Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 21 (9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG weil durch diese Aufforderung die Entsehlußfreiheit der Zeitungslescr nicht, wie der Boykottbegriff es erfordert, aufgehoben oder erheblich g e m Indorf wird. Hilter solchen rein formalistischen Auffassung muß jedoch ausdrücklich widersprochen werden. Dadurch, daß die regelmäßig Beschickt und planmäßig geleitete Presse es versieht, den Großteil ihrer Leser zum mehr oder weniger nur kritik- und willenlosen Resonanzboden ihrer eigenen Auffassung herabzudrücken, dürfte, wie Hertmann (..Der politische Boykott", Merlin 1925) zutreffend ausführt, eine Art von Boykott gegeben sein, der wegen seiner weiten Ausdehnung sogar oft eine ganz besondere Gefährlichkell aufweist und eine mindestens ebenso sklavische Befolgung der Aufforderung mit sich bringt, als wenn in aller Form ein Verrufsgebot erlassen wäre. Lux-Filmpack 9x12 Jjivc •e* Schuh-u.*»* 12 Autnahmen amu a 4m 21 Scheiner KM| «l«U 12 Aufnahmen 6-9 RM. 1.90 nur zu haben bei Höh C> Hahne Photospezialgeschäft, Katharlnenstr. 16 Fs kann sonach keinem Zweifel unterliegen, daß eine Aufforderung bei Juden nicht zu kaufen, als Boykottmaßnahnie im Rechtssinne zu betrachten ist. Ihre Unzulässigkell ergibt sich aber daraus, daß sie einen Angriff auf den eingerichteten Gewerbebetrieb des jüdischen Geschäftsmannes darstellt, der eine Einschränkung des Geschäftsbetriebes mit nicht zu übersehenden Auswirkungen herbeiführt. Daß aber ein solcher Angriff bereits einen Eingriff in ein absolutes, durch das Gesetz geschütztes Recht darstellt, hat das Reichsgericht neuerdings bejaht. Die Unterlassung der zum Schadensersatz verpflichtenden Verbreitung einer solchen Aufforderung kann sonach im Klagewege schon deswillen herbeigeführt werden, weil die Aufforderung einen vorsätzlichen und Schaden hervorrufenden Fingriff in ein absolutes materielles Recht darstellt, ohne daß der Presse hierzu ein Recht zusteht. In der Aufforderung: „Kauft nicht bei Juden!" ist aber weiter auch eine durch das Gesetz geschützte sittenwidrige Vermögenschädigung zu erblicken. Die Aufforderung ist um deswillen sittenwidrig, weil die Vermeidung des Boykotts unmöglich ist und er lediglich Willkür, Gehässigkeit und Rachsucht mit der ausschließlichen Absicht der Schädigung, keineswegs aber irgendein gerechtfertigtes, insbesondere wirtschaftliches Interesse zur Grundlage hat. Fr verstößt gegen ..das Anstandsgefühl aller hillig und gerecht Denkenden". Denn die Religionszugehörigkeit des Konkurrenten darf zu Zwecken des Wettbewerbes im Wirtschaftskampfe ebensowenig erwähnt werden wie dosen politische Richtung und Ausländereigenschaft. Diese vorstehend dargelegte, von Callmann („Zur Boykottfrage", Köln 19,30) ausführlich begründete Rechtsauffassung ist im Schrifttum schlechthin anerkannt. Mit Rücksicht darauf, daß die Rechtsprechung in letzer Zei hinsichtlich der Zulässigkeit des Boykotts einen strengeren Maßstab als bisher anlegt, steht zu erwarten, daß von den Gerichten künftig, entgegen der vom Ohcrlandesgericht Bamberg zu Unrecht vertretenen Ansicht, auch der mittels Aufforderung durch gewisse Teile der Presse geübte Boykott untersagt werden wird. Daß der von Einzelpersonen oder Interessengemeinschaften unmittelbar geübte Boykott unzulässig ist und zum Schadensersatz verpflichtet, ergibt sich daraus, daß der politische Boykott im Geschäftsverkehr, wie ich in Nr. 29 (Seite 9) der „Neuen Leipziger Zeitung" dargelegt habe, von der Rechtsprechung ganz allgemein verurteilt wird. Es ist daher durchaus zu begrüßen, daß der Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen (ilauhens gewillt ist. jedem einzelnen Boykottfall genau nachzugehen. Seine Bitte, ihm Wahrnehmungen dieser Art mit möglichst genauen Angaben mitzuteilen, darf deshalb nicht verfehlt sein! Neue Bücher Jüdisches Jahrbuch 1932. Berlin (Verlag Jüdisches Jahrbuch). Das seit einer Reihe von Jahren erscheinende Jahrbuch hat auch in dieser neuen Ausgahe eine anziehende Gestaltung erfahren. Eine Reihe von Beiträgen aus dem jüdischen Leben des vergangenen Jahres verleihen dem stattlichen Bande bleibenden Wert. In gedrängter Ucbersicht ziehen bedeutsame Vorgänge aus dein Leben der deutschen Juden vorüber „Bibliographische Notizen" geben ein Spiegelbild des geistigen Schaffens auf den verschiedenen Gebieten jüdischer Forschung. „Nekrologe" würdigen eine Reihe großer jüdischer Persönlichkeiten, die 1931 in die Fwigkeit abberufen wurden. Ein wenig außerhalb dieses Rahmens scheinen die „Stimmen deutscher Juden zum Weltfriedensgedanken" zu stehen: aber als Ausdruck der Bestrebungen, an denen die Juden innerste!! Anteil nehmen, haben sie hier mit Recht ihren Platz. Bietet mit diesen Arbeiten der literarische Teil des Jahrbuches viel Anziehendes, so verleiht der sorgfältig überprüfte und erweiterte Nachschlagcteil, dem neueste Feststellungen zugrunde liegen, dem Jahrbuch auch über Berlin hinaus einen beachtlichen Wert. Wer irgend Interesse am jüdischen Leben hat, besonders wer in der jüdischen Gemeinschaftsarbeit steht, erhält hier Gelegenheit, sich zu unterrichten und Anregungen zu schöpfen. Auch diesem neuen Bande ist weiteste Verbreitung zu wünschen. C. Europäische Revue. August 1932. Die von Karl Anton Prinz Ronan herausgegebene »Europäische Revue" widmet das Augustheft dem Problem des Antisemitismus und den Beziehungen zwischen Deutschen und Juden. Führende Persönlichkeiten aus beiden Lagern (Leo Baeck. Hans Blüher, Erich Przywara S. J„ Jakob Wassermann, Hans Kuhn. Albrecht Frich Günther, Wenzel Graf Gleispach. Emst Kahn, Josef Nadler, Arnold Zweig) erörtern die Fragen vielseitig und unter grundlegenden Gesichtspunkten: der Herausgeber selbst skizziert in einleitenden „Bemerkungen zur Judenfrage" eine Reihe von Teilproblemen. Alle Versuche dieser Art, den Ursachen für die politisch so gefährlichen Gefflhlsspannungen in der deutschen Judenfrage nachzugehen, sei es. um (von judengegnerischer Seite) ihre innerliche Berechtigung darzutun oder (von jüdischer oder gerecht und unbefangen urteilender nichtjüdischcr Seite) zur Entwirrung irregehender Anschauungen beizutragen, erfüllen bei geistig ernsthaften Menschen eine ungemein wichtige Mission: der feindliche Angriff wird einer Verständigung entgegengeführt, wenn man die Argumente des Gegners kennenlernt. So kann eher eine Entwaffnung herbeigeführt werden, indem man die Schwächen des Gegners bloßlegt. Auch in der hier vorliegenden Erörterung wird dies deutlich. Die Beweisführung der Befürworter des Antisemitismus gipfelt in dem Satze, daß die Juden nie ganz Deutsche sein könnten. Wie sehr das alles konstruiert, nicht aber aus den Tatsachen heraus gewonnen ist, sollte diesen Persönlichkeiten der eine Satz aus der Abhandlung Erich von Kahlers zeigen: „Prinzipiell die Möglichkeit eines wesensgerechten Verstehens zwischen Juden und Deutschen leugnen, das hieße überhaupt die Möglichkeit leugnen, daß Menschen andres Wesen als ihr eigenes verstehen, daß schicksalsverbundene Menschen, die in physischer, seelischer und geistiger Sprache dauernd miteinander umgehen, füreinander zu sorgen und einzustehen fähig sind". C. Vereinsnachrichten Der Israelitische Wohltätigkeitsverein zu Leipzig, Noidstraße 15, teilt uns mit: Spenden und Beiträge werden in Zukunft nicht mehr durch Herrn Max Meyer einkassiert, sondern durch Herrn Alberl R o s e n t h a 1. welcher von uns mit Inkassovollmacht versehen ist. Zwecks Abrechnung mit Herrn Max Meyer wäre es uns erwünscht, von unseren Freunden und Gönnern die Im Jahre 1932 an ihn abgeführten Beträge zu erfahren. Der Vorstand. Handarbeitsausstellung 1932. Wir beabsichtigen, auch in diesem Jahre den Verkauf und die Ausstellung von Handarbeiten jüdischer Frauen Leipzigs in die Wege zu leiten. Die Ausstellung wird voraussichtlich von Sonntag, den 13. November, bis Freitag, den 18. November, in den Räumen der Leipzig-Loge stattfinden. Diejenigen Frauen, die Interesse daran haben, ihre Arbeiten auszustellen, werden gebeten, sich möglichst bald anzumelden. Vorbesprechungen und Meldungen bei Frau Fanny Rosenthal, Aucnstraße 19, III. Telephon 23 488, oder Montags und Donnerstags von V*4 bis 5 Uhr. Schwesternbund der Leipzig-Loge. Synagoge Ez Chaim. Otto-Schill-Straße, E. V.. Leipzig. Die Vermietung der Synagogenplätze für das Jahr 5693 erfolgt ab 18. September werktäglich von 'A5 bis 7 Uhr in der Synagoge: an den Sonntagen von 4 bis 7 Uhr. Wir geben hiermit bekannt, daß auf die festgesetzten Preise eine Frmäßigung von 2« Prozent eintritt. Den bisherigen Inhabern weiden ihre Plätze bis zum 25. September reserviert. Im Interesse unserer Beter werden wir in diesem Jahre strengste Kontrollen der Eintrittskarten vornehmen. Durch diese Maßnahme soll verhindert werden, 1. daß Personen, die nicht zum Betreten der Synagoge berechtigt sind, dorthin gelangen können: 2. daß mehrere Personen auf ein und dieselbe Eintrittskarte die Synagoge betreten. Der Vorstand. Agudas Jlsrocl Jugend gruppe Leipzig (Heim: Färberstraße 6, 1). Wir machen unsere verehrten Mitglieder höfl. darauf aufmerksam, daß der Chaje Odom-Schiur des Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Rogosnitzky wieder regelmäßig jeden Schabbos um 17 Uhr stattfindet. Allabendlich Montag bis Donnerstag von 2(1 bis 21 Uhr findet der Schiur über Gemoro K'suwaus statt. Dozent: Max Weitz. Wir ersuchen unsere Mitglieder, die zurzeit an keinem Schiur innerhalb oder außerhalb der A. J. teilnehmen, sich an unserem K'suwaus-Schiur zu beteiligen. Der Vorstand. Gottesdienst des Hilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender. Der Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender hat in diesem Jahre davon abgesehen, einen eigenen Gottesdienst zu veranstalten. Es ist aber dafür gesorgt, daß einerseits die Hilfsvereinstnitglieder zu billigem Preise Plätze erhalten, und daß die Scelenfeier in der üblichen Weise abgehalten wird. Die Namen der verstorbenen Mitglieder und Stifter werden bei der Seelenfeier in der Synagoge Keilstraße 4 verlesen werden. Der Hilfsverein bittet, besonders davon Kenntnis nehmen zu wollen, daß preiswerte Plätze für Herren und Damen von der S y n.- a g o g e K e i 1 s t r a ß e abgegeben werden können. Mit dem Dank an den Vorstand der Synagoge Keilstraße für sein Entgegenkommen bittet der Hilfsverein alle seine Mitglieder und Freunde, von der damit gegebenen Gelegenheit Gebrauch zu machen. Jüdischer Arbelter-Turn- und -Sportverein. Mitglied ervers a m m I u n g am lü. September, 20 Uhr, im Volkshaus. Tagesordnung: 1. Eingänge: 2. Referat „Eiserne Front — Antifaschistische Aktion": 3. Verschiedenes. Mitgliedsbücher sind zwecks Kontrolle unbedingt mitzubringen. — Besucht vollzählig die Mitgliederversammlung. Die Ferien sind zu Ende, das Training in der Halle hat bereits begonnen. Die Zeiten sind dieselben geblieben. Frauenturnen: Montag, 19.30 Uhr, in der Frauenschule. Lessingstraße. Männcrturnen: Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Frauenschule, Lessingstraße. Schwimmen: Donnerstag, 21 Uhr, in der großen Halle des Stadtbades.