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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-09-20 · 38 (20.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
38 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 20. September 1935 Reichsvertretung der deutschen Juden Presse-Abteilung Die Presse-Abteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung als die verantwortliche Führung des Judentums in Deutschland hat auf der Grundlage der neuen Reichsgesetze Maßnahmen in die Wege geleitet, die für eine planvolle Gestaltung jüdischen Lebens von entscheidender Bedeutung sein werden. Die Reichsvertretung wird ihre Pläne nach Fühlungnahme mit den berufenen Stellen bekanntgeben. werden erst mit 21 Jahren gegenüber den Eltern volljährig, obwohl nacli palästinensischem Recht die Volljährigkeit spätestens mit IS Jahren, auf manchen Rechtsgebieten auch schon früher (mit der Geschlechtsreife) eintritt. Diese Volljährigkeitsgreii/e für das Kind eines deutschen Einwanderers gilt aber nicht etwa für seine Rechte* be/iehungen zu dritten Personen, denn diese liegen schon außerhalb des Personenrechtes. Die 18jährige Tochter eines deutschen Einwanderers kann also wirksam einen Scheck ausstellen oder eine Bürgschaft übernehmen, obwohl sie zur Heirat noch der Zustimmung des Vaters bedarf und ihr mütterliches Erbteil noch nicht von ihm herausverlangen kann. Dieses mütterliche Erbteil würde das Kind nach der Ordnung des deutschen Rechtes erworben haben. (Nur palästinensische Grundstücke vererben sich nach dem palästinensischen Recht, das den Eltern des Erblassers eine etwas bevorzugte Stellung einräumt.) Hatte die Mutter aber ein Testament errichtet, so ist die Form des Testamentes nicht an das strenge deutsche Recht gebunden, denn nach dem deutschen internationalen Privatrecht genügt es, wenn die am Ort der Er- Ausgabe der Eintrittskarten zum Zweiggottesdienst In der Turnhalle des Schulgebäudes Gustav-Adolf-Straße 7 Die Vermietung der Plätze zum Zweiggottesdienst für Neujahr und Versöhnungstag in der Turnhalle des Schulgebäudes Gustav-Adolf-Str. 7 erfolgt werktäglich von 9 bis 1 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10,1. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. richtung geltende Form gewahrt ist. Auch ein mit der Maschine geschriebenes Testament, wenn es nur vom Erblasser unterschrieben ist, würde also volle Wirksamkeit haben. Das Kind kann aber auch die Erbschaft ausschlagen und seinen Pflichtteil wählen, obgleich das palästinensische Recht einen Pflichtteil nicht kennt. Keineswegs darf das Kind aber sein Erbteil gleich nach dem Tode des Eltcrnteils in Besitz nehmen und darüber verfügen wie in Deutschland, denn das Nachlaßv erfahren richtet sich nach den Regeln des insoweit in Palästina geltenden englischen Rechtssystems. Das Gericht ernennt, wenn nicht ein Testamentsvollstrecker bestimmt ist, einen Administrator, der den Nachlaß in Besitz nimmt, verwaltet und an die Berechtigten verteilt, nachdem er die Nachlaßgläubiger befriedigt hat. Den Nachlaßgläubigern gegenüber gilt ebenfalls das palästinensische Gesetz (das übrigens den Erben besser stellt als das deutsche), denn die Haftung gegenüber den Nachlal'gläubigern gehört schon nicht mehr zum Personenrecht. In einem weiteren Artikel soll Wichtiges aus dem palästinenisschen Vertrags- und Staatsangehörigkeitsrechtes mitgeteilt werden. Bahnet unserer Jugend einen Weg! Von Landgerichtsdirektor a. D. Martin Altertum. Die schmerzlichen Tage, durch die die Judenheit in Deutschland jetzt hindurchgeht, stellen uns vor die schicksalsschwere Frage: Was nun? Wir alle, ohne Unterschied der innerjüdischen Richtung, sehen uns vor eine Situation gestellt, die das jüdische Leben in Deutschland von Grund aus wandelt und erschüttert. Wir sehen den Schlußstrich gezogen unter eine geschichtliche Epoche von 120 Jahren, deren Bedeutung und Wert, von jüdischen Aspekten aus betrachtet, gewiß verschieden beurteilt wird, von der wir aber alle zugeben müssen, daß sie ungeheure Ströme von Energien in den Juden Deutschlands freigemacht hat. Doch es kann nicht der Sinn dieser Stunde sein zu klagen und zu verzweifeln, einer Epoche nachzutrauern, die nun einmal unwiderruflich dahin und in das Dunkel der Vergangenheit gesunken ist. Wollen wir uns in dieser schweren Zeit als stolze und aufrechte Juden bewähren, den rechten Sinn dieser Stunde erfassen, so müssen wir den oft kleinlichen Streit der Parteien endgültig begraben, der uns bisher getrennt hat, müssen wir uns alle brüderlich die Hände reichen, müssen alle gemeinsam Ausschau halten nach dem Wege, der ins Freie führt, müssen uns alle zusammenschließen zu einer großen konstruktiven Tat. Sehen wir der neuen Lage unerschrocken ins Auge. Wir müssen uns damit abfinden, daß bei der Durchführung der großen Aufgaben, deren Erfüllung uns die Stunde gebietet, uns niemand helfen wird, wenn wir uns selbst nicht helfen. Wir dürfen und wollen uns auch nicht für die Dauer auf die materielle Hilfe unserer Brüder und Schwestern in der ganzen Welt verlassen. Wir haben diese Hilfe dankbar anerkannt in der Zeit der ersten Erschütterung unserer Situation, die uns unvorbereitet fand. Nun ist es unsere Sache, uns zu helfen. Ich glaube, daß dieser Standpunkt dem Stolz und der Ehre der Juden in Deutschland allein gerecht wird. Im cn ani Ii, mi Ii? Wenn ich nicht für mich bin, wer dann? Helfen wir uns selbst, so hilft uns Gott! Wir können uns helfen! das ist die große und tröstliche Zuversicht dieser Tage, daß wir uns selber helfen können wenn wir nur wollen. Erez Israel, das längst aufgehört hat, eine Parteiangelegenheit zu sein, steht heute im Brennpunkt unserer Hoffnungen. Erez Israel wartet auf uns, au* unsere Menschen, unsere Tatkraft, unsere Jugend. Es kann die Massen derer, die hinübergehen wollen, nicht oder noch nicht aufnehmen, aber es ist die einzige Chance, die uns geblieben ist. Für uns ist die große Welt klein, das kleine Palästina groß geworden. Für unsere Jugend, die stürmisch an die Tore unseres Landes pocht, ist Raum genug. Palästina braucht unsere Hilfe nicht mehr, es ist stark geworden und befindet sich in einer rapiden Entwicklung nach oben. Aber wir selbst brauchen diese Hilfe, vor allem für unsere Jugend, die leben will und leben soll. Die großen jüdischen zentralen Organisationen, die Rcichsvertretung der deutschen Juden, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die Arbeitsgemeinschaft für die deutsche Jugend-Alijah haben dies erkannt. Sie haben sich zusammengeschlossen zu einem Werke, daß eine wirkliche Hilfe für unsere Jugend darstellen und zugleich den Dank abstatten soil für die greise Miß Henri etta Szold, die in unermüdlicher Tatkraft, erfüllt von warmer Mütterlichkeit und Liebe zu unserer Jugend die Grundlagen für die Erziehung, die körperliche, seelische, geistige Ertüchtigung der aus Deutschland ankommenden Jugend gelegt hat. Die deutsche Judenheit will sie und damit sich selbst ehren, indem sie die Mittel bereit stellt für die Gründung einer Siedlung für jüdische Kinder und Chaluzim aus Deutschland, die den Namen dieser einzigartigen Frau tragen soll. Die erste Siedlung der Jugend-Alijah in Erez. Israel wird auf dem unveräußerlichen Boden des Keren Kajemeth Lejisracl im fruchtbaren und klimatisch günstigen Süden Palästinas entstehen. Zusammen mit mehreren hundert Chaluzim aus Deutschland werden die Kinder, von denen ein großer Teil bereits in nächster Zeit ihre Lern- und Ausbildungszeit beendet, selbst diese Siedlung bauen und damit ihren Beitrag zur nationalen Befreiung unseres Volkes liefern; weitere werden ihnen folgen. Tausend Kinder im nächsten Jahr nach Erez Israel ist die große, zündende Parole, die ihren Widerhall in unseren Herzen finden soll und wird. Die Mittel bereitzustellen für den Erwerb des Bodens, für die Überführung der Jugendlichen nach Erez. Israel, ihre Ausbildung und Erziehung, dazu sind alle deutschen Juden aufgerufen. Aus Deutschland sind bis jetzt über 700 Kinder mit der Jugend- Alijah nach Erez Israel gegangen. Ein unverhältnismäßig, wenn auch erfreulich großer Teil von ihnen stammt aus Leipzig. Nur wenige Eltern sind in der Lage, die Kosten selbst aufzubringen. Aufgabe der Gesamtheit ist es, dafür zu sorgen, daß dieses große Werk ohne Schwierigkeiten durchgeführt wird. Vertrauensvoll schauen diese Kinder auf uns von den Bergen Judäas, von den Ebenen des Emek und des Sharon. Wir wollen sie nicht enttäuschen! Ihr Glück und ihr Wohlergehen soll uns Mahnung und Lohn zugleich sein. Das Rosch-Haschanah-Fest steht vor der Tür. Wir wollen in das neue Jahr hineingehen nicht gebrochen und nicht gebeugt, sondern erfüllt von dem Ernst unserer Aufgabe, aber auch in dem schönen Gefühl, eine Pflicht erfüllt zu haben, die uns allen heilig sein soll. Niemand sondere sich ab, wenn in diesen Tagen der Keren Kajemeth Lejisracl und die Arbeitsgemeinschaft für die deutsche Jugend-Alijah ihn ruft, teilzuhaben an einem Wtrke, das uns alle eint. Tua res agitur; um uns alle geht es, um unsere gemeinsame Jugend, ihre Befreiung, ihr Schicksal und ihre Zukunft. IHitgliedaanmeldnngen beim Israelitischen Schnlvereln e. V. (Hindeat-Jahreabeltrag KU. 12.—) I _sind an richten nach: Hnrnboldtatrattc 18, Postscheckkonto Kr. 67007 I

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