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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-29 · 5 (29.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
5 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Ig, Januar lo:<2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1GI0NSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite II niemals erlebt Wenn wir aber in dieser Zeit uns zerfleischen, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn in der ganzen Kulturwell an fler Lebensfähigkeit von Deutschland verzweifelt wird. Es ist uns auf deutschem Boden von unseren Vätern ein solches Erbgut an sittlicher Krall und an ehrlichem Arbeitswillen überkommen, daß man es nicht Tassen wird, wenn wir ein solches Gut in solcher Zeit verschwenden. Rechtsanwalt Dr. M a r c u s e - Stettin, Rabbiner Dr. Felix Gold- Ii a n n Leipzig, Dr. Bruno (llaserf e I d - Berlin. Dr. Alfred ■ I rschberg-Berlln, Dr. Margarete Edelheim-Berlln, Arnold ■ tein-Berlin sprachen im Sinne des Hauptredners. In dem ubertOllten Logenhaus Joachimsthaler Straße betonte Dr. Bruno Weil-Berlin, stellvertretender Vorsitzender des I". V. u. a.: „Das deutsche Judentum und weite Kreise des deutschen K olkes erwarten gerade von dem Herrn Reichskanzler schon längst ft-itie eindeutige Erklärung, daß er nicht langer gewillt ist. der Verfi.iliniuig und Verspottung des jüdischen Glaubens tateidos zuzusehen. »ie erwart' U von ihm, daß er den Aufruf zu Gewalttaten, von dem §i,i' nationalsosialistischen Reden und Zeitungen tätlich erfüllt sind, |n seinem Gewissen verwirft, und daß er den verhetzten Volksteil ■ur Ruhe und Besinnung ermahnt. Die deutschen .luden richten alier Luch einen Appell an u 11 e V ö I k e r d e r Erde, die verzweifelte Lage zu erkennen, in der Deutschland sich befindet. Sie weisen ihre Aiisläinli>chen Glaubensgenossen darauf hin. daß Not und Elend durch ■Ins deutsche Land, und gans besonders durch das deutsche Judentum, ■<rlit. und daß eine Erleichterung der ökonomischen Lage Deutschlands Imr aus der verständnisvollen Einsicht der anderen Völker hergeleitet prerden kann. Der gesunde Teil des deutsehen Volkes wird erkennen. iß jede Beeinträchtigung der verfassungsmifiigen Rechte der deut- | nen .luden Deutschland aus der Reihe der Kulturstaaten stoßen Bwirde. daß jeder Versuch Deutschlands, vom Rechtsstandpunkt aus i Aenderung seiner Lage und die Sprengung der Kesseln des Ver- Ir.cjes von Versailles herbeizuführen, vom Ausland voller Hohn mit [Hinweis auf die Rechtlosmachuni; eines Teiles der deutschen Volksgenossen beantwortet werden würde." I rhbanwalt Dr. Erich K e Ii r - Kaiserslautern. Rudolf Hersberg- ■Hannover. Studienrätin Dr. Klausnc r •Berlin, Dr. Friedrich mi rodn i t S-Berlin und Syndikus Dr. Alfred \V i e n e r - Berlin fan- ■len wie der Vorredner stürmischen Beifall. In seinem Schlußwort I 'lichtete Dr. Weil, daß er in Paris in einer Versammlung mit I nein Nationalsozialisten diskutiert halte, die unter Leitung einer I idin, Krau Weiß. Sand. Er habe dort auf den Gegensatz hingewiesen: I' leichheil der Deutschen unter den Völkern und keine Gleichheil il' i Deutschen untereinander. iB i allen drei Versammlungen wurde die folgende Resolution ein- ■ immig angenommen. ■ '■ Mitglieder <les Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen -B laubens, zu drei Qrofl-Beiiiner Kundgebungen versammelt, er- -B Iren einmütig, daß sie fest entschlossen sind, ihre ganze Kraft iB Leu jeden Angriff auf ihre staatsbürgerlichen Rechte abzuwehren. i3 " Gleichberechtigung aller Staatsbürger ist die Grundlage aller moj| neu Verfassungen. Ihre Durchbrechung wäre Rückfall in Barbarei. iB Maß der Beschimpfungen, dem die deutschen .luden gegenwärtig iB esettt sind, überschreitet das selbst in den politisch erregtesten;B ii erlaubte Maß in außergewöhnlicher Weise. iB deutschen .luden richten darum an die gerecht Denkenden aller iB liensbekenntnisse, au die für die |Militisclien Geschehnisse im B ischen Vaterlands Verantwortlichen, an die Kührer der Nation die ■tB' uflorderung, sie in diesem Kampf«* ums Recht, der gleichseitig ein -■' ■ "ipf für das deutsche Ansehen in der Welt ist. zu unterstützen. dB 11 Unsere Gemeinde Geburtstag von Krim Amalie /ander. Zu den populärsten jüdi- B'li''ii Krauen Leipzigs gehört ohne Zweifel Krau Amalie Zander, „■leren vorbildliche Wohlfabrtsarbeil den verschiedensten Leipziger l, # '1 l'ahrlsoryanisatioaen gilt Sie, die an Tatkraft, Pflichttreue und j f M'inäßer Einstellung mit den Jüngsten vergleichbar ist. feierte 'ot wenigen Tagen ihren 80.Geburtstag. Ihrem '» «heidenen Sinn •iilsprecheiid. beginn sie ihn in aller Stille, allen olfcr.ieli' n Khrurigen ich entziehend. So darf auch an dieser Stelle erst {etsl oa. :i;.,"a;lich lie-es Jubeltages gedacht werden und der Dank für die groß« Leitung und vor allem für die ans|M>rnende VnrbiMlirhkeil ihres W iriens ausgesprochen werden. Es haben alle die vielen Organisationen, lenen die emsige Arbeit Krau Amalie Zanders gehört, vor allem der sraelitiache Krauenverein, an dessen spitze sie steh!, es sich nicht lehnten lassen, der Jubilarin ihren Dank zum Ausdruck SU brinffr». In vollem Verständnis für (in Persönlichkeit Krau /.anders, die sich stets hinler ihrer Arbeit surflckgestelll hat, galten die ihr sugedachten Ehrungen dei Förderung charitativer Zwecke, oder waren aus dem Wunsche entstanden, an den verschiedenen Stätten ihres Wirkens ein sichtbar bleibendes Zeichen der Hochschltzung zu schaffen. Der zahlreichen Wünschen, die ihr an ihrem Jubeltage zum Ausdruck gebracht wurden, schließen wir uns auch au dieser Stelle aufs herzlichste an. Möge Frau Zander noch lange die Gnade ihres gesegneten und wirkungsreicheu Alters zuteil werden. Die Jüdisch-Akademische Gemeinschaft zu Leipzig, die vor kurzem gegründete Supraorganisation der Jüdischen Studenten an den Hochschulen Leipzigs, tritt am!). Februar 1882 mit einem Winterfest an die Oeffentüchkeit. Die von Mitgliedern der Organisation unter freundlicher Mithilfe von Damen der Leipziger Gesellschaft getätigten Vorbereitungen versprechen ein ausgezeichnetes Gelingen des Festes, da sämtliche Kreise, sowohl deutschjüdische als auch ostjüdische, an diesem Kest lebhaft interessiert sind. Durch die gütige Zusage von Krau Fanny Cleve vom Neuen Theater zu Leipzig, Krau Jenita Sa n las von der ^Litfaßsäule". Herrn Herbert Freund von den Leipziger Bühnen, Herrn Joachim Gottschalk vom Alten Theater zu Leipzig, und anderen prominenten Künstlern erhält der niusikalisch-rezitatorische Teil des Abends sein besonderes Gepräge. Die großen künstlerischen Qualitäten der Auftretenden lassen es sicher erscheinen, daß clas Winterfest der JAG. zu den wertvollsten der diesjährigen jüdischen Wintersaison zählen wird, zumal die Ursache der Veranstaltung des Festes, nämlich die Gründung eines Fonds der Wirtscbaftsselbsthilfe der jüdischen studierenden, die Zustimmung und das Wohlwollen aller gefunden hat. Die studentische Ort>gruppe Leipzig dei Ceatralvereiai Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete, veranlaßt durch die bekannten Vorgänge an verschiedenen deutschen Universitäten, am '.'0. Januar 1882 einen sehr gut besuchten Vortragsabend für die jüngeren jüdischen Akademiker, insbesondere für die Studenten. Herr Rabbiner Dr. Goldmann, Leipzig, gab in seinem Vortrag über „Hochsehulant i se in i t i s in u s" eine umfassende Darstellung <les Wesens und <!er geschichtlichen Entwicklung der judenfcindlicheii llochschulbewegung und ihrer Bedeutung für die gegenwärtige und zukünftige Lage der gesamten Judenheit in Deutschland. Er wies besonders auf die Gefahren hin. die aus der Verhetzung der jetzt studierenden späteren Beamten, vor allem der Lehrer und Richter, für die kommende Zeit erwachsen. An die sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine anregende Aussprache, in der von Vertretern der verschiedensten Richtungen die Möglichkeiten und Wege der Abwehr erörtert wurden. Einmütig trat der Wille, nicht zu resignieren, sondern aktiv an der Eindämmung des llochschulantisemitismus mitzuarbeiten, in den Vordergrund. Der Zweck des Abends, den Willen zur Aktivität unter der akademischen Jugend zu stärken und von ihr Anregung für den Abwehrkampf zu erhalten, ist durchaus als erreicht anzusehen. Generalversammlung der Ortsgruppe Leipzig des C.-V. am Hl. Jan. Ittt, Der Centraiverein deutscher Staatsbürger. Ortsgruppe Leipzig, veranstaltete am Dienstag, dein 10. Januar 1882, seine Generalversammlung, in der der Vorsitzende, Herr Stadtrat Julius K rauae zu Punkt l der Tagesordnung: Jahresbericht eine genaue Uebersicht über die Tätigkeit der Ortsgruppe Leipzig im Jahre 10:11 gab. - Anschließend sprach Herr Stadtrat Krause über das Thema: ..Rückblick und A u S b I i c k auf die politiSC Ii e La g e". Das Jahr 1981 hat unter den Nachwirkungen der Septeniberwahl 1880 und unter deren Auswirkungen, sowie unter der katastrophalen Wirt Schaftskrise gestanden. Die Arbeit des ('. V. hätte nun mit Rücksicht auf diese Auswirkungen und Krisen in ganz besonderem Umfange geleistet werden müssen. Durch den Mangel an Mitteln, die zur VorfügUM standen, konnte diese Arbeit leider nur in beschränktem Maße ausgeführt werden. Trotzdem darf man mit der geleisteten Arbeil — wie aus den mannigfaltigen Erfolgen hervorgeht — zufrieden sein, und eiM in Berlin gemachte Statistik über die Aktivität der Ortsgruppen hat ergeben, daß Leipzig mit an der Spitze stellt. Es folgt alsdann der Kassenbericht, Bericht der Revisoren sowie Neuwahl des Vorstandes. Der Vorstand wird von der Versammlung in seiner bisherigen Zusammensetzung neugewählt. und zwar wie folgt: Herren Julius K rsUSO, 1. Vorsitzender. Moritz U ry. "J. Vorsitzender. Rai' Diner Dr. Felix Goldmann, David Bergmann. Rabbiner Gustav Cohn, Altred Deutsch, Dr. Hans GoklllM...... Rechtsanwalt Dr. Conrad Gold- Schmidt, Frau Erna Gompertz. Rechtsanwall Dr. Hans Jacoby, Rechts-

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