Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 33 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 16 August 1935 jetzt in den Bar Kochba-Vereincn einen immer breiteren Raum ein. Die Hachscharah- und Alijah-Fragen der Mitglieder werden In einem eigenen Chähiz-Amte des Makkabi bearbeitet. Kfar Hamakkabi, dessen Grundsteinlegung wahrend der zweiten Makkabiali erfolgte, wird /ahlreichen Bar Kochhanern die Möglichkeit geben, sich als geschlossene Gruppe in Ere/ Israel anzusiedeln. So wachst die Arbeit des Makkabi mehr und mehr in den Neuaufbau des jüdischen Lebens und in die zionistische Bewegung hinein. Seine sportliehe Tätigkeit ist weniger denn je Selbstzweck, sondern ein Erziehungsfaktor, ein Mittel der nationalen Erziehung. Die Durchführung der leichtathletischen Makkabi-Meistcrschaften unter Teilnahme der besten Makkabi-Sportler Deutschlands ist daher nicht nur als ein sportliches Ereignis zu werten, sondern darüber hinaus als eine bedeutungsvolle jüdische Veranstaltung, die den ungebrochenen Lebenswillen der jüdischen Jugend unter Beweis stellt. Dr. Lehrfreund. Deutsche Bisher hat der Makkabi in diesem Jahr sich im Kampf nach außen hin erprobt, auf der Makkabiali und im Verbandskampf gegen den R. j. F. Jetzt hält er, wie stets seit langen Jahren gegen Ende der Sommersaison, eine Heerschau über die Aktiven aus seinen eigenen Reihen ab Die Bezirke haben festgestellt, wer würdig ist, an dem Wettstreit der Besten teilzunehmen. Vielfach sind es Athleten, die schon aus schweren Kämpfen bekannt sind, wie denn überhaupt in den Leichtathletik-Verbänden die Spitzenkönner sich nicht von Jahr ZU Jahr erneuern. So werden in den Sprintstrecken sich, wie so oft in diesem Jahr, Dr. Lewin, Schattmann und Aufrichtig, Berlin, und Sternlieb, Breslau, gegenüberstehen. Über 10(1 m sollte man, nach den bisherigen Ergebnissen, Dr. Lewin und Schattinann einen kleinen Vorsprung vor den anderen einräumen können, dagegen kann über 200 m der vorjährige Meister Stcrnlieb eine Überraschung bringen und auch Aufrichtig ist nach einer Formsteigerung durchaus fähig, zu siegen. Eine neue grolle Hoffnung für den Makkabi ist in beiden Kur/strecken der junge Mansfeld, Chemnitz, der bei den Mitteldeutschen Meisterschaften gan/ überlegen Doppcl- Blcistcr wurde. Weiterhin können in den Endkampf eingreifen: Seeligmann. Düsseldorf, Rothschild, Berlin, Dr. Dreyer, Köln, und über 200 m auch Blum und Strauß aus Frankfurt. In den anderen Wettbewerben ist der Leistungsstand nicht so hoch, wie er im jüdischen Sport von jeher in den Sprintstrecken gewesen ist, und so ist auch du Auswahl der I avoriten geringer. Über 400 m wird Orgler sich voraussichtlich an seinen vorjährigen Be/winger Falkenherg revanchieren können. Aber auch Blum, Frankfurt, ist fällig, in den Endkampf einzugreifen. Platzaussichten haben daneben vor allem Sorkin, Herlin. Dobriner, Großstrchlitz, I liischberger, Dresden, und Hoffner und I ried. Leipzig. Ober 800 m steht der Sieg von Orgler von vornherein fest. Um die Plätze wird es dagegen einen .schweren Kampf /wischen den Berlinern Vi alter Cohn und Hirsch, den Frankfurtern Pudaver und Wcllwarth und den Leipzigern Fried und Hoffner geben. Ober 1500 und 5<mxi m sind gleichfalls die Meister Petzall und Werthen, sowie die schon aus den letzten Jahren bekannten Löb, Düsseldorf, und Loschwiski, Berlin, am Start. Zu einer Überraschung sind am ehesten Hirsch. Berlin, und Mann, Wuppertal, über 15()t) m. und. Her/. Jülich, über 5000 m fähig. Im Hochspruns steht mit dem Makkahiah-Zweiten Blank, Hannover, der Sieger fest. Neben seinem Bruder kommen für die Plät/e Qrünebnum, Frankfurt a. M., Sternlieb, Breslau, und Sternheim, Leipzig, in I rage. Im Weitsprung kann Bukofzer, Köln, siegen. Seine Gegner sind in Oppenheimer, Essen, Sieratzki, Berlin, und Sternheim, Leipzig, zu sehen. Makkabi meisterschaften am 18. August in Leipzig. Im Kugelstoßen und Diskuswerfen sind die bewährten Vertreter des Deutschen Kreises Herrmann, Hamburg, und Jakob, Berlin, am Start. Ihre Gegner sind: Broniatowski, Breslau, Back, Düsseldorf, David Schwarz, Wuppertal, und im Kugelstoßen Hülsenrath, Hagen, der die beste Leistung des Jahres erzielt bat. Dagegen wird es im Speerwerfen dem bisherigen Meister Aufrichtig, Berlin, schwerfallen, seinen Titel zu verteidigen. Seeligmanu, Düsseldorf, hat den Speer bereits nahe an 45 m geworfen, und auch Stern, Berlin, Schwarz, Frankfurt, und Nebenzahl, Leipzig, haben bereits bessere Ergebnisse als er erzielt. Im Stabhochsprung ist es schwer, eine Voraussage zu treffen, da der vorjährige Meister Grob nicht mehr in Deutschland lebt. Dagegen kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit voraussagen, daß Berlin seine Meisterschaften in beiden Staffeln (4x100 und 4X400) wird verteidigen können. Köln und Frankfurt werden die schwersten Gegner sein. Bei den Frauen wird es über 100 m erneut zu einem Zusammentreffen von Flly Kendz.iota, Hamburg, die die Meisterschaft zu verteidigen hat und im Frühjahr des Jahres die Makkabiali gewann, und Lore Meyer kommen, die in den letzten Wochen zweimal siegreich war. Auch Miriam Leeser, Frankfurt, die jugendlichen Berlinerinnen (John und Spiwak, die Berliner Bezirksmeisterin Smedresmann und Gisela Ehrlich, Düsseldorf, werden voraussichtlich in die Entscheidung eingreifen können. Neu eingeführt ist bei den Frauenmeisterschaften die 8UU m-Strecke, auf der Berlin mit der Makkabiah- Dritten Lotte Einhorn, mit Fanny Beck und Edith Färber gute Waffen im Feuer hat, die vor allen Dingen die alte Sage widerlegen werden, daß ein 8(K) m-Lauf nichts für Frauen sei. So frisch haben sie bisher stets ihre Rennen beendet. Im Hochsprung hat die vorjährige Siegerin Fried, Leipzig, eine schwere Gegnerin in Anne Cohn, Berlin. Aber auch Miriam Leeser und Lilo Bukofzer, Köln, haben gute Aussichten. Es steht zu hoffen, daß bei diesem Wettkampf gleichwertiger Springerinnen endlich einmal die bisherige Leistungsgrenze von 1,40 m überboten wird. Im Weitsprung hat Lore Meyer in diesem Jahre die beste Leistung gezeigt. In den Würfen bilden immer noch Selma Schulmann und Martel {akob, die sich im vorigen Jahr in die Meisterschaften teilten, eine [lasse für sich. Nur im Speerwerfen werden sie wahrscheinlich von Czempin, Berlin, überboten werden. Anders wie bei den Männern wird in der Iraucnstaffel der Verteidiger Hakoah-Köln sich kaum durchsetzen können. Berlin und vor allem Frankfurt mit Miriam Leeser und Lore Meyer scheinen'mehr Aassichten auf den Sieg zu haben. Zum ersten Male werden Meisterschaften auch im Mehrkampf ausgetragen. Im Dreikampf für Frauen gehen Cohn, Berlin, Bukofzer, Köln, und Fried, Leipzig, die als einzige alle drei Übungen gleichmäßig gut beherrschen, als Favoriten an den Start. Im Fünfkampf für Männer ist es wieder schwer, eine Voraussetzung zu treffen, da noch keine Vergleichsmögliehkciten vorliegen. Wir geben Aufrichtig, Werthen und Cobor, Berlin, Hirschberger*und Goldenberg, Dresden, sowie Nehenzahl und Wasserlauf, Leipzig, gute Chancen für den Endsieg. Ergänzt wird das Programm durch einige Altherren-Wettbewerbe. Über 100 in wird es einen interessanten Kampf zwischen Freund, Kassel, und Metzger, Frankfurt, geben. In die Entscheidung sollten weiter der ehemalige Leipziger Förster, jetzt Dan/ig, sowie Weiß und Lewin, Berlin, und Hoffmann, Leipzig, eingreifen Können. Für Jugendliche ist eine Theodor-Her/I-Staffel, für die kleinen Vereine des Deutschen Kreises eine 3X200 m-Staffel ausgeschrieben. I Iber den sportlichen Wert wird diese Veranstaltung wie die vorjährige, ihren tiefen Sinn darin haben, erneut den engen und innigen Zusammenhalt der im Makkabi zusammengeschlossenen jüdischen Sportler machtvoll nach außen hin kundzutun. Da Rabbiner Dr. Prinz sich bereit erklärt hat, die Festansprache zu halten, ist Gewähr dafür gegeben, daß dieser Sinn auch in Worten zum Ausdruck kommt.