Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-09-01 · 21 (9.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
21 (9.1932)
Date
1932-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968808-5969318--4456-4881565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

September 1932 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Srito :\ Kroßerer Zahl jüdische Erwerbslose sowohl in Landwirtschaft und Gärtnerei als auch in handwerklichen Nebenbetrieben zu beschäftigen. War diesem Projekt schon in wirtschaftlich gesünderer Zeit eine besondere Bedeutung beizumessen, da es allein in der Lage ist, unabhängig von den Schwankungen des Arbeitsmarktes einer größeren Zahl langjährig Erwerbsloser und damit völlig Entwurzelter Gelegenheit zu geregelter Arbeit zu geben, so ist ihm im gegenwärtigen Augenblick ein ganz besonderer Wert zuzuerkennen. Die steigende Zahl jüdischer Erwerbsloser, die Unmöglichkeit für viele, auf absehbare Zeit in den Produkttonsprozeß wieder eingereiht zu werden, entlassene Jugendliche, die eben ihre Lehrzeit beendet und keine Möglichkeit haben, neue Arbeitsstellen zu finden, abgebaute ältere Angestellte und viele andere Kategorien mehr können und müssen von der jüdischen Oeffentlichkeit erwarten, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder für einige Zeit zu arbeiten, um ihre Arbeitskraft und ihren Arbeitswillen zu erhalten. Landwerk Neuendorf kann seit 1. Juli vorerst 30—40 Personen aufnehmen; es ist aber geplant, diese Zahl bald erheblich zu erhöhen, und den jüdischen Arbeitslosen eine wirklich merkbare Hilfe zu geben. Das Gut Neuendorf liegt in landschaftlich besonders schöner Lage, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielseitig und umfangreich, Unterbringungsmöglichkeiten sind angemessen und ausreichend gesichert, die Werkstätten (Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Stellmachern) ohne größeren Kostenaufwand auszubauen und zu erweitern. Die Leitung liegt in besonders qualifizierten Händen: sozialpädagogisch und auch sonst vorgcschulte Kräfte werden dem Betrieb eine gute pädagogische und soziale Atmosphäre sichern. Als Rechtsträger hat die Hauptstclle für jüdische Wandcrfürsorge den Verein „Jüdische Arbeitshilfe e.V." ins Leben gerufen, dessen Geschäftsstelle sich in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, befindet, wohin auch alle Gesuche um Aufnahme zu richten sind. Der Vorstand der Hauptsteile hat für Neuendorf einen besonderen Verwaltungsausschuß gebildet, dem die Herren Adler-Rudel, Alfred Bcrgcr, Dr. Max Kreutzberger. Landgerichtsrat Dr. Lilienthal. Wilhelm Marcus und Bruno Woyda angehören. Die Freie Jüdische Volkshochschule plant anläßlich des 300. Geburtstages von Spinoza eine Gesellschaftsreise nach dem Haag zum gleichzeitigen Besuch einer Festwoche der internationalen Spinoza- Gesellschaft. Unter den Rednern, zu denen Philosophen und Theologen aus allen Ländern gehören, befindet sich auch Rabbi St. Wise. Die Reise findet voraussichtlich zwischen dem 5. und 10. September 1932 statt und führt von Berlin direkt nach dem Haag (Wohnung in Scheveningen), von dort nach einem dreitägigen Aufenthalt und Besuch der interessantesten Veranstaltungen der Festwoche sowie des Spinoza- Museums in Leydcn zu einem zweitägigen Aufenthalt nach Amsterdam mit Besichtigung der jüdischen und sonstigen Sehenswürdigkeiten, dann zurück über Köln nach Berlin. Es wird eventuell beabsichtigt, von Köln noch eine kurze Rheinfahrt bis nach Worms und Speyer zur Besichtigung der dortigen jüdischen Altertümer zu machen. Der Preis der Reise wird für ungefähr 10 Tage 140—145 M. bei koscherer Verpflegung betragen. Bei genügend großer Beteiligung kann sich der Preis noch ermäßigen. Selbstverständlich ist auch die Teilnahme von allen anderen Städten Deutschlands aus möglich, wobei eine eventuelle Fahrpreisdifferenz in Anrechnung gebracht wird. Wir bitten alle Interessenten, sich möglichst rasch mit dem Sekretariat der Freien Jüdischen Volkshochschule, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29/30. in Verbindung zu setzen. Unsere Gemeinde Moritz Ury 60 Jahre alt Am 6. August vollendete Herr Moritz Ury sein 60. Lebcnsiahr. Die ungewöhnlichen Verdienste, die sich der Jubilar seit vielen, vielen Jahren innerhalb unserer Gemeinde erworben hat, rechtfertigen es, wenn auch an dieser Stelle Gelegenheit genommen wird. Herrn Ury die große Verehrung zum Ausdruck zu bringen, deren er sich in allen Kreisen der Gemeinde erfreut. Die außerordentliche Tatkraft, mit der Moritz Ury sein geschäftliches Unternehmen zu so beachtlicher Höhe hinaufgeführt hat, ist seit einer stattlichen Zahl von Jahren unserer Gemeinde, deren Vertretung Moritz Urv als Verordneter angehört, und vielen Organisationen ungemein förderlich gewesen. Mit seiner stets gerechten, vermittelnden Stellung hat er so manches Mal die hochgehenden Wogen der Erregung zu glätten verstanden: aus starkem sozialen Empfinden heraus hat er zumal in der gegenwärtigen Notzeit, nicht wenig zur Linderung mancher Not beigetragen. Dem wahrhaft bescheidenen Wesen von Moritz Ury würde es wenig angemessen sein, einzelne Leistungen hervorzuheben: ist er doch selbst bestrebt, die Fülle schöner Werke in der Stille zu vollbringen. Das aber darf dem Jubilar gesagt werden, daß weite Kreise ihm gerade wegen dieser vornehmen Art der Betätigung edlen Gemeinschaftssinnes unbegrenzte Achtung und Wertschätzung entgegenbringen. Möge Moritz Ury noch viele Jahrzehnte in nie getrübter Kraft zum Segen unserer Gemeinschaft und des deutschen Judentums zu wirken beschieden sein! Ausländische Staatsangehörige. Vom Reichsverband ostiüdischer Organisationen In Deutschland geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Mitteilung zu: Wir machen alle ausländischen Staatsangehörigen darauf aufmerksam, daß es dringend erforderlich ist. daß jeder Ausländer sich umgehend in den Besitz eines gültigen Passes oder Paßersatzes setzt. Die ausländischen Konsulate haben Anweisung, alle Qesuche In weitestgehendem Maße schnellstens zu erledigen. Den ausländischen Staatsangehörigen stehen die örtlichen und Landesorganisationen des Reichsverbandes ostjüdischer Organisationen jederzeit zur Verfügung. Im Zweifelsfalle ist zur Auskunfterteilung der Reichsverband ostiüdischer Organisationen, Berlin N 54, Rosenthaler Straße 55. gern bereit. Aus dem Gemeindeamt Gottesdienste Gemelndesynaioge. Gottschedstr. 28. Sabbatgottesdienst: Abendgebet: Freitag, den 2. September, 19 Uhr, 9. September, 18.45 Uhr, 16. September, 18.30 Uhr, 23. September. 18.15 Uhr. Morgengebet: Sonnabend, den 3. September. 10. September, 17. September, 24. September, 9 Uhr. — Predigten: Freitagabend, den 2. September (Rabbiner Dr. Goldmann). 16. September (Rabbiner Cohn). — Jugendgottesdienst: Sonnabend, den 17. September, 15.15 Uhr, mit Predigt (Rabbiner Colin). — Nachmittagsgottesdienste: Sonnabend, den 3. September, 19.(15 Uhr (anschließend Lehrvortrag Rabbiner Dr. Qoldmann), 10. September, 18.50 Uhr (anschließend Lehrvortrag Rabbiner Colin). 17. September, 18.30 Uhr (anschließend Lehrvortrag Rabbiner Dr. Qoldmann), 24. September, 18.15 Uhr (anschließend Lehrvortrag Rabbiner Colin). Abendgebete: Sonnabend, den 3. September. 19.36 Uhr. in. September, 19.20 Uhr, 17. September, 19.02 Uhr, 24. September. 18.46 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen: 7.3(1 Uhr, werktags 7 Uhr. Abendgottesdienste: 4. September bis 8, September 19 Uhr, 11. September bis 15. September 18.45 Uhr, 18. September bis 22. September 18.30 Uhr. 25. September bis 29. September 18.15 Uhr. Morgengottesdienst am Sonntag I Tag S'lichos, 25. September: 6.45 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Straße 4. Freitag, den 3. September, 18.45 Uhr: Freitag, den 9. September. 1S.3H Uhr: Freitag, den 16. September, 18.15 Uhr: Freitag, den 23. September 18 Uhr. Sonnabend, den 3., 10., 17. und 24. September. s.3n Uhr und 17 Uhr. Sonnabend, den 3. September, Ausgang 19.36 Uhr. Sonnabend, den 10. September, Ausgang 19.20 Uhr: Sonnabend, den 17. September. Ausgang 19.02 Uhr: Sonnabend, den 24. September, Ausgang 1*.4(> Uhr. Wochentags 7 Uhr und 18.30 Uhr. Personenstandsnachrichten. Geburten : 23. Juli 1932: Heinz Ludwig Litfauer und Esther Ruth geb. Felsenstein, Brandvorwerkstraße 66. eine Tochter „Eva Louise Amalie". 25. Juli 1932: Julius Anstreicher und Taube geb. Seldman, Bornaische Straße 86, eine Tochter „Jutta Edith". 3. August 1932: Dr. iur. Braude und Ruby geb. Brande. Springerstraße 19, einen Sohn „Bernhard". 28. Juli 1932: Salomor, Steinberg und Erna geb. Adler, Lelbnizstraße 4, eine Tochter „Lea Tisza". 30. Juli 1932: Chaim Leib Goldfinger und Esther geb. Zinier, gen. Eigermann. Leibnizstraße 8. einen Sohn. 2. August 1932: Dr. Saul Rabinowitz und Ruchla geb. Brechner, Weststraße 74, einen Sohn „Samson Michael". Barmizwas: Am Sonnabend, dem 3. September 1932: Claus Goldschmidt. Söhn des Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Conrad Qoldschmidl und Frau Elise geh. Stahl, Karl-Rothe-Straße 4, in der Oemeindesynagoge. Am Sonnabend, dem 3. September 1932: Leo Uhrmacher, Sohn des Herrn Salo Uhrmacher und Frau Dora geb. Schächter. Eisenbahn- Straße 6, in der Bikur Cholim-Synagoge, Eisenbalinstraßc 9. Am Sonnabend, dem 10. September 1932: Siegfried Merfeld. Sohn des Herrn Ch. Mchrfeld und Frau Cilli geh Seirowicz. HumboldtstraLSe 31, in der Talmud Thora-Svnagoge, Keilstraßc 4. Am Sonnabend, dem 10. September 1932: Max Fritz. Sohn des Herrn Herrn Josef Dziubas und Frau Margarethe geb. Holstein, Qemeindestraße II, in der Gemeindesynagoge. Am Sonnabend, dem 10. September 1932: Max Fritz. Sohn des Herrn Schahjah Fritz und Frau Golda geb. Wien, Gerberstraße 56, in der Gemeindcsynagogc. Am Sonnabend, dem 17. September 1932: Josef Salonion Lewy, Sohn des Herrn Ludwig Lewy und Frau Julie geb. Dziubas. Wahren. Damaschkestraße 1/3. in der Gemeindesytffigoge. Am Sonnabend, dem 24. September 1932: Rolf Stern. Sohn des Herrn Sally Stern und Frau Erna geb. Baum, Hardenbergs traße 50. in der Ocmcindcsvnagoge. Am Sonnabend, dem 24. September 1932: Fred Bilawsky. Sohn des Herrn Leopold Bilawsky und Frau Anna geb. Sachsmann, Windmühlenstraße 30, in der Gemeindesynagoge. Trauungen: Am Freitag, dem 19. August 1932: Fräulein Chaie Wittel Qrünseid, Pfaffendorfer Straße 14, mit Herrn Naftali Chaim Schullehrer aus Brzcsko. Am Sonntag, dem 21. August 1932: Fräulein Edith Hönigsherg, Zollnerstraße 4. mit Herrn Hermann Kaplan. Richerstaße 2. Todesfälle : 2. August 1932: Kind Jakob Hausmann, Humboldtstraße 31. 5. August 1932: Frau Sophie Schottländer. Nordstraße 47. 7. August 1932: Frau Jette Fecnenbach, Kickerlingsherg 2. 13. August 1932: Frau Sara Meiseis. Leibnizstraße 21. 13. August 1932: Herrn Berech Topclson, Tcl-Aviv. 17. August 1932: Frau Ernestine Hoffner. Montbestraße 18. Eingesandt Boykott jüdischer Geschäftsleute durch die Presse Von Dr. jur. Hans Pohoryles, Leipzig Entgegen der in Nr. 20 des „Gemeindcblattcs" vom C.-V. veröffentlichten Notiz, in der um Mitteilung aller Wahrnehmungen von Boykottmaßnahmen gegenüber jüdischen Geschäftsleuten ersucht wird, trifft es leider nicht zu, daß die Rechtsprechung in der letzten Zeit jede Aufforderung zum Boykott für unzulässig erklärt hat. Gerade im wichtigsten Falle des Boykotts gegenüber jüdischen Geschäftsleuten, im Falle der Aufforderung zum Boykott durch Zeitungen und Vereinsblättcr. durch die die jüdischen Geschäfte besonders in kleineren Städten außerordentlich hart getroffen werden, hat die Rechtsprechung die Unzulässigkeit des Boykotts bisher im allgemeinen verneint. So hat das Oberlandesgericht Bamberg es abgelehnt, die Aufforderung „Kauft nicht bei Juden!" für unzulässig zu erklären.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.