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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-08-30 · 35 (30.8.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
35 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG 30.j\ugustJ«35 l s sollte daher ihre Aufgabe sein, durch Straßenbauten und andere für die Kolonien wichtige öffentliche Arbeiten mein für die jüdischen Siedler zu tun. als es bisher der Fall gewesen ist. Dr> Ruppins Referat brachte reiches statistisches Material IUr kolonisatorischen Arbeit und zur Entwicklung der Landwirtschaft. Die Zahl der zionistischen Siedlungen ist von 1920, dem Jahre, in dem systematische Ansiedlung auf Nationalfondsboden mit Hilfe des Keren Hajessod einsetzte, von 5 auf 50 und die Zahl ihrer Einwohner von lsn auf 11 (Min gestiegen. Unter Errechnung der Kibbuzim auf Nationalfondsboden, die noch auf Vorschüsse seitens des Keren Hajessod angewiesen sind, gibt es insgesamt 00 Siedlungspunkte mit einer Bevölkerung von 18000 Seelen. Die Pionierpenode ist letzt abgeschlossen, und es beginnt das Stadium der Erweiterung und Konsolidierung. Dr. Ruppin verteidigte die Siedlungsform der Kwuzah und stützte sich dabei auf ein Gutachten des vor kurzem auf den Lehrstuhl für Agrarwirtschaft der Hebräischen Universität berufenen Professors Boris Brutzkus, in dem festgestellt wird, daß die in den Kwuzoth durchgeführte Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeit wirksamen Wettbewerb mit der billigeren arabischen Arbeitskraft ermöglicht hat. Sämtliche Kwuzoth haben das Wirtschaftsjahr 1933 )1 mit Gewinnen /wischen hundert und mehreren tausend Pfund abgeschlossen, der Oesamtgewinn betrug 25000 Pfund. Durch Außenarbeit haben viele Kwuzoth insgesamt 5600 Pfund darüber hinaus verdient. Für das Jahr 1934 35 sind noch höhere Gewinne ZU erwarten. Aber auch die auf Indivldualwirtschaft aufgebauten Siedlungen haben Fortschritte gemacht. In der letzten Saison wurden Millionen Orangen exportiert, l'Mt» würden es 20 Millionen Kisten sein. Die größere Hälfte dieser Produktion werde aus jüdischen Pflanzungen stammen. Als Bodenmlnhnum für eine Pflanzungsfarm wurden 20 Dunam bewässerbaren Bodens, dort wo das Terrain in der Nähe der Stadt liegt, 15 Dunam festgestellt. Es werden Untersuchungen betreffend die Möglichkeit der Verringerung des Bodenminimums auf 12 Dunam geführt. 2000 Anwärter auf Zuteilung von Keren Hajessod-Darlehen zwecks Aushaus ihrer Wirtschaften auf Nationalfomlsboden gibt es zurzeit, ferner viele tausende Landarbeiter, die auf Ansiedlung auf Natiuualfondsboden warten. Für 21 _, Millionen Pfund wurden 1934 Agrarprodukte eingeführt. Nur ein Viertel des jüdischen Milchkonsums wurde von jüdischen I armen gedeckt, die Eierproduktion machte nur einen kleinen Teil des Bedarfs aus. I )ic Verkaufgenossenschaft für Landwirtschaftsprodukte „Tnttwah" hat 1933 für 209000, l'iil für 2<)l(HKl Pfund Produkte verkauft. In diesem Jahr wird der Umsatz Voraussichtlich 500000 Pfund betragen. In der Industrie waren 1Q27 erst SOIHI bis 0000 Juden beschäftigt. Die Jahresproduktion betrug 2 300000 Pfund. 1933 war die Arbeiterzahl auf 19600, die Jahresproduktion auf 5 350 000 Pfund gestiegen. Jetzt sind in der Industrie 25000 Arbeiter beschäftigt. Einschließlich der Frauen und Kinder leben 50000 Juden von Industrie und Handwerk. Dazu kommen die 14000 im Baugewerbe und bei öffentlichen Arbeiten Beschäftigten. Mehr als ein Viertel der jüdischen Bevölkerung lebt jetzt von der Industrie. Einen besonderen Teil seines Referate-, widmete Dr. Ruppin der Schilderung des Ansiedlungswerkes für deutsehe Juden. Die 25000 Juden ans Deutschland, die seit dem Beginn des gegenwärtigen Regimes in Deutschland nach Palästina gekommen sind, haben, abgesehen von materiellen (intern, dem Lande wertvolle technische Kenntnisse, insbesondere auf dem Gebiet der Industrie, zur Verfügung gestellt, In .Iii h m Zusammenhange verwies Dr. Ruppin auf den gleichzeitig in I orm einer Br-ischurc veröffentlichten Bericht des von Dr. Chaim weizmann geleiteten Büros für die Ansiedlung deutscher Juden, in dem alle Einzelheiten der Arbeit zugunsten deutscher Juden dargestellt Sind. Dieser Broschüre gehen ein Vorwort von Dr. Chaim Weizmann und eine Einführung von Dr. Arthur Ruppin, dem Leiter der palästinensischen Abteilung de Büros, voraus. Dr. Weizmann In tont, daß Palästina, ein kleines und noch ungenügend erschlossenes Land, dadurch, daß es 25000 Juden aus Deutschland ein neue- Heim geboten hat, die Erwartungen über seine Rolle in dem Hilfswerk für Judin BUS Deutschland noch ubertroffen habe. Wenn man sieht, wie si hr das I inströmen von Einwanderern aus Deutschland mit ihrem Kapital, ihrem wirtschaftlichen Unternehmungsgeist und ihrer Euere, sowie die Einwanderung SO vieler hervorragender Vertreter der Wissenschaft die Entwicklung des judischen Palästina in den letzten zwei Jahren befruchtet hat, dann könne mau vom Standpunkt der Errichtung d<s Jüdischen Nationalheims nur wünschen, daß die Möglichkeit für die Oberführung weiterer vieler Zehntausende deutscher Juden und iiisbesondere der Jugend, die in Deutschland keine Zukunftsaussichten hat, geschaffen werde. Trotz aller uns umgebenden Gefahren werde Palästina, wenn die Judenheil der Welt mit noch größerer Hingabe und Energie als bisher an seinem Aufbau mithelfen wird, sich in immer steigendem Mali als Jüdisches Nationalheim bewähren. Dr. Ruppin weist darauf hin, daß die Arbeit des Zentralbüros von dem Oedanken ausging, den Juden aus Deutschland in erster Reihe bei der Eingliederung in die Landwirtschaft und in zweiter Reihe bei der Ergreifung eines Berufes in Handwerk und Industrie zu helfen, damit eine weitere Oberfültung der kommerziellen und freien Berufe vermieden werde. In drin Bericht wird dargetan, daß das Aiiswandererproblein bis heute nicht gelöst werden konnte. Die Lage der tausende Ausgewanderten habi -ich infolge der Verschärfung der I remdengesetzgehung in vielen Ländern von Monat zu Monat verschlechtert, eine Entwicklung, die durch die Schaffung eines besonderen Völkerbundsoberkommissariats wenig beeinflußt worden sei. Bei voller Anerkennung der von dem Oberkommissar gemachten Anstrengungen müsse festgestellt werden, daß sein Appell an die in Betracht kommenden Regierungen und au die öffentliche Meinung der Welt kaum ein Echo gefunden hat. (Schluß folgtl. Jüdische Zeitschau SO. Geburtstag des Oberkantors Aron Friedmann (Berlin). Auf eine reiche und sehaffensfreudige Tätigkeit kann dieser hochbetagte Jubilar zurückblicken. Er gehörte zu den beliebtesten Kantoren in Berlin und hat auch auf schriftstellerischem Gebiet Großes geleistet. Ein besonderes Verdienst sind seine „Lebensbilder berühmter Kantoren", die er in drei Teilen erscheinen ließ. Als Komponist hat Aron Friedmann viele Werke geschaffen, Kantaten, Motetten, Lieder, Psalmen, Balladen. Aron Ericdmann ist am 22. August 1Ö55 in Schaki (Litauen) geboren. Er kam mit dem 23. Lebensjahre nach Berlin und besuchte dort die jüdische Lehrerbildungsanstalt. Auf dem Sternschen Konservatorium erhielt er Komposition bei Prof. Bttssler, später an der König). Meisterschule unter Prof. Bhiinner. Außerdem war er Gesangsschüler von Prof. A. Gayer und Prof. F. Sieber. Im Jahre I8S2 kam er als Kantor und später Oberkantor an die jüdische Gemeinde In Berlin. l')()7 erhielt er den Königl. Musikdirektortitel und später von Rabb. Dr. Nobel (Frankfurt) und Rabb. Dr. Löwenthal (Berlin) zweimal den Morenutitel. Von seinen vielen Arbeiten sind am bekanntesten: Sehir Lisch'lomo (kantoral), Liturgisches Gesangbuch für die jüdischen Religiousschulen Deutschlands. Der synagogale Gesang (Studie), Lebensbilder berühmter Kantoren ('3 Teile), Sammlung kantoral-wissenschaftlicher Aufsätze, eine übersichtliche Abfassung über das Schaffen des großen Gelehrten, Zwi Idelsohn. Wir alle, seine Freunde und Verehrer, wünschen diesem hochgeschätzten Manne einen glückliehen Lebensabend, tt. Vorschau zum morgigen Endspiel um die Rcichsmcistcrschaft im Fußball zwischen „Schild"-Leipzig — „Schild"! rankfurt. Sportliche Betätigung, auf welchem Gebiete sie auch immer betriehen werden mag, wenn sie von Ernst und Hingabe durchdrungen ist, ist nicht nur Dienst an sich selbst, sondern ebenso au der Gesamtheit. Und unsre Gemeinschaft mit ihrem schweren Ringen im Alltag erfordert von dem Einzelnen mehr denn je körperliehe und seelische Stärke, die ihm das Schwere erträglicher zu gestalten vermag. I )er jüdische Sportverein ist nun einer der Faktoren, der dem jüdischen Menschen zu einem gewissen Teil das zu geben imstande ist, dessen er jetzt so dringend bedarf. An diesem Werke mitzuarbeiten, an diesem Vermitteln äußerer und innerer Kraft, das ist die Aufgabe des Sportvereins „Schild", der in diesen Tagen auf sein einjähriges Bestehen zurückblicken konnte. Es sollen hier nicht Daten und Einzelheiten seiner Tätigkeit im allgemeinen herangeholt werden, seine 501) Mitglieder sind für ihn der sicherste Beweis seiner oft und gern in Abrede gestellten Daseinsberechtigung. Gewiß, nichts ist vollkommen, aber in der Arbeit, der rein sportlichen vor allein, ist in der kurzen Zeit des Bestehens Großes geleistet und noch Größeres erreicht worden. Man braucht nicht sofort an die Teilnahme am morgigen Endspiel zu denken, mau kann einige Wochen zurückgreifen, um sich das Vorentscheidungsspiel im Handball gegen den „J. T. S. G."-Berlin ins Gedächtnis zurückzurufen, bei dem der große Wurf in diesem Jahre noch nicht geglückt ist, das aber als Maßstab für die große Leistungssteigerung seit dem Beginn angesehen werden muß. (iewiß haben Sportvereine mit älterer Tradition die „Vergangenheit" für sich, in der sie sueeesive das Aufgabengebiet aufbauen und erweitern konnten. Der „Schild" hat seine Tätigkeit darin erblicken müssen, in kürzester Zeit das Möglichste zu schaffen, denen Rückhalt zu geben und Rückhalt zu sein, die die neue Zeit in ihrer Anschauung am stärksten getroffen hatte. Daß auch in der Leichtathletik im großen Verband Sichtbares geschaffen worden ist, dafür zeugt der vor einigen Wochen schon möglich gewesene Klubkampf zwischen „Schild" und „Makkabi" in Berlin. Entscheidend für die Existenzberechtigung eines Sportvereins sind aber letzten Endes nicht die Spitzenleistungen, sondern die Arbeit an sich, die Arbeit auf breitester Basis; und wenn gute Leistungen erzielt und Meisterschaften errungen werden, so ist sie eben der Beweis der richtigen systematischen Arbeit. - Und darum hat der morgige Kampf für den Leipziger „Schild" seine besondere Bedeutung, daß ihn der erst einjährige Weg schon bis ins Endspiel gebracht hat. Für den Gegner, den „Schild"-Erankfurt ist ein solches Finale ja nichts Neues mehr, stand er doch schon im vorigen Jahr im Kampf um die höchste Ehre, die aber mit knappem Vorsprung dem ,,B. S. (i."-Berlin zuteil wurde. Für die Hiesigen war die Etappe bis zum ersten September, bis auf das Treffen gegen den vorjährigen Reichsmeister in der „Höhle des Löwen", man muß schon sagen „leider" leichter, als man erwartete. Der Titel als Saehsenmcister wurde mit /. T. zweistelligen Torquoteti gegen die Brudervereine Dresden und Chemnitz geholt. Im weiteren Kampf um die „Mitteldeutsche Meisterwürde" mußte zuerst die „RjE."-Sportgruppe Meiningeu mit 5:0 die Eedern lassen, und der stark favorisierte Schlesische Meister, die „Rjl"."-Sportgruppe Breslau konnte mit 6:1 nach Hause geschickt werden. Erst das Spiel in Berlin verlangte von der

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