Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-03-25 · 13 (25.3.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
13 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4876568-5968808-5969309--4380-4881497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Posiauflage dieser Nummer: 4495 SlilcR. emeinö eblatt ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEM&I N DE ZU •p|D7I^L AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT iL I ■ Mm I \7 DER GEMEINDEVERWALTUNG* CrmelndehUtt erscheint |eden Freitag und wird |,i Mitgliedern der Rettgtonsgemclnde unentgeltlich Ih die Post lugeitetlt - Schriftleitung: I (. , Inderabbtner GuataT Cohn, Lelptog, Löhrstraße 10 NUMMER 1t / JAHR6AN6 8 FREITAC 25» MARZ 1012 Anzrlftenverwaltung und Drurk: Budidrurkrrrl August Pries. Leipzig, Bruderstr. 59 - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 530 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dea Verfassers gestattet Moderne Entwicklungen in den ostjüdischen Jeschiwoth |; .1!! I I Ii In ii l: rhu utzi Ii jüdische Historiker Dr. Man- Wischnitzer, Cieneralsekretär des Vereins der Deutschen .luden, der vor einiger Zeit im Zusammen mit der vom llilfsverein verwalteten Hinterlassenschaft I'rof. i.ines zugunsten der .Jeschiwoth eine Rundreise durch die Stätten scher (ielehrsamkeit in Osteuropa gemacht hat, hielt im Rahmen Mnntagsvorlesungeii der Hochschule für die Wissenschaft des ntuins einen Vortraf; mit dem Thema „Moderne Entwickle n in den osteuropäischen .1 e s c h i w o t h", der '■spannte Interesse der aus Dozenten und Studierenden der Hoche sich zusammensetzenden Hörerschaft gefunden hat. Dr. Wisch r führte ungefähr aus: ist geneigt, in den .leschiwoth eine in sich geschlossene isolierte zu erblicken, die sich jeder Berührung mit der Auüenwelt ver- -fit. Solchen Auffassungen gegenüber konnte bei einer Besirhig von mehr als 20 .leschiwoth festgestellt werden, daü sich im ii der .leschiwoth interessante Entwicklungen vollziehen, deren irkungen heute noch nicht abzusehen sind. Die .leschiwah rl auf das moderne Leben und seine Anregungen und setzt sich len Problemen der (iegenwart. die an sie in der einen oder der reu Weise herantreten, auseinander. mieviesch, Litauen, herrscht frisches Leben. An der Spitze leschiwah, die über 800 junge Leute beherbergt, steht Kabbiner iiemann, der hochherzige Spender für sein Werk zu gewinnen e. Die Studierenden, die Bachurim, unterscheiden sich in ihrem 'liehen Habitus, in Kleidung und Auftreten, nicht von Hörern icher Hochschulen. Außer Einheimischen waren Hörer aus linder Schweiz, Bolen, Amerika und anderen Ländern anzutreffen, lasialbildung. auch Hochschulbildung, ist nichts Seltenes unter Hörern. Keine Spur von Einseitigkeit und Weltfremdheit war •merken. „Was wir wollen" — so formulierte in Telschi. einer len litauischen .leschiwah, ein junger Amerikaner seine Absicht ist: das Judentum einmal erleben, es in seiner ungebrochenen heil erfassen". Die .leschiwah in Telschi hat eine ganz eigene ognoinie. Sie ist eine Schöpfung Elieser (Jordons. eines der Tragenden Jünger des Rabbi Israel Salanter, dessen Lehre in großen Jeschiwoth fortlebt. Telschi ist die klassische Stätte der >' der Methodik in Talmud-Unterricht und in Mussar (Sittenlehre). Iii führt, wie fast alle osteuropäischen Jeschiwoth, einen schwe- Aumpf um seine Existenz. Aber man kümmert sich auch um Wasserleitung, um Internate, um eine Mensa für die 300 Stull usw. Aehnliche Verhältnisse herrschen in Slobodka-Kowno, '"'rühmten Mutter-Anstalt, aus der Telschi, I'onieviesch, Lomscha. L'rudok und andere Jeschiwoth hervorgegangen sind, iieutige Bolen weist nicht weniger als 190 Jeschiwoth auf; es '•ht der Typ der Jeschiwoth Ketanoth, einer Unterstufe der Jeschi- ■ vor, die für die höheren Jeschiwoth vorbereitet. Uns interesheute die höhere .leschiwah. In den östlichen Bezirken des Ilgen Bolen, in den Wnjwodsehaften Wilna, Bialystnk, Nowogrudok, -je und Wolhynien haben sich die Jeschiwoth zu einem Verband "1 IIa-.leschiwoth) mit der Zentrale in Wilna zusammenflössen. Nächst den litauischen Jeschiwoth sind die im Wilnaer ''and vereinigten Anstalten die wichtigste Stätte des Talmud-Studiums in Osteuropa. Die einst berühmte .leschiwah in Woloacbyn 1*1 zurückgegangen; dagegen hat die .leschiwah in Mir einen grollen Aufschwung genommen und ist heute die größte ihrer Art in Osteuropa (400 Schüler). Das Lehrhaus ist von Wiesen und Härten umgeben, die inneren Einrichtungen fortgeschritten (Wasserleitung). Aber die Bachurim leiden Not. Es ist kein Geld mehr da für das trockene Brot. Die .leschiwah Ez-('hajim in Klezk ist das Asyl für Lehrer und Schüler russischer Jeschiwoth, die vor bolschewistischer Verfolgung über die (irenze nach Bolen geflüchtet sind. Der Rosch- Jeschiwah. Rabbi Aron Kotler. geniel.lt in der rabhinischeii Welt hohe Autorität. Chajim Oter Grodsienskl nennt ihn den Akiba Eger unserer Zeit. Die .leschiwah Obel Thora in Itaranowice befindet sich in einem grollen massiven Bau. ebenso die .leschiwah des Cbofei Chajim in Kachln, die sogar eine elektrische Lichtanlage hat. Der üljührige Chofez Chajim gab seiner .Freude über die Haffkine-Stiftung Ausdruck. Die Raduner Studenten haben eine Darlehenskasse. Es herrscht unter ihnen gule Kameradschaft und ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn. Nächst dem Chofez Chajim erfreut sich grölten Ansehens in der Jeschiwah-Welt Rabbi Dow Ber Leibow itz. Reklor der .leschiwah Bei Izchak in Kamenez. Die Hörer stehen in seinem Baun. Die .leschiwah ist verschuldet, die Verpflegung der Zöglinge ist karg. Der Gesundheits» zustand der Jeschiwah-Jugend ist kritisch. Iiier muH am schnellsten und nachhaltigsten geholfen werden. Der Vorsitzende des Jeschiwah- Verbandes in Wilna. Rabbi Chajim Oser (irodzienski. lufierte über die Schaffung einer Ferienkolonie freudige Zustimmung. Die Studenten sollten seiner Meinung nach während des Ferienaufenthaltes mit Gartenarbeiten beschäftigt werden. Eine Gruppe für sich bilden die Nowogrudoker .leschiwoth. etwa B0 an Zahl, auch Belli Joseph-Jeschiwoth genannt, bei denen die Sittenlehre (Limud llamussar) eine besondere Rolle spielt. Lehrer und Schüler waren vor den bolschew istischen Verfolgungen geflüchtet. Die Lage dieser Jeschiwoth ist fürchterlich, es wird buchstäblich gehungert. Vielleicht wäre hier Zusammenlegung zu empfehlen. Ein hoffnungsvolles Bild bietet Luidin. die Stätte der vor zwei Jahren eröffneten „Jescliiwat Chachme Luhlin". Der grolle Hörsaal gehl durch mehrere Stockwerke. Das Monumentalgehäudc der .leschiwah besitzt alle modernen Hinrichtungen, ist mit Wasserleitung und elektrischem Licht versehen, die Verpflegung ist gut. Die Lubliuer Talmud-Hochschule ist ein Jeschiwah-Typ für sich. Unter der .lugend bestehen Neigungen zum diassidisinus. Warschau ist für die Jeschiwoth ein ungeeigneter Boden. Die allgemeine Atmosphäre ist ihnen ungünstig. Die politischen (iegensälze innerhalb der großstädtischen jüdischen Massen sind scharf zugespitzt, die Jeschiwah-Jugend wird in den Kampf hineingezerrt. Iii den Jeschiwoth in lluszt (Tschechoslowakei) können die Schüler ihren Unterhalt selbst bestreiten. In Manna TOS Ssiget (Rumänien) gliederte der Leiter. Rabbiner SaIman Leib (iross. vor vier Jahren der .leschiwah eine Weberei-Lehrwerkstätte an. tiross gebort zu den sozial denkenden Führern des orthodoxen Judentums, wie es deren mehrere in Rumänien und Ungarn gibt, die der wirtschaftliehen Not der Jugend entgegensteuern, weil sie in der Verelendung eine sittliche (iefahr, eine Bedrohung der religiösen Lebensauffassung sehen. "t-A,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.