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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-08-01 · 20 (8.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
20 (8.1932)
Date
1932-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG August 1932 Aufbringung von Mitteln aus und fordert Zentralisation aller Fürsorgeorganisation. Frau Schindler weist auf die Bemühungen der Frauen hin, die Fürsorge zu zentralisieren: leider sei es noch nicht gelungen, es müsse jedoch unentwegt danach gestrebt werden. Schluß der Sitzung 24 Uhr. 6. Juli 1932. Nach Eröffnung der Sitzung durch Herrn Gemeindevorsteher Goldschmidt und Erledigung geschaftsordnungsmäßiger Dinge wird in der Beratung des Haushaltplanes fortgefahren. Zunächst wird zu der Frage der Beschäftigung einer Hilfskraft an der Religionsschule II Vertagung beschlossen. Bs soll unter Zuziehung von Fachleuten geprüft werden, ob diese Hilfskraft nicht durch volle Ausnützung der Pflichtstunden der Lehrer der Religionsschule II entbehrlich sei. — Frau Schindler gibt dem großen Bedauern darüber Ausdruck, daß der Beitrag für den Kindergarten herabgesetzt werden müsse. Sic betont, welch großen Segen der Kindergarten stifte. Unter dem Druck der Verhältnisse müsse aber der fehlende Betrag privat aufgebracht werden. Ein Antrag des Herrn Kesten bäum, den eingesetzten Betrag um 1000 M. zu erhöhen, wird abgelehnt. — Herr Pfefferblüth setzt sich für den Frauenverein Ruth ein und bittet, den vorjährigen Betrag nicht zu kürzen. Es wird jedoch gemäß der beantragten Kürzung beschlossen. Herr Pelz hält es für geboten, bei diesen Beschlüssen im Interesse derjenigen, die eine Erhöhung der Beiträge zu den Wohlfahrtseinrichtungen abgelehnt haben, nachdrücklich zu betonen, daß die Herabsetzung dieser Beiträge aus keinem anderen Grunde als dem der schwierigen Finanzlage der Gemeinde erfolgt sei. — Zum Punkte Darlehnskasse betont Herr D u - b i n e r die außerordentliche Wichtigkeit dieser Einrichtung, deren Bestand unter allen Umständen gesichert bleiben müsse. Die segensreiche Tätigkeit der Kasse solle in früherem Umfange aufrechterhalten werden. Die Verwaltung des Kapitals der Darlehnskasse solle völlig abgetrennt werden. Der Vorsitzende erläutert, daß der Vorstand die Ausgabe von Darlehn eingeschränkt habe, um einen Teil des Kapitals der Gemeindekasse zuzuführen. Herr Dubiner weist noch darauf hin, daß schon die Sorge für die Bürgschaften die Ausgabe an Darlehen einschränke: die Gemeinde solle aber nicht darüber hinaus auf eine Einschränkung hinwirken. In anderen Gemeinden würden neue Darlehnskassen geschaffen, die Leipziger müsse erhalten werden. Nach einem Antrag des Herrn Dr. C. Goldschmidt wird beschlossen, auf drei Monate grundsätzlich nicht mehr als monatlich 2000—2500 M. neue Darlehen auszugeben und inzwischen zu versuchen, einer gegebenen Anregung folgend, privates Kapital zu beschaffen. Es wird ferner auf Antrag des Herrn Dr. üoldschmidt, der mit einem ähnlichen seitens des Vorstandes verbunden wird, beschlossen, daß Beitragszahlungen und andere Zahlungen zu denen die Gemeinde rechtlich nicht verpflichtet ist, nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel erfolgen dürfen, und daß ferner die Bewilligung durch die üemeindesitzung nicht auch einen rechtlichen Anspruch des Bedachten aussprechen soll. Die eingesetzten Ausgabeposten sollen nur nach dem vorhandenen Bedürfnis in zwölf gleichen Raten ausgezahlt werden, und grundsätzlich erst dann, wenn sich überblicken läßt, wie der Steuerbedarf gedeckt werden kann. — Bei dem Posten Höhere Israelitische Schule beantragt Herr Dr. Zander, daß der Beitrag mit 5750 M. eingesetzt wird; da die Miete für die Zwecke der Rcligiousschulc II mit 3400 M. ja auch der Schule zugute komme, betrage dann die Beisteuer insgesamt rund 9000 M. Herr H o d c s wendet sich gegen diese neue Kürzung. Es handle sich hier offenbar um weltanschauliche Momente, indem man in der Höheren Israelitischen Schule die konfessionelle Schule als solche treffen wolle. Die jüdische Schule sei das beste Vorbcugungsmittel gegen Mischehen. Nur das Assimilantentum sei gegen die jüdische* Schule. In den jüdischen Schulen werden die Kinder in religiösem Geiste erzogen. Würde nicht der gesamte eingesetzte Betrag bewilligt, der nur ausreicht, die Hypothekenzinsen zu decken, so müßte die Schule zugrunde gehen. Eine solche Verantwortung dürfte die Versammlung nicht auf sich laden. Herr Dr. Zander weist demgegenüber auf die erheblichen Kürzungen an anderen Stellen des Haushaltplanes, vor allem bei der Fürsorge, hin. Die Schule könne keine bevorzugte Behandlung verlangen. Namens der Frauen betont Frau Schindler, daß sie für eine jüdische Erziehung der Kinder, die die Volksschule besuchen, eintreten. Es treffe durchaus nicht immer zu, daß die Erziehung in der Höheren Israelitischen Schule ein tiefeingewurzcltes religiöses Empfinden erwecke. Auch in liberalen Kreisen herrsche starkes religiöses Interesse. Für die Beibehaltung des vom Vorstande vorgesehenen Betrages setzen sich Herr Pfefferblüth, Herr Kestenb a u m und Herr Dubiner ein, der an die Berliner Gemeinde erinnert. Dort hätten die liberalen Führer sich für die jüdische Schule ausgesprochen. Eine Kürzung des Betrages bedeute die Vernichtung der Schule. In Berlin seien die liberalen Kreise selbst für die hebräische Sprachschule eingetreten. Der Idealismus, dem die Schule ihren Bestand verdanke, möge durch die Tat anerkannt werden. Nach einer Pause, in der die Fraktionen die Frage nochmals durchsprachen, wird der Beitrag auf 6750 M. festgesetzt und danach der Haushaltplau im ganzen verabschiedet. — Schluß der Sitzung 22.35 Uhr. Haushaltplan der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Einnahmen für das Rechnungsjahr 1932/33 (1. April 1932 bis 31. März 1933). Ausgaben I. Allgemeine Verwaltung............. II. Grundstücksverwaltung (Mieten einschließlich Aufwertungssteuer des Gemeindehauses Löhrstr. 10 und des Grundstacks Humboldtstr. 13)..... III. Kultus (Gebühren für Synagogenplätze u.Trauungen) IV. Kaschrus (Abgaben der Fleischer u. rituellen Betriebe) V. Ritualbad.................... VI. Bestattungswesen (Gebühren für Bestattungswesen, Grabstellen usw.).............. VII. Wohlfahrtspflege................ Die diesjährigen Einnahmen in Höhe von 30000 KM. sind vorweg bei den Ausgaben in Abzug gebracht VIII. Darlehnskasse (Verwaltungsgebühren) . . . . IX. Keine Einnahmen................ X. Keine Einnahmen................ XI. Keine Einnahmen...... ........ XII. Außerordentliche Einnahmen........... XIII. Zinsen..................... XIV. Steuern..................... 1931/32 RM. 14 500 20000 38 000 6« 500 2 300 700 1 000 \\1H (XX) 523 (XX) 1032 33 RM. 12600 12500 26500 56800 700 100 19000 374 800 503000 1931/32 1932/33 83800 65170 1400 1 000 60 630 I 000 400 I. Allgemeine Verwaltung (Gehälter u. sachl. Unkosten) II. Grundstücksverwaltung (Hypothekenzinsen, Abgaben, Unterhaltung des Gemeindehauses Löhrstraße 10 und des Grundstücks Humboldtstr. 13) III. Kultus und Unterricht a) liberal Besoldungen und sachliche Ausgaben für Gottesdienst und Unterricht...... b) orthodox Besoldungen sowie sachl. Ausgaben für den Unterricht, Kostenbeitrag zu dem Gottesdienst an den hohen Feiertagen im C.-T. ... 69 100 c) auswärtiger Unterricht d) Trauungen ...... IV. Kaschrus (Schächten und Beaufsichtigung der Flei schereien und sonstigen rituellen Betriebe) . . V. Ritualbad................... VI. ßestattungswesen a) Unterhaltung der Friedhöfe einschl. Besoldungen . . b) Gärtnerei des neuen Friedhofs .......... c) Verzinsung und Tilgung der Friedhofsanleihe . . . d) Besoldungen und sachliche Ausgaben ........ VII. Wohlfahrtspflege (darin Besoldung des Fürsorgepersonals 7499,—)............... VIII. Darlehnskasse (Verwaltungskosten)....... IX. Ruhe-, Witwen-, Waisengehälter u. Unterstützungen X. Verschiedenes ................ XI Beiträge an Körperschaften, Bildungsanstalten, Jugendverbände und Wohlfahrtseinrichtungen . . . XII. Unvorhergesehenes............... XIII. Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschuld . . . XIV. Kosten der Steuererhebung........... 1931,32 12050 11 450 1932/33 11094 9290 39600 27 600 48200 44416 1031/32 RM. 46900 12100 155300 43800 6000 111 300 102100 2900 33080 36100 30020 10000 21000 12400 523 000 Einnahmen Außerordentlicher Haushaltplan für 1932/33 Auegaben RM. 13000 Unterstützung von abgebauten Angestellten, Berechnungsgeld RM. 10000 3000 13000 » 13000

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