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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-08-30 · 35 (30.8.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
35 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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30. August 1935 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEME1NDE ZU LEIPZIG Seite 3 Sportoereln „Schild" Leipzig aefflÄSS :R]F; Sonntag, 1. September 1935,16 Uhr Endspiel um die Fußball-RelchsmeisterschaEt ll ll des R. j. Sportbundes Schild"-Leipzig I. Schild"-Frankfurt I. gegen Vorher: 14.30 Uhr Handballtreffen »Schliff-Leipzig I. .Schll j'Dresien 1. Eintrittspreise: Sitzpl. RM. 1.-; StehpJ. RM. -.75; Stehpl. f. Mitgl. RM. - .50; Jugendl. u. Erwer'bsl. RM. - .30 ir bitton bei evtl. Hi'Mielirn in unseren <.< ^cbüfts- IrKuiucn darauf in lu-litt-n. «Ihhh dioMC Midi C'lclioriiiM- MtriiHHO I Tr«>p|io links befinden. 1> i e A ii'/. e i g e n - V e r w n 11 m n f . letzter Zeit haben sich dort eine Reihe von Vereinen, vorwiegend aus Jugendlichen bestehend, gebildet, die den Antisemitismus in seinen verschiedenen Nuancen vertreten. Sokolow erwähnte in diesem Zusammenhang den l'ro/cl! um die „Protokolle der W eisen von Zion" in Orahamstown, bei dein er selbst als Zeuge , noch vor dem Urteil im Berner Pro/eil die ., schung gebrandmarkt wurden. Angesichts dei Juden fast überall in der W elt müsse schon die rortexistenz wie ein Gotteswunder erscheinen, luthnachl biete! das schon jetzt von Zion aus Ulftrat, und bei dem Protokolle" als Fäitragischen Lage der atsache ihrer bloßen Trost in dieser Gagehende bescheidene Lieht und w i iterer Trost könne aus dein Studium der indischen Geschichte geschöpft werden. Sokolow schloß mit dem Hinweis, daß der Zionismus für einen großen Idl der Judenheit auch materiell die Losung der Judenfrage bedeute, aber in noch höherem Walle trage dei geistige Zionismus da/u bei, die Verfolgten aufzurichten und ihr bedrücktes Her/ frei zu machen. I in großangelegtes politisches Referat erstattete der politische Dezernent der londoner Exekutive. Professor Selig Brodetsky: I r ging davon aus. daß die letzten Jahre das Palästirjawerk über das Stadium des l xperiments hinausgeführt haben. Man könne es heule nicht glauben, daß vor eist fünf, vier, ja sogar drei Jahren Staatsmänner und l xperten die Möglichkeit einer dauernden großzügigen Entwicklung Palastinaleugneten und ein grober Teil der Kräfte der Organisation darauf verwandt werden mußte, den Skeptizismus dieser Staatsmänner zurückzuweisen und die Unzuvcrlüssigkeit von I xperten zu /eigen. Heute seien alle Zweifel geschwunden. Die Londoner City hat wiederholt ihr Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Palästinas bewiesen. In diesen außerordentlichen Vertrauensbeweisen liege allerdings auch die (iefahr. daß durch die hivcsticrungstätigkeit fremder Faktoren die jüdische Kontrolle über die Entwicklung beeinträchtigt werden konnte. Auch könnte der Eindruck entstehen, dall das Jüdische Nationalheim bereits vollendet ist, während wir in Wirklichkeit erst am Anfang eines grollen Prozesses nationaler Einwanderung und Ansiedlung stehen. Immerhin gäbe es keinen Zweifel mehr in beziig auf die Möglichkeit der Verwirklichung der zionistischen Ziele. Die Weißbücher und Expertenberichte der Jahre 1930 und 1932 sind vollständig in Vergessenheit geraten. Unangreifbar sei die zionistische Politik auch angesichts der unerträglichen Lage des jüdischen Volkes in vielen Teilen der Welt. Die Notwendigkeit eines Ausweges wird heute auch von denjenigen luden erkannt, die sich bisher aus (ilcichgiiltigkeit oder infolge ihrer Verknüpfung mit bürgerlicher oder proletarischer Assimilation vom Palästina-Auf bau fernhielten. Der Referent befaßte sich sodann mit den I ragen der Judennot und der ihr entgegenwirkenden Palästina-Einwanderung: mit dem Problem der Bodcnfragi: in Palästina westlich des Jordan und in Transjordanien seien grolle Bodenflicheo vorhanden, die der Erschließung durch Juden harren. Eingehende Befrachtungen widmete er der Auswirkung des Prinzips der „offenen Tür" auf die Wirtschaft Palästinas. Hierbei wies er darauf hin, dal) alles davon abhänge, wie das Prinzip der wirtschaftlichen Gleichberechtigung, das in Wilsons 11 Punkten festgelegt sei, interpretiert wird. Es müsse jegliche Vorsorge getroffen werden, daß eine Änderung des gegenwärtigen Status Palästinas in einer solchen Form herbeigeführt werde, die in ki iiier Weise die (iruildlagen des judischen Natioualheims erschüttere. Die glückliche Oeburt unserer Gabriela zeigen hochetfreut an Leipzig, Kantstraße 58 Fritz Weg und Frau Senta 21. August 1935 geb. Breslauer Als ein weiteres bedeutsames politisches Problem bezeichnete Prof. Brodetsky die Frage des Bürgerrechts der Juden in Palästina. In diesem Zusammenhange erklärte er: Ebenso wie jüdische Einwanderung nach Palästina keine gewöhnliche Einwanderung von Ausländern in ein fremdes Land ist, sondern die Rückkehl eines Volkes zu seinem alten Erbe, ebenso bedeutet judische Bürgerschaft in Palästina keine gewöhnliche Naturalisierung von Ausländern in einem fremden Staat, sondern die persönliche \\ iederaufnahme eines Status, der mit der historischen Verknüpfung dejudischen Volkes mit Palästina verbunden ist Darum habe die Executive der Absicht der Regierung, Juden, die mit Gesetz und Ordnung in Palästina in Konflikt geraten waren, auszubürgern, heftigen Widerstand entgegengesetzt Erfreulicherweise habe die Regierung von dm beabsichtigten Xiishüig'Tung^malinaliiucn abgesehen. I m die Idee eines Natioualheims sei es wesentlich, daß ein in Palästina naturalisierter Jude diejenigen Rechte erwirbt, die mit dem Umfassendsten diiich Geburt erworbenen Bürgerrecht verbunden sind. Nach einem Oberblick über die Entwicklung und die heutige Bedeutung dei trage des legislative Council .schloß Prof. Brodetsky mit einem Hinweis auf die Notwendigkeit, den politischen Apparat der Organisation auszubauen und wandte sich mit scharfen Worten gegen die verhängnisvolle Zerrissenheit Innerhalb dei Judenheit Einen umfassenden Oberblick über 'J"> Jahre jüdischer I a n d w irtschaftlicher Kolonisation in P ala s 11n a N>t dem Zionistenkongreß dain der Donnerstag-Vormittagsitzung erstattete Referat des Leiters der Palastinaexecutive Dr. Arthur R U p p i 11. Der Redner gab eine Schilderung der einzelnen Entwicklungsphasen innerhalb dieses Vierteljanrhunderts. 1910 hatte die Zionistisch« Organisation in der Jesreel-Ebeiie ihren ersten Bodenkauf durchgeführt. Damals gab es im ganzen l ande nur 70000 Juden, von denen zwei Drittel von Unterstutzungen, die sie aus dem Ausland erhielten, lebten. Iiis zum Ausbruch des W eltkriegewar die Zahl auf 85000 gestiegen, fiel jedoch bis Kriegsende wieder auf 65000. Stellt man diese Verhältnisse den heutigen gegenüber, sowohl was die Zahl jüdischer Einwohner als auch was jüdischen I andbesitz betrifft, so bekomme man ein Bild davon, was durch das Aufbauwerk in Palästina erzielt wurde. Dr. Ruppin legte ausführlich dar, w ie nach dem Kriege durch die jüdischen Ansiedler neue Methoden zur Anwendung gebracht wurden und schilderte die verschiedenen Arbeitsgebiete seines Departments. Er wies auf die Schwierigkeiten hin. die die Palästina-Regierung dem Bodenerwerb durch Juden in den Weg legt und warnte vor den Gefahren der Bodenspekulation. Zur gegenwärtigen Situation der Juden in der Landwirtschaft berichtete Dr. Ruppin, ilaß von dem gesamten 250000 Durum umfassenden Pflanzungsgebiet läoooo Dunam in jüdischem Besitz sind. Fruchttragend sind zurzeit jedoch er-t je 5()(KM) Dunam in jüdischem und nichtjüdischem Besitz. Als ideale Berufsgliederung der jüdischen Bevölkerung bezeichnete Dr. Ruppin eine solche, bei der je ein Drittel in der Landwirtschaft im Baugewerbe und Industrie und schließlich im Handel, Touristenverkehr und freien Berufen beschäftigt sein würde. In seinen Ausführungen über die Beziehungen zur Palästina- Regierung stellte Dr. Ruppin fest, daß die Regierung ohne das von jüdischen Siedlern ins Land gebrachte Kapital niemals einen Verwaltungsüberschuß von 5 Millionen Pfund hätte thesaurieren Können. Jüdischer Kulturbund Donnerstag, d. 5. Sept. 1935 im weißen Saale des Zoo pünktlich 20.15 Uhr Garderoben Schluß 20 Uhr Nur für Mitglieder! Lichtbildkarten nicht vergessen! Tanzabend Mitwirkende: Rolf Ray, Ruth Anselm, Else Dublon, NellyHirth, Erika Stolzberg, a. Flüg.: Kapmstr. K Herweg Voranzeige: Montag, den 23. Sept. 1935 Gustav Mahler- Abend

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