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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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8. Januar 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit eingehend mit der Frage der Erziehung seiner Glauhensbrüder in Osteuropa beschäftigt und sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kraft des Judentums in der religiös-traditionellen Pflege der hihlisch-talmudischcn Studien ihre Hauptquelle besitze. Darum galt Haffkines Liebe und Fürsorge den Lehrstötten (Jeschiwoth) in Osteuropa, in denen er die Verkörperung seiner Ideen sah. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der seit Jahrzehnten in diesen Ländern Erfahrungen gesammelt hat, ist von Professor Haffkine ausersehen worden, das ausführende Or-~ gan für die Verwendung der reichen Mittel zu werden, die er für diese Zwecke letztwillig hinterlassen hat. Das bei der Banque Cantonale Vaudoise in Lausanne deponierte Stiftungskapital soll in seinen Erträgnissen zur Verbesserung der materiellen Lage der Talmud-Hochschulen des Ostens, zur Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit bei der Ausbildung der Schüler und der Fürsorge für sie, Verwendung finden. Der Erblasser hat besonders hervorgehoben, daß auf die Leiter der Anstalten keinerlei Einflußnahme hinsichtlich des Lehrplanes und der Lehrtätigkeit ausgeübt werden solle. Prof. Mittwoch erklärte, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden das ihm anvertraute Gut getreu dem Willen Professor Haffkines verwalten werde. Jüdische Kunst in Rußland und Polen. Im Rahmen des von der Jüdischen Volkshochschule in Berlin veranstalteten Vorlesungszyklus ..Mit jüdischen Augen durch die Welt" hielt Dipl.-Architektin Frau Rahel Wischnitzer-Bernstein einen Vortrag über Rußland und Polen. Die Vortragende wies nach, wie sich die Haltung der jüdischen Kttnstlergenerationen, der allgemeinen politischen und kulturellen Situation entsprechend, wandelte. Antokolski suchte in den 60er Jahren Geltung beim Hof und Großadel, während der Maler Levit a n in den 80er Jahren die Verbindung mit der radikalen Intelligenz herstellte. Er wurde zum Darsteller einer schwermütigen russischen Landschaft, wie sie die Kreise der Intellektuellen gesehen und gedeutet haben wollten. Die snobistische Einstellung der Petersburger Gesellschaft der letzten Vorkriegsjahre fand unter den Juden einen Vertreter in R r o d s k i, in dessen stilisierten Landschaften. Mit dorn Maler A n i s f e 1 d , der von der Akademie abgelehnt und von der Kunstkritik bejubelt wird, melden sich Uberall die Rebellen in Kunst, Literatur und Theater. Chagall findet bei seinem ersten Auftreten einen vorbereiteten Boden, er macht die jüdische Armeletitemnlerei in der Hauptstadt salonfähig. Die jüdische Kunst, auch die alte, beginnt als Gegenstand der Forschung behandelt zu werden. Während des Krieges unternimmt A n s k i seine Kunstexpedition nach dem Ansiedlungsgebiet und dem besetzten Galizien. Er errichtet in Petersburg das Jüdische Museum. Eine jüdische Gesellschaft zur Förderung der Kunst wird gegründet mit dem Bildhauer Ilja Ginzburg an der Spitze. Als Mitschöpfer des revolutionären Plakats, Bildnismaler, Bildhauer, Organisator des neuen Kunstbetriebes tritt Altmann hervor. Das Jüdische Museum in Leningrad wird von J u d o w i n geleitet, der mit seinen Holzschnitten aus dem Leben des jüdischen Kleinbürgertums als der letzte Darsteller des aussterbenden Städtchens gelten kann, dessen pathetischste Augenblicke noch R ybak in seinen Pogrombildern festgehalten hat. Das Museum wird von der Regierung aufgelöst und seine Bestände allgemeinen Kunstsammlungen zugeteilt. In Polen ist das Tempo künstlerischer Entwicklung langsamer. Der lyrische Realismus eines Hirszenberg und P i 1 i c h o w s k i tritt vor dem Romantismus eines Eugen Z a k, eines Mane K a t z zurück, der vom polnischen Romantismus Nahrung erhält. Allerdings schuf Zak seine Idealgestalten, verträumte polnische Bauernburschen, in Paris, und auch Mane Katz malte dort seine verzückten chassidischen Jünglinge. Neben einer gewissen Veräußcrlichung, die sich durch die aufgezwungene Flucht aus der Wirklichkeit erklärt, läßt sich eine geistige Bewegung beobachten, die nach der Tiefe geht. Die jüdischen Kunstdenkmäler der Vergangenheit werden von einer jungen Generation von Historikern, Architekten und Kunsthistorikern erforscht. Hier machen sich auch die Einflüsse der aus Galizien nach Warschau nach dem Kriege übersiedelten Forscher geltend, wie Meier Balaban, Ignaz Schipper. Ein zahlreich erschienenes Publikum folgte den mit Lichtbildern unterstützten Ausführungen der Vortragenden. Gründung einer Mittelstandssiedlung nördlich von Tel Awiw. Rabbiner Dr. Sagher, Kaaden, bittet um Veröffentlichung seines Planes, nördlich von Tel Awiw eine Mittelstandssiedlung zu gründen. An derselben können Leute, die p'ä nan haben und ein Kapital von ">00 bis (»00 Pfund zusammenbrächten, teilnehmen. Alle diejenigen, die dafür Interesse haben, wollen sich an Herrn Rabbiner Dr. Sagher, Kaaden (Tschechoslowakei) wenden, unter Angabe aller ihrer Verhältnisse, wie Alter, Beruf, Stand. Beruf der Kinder usw. Da im Frühjahre bereits eine Kommission aus den Parteien zur Besichtigung und zum Ankauf nach Erez Jisrael gehen wird, müßten diejenigen, die sich beteiligen möchten, ihre Entscheidung bald fällen. Friedhnfsschändungeii in Deutschland. Vor kurzem wiesen wir auf eine vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veröffentlichte Zusammenstellung der auf jüdischen Friedhöfen seit 1023 geschehenen Schändungen. Dieses Dokument der Schmach unserer gegenwärtigen Zustände ist inzwischen in dritter Auflage herausgegeben worden, die leider um eine Reihe weiterer Fälle in jüngster Zeit vermehrt werden mußte. Die Zahl ist bis zum .">. November auf 107 gestiegen. Wir wiederholen unsere Frage: Wann endlich . . .? Unsere Gemeinde Die Kleiderstelle, Humboldstr. 15, bittet dringend um gut erhaltene Wollsachen, Kleider, Wäsche jeder Art. Brüder, Schwestern, helft! Der Winter ist hart, das Elend ist zu groß. Wir können nicht mehr den großen Anforderungen gerecht werden, wenn nicht jedes einzelne Gemeindemitglied alles, was es an Kleidungsstücken entbehren kann, zur Verfügung stellt. Jüdische Hausfrauen! Seht noch einmal und noch einmal Eure Schränke durch, ob Ihr nicht ein warmes Kleid, einen Mantel, gebrauchte Wäsche hergeben könnt! Ihr tut auch ohne Barmittel auf diese Weise ein gutes Werk. Helft uns schnell! Die Not muß gelindert werden. Sammelstellen sind bei Frau A.Cerf, Pfaffendorferstr. 18 und bei Frau R. Schick, Ferd.-Rohdestr. 28. Größere Mengen werden jederzeit auf leL Anruf 237 34 abgeholt. JUdisthe Krisenküche. Einer an uns ergangenen Bitte gemäß, weisen wir erneut auf die vom Ausschuß für Krisenhilfe eingerichtete ,,.l Udische Krisenküch e", Moritzstr. 23, hin, bei der unbemittelte Gemeindemitglieder eine Portion rituell zu b ereile t e r Speisen für 10 P f g. erhalten. Berl Locker und Dr. Altred Klee in Leipzig. Uns wird geschrieben: Sonntag, den 10. Januar, wird Berl Locker, das Exekutiv-Mitglied der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation über die Judenfrage und den gegenwärtigen Stand des Palästinawerkes vor einem geladenen Publikum sprechen. Berl Locker ist eine der interessantesten Erscheinungen der ursprünglichen jüdischen Volkskraft. Jahrzehnte hat er der Organisierung der jüdischen Arbeiter in Europa und Amerika gewidmet. Seit seiner frühesten Jugend steht er in der vordersten Reihe der zionistischen Bewegung. Berl Locker ist aber nicht nur der Repräsentant einer Klasse im jüdischen Volke, sondern des jüdischen Volkes schlechthin. Treu den Grundsätzen des zur Selbstarbeit und Produktivierung strebenden jüdischen Menschen kämpft er seit vielen Jahren in vorderster Front der Chaluzbewegung. Wir begrüßen ihn auf das herzlichste bei seiner Anwesenheit in Leipzig. Neben Berl Locker wird Dr. Alfred Klee das Wort ergreifen. Man hat es hierzulande nicht nötig zu sagen, wer Dr. Klee ist. und was er geleistet hat. Von den ersten Anfängen der zionistischen Bewegung ist Dr. Klee einer der begeistertsten Künder der jüdischen Renaissance weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Daneben ist Dr. Klee seit Jahren Führer der Jüdischen Volkspartei in der Berliner jüdischen Gemeinde und deren Vertreter im Kuratorium der Ica. Dr. Klee ist, wie im übrigen Deutschland, auch in Leipzig ganz gewiß kein Fremder. Fr sei auf das herzlichste hier bewillkommnet als der ewig junge Mahner zur Selbstachtung und Selbsthilfe. Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Leipzig. Die früher in Leipzig lange Zeit gepflegte Arbeit der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung (Pekidiin und Amarkalim der jüdischen Gemeinden des heiligen Landes. Amsterdam) ist durch Neuaufrichtung eines Leipziger Challoh-Büchsen-Komitees jüngst wieder

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