Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-09-20 · 38 (20.9.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
38 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968806-5969545--5619-4881367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

20. September 1935 Sportverein „Sthild" 9 Uhr Mannschaftskämpfe JllgendSPOrtfeSt Bund Deut$|h .judfefop, lugend Sonntag, den 22. September 1935 14 uhr EinzelkSmpfe und Handballspiele auf dem „Schild" Sportplatz, Thekla Die glückliche Oeburt ihrer Tochter Eva zeigen hocherfreut an. Leipzig S3, Kantstr. 9, Clara Luise Zeit/in geb. Bon. den 15. Sept. 1935. Hans Zeit/in. Die Oeburt eines gesunden Töchterchen zeigen hocherfreut an Leipzig, den 13. Sept. 1935. Hermann Baron und Frau König-Johann-Str. 19. Dora geb. Marienberg. Leipzig Michaelisstr. 3 Lotte Tempel Honek Engelhardt Verlobte - September 1935 Erfurt Michaelisstr. 43 Hella Tykoschlnakl Rabbiner Jakob Rokman Leipzig, Humboldtstr. 21 Verlobte Kalisz, Pilsudskiego 25 J)er füui der eleg. 7>ame aus dem Wiener fjutsa/on £ini Sskreis - Xeipzig C1 So/jffässchen 1, /. Etage am Jtfarkt - Telefon 15021 zu zeitgemässen preisen Die Sorge um unsere Kinder. Noch bis vor wenigen Tagen konnte es Juden geben und gab es auch tatsächlich solche, die glaubten, daß sie auch in Zukunft ihre Kinder in die allgemeinen öffentlichen Schulen schicken könnten. Der jüngst in der Preise besprochene Erlaß des Rcichserzichungsministers zeigt, daß dies nicht mehr möglich sein wird. Wenn auch zu Ostern 19% zunächst nur die allgemeinen Volksschulen für uns gesperrt werden sollen, so ist doch damit zu rechnen, daß bald auch die anderen öffentlichen Schulen unseren Kindern verschlossen sein werden. Es ist das einzigartige Verdienst unseres Rabbiners Dr. Ephraim Carle ha ch, daß wir in Leipzig seit langer Zeit ein Schulwerk besitzen, das uns das Gefühl der Verbannung von den öffentlichen Schulen weniger empfinden läßt. Die Schaffung öffentlicher Schulen für Juden ist angekündigt, doch ist noch nicht bekannt, wie sie gestaltet und wie die Lasten aufgebracht werden. Auf jeden Fall muß unser bestehendes jüdisches Schulwerk gesichert sein. Es ist allen bekannt, daß durch zwei Jahrzehnte hindurch die Höhere israelitische Schule durch die Opferwilligkeit ihrer Freunde gehalten werden konnte, wenn auch nur unter den größten Schwierigkeiten. Die Oemeinde hat einen beträchtlichen Beitrag geleistet und denselben vergrößert, als eine Volksschule angegliedert wurde. Vor zwei Jahren hat die Gemeinde sich mit ihrer ganzen Kraft hinter die Schule gestellt und unter großzügiger Beihilfe der Reichsvertretung der deutschen Juden es möglich gemacht, daß der starke Zuwachs an Schülern, der insbesondere an der Volksschule ganz außerordentlich war, Aufnahme fand. Aber es ist beschämend, daß mit dem gleichen Zeitpunkt die private Mithilfe völlig aufhörte. Während früher der Israelitische Schulverein, der die Schule unterhält, Hunderte von Mitgliedern zählte, sind es heute nicht einmal zwanzig. Mehrere Aufrufe zum Beitritt haben bisher keinen Erfolg gehabt. Jeder weiß, daß die Gemeinde seit langem an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt ist und den Steuersatz nicht mehr erhöhen kann. Muß es unter den heutigen Verhältnissen immer noch wieder und wieder gesagt werden, daß jeder Jude sich seiner Pflichten gegen die Gemeinschaft b e w u ß t w erde? Es ist Ehrensache jedes Gemcindemitgliedes, In der Nacht vom 11. zum 12. September 1935 entschlief nach langem Leiden sanft und ruhig, wie sie gelebt, meine innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Bianca Korn geb. Pflaum im Alter von 80'/2 Jahren. in tiefstem Schmerz Leipzig, Maria Meyer geb. Korn 12. September 1935. nebst Angehörigen. Mitglied des Schulvereins zu sein und den Mindestbeitrag von 12 M. jährlich zu zahlen, und es ist ebenso selbstverständlich, daß jeder mehr gibt, der dazu in der Lage ist. Ohne diese Hilfe kann das Schulwerk, dessen Umfang stetig wächst, nicht bestehen. Es ist unser Stolz, daß wir eine gute Schule haben. Wir können uns unserer Lehrerschaft rühmen, doch muß sie ja auch besoldet werden; ohnehin ist die betrübliche Tatsache festzustellen, daß die Lehrergehälter unserer Schule weit hinter denen der übrigen jüdischen Schulen der größeren Gemeinden, geschweige denen der öffentlichen Schulen zurückstehen. Und nun ein ernstes Wort an die Eltern: Wir wissen, daß es vielen schwer fällt, das Schulgeld aufzubringen, indessen ist es ihre heiligste Pflicht, dafür aufzukommen und ihre Kinder nicht der Mildtätigkeit anheimfallen zu lassen. Aber unverantwortlich ist es, wenn Eltern, die zahlungsfähig sind, sich ihrer Verpflichtung entziehen und es erst auf Zwangsmaßnahmen ankommen lassen. Auch in den Ferienmonaten muß das Schulgeld pünktlich bezahlt werden, denn die Lasten der Schule gehen während dieser Zeit weiter, da doch die Lehrer und Angestellten auch während der Ferien ihr (iehalt erhalten müssen. Trotz der Opfer der Reichsvertretung und der Gemeinde ist die Schule in Geldnot. Deshalb muß für alle Kinder Schulgeld gezahlt werden. Mögen es sich die Eltern gesagt sein lassen, daß der Scliulverein nicht gezwungen ist, ihre Kinder in der Schule zu belassen, und daß er unentgeltlich nur diejenigen darin belassen wird, die sich dieser Vergünstigung würdig erweisen und deren Eltern beim besten Willen nichts bezahlen können. Es ist gerade jetzt vor den hohen Festtagen angebracht, die Eltern und alle Getneindemitglieder ernsthaft an ihre Pflicht der jüdischen Schule gegenüber zu erinnern. Nach dem Ausspruch unserer Weisen (Sanh. 17a, Schabb. 119b) ist es verboten, in einer Gemeinde zu wohnen, die nicht in ausreichendem Maße für den Unterricht ihrer Kinder sorgt: ja es ist sogar ausdrücklich gesagt, daß eine solche Gemeinschaft ihre Existenzberechtigung verliert. Möge jeder die Worte beherzigen, damit unseren Kindern ein Stück Heimat erhalten bleibe. Der Vorstand der israelitischen ReligionsgemeimU' zu Leipzig. Carl Goldschmidt. Wilhelm Breslauer. Landgerichtsdir. i. R. Alterthuin. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig E.V. Dr. Fritz LoebenStein. Samuel Hodes. Dr. Abraham Adler. Gemeinderabbiner Cohn. Dr. Conrad Goldschmidt. Hans Kroch. Verwaltungsdir. Katzensteiu. Dr. Lehrfreund. Die Schulleitung. Dr. Weikersheimer. Jüdischer Kulturbund Montag. 23. Sept. Im Weißen Saal des Zoo, pktl. 20.15 Uhr Oardirobeschluß 2C Uhr — Nur für Mitglieder Licht blldhnrlen nicht vergessen! Gustav Möhler-Abend Mitwirkende: Dr. Anneliese Landau, Wellfant Rose und Fritz Lethner Donnerstag, den 24. Oktober 1935 In Vorbereitung: Der 14 Jährige Geigenspieler Ossy Renardy Voranzeige Vortragsabend |enny Sdtaffer und Otto Bernstein und Lustspiel : Spiel Im SdiloB von Molnar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.