Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 2 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELI010NSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2 Wenn alle Mittel gegen FLECHTEN bei Ihnen nicht recht eingeschlagen haben, dann wenden Sie unsere mit diesem Zeichen geschützten Heilmittel ani Uber den Erfolg werden Sie staunen. Erhältlich in Apotheken. Auskunft und Rat durch N. Lettow, G. m. b. H.v Leipzig C 1 Tauchaer Straße 2a. Telefon 2312t aufgenommen worden. Dem Komitee gehören, nußer den 8 Gemeinderabbinern, die Herren A. Dzialowsky, Dr. 0. Dzialowsky. M. W. Epstein. Jacob Heppner, Gabriel Nathansen, Rafael Oppenheimer und die Damen Helene l'elsenstein, Martha Kallmann. Lea Nathansen und Johanna Rabinowita an. Den Vorsitz hat Frau Johanna Rabinowitz übernommen. — Das Komitee wendet sieh mit einem Aufruf an die Leipziger Gemeindemitglieder, in dein sie um die Benutzung der roten Challoh--BAchsen (Rabbi Meier hui Haness-Biichsen) bittet. Wir entnehmen dem Aufruf die folgenden Sätze: Es wäre im höchsten Grade wünschenswert, daß auch heute noch, und heute mehr als je, alle jüdische Frauen, wie es ihre Mütter und Großmütter taten, heim Challohnehmen oder vor dem Liehtli en sc hen ihr Scherflein Woche für Woche in die Büchse der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung einwerfen, und sie bei besonderen Anlässen, ganz speziell auch durch Jahrzeits- und Haskoras Neschomaus- (Seelenfeier-) Spenden bedenken, um so, der religiösen Pflicht und dem Werk jüdischer Menschenliebe dienend, zugleich ihrer V erbundenheit mit dem heiligen Lande Ausdruck zu verleihen. Die Rabbi Meier haal Haness-Büchse, d.i. die rote Challohbflchse der D e u t s e h - II o 11 ä n d i sc h en Palästina- Y e r w n 11 u n!_'. darf in keinem jüdischen Hause, das mit der Vergangenheit nicht gebrochen hat. fehlen. Amtliche Bekanntmachungen Aulsicht iu Pessarh. Kolonialwarengeschlfte, die zu Pessach 1931 nicht unter Aufsicht des Gemeinderabbinates gestanden haben, aber zu Pessach 1932 Aulsicht wünschen, werden aufgefordert, sich bis zum 8. Januar 1932 beim israelitischen Gemeindeamt zu melden. Ob und unter welchen Bedingungen die Aufsicht erteilt werden wird, wird dem Antragsteller schriftlich bekanntgeben. Nur diejenigen Firmen werden in das Verzeichnis der zu Pessach unter Aufsicht stehenden Geschäfte, das am 22. Januar 1932 in unserem Gemeindeblatt bekanntgegeben wird, neu aufgenommen, die bis zum 8. Januar 1932 einen entsprechenden Antrag gestellt haben, und denen unser Kabbinat die Aufsicht erteilt. Leipsig, den 10. Dezember 1931. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Statt besonderer Anzeige! H"3 HANNA GOLDSCH M IDT JOSEF DODELES Hamburg grüßen als Verlobt» Lelpiig, Nordttr. 48 Empfang: 9. und 10. Januar 1932, 12—14 Uhr Isac Zuckerman u. Frau New-York Israel Stein u. Frau Leipzig erlauben sich hierdurch, die am Sonntag, den 10. Januar 1932, nachmittags 6 Uhr in der Loge Berlin W 62, Kleiststraße 10, stattfindenden Trauung ihrer Kinder Gisela und Philip ergebenst anzuzeigen Januar 1 932 Telegramm-Adresse: Stein-Zuckerman Loge Kleiststraße Berlin .J Aus dem Gemeindeamt Nachtrag zum Bericht über die Gemcindesitiiing vom 21. Dez. 1931 Auf Wunsch des Herrn Gemeindeverordneten Seiinger gehen wir seine in der Gemeindesitzung abgegebene Erklärung nachfolgend im Wortlaut wieder. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Meine Damen lind Herren! Das Interesse der Polle Zinn für die jüdische Gemeinde ist nicht Jüngsten Datums. Die Besiehung meiner Partei zur jüdischen Gemeinde ergibt sich aus ihrer Stellung als eine Jüdische sozialistische Partei. Sie ist an der Krhaltung der jüdischen Nation interessiert und erstrebt die Produkt! vierung der jüdischen .Massen in allen Ländern. In der jüdischen Gemeinde und mag sie heißen wie sie will — sieht die I*. Z. die einsige, alle .luden umfassende öffentlichrechtliche Körperschaft, die ilie wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder wahrnehmen muß. Wir sind keine Tcmpelstürmer! Wir gehören nicht zu denen, die Gott unbedingt einen Herzfehler machen wollen. Aber wir werden es nie zugehen, daß die Gemeinde sieh a u s s c Ii I i e ß I i e h mit religiösen Kragen beschäftigen soll, daß ihn1 Aufgabe sich auf eine Mikweh beschränken soll! Besonders in der jetzigen Situation in Deutschland, wo das Jüdische Arbeitslosenproblem zu einer der wichtigsten und schwierigsten Kragen geworden ist, wo ein unverkennbarer l'mschichtungsprozcß bei den luden in Deutschland vor sieh geht, in einer Zeit, wo der ganze Bestand der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland wirtschaftlich und politisch bedroht ist. in einer solchen Zeit müssen such Sic. meine Damen und Herren, ganz gleich welcher Richtung Sie angehören, es als die heiligste Pflicht der Gemeinde ansehen, den wirtschaftlichen und sozialen Bestand der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu retten. Gewiß, die jüdische Gemeinde wiril diese Aufgabe, «Iii" nicht zuletzt mit der allgemeinen Weltwirtschaftskrise und mit der allgemeinen Politik zusammenhängt, allein nicht lösen. Aber sie muß bei diesem Rettungswerk in erster Reihe stehen. Ausrief anormalen Lage des jüdischen Volkes ergibt sich eine ganze Kcihe spezifisch jüdischer Aufgaben, die wir, nur w i r selbst zu lösen haben. Aber dieses Rettung!werk, meine Damen und Herren, beschrlnkt sich heute nicht nur auf die ausländischen .luden. Der wirtschaftliche und politische Antisemitismus, der die Jüdischen arbeitswilligen Menschen aus dem Produktionsprozeß vordringt, nuieht keinen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden. Da hilft nicht fiel die Berufung auf den deutschen Paß. sie selbst haben Bs gewiß schon gelesen, wie «Iii1 Juden in Mecklenburg, ungeachtet daß sie deutsche Staatsbürger sind und ihre Familien schon seit Generationen dort gelebt haben, diese treu-deutschen .luden müssen jetzt ihre Bxistens aufgeben, und Ihren Heimatsboden verlassen nur aus dem Grunde, weil sie .luden sind, l'nd was heute in Mecklenburg ist. das kann morgen wo anders sein. Wir sind nicht sehr optimistisch Ober den Brfolg einer Aufklärungsarbeit, solange die ganze Gesellschaftsordnung nicht von Grund aus umgeändert ist. Auf keinen Kall aber darf «'ine solche Abwchrarhcit. die das ganze Volk betrifft, die Aufgabe eines Vereins sein. In einer solchen Situation muß die Gemeinde alle Kräfte mobilisieren, um nach Möglichkeit gegen die wirtschaftliche und politische Katastrophe anzukämpfen. In einer solchen Situation erweist sich iii«- Notwendigkeit mehr denn je, die jüdische Gemeinde zu der wahren Repräsentantin der Jüdischen Massen zu machen. Das. und nur «las, meine Damen und Herren, ist der 8 Inn unseres Kampfes für das allgemeine Wahlrecht. R e i uns ist die \V a h 1 re e h t sfrage keine P e r s o n e n f r a g e, a her a n 0 h hei n e Krag e des P a r t e i i» r e s t i g e! Wir werden keinen Ostjuden wählen, oder seine Wahl unterstützen, nur weil er ein Ontjuda ist. Aber wir werden stets dagegen kämpfen, rlaß ein Ostjude nur aus dem Grunde zur Mitarbeit nicht herangelassen wird, weil er einige Jahre später nach Deutschland eingewandert ist. oder weil er SS nicht verstanden hat. sich einen deutschen Pajl zu verschaffen. Wir können uns keine 'ersprießliche Arbeit vorstellen, solange die überwiegende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Leipzig zu Mitgliedern niedrigeren Rechts degradiert Werdetl, solange der Verstand eines Ostjuden nur mit einem Sechstel gegenüber einem .luden mit einem deutschen Paß bewertet wird. Die jüdische Gemeinde muß das werden, wozu Sie jetzt besonders berufen ist eine wirkliche Vertreterin der Interessen der gesamten .ludenheit in Leipzig. Das kann sie aber nur dann sein, wenn sie die schändliche Unterscheidung zwischen Juden und .Inden auf Grund ihrer Staatszugehörigkeit aufgehen wird. Jahrelang halten wir für diesen Grundsatz, der für die jetzige Situation der Juden mehr als ein allgemeiner demokratischer Grundsatz bedeutet, gekämpft. Und Sie werden OS begreifen, daß wir in dem Moment, wo wir mit aller Deutlichkeit Kuer Piiverständnis für diese Aufgabe ge sehen haben, wo Sie unsere Korderungen, die ebensogut Ihn1 Forderungen sein müßten, ignorierten, daß wir bei einem solchen Verhalten ■lieht mehr die Möglichkeit sehen, weiter mitzuarbeiten. Nun. die Situation hat sieh geändert. Sie haben die Wahl eines Aus Schusses zur Prüfung der Wahlreehtsfrage auf die Tagesordnung ge