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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-03-18 · 12 (18.3.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
12 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nu mim |] gierig war Ich," so erzählt Goethe in Dichtung und Wahrheit, „ihre (der Juden) Zeremonien kenneniulernen. 1 ließ nicht ab, bis Ich ihre Schule Öfter« besucht, einer Besehneldung, einer Hochzeit beigewohnt und von dem Laubhüttenfest mir ein Bild gemacht hatte. überall (in der Judenstadt) war ich wohl aufgenommen, gut bew rbj und zur Wiederkehr eingeladen." Ks ist demnach anzunehmen. <U Goethe auch das lustige Treiben am Purimfeste mit seinen AchaacM werosch-, Joseph- und Goliath-Spielen nicht entgangen war. Gemeindesitzung vom 10. März 1932 (Amtliche Niederschrift) Gemeindevorsteher Goldschmidt eröffnet die Sitsung um IN Uhr 25 Minuten. 1. Der Vorsitzende berichtet, daß es Infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten noch nicht möglich war. den Haushaltpl a n - E n t w u r f so weit zu fördern, um ihn noch im März zur Verabschiedung bringen zu können. Kr erbittet und erhält deshalb für den Vorstand die Ermächtigung, bis zur Verabschiedung des Haushaltplanea 1982/83 innerhalb des Rahmens des Haushaltplanes 1981/82 die vom Vorstand für notwendig gehaltenen Ausgaben zu leisten und Gebühren und Gefälle sowie Steuern einzuziehen. ■_!. Herr B r e s l a u e r berichtet, daß es infolge Rückzahlung einer Aktivhypothek möglich war, einen Teil der langfristigen Anleihe der Communalbank für Sachsen zu ungemein vorteilhaften Bedingungen vorteitig zurückzuzahlen, wodurch auch der llaushaltplan der nächsten Jahre weitgehend entlastet wird. :t. Herr Dubiner berichtet, dafl die W a h 1 r e c b t s k o m in i s - sion infolge der gegenwärtigen Verhältnisse ihre Beratungen noch nicht genügend fördern konnte, doch hofft Redner, dafi die Angelegenheit in den nächsten Wochen vorwärts kommt. 4. Kin Gesuch des Vereins Obel .lakob um weiteren Aufschub für die Tilgung seiner Hy poth ekenschu 1 d bei der Gemeinde um i Jahr wird genehmigt. •"). Kin Gesuch des Krwerbslosen-Ausschusses um Gewährung einer Winterbeihilfe wird verlesen. Der Vorstand hat mit Zustimmung des Kinanzausschusses in Erwartung der nachträglichen Billigung durch die Gemeindesitiung eine Auszahlung in Gesamthöbe von j.v.'ii M vorgenommen, wozu früher bewilligte Beträge zur Verfügung standen. Erforderlich ist eine Nachbewilligung, die auf Antrag Selinder l»is zu öoo M ausgesprochen wird, um noch Nachsügler befriedigen zu können. Auf eine Anfrage des Herrn Pfefferhlüth wird ausdrücklich festgestellt, daß Ausweisungen w ege n Inanspru e h n a b m e der öffentlichen Fürsorge in keinem ei n z i g e n Kall d u r C h g e f ü h r t worden sin d. <i. Es liegt ein Antrag der Kleischer vor. die K a s c h r u 8g e bü h - r e n zu senken. Der Vorsitzende teilt mit. dafi der Reichskommissar für Preisüberwachung an die Spitzenverbände der Religionsgosell- Schäften herangetreten ist. dafi sie im Anschluß an die Gehaltskürzungen der Beamten und Angestellten ihre (iebühren senken. Der Vorstund schlägt eine Herabsetzung der Aufsichtsgebühren um 88' :,"« vor. Kr hat ferner in Aussicht genommen, auch ilie Preise für Synagogenplätze zu ermäßigen, worüber beim Haushiiltplan zu sprechen i>t. Herr Seiinger fordert, daß im Anschluß an eine Gebührenermäßigung eine Herabsetzung der Kleiscbpreise erfolgt. Herr I) ubiner weist darauf hin, «laß der umfangreiche Bezug von Koscher- Beiich von auswärts auf übertriebene Preise der hiesigen Kleischer zurückzuführen sei, und daß auch viele Gemeindemitglieder infolge der hohen Preise gezwungen seien, nichtkoscheres Fleisch zu kaufen. Die Folge sei ein Rückgang des Koscherlleischumsat7.es bei den hiesigen Fleischern. Die Gemeinde müsse auf die Preise einwirken. Der Vorsitzende hatte in seinen Ausführungen dargelegt, daß die vom Vorstand vorgeschlagene Gebührenermäßigung infolge der Herabsetzung der Gehälter keinen höheren Zuschuß zum Kaschrus bedinge als bisher. Herr Qoldrei erklärt, daß die Gemeinde keine Macht habe, auf die Preise einzuwirken. Vergleiche der Preise mit Mazzos- Verteilung Bedürftige Gemeindemitglieder erhalten unentgeltlich Mazzos von der Gemeinde nur. wenn sie sich bis Ende März srhriftlirh bei der Gemeinde melden, (ieldspendeu werden durch die Gemeinde nicht verteilt. Leipzig, den :t. März 1982. l)'-r Vorstand der israelitischen Beligionsgeineinde zu Leipzig. denen nichtjüdischer Fleischer hätten keine nennenswerten Unter! schiede ergeben. Der Bezug von auswärtigen Fleisch sei für die ili.l meinde und die Kleischer gleich bedauerlich, die Gemeinde habe a ><:| darauf keinen Einfluß. Herr A ronstein betont, ausschlaggebend für die Kleiscbpreise sei die Qualität; dies sei ohne weiteres aus de] Tageszeitungen festzustellen. Die Gemeinde könne keinen Kinl ul auf die Preise ausüben. Herr Solinger bringt in Erinnerung, <tat er schon früher darauf hingewiesen habe, dafi die orthodox« Kleischer einer Aufsicht nicht bedürften; dem sei entgege» gehalten worden, dafi dies doch notwendig sei. Wenn also tie Gemeinde Aufsicht stellt, so habe sie auch das Recht, sich um 'Iii- Preise zu kümmern: soziale Rücksichten bedingten dies. Fi au Schindler glaubt, daß doch bedeutende Unterschiede bei «len Preisen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Kleischern he stehen. Die jüdischen Kleischer hätten die Pflicht, ihre Preise herab zusetzen. Der Vorsitzende betont, daß die Preise der nichtjüdisch« Fleischer von objektiver Seite eingeholt sind. Wilhelm Zöllner habt seine Preise tatsächlich schon ermäßigt. Alle rituellen Fleischer b* dürften der Aufsicht, ohne Rücksicht auf ihre persönliche religio - Einstellung. Herr II o d e s ist gleichfalls der Meinung, dafi die Prei» unterschiede zwischen koscherem und nichtkoscherem Fleisch il Leipzig geringfügig seien. Dies müsse festgestellt werden, weil du ich gegenteilige Behauptungen die unter Aufsicht stehenden Kleischer vschädigt würden. Herr Lustig tritt den Ausführungen des Hein lindes bei und bezweifelt die Richtigkeit der Feststellungen <!>'> Herrn Dubiner. Herr Aron stein hält eine weitere Ausspracht für zwecklos und schlägt die Einsetzung einer Kommission zur nochmaligen Prüfung der Krage vor. Zu prüfen sei auch vielleicht ei' Krage der Verbilligung des Fleisches für die jüdischen Krworbslosi n Der Vorsitzende läßt den letzten Punkt zunächst aus der Debatte, US auf den Punkt der Tagesordnung zurückzukommen. Herr Goldrel betont nochmals, daß die Preisfrage für die Gebühren nicht in I tracht kommt. Herr M a r k e n d o r f stellt fest, daß das koscher'' Fleisch von auswärts viel billiger sei als hier. Herr Kostenbauiii erklärt das gleiche. Krau R 0 s e n t h a I beantragt Schluß der Debatte und bittet, auf den Antrag Aronstein auf Einsetzung einer besonderen Kommission zurückzukommen. Debatteschluß wird hest-hb — sen. Herr I) u b i n e r bemerkt noch, daß er mit seinen Ausführung I dahin wirken wollte, daß der kleine Mann Koscherlleisch billig kn ifen kann. Darauf müßten alle jüdischen Kleischer hingewiesen w< rden. Der Antrag des Vorstandes, die Aufsichtsgeliühr um 88'(',"/t :ii senken, wird angenommen mit Wirkung vom 1. April 1982, Der Virstand wird zu einer Neufassung der Gebührenordnung ermächtigt. Die Sitzung wird unterbrochen, um die Rede des Herrn Reichsprä Ideuten im Rundfunk zu hören. Nach Wiedereröffnung der Sitzung kommt der Vorsitzende auf d n Vorschlag des Herrn Aronstein zurück hinsichtlich einer Verbillig» tf des Fleisches für Erwerbslose. Herr Pfefferblülh will diesen Schi II auf alle Bedürftigen ausgedehnt wissen. Der Antrag wild dem Fi rsorgeausschuß über wiesen. 7. Einem Beschluß der Gemeindesitzung zufolge ist eine liundfra' bei auswärtigen Gemeinden über die Raschrusverhältnisse erfolgt deren Ergebnis den Mitgliedern der Gemeindevertretung überinitt II worden ist. Die Rundfrage ist ergangen, um die Frage der Notwi ndigkeit der dritten S c Ii ä c Ii t e r s t e I l e zu klären. Ein Beschl il> der Kascbruskommission, die sich mit der Krage befaßt hat, wird v<tlesen. Sie bejaht die Krage. Es wird beschlossen, die dritte Schächh rstelle mit Wirkung vom 1. April 1i>82 nach dem Vorschlag des Verstandes zu besetzen und die jetzige Stelle des stellvertretenden Schächten aufzuheben. H. Kür eine S c h e n k u n g von Herrn Josef Garfunkel wild der Dank ausgesprochen. Nach Verlesung der Niederschrift wird die Sitzung um 20 Uhr 00 | •'• schlössen. Ks folgt eine nichtöffentliche Sitzung. Katzenstein, Gemeindesehrittffihrer.

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