Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-04-22 · 17 (22.4.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
17 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968808-5969314--4422-4881535
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

.'2. April 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Kiankenschwesternstation wies er auch noch auf die Gründungen des Schwesternbundes der Leipzig-Loge hin: Mittelstandstisch, Kinde rspeisung und K leiderstelle, sowie auf die alljährlich veranstaltete H a n d a r b e i t s a u s s t e 11 u n g. Gesnngsvortrüge des Herrn Oberkantor La in pr I eröffneten und schlössen die Feier. Abschleduteler für Pr«!. Dr. Kriedland-Seeyrn. Mit Schluß des Schuliuhres trat nach fast 2">jähriger Tätigkeil an dieser Lehranstalt der Leiter der ()l)errealschule Seesen (ehemalige .lacobson-Schule), Ober- -ludiendirektor Prof. Dr. Friedland, in den Ruhestand. Der Wechsel in der Leitung läUt die geschichtliche Bedeutung der Schule wieder vor der Erinnerung wachwerden: Die Schule wurde durch den Finanzrat .Jacobson, auf den manche Entwicklung des modernen Judentums ■urürkgeht, 1801 ins Leben gerufen und hat vielen jüdischen Sehüler- :enerationen das Rüstzeug fürs Leben gegeben, mit dem sie sich als reue Juden bewährten. In der Nachkriegszeit war der Bestand der Schule bedroht. Der Initiative Friedlands gelang es, die historische l.ehr- und Erziehungsstätte durch ihre Verstaatlichung für die Stadt und ihre nähere und weitere Umgebung zu erhalten und die Schule, bis dahin nur Realschule, zur Vollschule auszubauen. Für die Wertschätzung, deren sich Friedland erfreute, legt eine sehr warmherzige Abschiedskundgebung der Stadt Zeugnis ab, worin seine hohen Verdienste volle Würdigung erfahren. Auch der Leiter des höheren Schulwesens im Freistaat Uraunschweig richtete ein persönliches Schreiben an Herrn Direktor Friedland, worin er seinen Dank und seine Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit im Dienste der Schule aussprach. Mit dem Scheiden Friedlands aus der Leitung der Schule beginnt eigentlich erst die neue Ära. Man darf gespannt sein, wie sich die Schule weiter entwickeln wird. Der Sabbath im Frachtverkehr. Die am Sabbath geschlossenen Geschäfte sind im Frachtgutverkehr der Reichsbahn dadurch benachteiligt, daß sie die für sie eintreffenden Frachten am Sonnabend nicht abzuholen in der Lage sind. Sie sind dadurch in der Regel mit zuzügliehen Stand- und Lagerspesen belastet, die um so schwerer wiegen, als auch der Sonntag, an dein die Reichsbahn ihrerseits die Auslieferung der Frachtgüter ablehnen muß. mit in Rechnung gestellt wird. Der Weltverband Schomre Schabbos hat daher am 1. Februar d. .1. an die Reichsbahngesellschaft das Gesuch gerichtet, daß den am Sabbath geschlossenen Geschäften diesbezüglich ein größeres Entgegenkommen gezeigt werde. Daraufhin fand um 21. März eine Besprechung statt, an der von der Reichsbahngesellschaft Herr Geheimrat Soninierlatte und vom Weltverband Schomre Schabbos die Herren Alfred Marcus und Dr. Josef Stern teilnahmen. In dieser Besprechung erörterte der Reichsbahndirektor Sommerlatte die Schwierigkeiten, die einer unterschiedlichen Behandlung der am Sabbath geschlossenen Geschäfte entgegenstehen. Er erklärte, daß, wenngleich es aus prinzipiellen Gründen nicht angängig sei, Standgeld für die am Sonnabend nicht entladenen Wagen überhaupt nicht in Ansatz zu bringen, die Reiehsbahndirektionen doch auf Grund der ihnen gegebenen allgemeinen Richtlinien in der Lage wären, bei der Behandlung ron Anträgen mif Rückerstattung ron Standgeldern solche Fälle ah »richtigen Grund anzuerkennen, in denen Firmen, die aus religiöser Überzeugung am Sonnabend regelmäßig schließen und auch Andersgläubige nicht arbeilen lassen, Standgeldpflichlig geworden sind. — Diesen Entscheid hat nunmehr die Reichsbahngesellschaft auch schriftlich bestätigt. Kin denkwürdiges Worhentagsruhegesetz auf Rhodos. Vom Weltverband Schomre Schabbos wird mitgeteilt: Auf der unter italienischer Oberhoheit stehenden Insel Rhodos wurde dank der energischen Intervention der dortigen jüdischen Gemeinde und insbesondere ihres Oberrabbiners Reuben Elijahu Jisroel ein Wochentagsruhegesetz erlassen. las ungeachtet des geringen Umfanges des fraglichen Territoriums das größte Interesse verdient. Hier ist nämlich der seltene Fall zu verzeichnen, daß ein staatliches Wochentagsruhegesetz unmittelbar der Förderung der Sabbuthheiligung dient. Das Rhodossche Gesetz bestimmt nämlich generell, daß die Betriebe und Läden der christlichen Bevölkerung am Sonntag ab 12 Uhr, die der mohammedanischen am Freitag von der gleichen Stunde ah, die der jüdischen am Sabbath zu schließen haben. Die Folge davon ist, daß auch diejenigen unter den jüdischen Gewerbetreibenden und Ladeninhabern, die bisher den ganzen Sabbath über ihre Geschäfte geöffnet hatten, gezwungen sind, wenigstens einen Teil des Sabbaths zu schließen und dies, ohne daß >ie dabei hinter der nichtjüdischen Bevölkerung ins Hintertreffen geraten. Sächsische Gemeinden Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsonic. Diese Abteilung des Sachlichen israelitischen Genieindeverbandes, die ihren Sitz in Leipzig hat, hielt ihre ordentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses am 10. April in Dresden ab. Der Vorsitzende S. Goltlieb. Leipzig, eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf auf den verstorbenen Prediger Heimann, Plauen. Die Hauptkasse Leipzig berichtet über die Rechnung des vergangenen Kalenderjahres. Die Zeit gebot wesentliche Einschränkung der Ausgaben. Neu eingeführt worden ist die Beschäftigung von jungen und kräftigen Wanderern auf einem Werkplatz, wodurch ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich das Geld zur Weiterreise zu verdienen: zugleich soll dadurch auch erzieherische Arbeit geleistet werden. Die Dresdner und Chemnitzer Kassen klagten über die Schwierigkeiten bei der Beförderung von tschechoslowakischen Wanderern, die dadurch entstanden sind, daß die jüdische Fürsorgezentrale Prag die bisherige Zusammenarbeit gekündigt hat. Die Beförderung von ungarischen Glaubensgenossen leidet unter der Höhe der Kosten. Der Vertreter von Zittau bittet, daß die jüdischen Wanderer auf die öffentlichen Wandererheinistätten hingewiesen werden, in denen nicht nach dein Bekenntnis gefragt wird. Alsdann berichtet Dr. Kreutzberger von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, Berlin: Die großen Ziele der Wanderfürsorge konnten im vergangenen Jahre nicht erheblich gefördert werden, man mußte sich darauf beschränken, die Organisation aufrechtzuerhalten und auszubauen. Gezählt wurden im ganzen Reich einige Zwanzigtausend Wanderer. Da sich unsere jüdischen Wanderer doch sehr wesentlich von den Andersgläubigen unterscheiden, so könne man nicht ohne weiteres den Versuch, den Leipzig mit der Werkplatzbeschäftigung unternommen hat. auf das ganze Reich ausdehnen. Man solle aber, wo immer es angehe, die öffentlichen Stellen und öffentlichen Mittel in Anspruch nehmen. Jeder Ausländer müsse genau wie jeder Deutsche unterstützt werden. Eine Ausweisung drohe nur bei dauernder Hilfsbedürftigkeit. — Mit der Tschechoslowakei hoffe man in absehbarer Zeit wieder zur Zusammenarbeit zu kommen. Erfreulich sei. daß die französischen jüdischen Verbände bei der jetzt notwendig gewordenen Rückwanderung hilfsbereit mitwirken. — Die Arbeiterkolonie konnte noch nicht errichtet werden, doch wird sie trotz der Schwierigkeiten entstehen. Die zur Verfügung stehenden Mittel sind hinreichend, daß 2 Jahre lang kein Zuschuß von dritter Seite gebraucht wird. Man dürfe vor dieser großen Aufgabe nicht deshalb zurückschrecken, weil es schwer fällt, die bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen zu erhalten. Notwendig sei eine neue Bewertung der jüdisch-sozialen Arbeit. Manche bisherige Einrichtung müsse zurücktreten zugunsten dringlicherer. Insbesondere müsse man dafür sorgen, daß die schulentlassene Jugend in geeigneten Lehrstellen Unterkommen findet. In der weiteren Aussprache wurde gebeten, auf die jüdischen Arbeitgeber hinzuwirken, daß sie noch mehr als bisher Juden anstellen. Ferner wurde die Notwendigkeit jüdischer Arbeitsnachweise betont. Zum Schluß wurde angeregt, daß der Verwaltungsuussrhuß der Landeskasse Sachsen zum allgemeinen sozialen Ausschuß des Sächsischen israelitischen GemeiIldeverbandes ausgestaltet werden soll. Unsere Gemeinde Barnet Lichts 25jährige Tätigkeit im ABI. Das hier bestehende Arbeiterbildungsinstitut feiert zur Zeit sein 25jlhr1ges Bestehen. Bei der Würdigung der kulturellen Arbeit dieser für die Verbreitung geistiger und künstlerischer Werte so wichtig gewordenen Institution werden immer wieder auch die Verdienste des Leiters unseres Synagogen-Chors, Herrn Barnet Licht, um die Entwicklung insbesondere der musikalischen Bestrebungen des ABI in volles Licht gerückt. Der Irmi F e I d m a n n - P r u z a n s k i Imre Hartstein cand. med. Leipzig Verlobte Bukarest - - - - Am Sonnabend, den 16. April, verschied nach langem Leiden unsere geliebte Mutter, Großmutter und Schwiegermutter, Frau virw. Sabina WulFsohn gab. Neuderfer Die Beerdigung fand Montag, den 18. April, auf dem israelitischen Friedhofe in Chemnitz statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Or. Heinrich Wulfsohn, Chemnitz, Leonhardstr. 3a

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.