Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 1 Statt Karten EDITH KOSINER SAMUEL BEER VERLOBTE Frankfurter Stnf» I Letptla Funkenburgstraße 15 SALLY BESTÄNDIG REGINA BESTANDIG GEB. Dl WALD VERMÄHLTE Leipzig Januar 1932 Berlin Siegfried Riess Ruth Riess geb. Dormann Varmfthlta Stendal, Hoock 18 Unsere Jugend „Der Kommunismus — und die Lösung der Judenfrage." Nachdem von kommuniatiacher Seite im Laufe des letzten Jahres eine Keilie Veranstaltungen zugunsten der Geaerd abgehalten worden waren, in denen die Versuche der Sowjetregierung zur Besserung der schreckliehen ökonomischen Lage der Juden dargestellt wurden, dienten zwei Veranstaltungen der Zionistischen Vereinigung und der Xutionaljüdischen Arbeitsgemeinschaft mit Dr. Herzl Berger dazu, den entgegengesetzten Standpunkt der zionistischen und zionistisch-sozialistischen Seite in sachlicher Form der jüdischen Jugend darzustellen. In der öffentlichen Versammlung am L Dezember, die gut besucht war und mit Ausnahme eines kleinen Zwischenfalles in Ordnung und Disziplin verlief, schilderte Dr. Herger. selbst aus dem ehemaligen Rußland gebürtig, die Art, mit der sämtliche Argumente des zionistischen Sozialismus, den man vorher bekämpft hatte, von kommunistischer Seite aus übernommen worden waren, bis auf 1'alästinn. Bei der sehr eingehenden Schilderung der sowjetistischen Kolonisation für die Juden in Rußland ging Bergetinsbesondere auf die wesentlichen Unterschiede gegenüber der palästinensischen I'roduktivierung ein und zeigte an Hand von vielen Beispielen die bürokratische, nicht das eigentliche Wesen der Judenfrage berührende Art der Sowjetkolonisation in Rußland. Auf die Jüdische Not .innerhalb Rußlands gebe der Kommunismus die Antwort: Untergang des Judentums und Weltrevolution, während der Zionismus die Interterritorialität der jüdischen Frage begriffen habe und zu jeder Zeit und in jedem Lande für Produktivierung und kollektive Kolonisation arbeite. In der Diskussion sprachen von kommunistischer Seite die Herren Hurwitz und Litwak (Geaerd). Den Mißerfolgen und Fehlern einer Kolonisation, die so jung sei wie die in Rußland, dürfe nicht ein solches Gewicht beigelegt werden. Die Kooperation des Zionismus mit dem imperialistischen Kngland, das die Juden doch betrügen werde, sei es, der einen der wesentlichen Gegensätze zum Kommunismus schaffe. Von poalezionistischer und zionistischer Seite sprachen E. Schächter und Dr. Markowiez. Beide gingen in eingehender Weise auf die Wider Sprüche in der Haltung des offiziellen Kommunismus zur nationalen Frage ein und beleuchteten ausführlich das Wesen der Judenfrage, die in dem kommunistischen System Rußlands vollständig vernachlässigt werde. Der zweite interne Abend unter Leitung von Dr. Markowiez brachte viel wichtiges Material und eine rege Aussprache, an der sich besonders Vertreter des J. J. W. B., des Zeire-Misrachi und der Poale-Zion beteiligten. Sozialpolitische Schulungsarbeit der jüdischen Judend. Anläßlich einer größeren Aussprache über die wirtschaftliche Lage im deutschen Judentum, die in dem Kreise des Jüdischen Jugendbundes „Kranz Rosenzweig" abgehalten wurde, wurde der Plan angeregt, eine kürzere sozialpolitische Arbeitsgemeinschaft durchzuführen. Dieser Zyklus, veranstaltet gemeinsam von der zionistisch-sozialistischen Gruppe ..Moses Heß" und dem Jüdischen Jugendbund „Franz Rosenzweig", vereinigte an sieben Abenden eine Anzahl interessierter jugendlicher Menschen. Es soll nur kurz skizziert werden, welchen Fragen die sozialpolitischen Abende galten. Neben Herrn Mlynarczyk vom G. d. A., der einen Gesamtüberblick Über die Angestelltenbewegung gab, die berufliche, soziale und kulturelle Lage des Angestellten, sprach der Leiter des Leipziger Berufsberatungsnmtcs Dr. Fiedler Uber Berufswahl und Berufsberatung, eine Frage, deren Behandlung trotz der Arbeitslosigkeit und der zusätzlichen antijüdischen Stellcnboykottsbewcgung für die gesamte jüdische Jugend von der größten Bedeutung sein muß. Eine spater anschließende Führung durch die Berufsberatung durch Herrn Dr. Hermann, der die Teilnehmer zur Ablcgung interessanter psychotechnischer Eignungsprüfungen vernnlnßte, machte mit einer wichtigen sozialen Einrichtung vertraut. Die jüdische Jugend mit den speziellen jüdischen Fragen der Geineindepraxin vertraut zu machen, dienten die Vorträge von Herrn Folmann und Herrn Rabbiner Dr. Goldmann. Die Anwesenheit führender Gemeindepersönlichkeiten brachten das Interesse der jüdischem» Gemeinde für die Arbeit der Jugend zum Ausdruck. Sowohl der Bericht über die soziale Arbeit einer jüdischen Gemeinde, als auch die Frage der jüdischen Durchwandercrfürsorge, brachten eine Fülle von Anregungen über Jugendhilfe, Gerichtshilfe, eigentliche Fürsorgearlieit, Darlehenskassenwesen, Produktivicrungsarbeit und Auswanderungspolitik, «leren Beantwortung und Lösung als Aufgabe nicht nur vor der jüdischen Jugend, sondern vor der gesamten Judenhcit steht. Darum war es besonders interessant, einen so vorzüglichen Kenner jüdischer Wirtschuftsfragen, wie es Dr. Kreutzberger von der Zcntrnlwohlfahrtsstelle der deutschen Juden ist. Uber die wirtschaftlichen Entwicklungsliuieu und die Versuche zur Besserung der jüdischen Situation zu hören. An diesem von anderer Seite aus veranstalteten Vortrag nahm die Tcilnehmerschnft der sozialpolitischen Arbeitsgemeinschaft Anteil. Die Errichtung eines Heimes für jüdische jugendliche Erwerbslose in Berlin gab Gelegenheit. Herrn Oertel vom Ausschuß der Leipziger Jugendverbiinde über Jugendliche Erweibslosenhilfe in Leipzig berichten zu lassen. Die konkreten Aufgaben, die sich nach den zahlreichen Anregungen aus diesem Arbeitszyklus ergehen, muß die jüdische Jugend gemeinsam mit den berufenen Instanzen der jüdischen Gemeinschaft versuchen in die soziale Tat umzusetzen. Fritz F r a e n k e 1. Neue Bücher Ana der Geschichte der Juden im Rheinland. Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler [Rheiniacher Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz 1931 Heft 1]. Düsseldorf 1U31 (L. Schwann). Geschichte und Kultur der Juden in den Rhcinlsnden dürfen Anspruch auf besondere Beachtung erheben, weil dort die Ultestcn Siedlungen von Juden in Deutachland entstanden und ihre Jahrhunderte hindurch, wenn auch mit zahlreichen Störungen, in gewisser Stetigkeit entwickelte Kultur bedeutsamen Einfluß auf das jüdische Leben im übrigen Deutschland geübt hat. Das vorliegende umfangreiche Heft, vorzüglich ausgestattet, gewährt einen willkommenen Ueberblick Uber den geschichtlichen und den kulturellen Werdegang der Juden im Rheinland. Adolf Kuber, durch wertvolle Untersuchungen Uber die rheinischen Juden bekannt, gibt — neben einer kurzen Skizze Uber die, zum Teil sehr alten, jüdischen Friedhöfe in Worms, Mainz, Köln, Speyer, Siegburg und Deutz — eine Darstellung der äußeren Geschichte der Judengemeinden im Rheiulande und verfolgt mit gediegener Sachkenntnis das geistige Leben, die soziale und rechtliche Stellung und die innere Verfassung der Juden in vier Epochen: bis zur Zeit der Kreuzzüge, bis zur Austreibung aus den rheinischen Städten, bis zum Zeitalter der Aufklärung und bis zur Gegenwart. Dr. Elisabeth Moses widmet den jüdischen Kunst- und Ktiltdcnkmiilern eine besondere Betrachtung, betont allerdings ausdrücklich, daß nur eine Zusammenstellung des Materials geplant war. die der kunstwissenschaftlichen Forschung erst die Wege ebnen soll, die auch nicht den Anspruch auf katalogartige Vollständigkeit erhebt, sondern nur Führer und Hinweis sein soll. Nach kurzer Orientierung und Literaturangahe werden Architekturen, Ausstattung und Kult gerBte der Synagogen und Häusliche Kulturgeräte behandelt Besonders wertvoll wird das Buch durch eine stattliche Zahl vortrefflicher Bildbeigahen sowohl zum geschichtlichen wie zum kunstgeschichtlichen Teil. Die Arbeiten, die auf die äußerst verdienstvolle jüdische Abteilung der Abgetragene oder abgeriebene Silber-, Kreuz- und Rotfüchse können durch Spitzen, d.h. Einlassen von Haaren, wieder vervollständigt werden. Durch die naturgetreue, von keiner Nasse und anderen äußeren Einflüssen beeinträchtigte Spitzerei wird der Fuchs wieder so, wie er neu war. — Eine Garantie für sachgemäße Spitzerei bietet die Firma C'ngetf. lrV<r|rmi«,i Michel Segal, Brühl 25 Gegründet 1895 - Tel. 15718