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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■ 14JL 32, f \ —. -v. m. * U II (F ßemeinö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! NUMMER 2 / JAHR6AM« 8 Dm Gemelndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mltsrlleilern der Kellglonjgemelndc unentgeltlich Gemelnüwahbuier'Gustav Cohn, Lelp'zlK, Lohratroß""^ FREITAC 8» JANUAR 1912 AnzelgenYerwaltung und Druck: Buchdruikerel A Pries, Leipzig, BrOderstr. 59 - Fernruf 70006 - •check Leipzig 58020 — Nachdruck nur mit Qu« August Post- Leipzig 53020 — Nachdruck nur mtt Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet Adolf Jellinek in Leipzig Von Gemeinderabbiner Gustav (! o h n. / BIBL. (VNlV£Ks: V LIPS. Werden und Wirken Adolf Jellinekl können immer wieder einem lebendigen Interesse begegnen, weil sie eine große Persönlichkeit kennzeichnen. Dieser geistvolle Redner und erfolgreiche Korscher hat seinem Namen ein Denkmal gesetzt, das der Zahn der Zeit kaum beeinträchtigen dürfte: Die Geschichte der jüdischen Kanzelrede und die der jüdischen Literatur (hier vor allem im Hinblick auf die Midrasch-Ausgabe „Heth hamidrasrh", eine Quellensanimluug von größtem Werte) wird immer von seiner bedeutsamen Leistung sprechen müssen. Aber über den Kreis der Fachgelehrten hinaus geht von der Beschäftigung mit .lellineks Leben reiche Anregung aus; nicht nur. daß man es nicht betrachten kann, ohne in ihm auch die Zeit und die Stätten seiner Wirksamkeit sich spiegeln zu sehen: auch das Besondere seiner Persönlichkeit ist fesselnd genug, um daraus Gewinn zu schöpfen. Mit diesr,.) Kindruck lesen wir die erste umfassende Darstellung, die uns der, besonders durch seine Manheimer-Biographie bekannte, Wiener Rabbiner Dr. M. Ho s e n in a n n in seinem jüngsten Werke geschenkt hat (Dr. Adolf Jellinek, sein Leben und sein Schaffen. Wien 1881). Ks lag für den gelehrten Verfasser nahe, das Bild eines Mannes zu zeichnen, der auf der Höhe seiner Kraft und bis ins Alter hinein an einem so weithin sichtbaren Platze gestanden hat: die Darstellung wächst ganz natürlich zu einem wichtigen Beitrag zur Geschichte der israelitischen Kultusgemcindc Wien in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Eigenen Keiz aber erhält sie durch den leitenden Gesichtspunkt, unter den die Arbeit gestellt wurde: es war .lellineks „gewaltige, fast eruptiv ansteigende Rhetorik", die Rosenmann antrieb, „ihren Ursprung und ihre von grolien Vorbildern beeinflußte Entwicklung aufzuweisen". Gerade dadurch weckt dieses Buch bei uns in Leipzig eine besondere Bereitschaft, uns erneut mit Adolf Jellinek zu befassen: denn an dieser Kntwicklung haben die Jahre, die er hier werdend verlebt hat, einen wichtigen, ja vielleicht den ausschlaggebenden Anteil. Adolf Jellinek war bekanntlich der erste Prediger und Religionslehrer der jungen Leipziger Religionsgemeinde. Von hier aus wurde der Ruf des „kaum flügge gewordenen" Redners in die Kerne getragen. In dankenswerter Kindringlichkeit hat Rosenmann denn auch diesen Abschnitt in .lellineks Leben durchforscht und manche wertvollen Tatsachen entdeckt, die unsere Kenntnis vom Leben der Juden in Leipzig um interessante Momente bereichern. Dies ist um so freudiger zu begrüßen, als uns über die Jahre des Entstehens unserer Gemeinde nicht so reich fließende Quellen zur Verfügung stehen, wie der Korscher wohl wünschen möchte. Mit Recht weist Rosenmann auf diese Schwierigkeit hin: „mosaikartig mußte alles rekonstruiert werden". So wird es erklärlich, wenn wir nur sehr dürftig über die Tätigkeit unterrichtet sind, die Jellinek im seelsorgerischen Aufgabenkreise zweifellos entfaltet hat. Ein Zufall hat uns zu dem, was Rosenmann darüber anführt, einige Blätter in die Hände kommen lassen, die seine Darstellung in dieser Hinsicht wie auch in manchen anderen Punkten ergänzen läßt (offenbar ist ein erheblicher Teil des Gemeindearchivs verloren gegangen oder — noch nicht aus seinem Versteck wieder aufgetaucht: einige Faasikel wurden vor einigen Monaten wiedergefunden und lassen der Vermutung Raum, daß noch weitere zum Vorschein kommen werden). Jellinek kam studienhalber nach Leipzig, in einer Zeit, in der die Bildung der Gemeinde im Flusse war. Steht auch fest, daß die Gründung der Gemeinde erst durch das Gesetz von 1887 ermöglicht wurde und erst 1847 durch Genehmigung der ersten Satzungen offiziell erfolgte: tatsächlich schlössen sich die Leipziger Juden, unter den Augen der Behörden, weit früher zusammen; schon 1821 verhandelt der Rat mit „Samson Ephraim, dem Vorsteher der hiesigen Judenschaft"; 1822 spricht das Kassenbuch einer israelitischen Krankenkasse von der „Leipziger Gemeinde". Diese Gemeinde, schon 1835 ein eigenes Siegel führend, war aber doch nur ein loses Gebilde: gerade 1842, als Jellinek in Leipzig eintraf, waren ihre Verhältnisse besonders unklar; die durch das Gesetz gegebenen Möglichkeiten zur Festigung der Grundlage waren noch nicht ausgenutzt. Nicht zum wenigsten lag dies daran, daß die Krage des Synagogenbaus, der seit Anfang 1838 im Mittelpunkt aller jüdischen Bemühungen stand, durch mannigfache Schwierigkeiten nicht gelöst werden konnte: 1845 mußte erneut eine Vereinbarung mit einem in privater Initiative begründeten Bethaus, der „Leipzig-Berliner Synagoge" getroffen werden. Dieser Umstand wurde für .lellineks Laufbahn von einschneidender Bedeutung. Auf die zu Messezeiten veranstalteten Gottesdienste hatte es größten Einfluß geübt, daß 1820 ein solcher nach dem Muster des Gottesdienstes im Hamburger Tempel veranstaltet worden war. Wie hoch diese Einrichtung geschätzt wurde, geht aus einem — durch Rosenmann entdeckten — Berichte hervor, den der österreichische Generalkonsul Adam Müller 1820 an den Kürsten Metternich richtete: er spricht darin von diesem seit Jahren bestehenden „reformierten" Gottesdienste und hebt besonders die Gepflogenheit hervor, jedesmal andere Prediger zu berufen. In der Tat dürfte es besondere Anziehung auf die Messebesucher geübt haben, daß sie Gelegenheil erhielten, die namhaftesten Redner predigen zu hören. 1845 war nun mangels eines aus der Kerne berufenen Predigers zum Passah-Keste der Leipziger Orientalist Prof. Julius Kürst gewonnen werden. Mit ihm stand Jellinek durch seine Studien, aber auch als Mitarbeiter am „Orient" und anderen Zeitschriften, in enger Kühlung. Kürst „erkrankte aber und übersandte das Manuskript seiner Rede dem von ihm geförderten ... Adolf Jellinek. damit er sie in seiner Vertretung vortrage. Jellinek aber hielt sich nicht au das Manuskript, sprach frei und errang einen vollen Erfolg". Damit war Jellinek der Weg für seine Zukunft gewiesen. Er hatte ursprünglich nicht beabsichtigt, die theologische Laufbahn einzuschlagen. Das ganze Schwergewicht hatte er hei seiner Arbeit auf die Korsrhung gelegt, offenbar um, wie sein Lehrer Julius Kürst, die aka-

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