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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seit« 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2 demisrhe Leb rtiit igkeit auszuüben. Nun aber folgte er, der so schnell die Zuhörer gewonnen hatte, bereitwillig den Immer von neuem iin ihn herantretenden Einladungen, so daß er bald ständiger Prediger der Leipaig-Berliner Synagoge wurde. Als endlich 1847 die Konstituierung der Gemeinde erfolgte, war er in Leipzig kein Unbekannter: er hatte viele Freunde und Verehrer, die es als selbstverständlich erachteten, daß die neue Gemeinde keinen anderen als ihn auf den Poeten eines Religionslehrers berufen könne, den iie besetzen wollte. Gleichwohl gab es auch Gegner; sie verhinderten es, dilti er. wie vorgeschlagen war, ohne Ausschreibung angestellt wurde: er mußte sich bewerben und tat dies in einem charakteristischen Schreiben, das wir hier zum ersten Male veröffentlichen können: An den löbl. Vontand der Israelitischen Rellgions-Gemeind« zu Leipzig. Zufolge einer Aufforderung in Öffentlichen Blättern von Seiten des löblichen GemelndeYOratandei zu Leipzig ist der Unterzeichnete so frei, sieh zu der vakanten Religionalehreritelle zu melden, sieh auf seine bisherige Wirksamkeit in Leipzig beziehend. Hochachtungsvoll zeichnet eines löblichen (iemeiiide-Vorstandes ergebener Ad. J e 11 i n e k Prediger an der Leipslf-Berliner Synagoge. L eipii g. 4. November 1*17. Aus der Form der Bewerbung spricht unverkennbar das Bewußtsein, das der 'JC-.Iährige von seinem Können hatte. Einige Wochen später (11. Dez. 1847) erfolgte dann auch seine einstimmige Wahl und am 14. Januar 1848 seine Bestätigung durch den zuständigen Dresdener Obembbiner (gleichfalls hier zum ersten Male veröffentlicht): Herrn Adolf Jellinek aus Ungarisch Brod in Mähren, welcher schon durch mehrere Jahrs der Israelitischen ■lugend zu Leipzig Religionsnnterrlchl ertheilf und sowohl durch sein unverdrossenes Streiten als du res seinen regen Liier die .lugend mit den Glaubenslehren und mit der heiligen Bchrlft bekannt zu machen sich meine Zufriedenheit bei den von mir daselbst vorgenommenen l'nterrichtsrevisionen erworben hat. wird auf Verlangen des wohllöhl. Vorstandes dieser Gemeinde hiermit zum Religionslehrer für die Israel, Jugend zu Leipzig bestätigt, und wird zugleich not Sicherheit der Hoffnung Kaum gegeben< daB er in dem betreffenden Pfade fortgehen und die dortigen ■chnlflhigen Kinder ganz in der bisherigen Weise weiter belehren werde. Dr. - den. den 14.Januar 1848. Dr. Z. Frankel i Amts-Siegel) Oberrabbiner. Diese Itestätigung Frankels legt beredtes Zeugnis für die Schätzung ab, denn sich der jugendliche Lehrer schon damals erfreute. So wurde er denn auch weiterhin, als Ende August 1848 seine Wahl zum Prediger erfolgt war. von Frankel bestätigt. Als eine der wichtigsten Aufgatten erachtete es der junge Prediger, auf die Verwirklichung des Synagogenbaus alle Anstrengungen zu richten. Fast unmittelbar nach seiner Berufung als Lehrer benutzte er die Predigten an den llerbstfesten 1847 zu eindringlichen Mahnungen, diese Frage zur endlichen Lösung zu bringen. Wir sind nicht hinreichend unterrichtet, was er im einzelnen in dieser Richtung unternommen bat: immer wieder aber wird davon gesprochen, daß das Zustandekommen des Baues seiner unermüdlichen Anfeuerung zuzuschreiben war. Dagegen gelang auch ihm nicht die Vereinigung der verschiedenen Bethäuser zu dieser Gemeindesynagoge, Wenn auch nach seinem Entwurf« die „Ritualien" für die Synagoge festgelegt und hierbei die Verwendung deutscher Lieder vorgesehen wurde, so war er doch in Reformen so gemäUigt, du Ii die Aufstellung einer Orgel in dein neuen Hause unterblieb. So kam es, daß neben den Bethäusern mit völlig gesetzestreuem Ritus auch n a c h der Eröffnung der Synagoge noch ein Sondergottesdienst mit Orgel abgehalten wurde (dort predigte 1855 Dr. Gustav Philippson aus Dessau). Es war erwähnt, daß über .lellineks Wirken für die inneren Aufgaben der Gemeinde wenig Unterlagen berichten. Zwei auf uns gekommene Stücke lassen seine energischen Bemühungen für die Ehrung der Toten erkennen. 185(1 wurde der Ankauf eines neuen Friedhofs geplant: die Gemeinde forderte von Jellinek ein Gutachten darüber an, ob der bestehende Friedhof zu anderen Zwecken verwendet werden dürfe, falls ein neuer angekauft sei. Mit eindeutiger Bestimmtheit forderte er die Erhaltung des alten „Gottesackers" (81. Dezember 1850): „Im vorliegenden Kalle wird daher der geehrte Vorstand dahin zu wirken haben, du Li der Gottesacker unversehrt bleibt und die heilige l'ietät gegen dkl Todton, sowie das Gefühl Derer, deren Angehörige auf dem alten Gottesacker schlummern, nicht verletzt werde. Dies ist eine heilige Pflicht, von deren Erfüllung kein israelitischer Vorstand entbunden werden kann." Und mit nicht geringerem Nachdruck setzte er sich 1857 dafür ein, daß Einrichtungen zur Erfüllung der letzten Liebesdienste an den Toten getroffen würden (das Schreiben wurde früher im „Gemeindeblatt' veröffentlicht). Aus dem Zufall, dal! gerade diese Blätter erhalten geblieben sind, dürfen naturgemäß keine Schlüsse gezogen werden, als ob Jellinek sich vornehmlich für diese Fragen eingesetzt hätte. Mit Eifer war er beispielsweise auch darauf bedacht, daß in der Synagoge „die Chorverhältnisse auf befriedigender Basis" geordnet würden, indem für einen jüdischen Chor Sorge getragen würde. Kein Zweifel: Jellinek hat die rabbinischen Aufgaben mit dem Ernst ausgeübt, der ihn bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten und bei seinen Predigten ausgezeichnet hat. So fand er in der Stadt, die er nur zu vorübergehendem Aufenthalt zum Zwecke der Universitätsstudien aufgesucht hatte, einen glanzvollen Aufstieg. Seine gelehrten Schriften wie seine Knnzelreden machten den noch jugendlichen Rabbiner zu einem weithin bekannten Manne. Trotzdem zögerte er 1866 nicht, den ehrenvollen Ruf anzunehmen, den die Wiener Gemeinde an ihn ergehen ließ. Es fehlte zwar nicht an Versuchen, Jellinek zum Bleiben zu veranlassen, doch führten sie nicht zum Ziele. Rosenmanns Buch schildert ungemein lebendig die glänzende Entwicklung und die leuchtende Stellung .lellineks. Wir Leipziger lassen diesen Lebensgang an uns vorüberziehen mit dem Gefühle des Stolzes, daß er etwa ein Jahrzehnt das Gedeihen unserer Gemeinde gefördert, zu ihrem Ruhme beigetragen hat. Und freuen uns, daß er in Leipzig den Grund zu seiner Größe gelegt hat. Vgl. Gcinciudchlatt 11KI1, Nr. 31. — Jüdisches Jahrbuch für Sachsen. Ausgabe Leipzig. 1931/32. Aas aller Welt Grahstciiisetzuug für Professor Haffkine. In Lausanne fand eine weihevolle Gedunkfeier aus Anlaß der Setzung des Grabsteins für den vor Jahresfrist verstorbenen Professor Waldemar M. Haffkine statt. Im Namen des Präsidiums der Gemeinde Lausanne begrüßte Herr Marcel Meyer die Versammlung und vor allein die beiden Vertreter des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Prof. Dr. Eugen Mittwoch und Dr. Sigmund Wassermann. Er gab die Versicherung ab, daß die (iemeiiide Lausanne es als ihre Ehrenpflicht erachte, für die Erhaltung des Grabmals Sorge zu tragen. Rabbiner Ptaschek würdigte eingehend die Leistungen Haffkinos. Professor Haffkine war 1860 in Odessa geboren, widmete sich zunächst in seiner russischen Heimat und später in Paris, wo er Schüler von Pasteur wurde, dem Studium der Bakteriologie. Er machte sich bereits in jüngeren Jahren einen solchen Namen, daß die englische Regierung ihn nach Indien berief, um die Cholera und später die Pest zu bekämpfen, die unter den Eingeborenen entsetzliche Verheerungen angerichtet halten. Mit außerordentlichem Erfolge wirkte Haffkine zwei Jahrzehnte lang* in den von diesen Epidemien heimgesuchten Gebieten und erntete den Dank und die Anerkennung der indischen Behörden und der englischen Regierung. Nach seiner Rückkehr aus dem Osten lebte er ganz der Wissenschaft und unternahm ausgedehnte Reisen; er ließ sich ständig iu Paris nieder und verbrachte die letzten Lebensjahre in Zurü''kgezogenheit in Lausanne. Der bescheidene stille Forscher hat sich in diesen Jahren ganz besonders mit den Problemen des osteuropäischen Judentums beschäftigt. Rabbiner Ptaschek gab zum Schluß dem Dank der Lausanncr Gemeinde und der gesamten Jmlenheit an diesen großen Mann Ausdruck. Als Vertreter des GescbäftsfUhrenden Ausschusses des H i I f s v e r - eins der Deutschen Juden überbrachte Professor Mittwoch zunächst die Grüße des Präsidenten, Herrn James Simon, der es sich habe versagen müssen, an der Feier selbst teilzunehmen. Er führte dann aus: Prof. Haffkine habe sich in seinen späteren Jahren

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