank gebührt auch allen öffentlichen Behörden, mit denen wir in unserer Fürsorgetätigkeit in Berührung kommen. Wir finden an allen Stellen Verständnis und Förderung unserer Bestrebungen, so daß sich die Zusammenarbeit für beide Teile angenehm abwickelt. Den Lesern unseres Gemeindeblattes wird aus unseren Veröffentlichungen erinnerlich sein, daß wir bei der allgemeinen Winterhilfe einträchtig mit allen übrigen Wohlfahrtsverbändcn verbunden waren; die gemeinsame Arbeit wird geleitet von der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege. Ein Bericht Uber die Darlehnskasse erfolgt in nächster Nummer. Ausgaben der Fürsorgeabteilung der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig in der Zeit vom 1. April 1931 bis 31. März 1932. RM. Jnterstützung..... 24179,87 Miete........5165,39 Reizung und Beleuchtung 1588,95 Auswärtige Erziehungsanstalten ....... 1865,25 einheimische Erziehungsanstalten ...... 9270,65 Erholungsreisen .... 1952,59 Offene Krankenfürsorge . 5440,27 Nervenheilanstalten . . . 486,75 Krankenanstalten. . . . 1836,65 Uebertrag 51786,37 RM. 51786,37 LungenfUrsorge . . . . 1850,41 2919,67 3669,85 10498,65 Lehrlingsbeihilfe . . . . 1125,- Handwerkerbeihilfe . . . 1524- Winterbeihilfe an die Erwerbslosen . . . 1498,20 Mazzosverteilung. . . . 2619,19 Gesamtbetrag 77491,84 Bini Eskreis, Saizgäßdien 1 Telefon IM21 ■•igt 41* neueaten Wiener und Parlier Hut-Herbstmodelle bei zeitgemäßen Preisen Änderungen werden angenommen i Versichernngs-Bflro Wolf Gindsberg Leipzig C 1, Poniatowskistr. 2. Tel. 27210 Sorgfältigste Erledigung aller Versicherungsgeschiifte General-Agentur von: ,A . , _ . , LebcnsvprsirhprunRS-Oesollsrhiilt Deutscher Lloyd p h n m i y » VerslrheninRS-Aktipn-Gesellsdinlt t.u-JIiI. " ".*V*.TT--..-- ,. Kfgr 1870 Tätigkeitsgebiet: international Fachmännische in 10 Staaten Auskunft bereitwilligst! Aus sächsischen Gemeinden Plauen. Zu dein in der letzten Nummer veröffentlichten Bericht über die Gcmeindesitzung wird berichtigend mitgeteilt, daß die Gutachten der wegen Abhaltung eines konservativen Gottesdienstes in der Hauptsynagoge befragten Herrn Rabbiner nicht übereinstimmen, sondern nur in der Mehrheit einen solchen Gottesdienst für zulässig bezeichnet haben, sofern während dieses Gottesdienstes das Orgelharmonium durch eine Rollwand oder Decke dem Blicke entzogen wird. Herr Rabb. Dr. Münk hatte, abweichend von den anderen Herren, auch eine Platzveränderung in einen anderen Raum als notwendig bezeichnet. Die Gemelndesltzilng hatte sich dem Mchrhcitsvotum angeschlossen. Unsere Gemeinde Zu den bevorstehenden Feiertagen! Vor dem Kriege war es für fast alle jüdischen Geschäftsinhaber eine Selbstverständlichkeit, an den hohen Feiertagen ihre Betriebe zu schließen. Heute gibt es jüdische Arbeilgeber, die ihren Angestellten sogar die Freizeit für die Feiertage verweigern. Unter Vorwäiiden, wie Personalmangel, schlechter Geschäftsgang! der Samstag als wichtigster Geschäftstag, wurden In den letzten Jahren wiederholt Gesuche um Beurlaubung für die betreffenden Taue abgelehnt. In vielen Fällen hat mau den Angestellten zwar offiziell den ganzen Tag freigegeben, jedoch die Bemerkung daran geknüpft, daß es „gern gesehen würde, wenn das Personal nachmittags wieder zum Dienst erscheint". Aus naheliegenden Gründen ist es selbstverständlich dem einzelnen jüdischen Angestellten nicht möglich, den Chef auf sein sogar durch die Verfassung garantiertes Recht hinzuweisen. In diesem Jahre erscheint uns durch die schwere seelische Verfassung des deutschen Judentums die Forderung unserer jungen Menschen nach wirklicher Weihe der Feiertage doppelt geboten. Im Namen aller jüdischen Angestellten appellieren daher die unterzeichneten Organisationen an alle jüdischen Arbeitgeber, ihr jüdisches Personal für die Feiertage zu beurlauben. Wir glauben, daß die Berechtigung zu dieser Forderung von der ganzen Gemeinde anerkannt wird. Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Jüdischer Jugendverein .Franz Rosenzweig", Leipzig. An die jüdische Bevölkerung Leipzigs. Die jüdischen Erwerbslosen Leipzigs haben sich zu einer Organisation zusammengeschlossen und eine „Vereinigung jüdischer Erwerbsloser" gegründet, die überparteilich ist. Diese Vereinigung erläßt an die jüdische Bevölkerung Leipzigs, die das Glück hat, über dem Lebensniveau der Erwerbslosen zu stehen, vorliegenden Appell, für die Not der Erwerbslosen bedacht zu sein und durch schnelle Gaben das Elend der Erwerbslosen zu mildern. Auch die kleinste Gabe kann Großes vollbringen. Die jüdischen Erwerbslosen Leipzigs stehen im unermeßlich harten Kampf mit ihrer Lcbensexistenz. Bitter sieht es in den Lagern der Erwerbslosen aus. Nur diejenigen können das Elend der durch die Wirtschaftskrise aus dem Produktionsprozeß gestoßenen Menschen ermessen, die mit ihnen in Verbindung stehen. Viel schlimmer sieht es noch bei erwerbslosen Familienvätern aus und ganz besonders bei solchen, die längere Zeit ohne Erwerb sind. Wieder naht eine ganz besondere Härte den Erwerbslosen: der Winter. Eine Jahreszeit, die berechtigte Befürchtungen bei den Erwerbslosen aufkommen läßt, da diese zum weitaus größten Teil ohne genügende Kleidung und Schuhwerk sind. Auch stehen die großen Feiertage vor der Tür, und wie viele werden nicht zum kleinsten Teil in der Lage sein, die Feiertage gewohnheitsgemäß einzusegnen. Es ist Pflicht eines jeden, der in der Lage ist, zu helfen, der Not beizusteuern. Juden Leipzigs! Die ihr helfen könnt, denkt an die Menschen, die arbeiten möchten, um sich auf gewohntem Wege ihren Lebensunterhalt zu beschaffen, und denen die vorherrschende Krise die Erhaltungsmöglichkeit genommen hat. Wir bitten, die deil Erwerbslosen zugedachten Bar- oder Sachspenden in unserem Heim, Ebcrhardstr. 13, anzumelden. Wir werden uns dann erlauben, vor den Feiertagen um die angegebene Tageszeit zwei von uns legitimierte Herren zur Empfangnahme der Spende bei Ihnen vorsprechen zu lassen. Leipzig, im September 1932. Vereinigung jüdischer Erwerbsloser Leipzig C 1. Ebcrhardstr. 13. D e r A u ■ s c h u ß. Glückwunschtelegramme nach Uebersee. Die Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft bietet, wie schon seit einer Reihe von Jahren, anläßlich des Neujahrsfestes Gelegenheit, Glückwunschtelegramme von Deutschland nach Nordamerika, Kanada, Aegypten und Palästina über ihre Kabellinien zu ermäßigter Gebühr zu befördern. Die Telegramme werden bis 10. Oktober von allen deutschen Telcgrammannahrnestellen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.