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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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1. Januar 1032 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Spenden für den Hilfsfonds sind auf Postscheckkonto Berlin Nr. 1041 90 zu überweisen, werden aber auch von den Ortsgruppen des .Indischen Frauenbundes und den örtlichen jüdischen Frauenvereinen gern entgegengenommen und weitergeleitet. Charlotte Landau. Sächsische Gemeinden Chemnitz: Sitzung der Gemeindebehörden. Die statuarisch festgesetzte Sitzung des Vorstandes und der Gemeinde-Verordneten zur Entgegennahme der Rechnungslegung für das verflossene und zur Beratung des Haushaltsplanes für das kommende .lahr, fand im Gemeindeamt statt. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Josef Kahn, gedachte vor Ablegung des Jahresberichtes der im Berichtsjahre verstorbenen, um die Gemeinde besonders verdienten Männer, Max B e r g m a n n und L. J. .1 o a c h i in s t h a 1, sowie des im Leben der Sächsischen Judenheit mit an erster Stelle gestandenen Predigers Heimann (Plauen) und widmete ihnen herzliche Worte des Dankes. Dann erstattete er seinen Jahresbericht. Er gab zuerst von der Verbandstagung des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes, von den Persönlichkeiten aus Chemnitz, die in die verschiedenen Kommissionen des Verbandsausschusses hineingewählt worden sind, sowie dem Besuche der Fürsorgerin der Landeswohlfahrtsstelle des Sächsischen israelitischen Genieindeverbandes und ihrem instruktiven Vortrag in Chemnitz Kenntnis. Dann erwähnte er die Einweihung des neuen Friedhofsteiles, sprach über die Tagung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge in Leipzig, wobei er die Tätigkeit der Chemnitzer Abfertigungsstelle hervorhob, die 189 Personen mit 1650,— RM. unterstützt hat und außerdem 175 Personen Schlafgelegenheit im Uebernachtungsheim der Gemeinde gewährt hat. Weiterhin wurde über die im Sommer 1931 geplante Eröffnung der Arbeiterkolonie der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden, Berlin berichtet; die Ausführung scheiterte daran, daß der preußische Staat seine Subvention von 1000,— RM. zurückgezogen hat. Es wurde noch die Eröffnung der Ariowitsch-Stiftung in Leipzig erwähnt, ebenso die Schaffung des Jugendgottesdienstes, der in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war. Auch wurde die Frequenz der Gemeindebibliothek bekanntgegeben, die mit 276 Lesern und 2572 Ausleihungen den Stand des Vorjahres gehalten hat. Zum Schluß seines Berichtes gab er folgende statistische Zahlen aus dem Leben der Chemnitzer Gemeinde bekannt: 16 Geburten stehen 31 Beerdigungen gegenüber, es fanden 7 Trauungen und 5 Barmizwohs statt. Die Tätigkeit der Gemeindeverwaltung erforderte 20 Sitzungen; außerdem haben noch 10 Sitzungen der Jüdischen Wohlfahrtszentrale stattgefunden. Die Steuerquote konnte im Gegensatz zu den Nachbargemeinden, die dort zwischen 15 und 25 Prozent schwankt, auf 9 Prozent festgesetzt werden, hauptsächlich, weil die Wohlfahrt in Chemnitz durch Privatinitiative und private Mittel noch heute alles für die Bedürftigen leistet, was von ihr verlangt wird. Es sind 72000 RM. an laufenden und einmaligen Unterstützungen gezahlt worden. — Dann wurde in die Beratung des Haushaltsplanes 1932 eingetreten und der Etat nach Voranschlag des Vorstandes angenommen. Die Entlastung des Kassierers wurde einstimmig erteilt. Eine Vorlage des Vorstandes, die Erweiterung der Sukkoh betr., wurde einstimmig gebilligt. Plauen i. V. Gemeinderatssitiung Die erste Gemeinderatssitzung seit dem Tode unseres Predigers Emanuel Heimann, stand im Zeichen eines ehrenden Gedenkens für den Verstorbenen. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Goldberg, hielt einen längeren Nachruf auf den Verstorbenen und pries ihn als den Mann, der in jeder Weise sein Leben und Wirken in den Dienst der Gemeinde gestellt hat, und dem die Gemeinde Unendliches zu verdanken hat. Anschließend wurden eine Reihe Kundgebungen der Trauer und des Mitgefühls verlesen, die der Gemeinde von den Behörden, wie Kreishauptmannscbaft, Stadtrat, und von den beiden christlichen Kirchgemeinden, sowie von vielen jüdischen Organisationen zugegangen waren. Der Vorsitzende wies besonders darauf hin, in welch reichem Maße der Verstorbene Achtung und Wertschätzung bei seinen christlichen Kollegen genoß, was sich besonders dadurch zeigte, daß der hiesige Superintendent Franke bei der Sonutagspredigt in der Kirche des „frommen Mannes" gedachte, dessen Verlust die Israelitische Gemeinde zu beklagen habe. — An die Trauerkundgebung schloß sich eine Geschäftssitzung an. Da der Posten des Predigers der Not der Zeit entsprechend eingespart werden soll, machten sich erhebliche Veränderungen im Religionsschulbetriebe nötig. Durch das verständnisvolle Eingehen der beiden anderen Lehrkräfte ist es ermöglicht worden, einen alle Kreise befriedigenden Unterricht zu schaffen. Durch das Ableben verringert sich auch der Etat für das Jahr 1932, welcher vom Vorstand neu aufgestellt wurde und zur Beratung stand. Es wurde seitens der Mehrheit der Gemeindeverordneten scharf gespart und u. a. alle Vereinsbeihilfen abgelehnt. Der Etat wurde schließlich mit M. 34 543.— in Einnahmen und Ausgaben angenommen und zur Deckung desselben ein Zuschlag von 15% auf die Einkommensteuer bewilligt. Die Gemeinde hat aber noch ein Defizit, hervorgerufen durch den ungeheuren Rückgang der Einkommen unserer Genieindemitglieder. Die Gemeindeverordneten glaubten in dieser Sitzung keinen weiteren Zuschlag zur Deckung des Defizits bewilligen zu sollen. Es wurde vorgeschlagen, nach dem Muster einer süddeutschen Gemeinde eine freiwillige besondere Umlage zu erheben. Der Vorstand ist beauftragt worden, in eine Erörterung mit den beteiligten Kreisen einzutreten. Sollte dadurch kein befriedigendes Ergebnis erzielt werden, dann muß sich die nächste Gemeinderatssitzung über die Art der Deckung des Defizits entscheiden. — Die ursprünglich für Ende November beschlossene Gemeinderatswahl wurde auf Sonntag, den 31. Januar 1932, verlegt. — Schluß der Sitzung >/.•> Uhr nachts. Amtliche Bekanntmachungen Aufsicht iu Pessach. Kolonialwarengeschäfte, die zu Pessach 1931 nicht unter Aufsicht des Gemeinderabbinates gestanden haben, aber zu Pessach 1932 Aufsicht wünschen, werden aufgefordert, sich bis zum 8. Januar 1932 beim israelitischen Gemeindeamt zu melden. Ob und unter welchen Bedingungen die Aufsicht erteilt werden wird, wird dem Antragsteller schriftlich bekanntgegeben. Nur diejenigen Firmen werden in das Verzeichnis der zu Pessach unter Aufsicht stehenden Geschäfte, das am 22. Januar 1932 in unserem Gemeindeblatt bekanntgegeben wird, neu aufgenommen, die bis zum 8. Januar 1932 einen entsprechenden Antrag gestellt haben, und denen unser Rabbinat die Aufsicht erteilt. Leipzig, den 10. Dezember 1931. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aas dem Gemeindeamt Personenstandsnachrichten Geburten 9. Dezember 1931: Oskar Berliner und Hildegard geb. Dietrich, Löhrstraße 2, eine Tochter „Gabriele Ursula". 10. Dezember 1931: Dr. Emst Leo Kaufmann und Marianne Emilie geh. Monasch, Johannisplatz 1-2, eine Tochter „Ellen". 12. Dezember 1931: Leibus David Rechtmann und Frynieta geb. Bialer, Bad Dürrenberg, eine Tochter „Isahella". 15. Dezember 1931: Otto Rotter und Marianne geb. Vogel, Funkenburgstraße 4, einen Sohn „Klaus Adolf". Trauungen Am Donnerstag, 31. Dezember, 1,30 Uhr mittags, Fräulein Valeska Dora Leischker, Lindenauer Str. 48, mit Herrn Albert Koppenheini, Yorkstr. 7, in der Wohnung von Herrn Rabbiner Cohn. Am Donnerstag, 31. Dezember, 8,30 Uhr abends, Fräulein Kuth Dormann, Waldstr. 84, mit Herrn Siegfried Riess, Stendal, in Leipzig, in der Höheren Israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Str. 7. Todesfälle 23. Dezember 1931: Rasse Hurwitsch, Antonstr. 22. 23. Dezember 1931: Alexander SUßkind Feuerstein, Funkenburgstr. 10. 25. Dezember 1931: Syincha Judesa Streitmann, Gerberstr. 56. 25. Dezember 1931: Lea Ober, Ritterstr. 7. 26. Dezember 1931: Blume Resi Stark, Sternwartenstr. 44. 29. Dezember 1931: Anna Rahel Adler, Friedrich-Karl-Str. 27. Mit herzlichem Bedauern geben wir von dem Hinscheiden unseres ehemaligen, von uns allen sehr geschätzten Vorstandsmitglieds Frau Anna Adler Kenntnis. Sie hat, so lange es ihre Gesundheit zuließ, mit starkem Eifer und hingebender Treue an unserer Arbeit mitgewirkt. Wir werden ihr ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Oer Vorstand dei Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig.

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