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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-02-05 · 6 (5.2.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
6 (5.2.1932)
Date
1932-02-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDKBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Kummer | gar leicht eine gans andere Min kann, als sie sich <1»t Beichtende in ■einem edlen Drange von ihr erhofft Alles diei hängt auch vielfach mit der jüdischen Auffassung von der „Heiligung des göttlichen Namens" zusammen, Ueberflüasig tu betonen, daß trotz der hervorgehobenen Gegensätzlichkeit grundsätzlicher Anschauungen ein Buch wie Augustins „I kenntnisse" auch den jüdischen Leser ansprechen wird. Denn hi i ringt eine gewaltige Persönlichkeit um ihr höheres Ich. August g ist es nicht um die Niederungen zu tun, aus denen er sich emp< r gehohen hat, sondern um die Höhe, zu der er aufgestiegen ist. Jüdische Verbände und Gemeinden Budettag de- Hundes jüdischer Akademiker (B.J.A.). Vor kurzer Zeit fand in dem Städtchen Kuhla der IX. Bundestag der im Bund jüdischer Akademiker vereinigten gesetzestreuen jüdischen Akademiker statt, zu dem etwa 100 Bundeshrüder aus dem In- und Auslände erschienen waren. Dem Bund gehören jetzt etwa NOO Akademiker an. In der offiziellen Eröffnungsfeier begrüßte Bundespräsident Dr. Joseph Stern (Berlin) die Versammlung, worauf weiten' Begrüßungsansprachen des Alterspräsidenten Bezirksrahbiners Dr. Weinberg (Regensburg), Rabbiner Dr. L. Cahn (Fulda). Dr. med. Herz (Fulda), itud. Golopschiner (Riga) im Namen der gesetzestreuen Studenten des Baltikums folgten. Den wissenschaftlichen Teil des Abends bildete ein Vortrag des Rabbiners Dr. Alexander Altmann (Berlin) über Sinnprobien» der religiösen II a ml 1 u Iii;. Der folgende Tag war dem das Wesensziel des Bundes berührenden Thema ..Das jüdische Bildungsideal" gewidmet, über das Studiendirektor Dr. Markus Elias (Frankfurt a. M.) und als Korreferent Studienassessor Max Feuchtwanger (Diez a. d. Lahn) referierten. An sämtliche Referate schlössen sich ausgedehnte Diskussionen. Der Freitagabend versammelte die Teilnehmer der Tagung zu einem halarhischen Referat des Rabbiners Dr. David Carlebuch (Köln). Sabbathausgang fand ein geselliger Festabend unter der Leitung von R.-A. .losef Klibansky (Frankfurt a. M.) statt. Der Sonntag galt den geschäftlichen Beratungen. Eine Reihe Interna wurde geregelt. Die Frage der Beziehung des B..I.A. zu ausländischen gesetzestreuen Studentenverbindungen wurde eingehend erwogen. In den letzten Jahren haben sich an zahlreichen ausländischen Hochschulen gleichstrebende Akademikerbünde gebildet. Die in Wien und Zürich gehören dem B..I.A. schon längere Zeit an; Bünde in Paris, Strassbourg, Kowno, Riga. Lemberg, Krakau und neuerdings auch in Jerusalem stehen mit dem B..I.A. in immer enger werdendein Konnex. Um gemeinsame Arbeit Ihm kultureller Autonomie zu ermöglichen, ist ein Dachverband in Bildung. Der Bundestag erteilte dem Bundespräsidium für die weiteren Schritte weitgehende Vollmacht. mi. Auch die finanzielle Stärkung der Bundeszentrale wurde Brörlerl und trotz der ungünstigen Verhältnisse weitgehend gefördert. I>ie soziale Fürsorge für die activitas der Großstädte wurde erörtert und dem Zentralwirtschaftsamt zur vornehmsten Pflicht gemacht. Für die Heranziehung der gesetzestreuen Studentinnen wurde eine orgnnisatorische Lösung angebahnt Die Wahlen zum Bundespräsidenten hatten folgendes Ergebnis: Wiedergewählt wurden Dr. phil. Joseph Stern, Präsident; Seminardosent Rabbiner Dr. phil. Moses Auerbach, rabbinisch* r Beirat Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener: neugewählt wurden Dr. med. Fritz Levy, Studienrat Dr. Harry Abt, Rabbiner Dr. Alexander Altmann, cand. phil. M. Matzner, Präside der Berliner Ortsvereinigung. Drille Konferenz depolnischen Raliliinerverhandes. Bei Anwesenheit von i twa 900 Rabbinern aus allen Teilen Polens wurde im grollen Saale der Warschauer Jüdischen Gemeinde die dritte Konferenz des polnischen Rabbinerverbandes eröffnet. Unter den Anwesenden bemerkte man die berühmten Chassidim-Rabbis von lirodzisk. Radzimin und Novominsk. sowie Vertreter der Reuierung. Auf der Pränidiumsestrade sitzen Rabbi Kanal aus Blaszko, Rabbi Mendel Alter aus Pabianil, Abg. Rabbi Lewin aus Rzeszow, Rabbi Bär aus Osorkowo, Rabbi Lipschyt aus Kalyss und Rabbi Warssawiak aus Mokortow. Rabbi Lewin eröffnete die Konferenz, begrüßte die Regierungsvertreter, brachte ein Hoch au! die polnische Republik, ihren Präsidenten Moscicki und Marschall Pilaudski aus und erteilte Rabbi L1 ps c h y S das Wort, der über die Roll e d e | Rabbi n e r s i m öffentlichen Leben sprach und verschiedene aktuelle Probleme der Religion tiehandelte. Als Vertreter des ' 'iterrichtsministers begrüßt II'mt Tschusznii ki die Konferenz als das Forum für Fragen der jüdischen Religion, Wissenschaft und Tradition. Im Namen des Führers des parlamentarischen Regierungskluhs und früheren Minister- (liierst slawek begrüBte Jechiel Mastbaum die Konferenz. Ks folgten ein reiigiö-er Vortrag von Rabbi Bär und Begrüßungen des Präsidenten der Warschauer Jüdischen (iemeinde Mazur. des Präsidenten der Repräsentanz Trokenheim, des Obersten Rabbi Posener i n Namen des lleeresrahhinals und des Führers der Agudas lisrol Isaak Melr Lewin. Nach Wahl des Präsidium, au dessen Spitze Rabli Llpschyi steht, wurde die erste Sitzung geschlossen. In der zweiten Sitzung beantragte der Rabbi von Kielce, in |edi I Wojwodschaft einen Rabbinerverband zu schaffen, der alle religiöst n Kompetenzfragen regeln soll. Rabbi Kanal erstattete den Tätigkeitbericht der Exekutive. Die Exekutive hat in vielen religiösen Frag« n den jüdischen Standpunkt gegenüber der Regierung und der Geset .- gehung vertreten und in den Fragen des Kotel Maarabi (Klagemaut r in Jerusalem) und der Kalenderrefonn Aktionen durchgeführt El teilte mit. daß der polnische Rahhiuerverhand 900 Mitglieder zählt Dem Bericht der F^xekutive folgte eine teilweise sehr erregte Ausprache, die sich in der Hauptsache um die Autorität der Rabbinet in ihren Gemeinden, die in vielen Orten starken Angriffen ausgesetzt ist, drehte. Vom Verband wird gefordert, überall für die Autorität des Rabbiners einzutreten. Der Exekutive wurde Entlastung erteilt In der dritten Sitzung referierte Rabbi Fein aus Slnnim über die Lage der Jeschiwoth (Talmud-Hochschulen) und teilte mit. daß der Jesrhiwoth-Rat für die Wilna-Provinz 17 große und 84 kleine Jeschiwoth mit insgesamt 5000 Hörem betreut Ein Teil der Jeschiwolh befindet sieh, gleichsam als Festungen gegen den Ansturm di r Gottlosigkeit, an der sowjetrussischen Grenze. In Kongreßpolen gil t es HO große und kleine Jeschiwoth. die finanziell notleidend sind nnd wo die Schüler hungern müssen. Der Rabbinerverband müsse es durchsetzen, daß jede jüdische Gemeinde einen Posten für Jeschiwoth in ihr Budget einstellt. Rabbi RoSBOWSkl aus Wolkowysk referierte über die Lage der Gemeinden in den Ostgebieten. Rabbi Kalmanowicz schilderte in einem Korreferat die veizweifelte Lage der Jeschiwoth und beantragte, daß die Kabbine konlereni an das Joint Distribution Committee und an das Central Relief Committee appellieren solle, daß diese die Jeschiwoth unte - stützen. Rabbi M y s z k o w s k i referierte über M a ß n a Ii in 6 0 zur Festigung des religiösen Lebens und appellierte an di- Judentum Polens, einmütig und energisch das Zwangssoniitagsrulx - gesetz, das die Sahhathhultung erschwert, zu bekämpfen. Der Referent wandte sich scharf gegen das von der Regierung geplante Zivi - trauungsgesetz. Welches die religiöse Trauung als nicht obligatorisch erklärt. — In der vierten Sitzung referierten mehrere Provinzrnhbin« r über den materiellen und geistigen Ruin des polnischen Judentums un I forderten die Veröffentlichung eines Appells an jüdische Industriell'' und andere Arbeitgeber, jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Rabl i Lewin sprach über das ITeherhniidnchinen von Selbstmorden a I Folge des materiellen Ruins und des Sinkens der religiösen Mor: I und forderte das polnische Judentum zu Einigkeit und gegenseitig, r Hilfe auf. In der Schlußsitzung wies Rabbi Kaliana in einem Referat auf die verzweifelte Lage der in Polen tobenden etwa 2000 Agunoth (Frauen, deren Männer im Kriege oder sonstwie verschollen sind) hin und forderte eine energische Aktion der Rabbiner in der ganzen Welt zur Erlösung der Agunoth. B > jetzt war mau in der Lage, 800 Agunoth die Erlaubnis zur Wiede ■ Verheiratung zu geben. Auf Antrag von Rabbi Kalmanowicz wur< i beschlossen, eine Aktion für Sendung von Lebensmittelpaketen an g Setzest reue Juden in Rußland einzuleiten. Die Konferenz nahm eil Entschließung an. in der gegen das Zwaiigssoiintagsruhegesetz pr >- testiert und ausgeführt wird, dieses Gesetz stelle einen Augriff aul die jüdische Lehre dar und untergrabe das geistige und ökonomisch Leben der Juden. Der Sahhath sei die Grundlage der jüdischen Religion, und das jüdische Volk wird nie vom Sahhath lassen. D. s Zwaiigssoiintagsruhegesetz widerspreche auch der Verfassung, d I allen Bürgern religiöse Freiheit garantiert. Die Rabbinerkonterei >: wende sich an die Regierung mit der dringenden Forderung, sofort eine Novelle zum Sonntagsruhegesetz auszuarbeiten, dergemäß Juden, die den Sahhath halten, an Sonntagen ihrer Beschäftigung nachgehe n dürfen. — In einer weiteren Entschließung wird an die jüdisch. Industriellen appelliert, sahhathhaitciide jüdische Arbeiter zu beschäftigen. —

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