Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 5 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite QBMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELI (■ IONSOEMEINDE ZU LEll'ZKi Nummer 5 iten Gepräges betroffen! Wenn Ephraim nicht fähig war. den Augenblick aufs äußerste ni nutzen, so hatte er auch nicht die Möglichkeit, Min Geschäft durchzuführen. Der König ist jedenfalls stets der Versuchung ausgewichen, ihn der Volksmeinung zuliebe für angebliche Schuld zur Verantwortung zu ziehen. Schliettlieh war ja auch nur er es. der den zur Kriegführung nötigen Münzgewinn erzielte. Die Prägung wurde sprunghaft schlechter. S-.-il 17(if war das sächsische Geld von 1756 das beste, das im Umlaut war. Das Volk nahm die, auch hier „Ephralmiten" genannten, neuen Münzen nur zögernd an, und es kam zu den erwähnten gelegentlichen Krawallen. Man spottete: „Von außen gut. von innen schlimm. Von außen Friedrich, von innen Ephraim!" Es war höchste Zeit, daß man wieder zu einer besseren Münze zurückkehrte. Das war jetzt auch möglich, denn der Münzgewinn der Notjahre seit 17(>1 war so groß, dall der Gewinn für 1702 im Laute des Jahres ratenweise im Voraus bezahlt werden konnte, und daß davon sogar noch Peinsilber im Werl einer Million guter Taler Übrigblieb. Dieser liest und die Besserung der politischen Lage nach dem Frieden mit Rußland und Schweden ermöglichten Ende 17<i2. also noch 'in Kriege, die Wiedereinführung eines 20 Taler-Fußes. Dieser galt Ins ins .lahr 17(>4. Dann wurde der Normalfuß von 18 Talern erreicht und gleichzeitig das MUnzwesen wieder in königliche Regie genommen. Die Silberlieterung für die einzelnen Münzstätten wurde dahei seil 1765 den Judengemeinden des Landes als Steuer übertragen, kostete also nichts. 17H1 erhielt Ephraim das Recht christlicher Kaufleute. dal. seine Bücher als beweiskräftig angenommen wurden. Damals zeigte sich eine Erscheinung, die wir auch in der Inflationszeit beobachtet haben. Die Münzstätten reichten nicht aus. Ephraim durfte daher das Haus Poststraße 16 erwerben, und baute dies seit 17(ü; prächtig und geschmackvoll als Wohnhaus aus. Dies ist das (ichüudc. das jetzt Museum werden soll. Eine weitere Münzstätte wurde vor den Toren am heutigen Schiffbauerdamm eröffnet, und in dieser 17iiH eine Qold- und Silberscheideanstall angelegt. Diese bestand noch im 19. Jahrhundert und wurde wegen das darin enthaltenen (iöpclwcrks (Kol mühle) als „Judenmühle" bezeichnet. Damals beschäftigte Ephrai i durchschnittlich 1500 Ins 2000 Menschen. Wegeu dieses grollen IV Iridis erhielt er 17(12 auch die Erlaubnis, Eide und gerichtliche Au sagen in seiner Wohnung leisten ZU dürfen. Neben «lein Münsgesrhäft war Ephraim 17(il auch die Leitung di i königlichen Gold- und Silbertabrik in Potsdam übertragen wurde Diese Fabrik hatte das Metall für Borten. Stickereien und Broka stoffe herzustellen. Mau fürchtete wohl, daß Sie der Münze das Ml lerial durch Vorkauf entziehen könnte, und legte daher beide Einricl hingen in eine Hand. Damals machte Ephraim dem ihm durch seine , Schwager David Kränckel nahestehenden Mendelssohn, der Leih i eines grollen Seidengeschäfts war, allerdings vergeblich, unter gläi /.enden Bedingungen den Antrag, in die Fabrik einzutreten, die vii I Seide verbrauchte. In Verbindung mit ihr entstand später ein Knntcnkiiöppelci. Bei der Wiederherstellung einer guten Münze wurde die Kphrninisch Scheideanstalt in Anspruch genommen, die damals tatsächlich di leistungsfähigste in ganz Deutschland war. Später hören wir viel von Prozessen Ephraims zur Reinigung von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Wiederholt kam er um di< Erlaubnil ein, die Mini, kontrakte oder seine Entlastung vorzeigen zu dürfen. Aber durniil wollte sich der Köng doch nicht einlassen. Sonst erfahren wir auden letzten Lebensjahren Ephraims nicht viel. Seine Unternehmungen gediehen und er genoU einen gewissen Ruf als Wohltäter und Mäzen, 177:t übertrug er den größten Teil seiner Geschälte an seine Söhn und behielt seihst nur einige Abwickelungen unter der Finna Veit« 1 Heine ( Heines Sohn) Ephraim. Am 16. Mai 177."» starb er. I i seinem Testament hinterließ er eine größere Summe zur flnterhaltun j eines von ihm im .lahr vorher gegründeten Bet-ha-Midrasch, das in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums aufgegangen ist. nachdem es um die Mitte des 19. Jahrhunderts seine Lehrmethode modernen wissenschaftlichen Anforderungen angepaßt hatte. Ma Ephraim auch kein Heiliger gewesen sein, er war jedenfalls boSSCI als sein Ruf. Jüdische Verbände und Gemeinden Rabbiner Dr. Raphael Brener-Asduilenbug plötzlich versterben. Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer ist einem Herzschlag erlegen. Er erreichte ein Alter von nur .72 Jahren. Die Trauer in der Gemeinde Aschalfenburg und in den benachbarten Gemeinden um den Hingang des geistigen Führers ist außerordentlich groll. Der Trauerfeier am Montag in der Synagoge und der Beisetzung auf dem israelitischen Gemeindetriedhol wohnton auller allen Mitgliedern der Gemeinde Aschaffenburg auch zahlreiche Führer des orthodoxen Judentums von auswärts hei. Dr. Raphael Breuer, ein Gelehrter und Prediger von Ruf. war ein Sohn des 1926 verstorbenen Rabbiners der israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. Salomon Breuer und mütterlicherseits ein Enkel von Samson Raphael Hirsch, sowie ein Bruder des literarischen Vorkämpfers der separatistischen Orthodoxie R.-A. Isaak Breuer in Frankfurt a. M. Raphael Breuer übte 2."> Jahre lanu das Amt eines Distrikterabbiners in Ascbaffenburg aus. Bei der Besetzung des nach dein Heimgang seines Vaters verwaisten Rabbinateamtoa der Israelih-i-hen |{eli'jioiisiiesellsrhafl in Frankfurt a. M. war er ein aussichtsreicher Kandidat, drang alter nicht durch. int, das Jahr der Ratsebeidaafen, Drei grolle Versammlungen des Central-Vereins in Groß-Berlin. In Berlin fanden drei grolle Versammlungen des C. V. statt, in denen zu den politischen Tagesfragen Stellung genommen wurde. In der Aula des Königsstädtischen Realgymnasiums eröffnete Direktor Dr. Holländer die Kundgebung. Er führte aus: Das Jahr 1982 wird die Entscheidung bringen, ot> das Deutsche Reich -ich den Mächten gegenüber durchsetzen kann, die Unrecht und <iewalt auf ihre Fahne geschrieben haben und dadurch den inneren und äußeren Frieden des Val rlandes liedrohen. Bs wird die Entscheidung bringen, ob die immer lauter werdenden Forderungen der Judenfeinde nach Entrechtung des jüdischen Votkatoils in Deutschland auf den Gebieten der Verwaltung und Gesetzgebung teilweise oder ganz erfüllt werden. Und das lahr 1982 wird damit zur Entscheidung bringen, ob wir deutschen Juden zu Staateborgern zweiter Klass he raiige würdigt werden. Niemand von uns hat das Recht, auf den Sieg der Wahrheit zu hoffeil, wenn er nicht unter Einsetzung seiner ganzen geistigen und mäh Hellen Kraft entschlossen ist, für unsere gute und gerechte Sache ZU kämpfen. Nicht nur. dall wir uns mit unbeugsamem Kampfeswille einreihen j,i die Front der (inippen und Parteien, die nach ihre: Weltanschauung auch für unser Recht und unsere Freiheit eintreten w ir müssen auch mit der ganzen uns zur Verfügung stehenden Ueber Zeugungskraft, nicht zuletzt durch das persönliche Beispiid. aufklärend wirken. Wir glauben an den gesunden Sinn des deutsche i Volkes. Es gibt auch heute noch in allen Kreisen und allen Parteien zahllose Volksgenossen, die mit uns der Uehcrzeugung sind, da I man mit zügelloser Propaganda dem darniederliegenden deutsche . Vaterlande nicht helfen, die allgemeine Not nicht beseitigen, de i Wiederaufbau nicht beschleunigen kann. Wir müssen Aufklärung schaffen in den Kreisen der Menschen, die in dein ehrwürdige i Reichspräsidenten mit uns das Symbol der Einigung des deutsche \ aterlandcs in Freiheit und Gerechtigkeit sehen. Rechtsanwalt Dr. (I o I d Ii e r g - Plauen. Stadtverordneter Dr. Eni! B e h r e n d t - Beuthen. Margarete Fried- Berlin. Syndikus Dr. Hai - R e i c Ii iii a n n - Berlin. Syndikus Artur S c h w e r i n e r - Berlin und Dr. Ludwig T i e t z - Berlin fordern ZU aktiver Mitarbeit im Central Verein auf. Im grollen Saale der Gesellschaft der Freunde sprach aerster der Vorsitzende des Ceutral-Vereins, Justizrat Dr. Brodniti: ..Wir halten das deutsche Volk auch heute noch innerlich M gesund, dall wir auf Besinnung mit Sicherheit rechnen. Es band) sieh aber darum, besinnliche Menschen, die es in allen Kreisen UH<I hei allen Parteien gibt, aufzurufen, damit sie erkennen, dall QeWS t Verleumdung nicht die Mittel sind, mit denen wir unser deutsch Vaterland aufhauen können. El ist deutsches Schicksal, dall auch il Zeiten der Not die einzelnen (inippen nicht die Befähigung be sitzen, sich in den Dienst des Garnen zu stellen, indem mau d i einen oder anderen Parteigruudsulz oder sogar auch eine F'ülle v * Parteiformeln beiseite stellt Kit». Kot, wie wir sie erleben. hsf Deutschland auch bei gerechtester Würdigung der Vergangenheit nod