Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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f. Februar 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seito 3 Vortragsgemeinschaft der Leipziger jüdischen Frauenbünde Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags 4,30 Uhr im Hotel Häufte Referat: Frau Lenka v. Körber Die schweren Gefahren der Entwicklungsjahre Schwesternbund der Leipzig>Loge Judischer Frauenbund, O'tsgruppe Leipzig — Verband jüdischer Frauen für Palästinaarbeit — Frauengruppe des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens e Rabbiner-Konferenz sprach sieb weiter teharl gegen die Elnfühag des Z i v i 11 r a u u n g s g e s e t z e s aus, das einen Angriff gen jüdische Moral und die Reinheit des jüdischen Familienlebens : stellt. Es wurde ferner ein Entschluß angenommen, daß orthoixe Eltern ihre Kinder in die weltlichen jiddischen Schulen, in die irluithschulen und andere Schulen, die nicht ausgesprochen religiös ml. nicht schicken dürfen. Die Rabbiner-Konferenz protestierte en die Schließung der Tore Palästinas vor jüdischer Einwände- •10 Rabbiner mit Rabbi Chaiin Oser Grodzinski (Wilna) an er Spitie wurden in den Rat des Rabhinerverhandes entsandt. Der i! wühlte eine elfgliedrige Exekutive. Mit Schlußnnsprarhen der abbiner von Rzeszow und Slonim ging die Konferenz zu Ende. Di« VII. Reichskonferenz des Heii-hsverhandes ostjUdisrher Ornanisalionea in Deutschland. In Berlin fand in den Räumen der Eierbörse von 71 Delegierten aus ganz Deutschland beschickte Reichskonfe- ■117. des Reichsverbnndes ostjüdischer Organisationen in Deutschland Malt. acta den einleitenden Referaten von Benzion Fett über „D i e Lage i Reichs verbandet" und von Haarpuder über den c h e n s c h a f t s b e r i c h t" für das allgelaufene Jahr hielt Dr.!• " i etzdas von der ganzen Konferenz mit groflem Beifall aufgenommene Referat Uber die Lage der Ost juden in Deutschn d. Ausgehend von der schweren wirtschaftlichen und kulturellen des Ostjudentunis in Deutschland, macht der Referent die Kon- 01 auf die seitens des neuen preußischen Ministerialentwurfes des ngesetzes dem Ostjudentuin drohenden Gefahren aufmerksam, da er Entwurf eine Einschränkung der Rechte der Ostjuden in den Müschen fcinheitsgenieinden bedeutet und das jüdische Kulturn auszuhöhlen geeignet wäre. Er behandelt die am 10. .lanuar vom Ben Rat des Preußischen Landesverbandes einstimmig angenomie Resolution und dankt dem Rat und dem ganzen preußischen •ntum dafür, daß sie im Augenblick der Gefahr für den Schutz Rechte der Ostjuden und für das Interesse der Einheitsgemeinden eingesetzt hallen. Das Ostjudentuin. das viel zur Bereicherung Befruchtung des jüdischen Lebens in den Einheitsgeiiieiiideii beiagen hat. kann nur dann gedeihlich arbeiten, wenn es als völliger Faktor angesehen wird, und wenn die im Ostjudentuin imini rnden Kräfte einheitlich und richtunggebend geleite!, zum lihruch kommen. Aufgabe der Konferenz ist es, eine alle Richen des Ostjudentums vertretende Kx; kutive zu wühlen, die die >rität nach innen wie nach außen besitzt und den schweren Augen- ';en der Gegenwart gewachsen ist. — In der darauffolgenden, rore Stunden dauernden Ausspruche ergriffen Vertreter aller ipen und Richtungen das Wort. Die meisten Redner betonten die tigkeit eines einheitlichen Reichsverbandes, mahnten die beste- "ii Verbünde zui inneren Geschlossenheit und Wahrnehmung der essen aller Ostjuden. Ks wurde die Anregung zum inneren Friemid zur organisatorischen Einheit der beiden bestehenden Grup- »erbände in Berlin gegeben und von der ganzen Konferenz mit ein Beifall zur Kenntnis genommen. ' nachts wurde die Reirhsexekutive einstimmig gewählt. Präsi- 0.1 der Reichsexekutive ist Moses Gold mann: Mitglieder sind Koretz, Kornfeld, Feigenbauni, It/.'<owitz, Schönhorn, Goldham- '. alle in Berlin, ferner Lecker-Magdeburg, Fischl-Hannover, Dymsden, Fuchs-Oberhausen, Krakows! i-Barmen. Ilollünder-Karlsiie. •' folgenden Resolutionen wurden einstimmig angenommen: Die VII. Reichskonferenz des Reichsverbandes ostjüdischer Organizationen in Deutschland erhebt Protest gegen den Judengesetzentwurf Kultusministerium:;. Er bedeutet einen erheblichen Rückschritt gegenüber dein .ludengesetz. von IK47. Vor allem wendet sich die Tagung dagegen, daß nunmehr die Möglichkeil der Entrechtung von Ausländem eingeführt und die Gleichstellung der .luden in der jüdischen Gemeinde aufgehoben werden soll. Die ausländischen .luden bilden ein wertvolles Element der jüdischen Gemeinde und tragen zu ihrer Erhaltung wesentlich bei. Die Tagung bittet die preußische .ludenheit, einhellig an dein Gesetzvorschlag des Landesverbandes von 19'2S im Sinne der Beschlüsse des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes vom 10. .lanuar 1982 festzuhalten. 2. Die VII. Reichskonfereni protestiert gegen die Ausschreitungen und Ueberfälle auf die jüdischen Studierenden an den Hochschulen Polens durch die nationaldemokratischeu Studenten. Die Reichskonterenz fordert von der polnischen Regierung die Sicherung der Lernfreiheil der studierenden jüdischen .lugend an den polnischen Hochschulen gemäß der Verfassung. 3. Die Reichskonferenz beschließt, daß der Name des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutachland von nun an „Reichaverband ostjüdischer Organisationen in Deutschland" zu lauten hat. 4. Die Reichskonferenz beauftragt die Exekutive, eine intensive Kulturtätigkeit unter den Ostjuden zu entfalten, und ihre besondere Aufmerksamkeit der Erziehung der ostjüdischen .lugend zu widmen. 5. Die Reichskonferenz weist auf die katastrophale Wirtschaftslage der Ostjuden in Deutschland hin und fordert die Exekutive auf. durch die Zusammenarbeit mit den in Betracht kommenden Körperschaften und Gemeinden eine Besserung anzustreben. Professor Leopold Jossaer über „Religion und Charakter". Bei der Errichtung der Synagoge, Prinzregentenstraße, war vorgesehen, daß der große Kuppelhau mit dem Amphitheater-Halbrund der Empore als Vortragsraum benutzt werden sollte. Im Rahmen dieser Veranstaltung sprach vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, die die Synagoge Iiis zum letzten Platz füllte, Professor Leopold .lessner. der ehemalige Intendant und jetzige Oberregisseur der Staatstheatt r, über „Religion und Charakter". Er sprach vom Standpunkt des Künstlers und belegte seine Ausführungen mit Beispielen aus der eigenen, an Kämpfen und — auch jüdischen — Erfahrungen so reichen Laufbahn. Das Urgefühl aller Kunst sei im Kultischen heimisch, und wenn die Wurzeln dieser Urheimat einmal absterben würden, dann hörte alle Kunst auf: denn auch der Persönlichkeitswert der Menschen wäre dahin. Nur der ethische Mensch sei ein ganzer Künstler, und keine Leistung wächst, ohne daß ein Charakter dahinter steht. Und ganz besonders für den .luden der heutigen Kampfzeit handele es sich vor allem darum, ein Charakter zu sein. Das heißt: innerlich gefestigt und vor der Welt ein Bekenner. Mehr als je sei heute der deutsche .lüde in der Prüfung, ob er stark genug sei. der Eckstein, wie es im Gebete heißt. Dann könne man ihn wohl stoßen, aber nicht wegstoßen. Mehr als je ist darum heute der Bekennennut nötig. Nichts ist anerkannt von den großen jüdischen Leistungen, obwohl die deutschen .luden seit Generationen ihr Bestes gegeben haben bis auf den heutigen Tag! Ihre großen wissenschaftlichen Begabungen hält man vom Vniversitätsbetrieb fern, ihre organisatorischen Begabungen werden von Stadt und Staat und Großindustrie nicht benutzt, in Deutschland wird kein .lüde obersler Richter wie in außereuropäischen Lindern. Er. der Vortragende, selbst mußte Zurückhaltung üben gegenüber jüdischen Schauspielern. Dennoch aber, so führte Professor .lessner weiter aus, müssen wir deutschen Juden weiterstreben und weiterkämpfen gegen übelwollende judenfeindlirhe Kritik, wie gegen Kritik im eigenen Lager. Aber nur, wer ein Charakter sei, der bestände in diesem doppelten Kampf. Die Not ruft. Gerade jetzt, wo der innerste Kern des Judentums angegriffen wird, ist es Pflicht jedes Juden, sich