Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 31 (2.8.1935)
- Date
- 1935-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Auflage 4000 Stück (taeitiö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGtM&IN DE- ZU H SLi D7i(2m AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT HmLII^IW DER GEMEINDEVERWALTUNG^ Schrlftleltung t Oemeinderabbiner OustavCohn,Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet Nummer 31 - lahrgang 11 2. August 1935 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Schulboginii in den jücliaehen Sehnten. Laut Verfügung des Sächsischen Ministeriums für Volksbildung beginnt der Unterricht am Donnerstag, 8. August 1035: er wird mit einem Tischoh-beaw-Gottesdienst eingeleitet. Die Schüler und Schülerinnen versammeln sich stundenplanmäßig in ihren Klassenzimmern und erhalten dort nähere Anweisungen. Leipzig, den 31. Juli 1935. Die Schulleitung. Was man in diesem Jahre am Tischah-be-Aw lesen sollte. Lange Jahre hindurch war für die überwiegende Zahl der deutschen Juden seihst für die Orthodoxie unter ihnen — der Tischahbe-Aw fern, verblaßt ein historischer Gedenktag wie mancher andre auch. Der Sommer war so schön und die Wälder waren so Krim; da'» fiel dieser Gedenktag gar so unbequem in die Zeit der Ferienerholung; kein Wunder, wenn sich selbst Rabbiner im Urlaub selbstherrlich, wie es bei uns Sitte war, „vom Fasten dispensierten"'. Einzig auf der kleinen Nordseeinsel, die ihren jüdischen Kurgästen ihr rasches Aufblühen verdankte, sah ich damals als Kind schon ein kleines Häuflein von langbärtigen Juden sich in der kleinen Ketstube zusammenfinden, im trüben Halbdunkel, das durch die flackernden Kcr/Iein auf den Pulten nur wenig erhellt wurde — am Hoden laßen sie und hatten die Schuhe /um Zeichen der Trauer ausgezogen und am Abend wie an Morgen drangen die uralten Melodien der Kinoth, der Klagelieder über alle Zerstörungen und Katastrophen der jüdischen Geschichte, an mein Ohr. Wer einen solchen Abend je als Kind erlebt hat, der vergißt ihn nicht so leicht: nicht den schwelenden Geruch der Lichtstümpfe, nicht das Weinen der Frauen hinter ihrem Gitter — aber auch nicht das Aufatmen und JLetxte Sehulgeldmahnung. Wer die noch rückständigen Schulgelder für die jüdischen Schulen nicht bis spätestens 7. August 1935 bezahlt, hat den Ausschluß seiner Kinder vom 1 nterricht zu gewärtigen. Leipzig, den 30. Juli 1935 Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V. Ausgabe von Synagogen karten. Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom 5 bis 23. August 1935 werktäglich von 9 1 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümei-Stralie 10,1 statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweit vergeben. Eine schriftliche Erinnerung erfolgt nicht. Leipzig, den 29. Juli 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Aufblitzen bei den immer wiederkehrenden Liedern des Vertrauens und der Zuversicht auf kommendes Heil, auf die Erlösung ... trotz alledem und alledem! - Da gab es ein Lied — die Übersetzung gibt nur einen schwachen Abglanz davon wieder, zumal die Hauptsache, der Nigun, fehlen nuB aber jedem klingt es in den Ohren, der einmal gleich mir in der Kindheit diesen Tischah-be-Aw erlebte: da wird in jeder Strophe der Auszug aus Mizrajim, als Moschch sein Lied am Schilfmeer sang und die Wolkensäule voranzog, dem unseligen Auszuge aus Jeruschalajim gegenübergestellt Und auch dk> glühende Trauerlied schloß mit den Worten: Linst wird mir Freude und Heil Einst wird Glück mir zuteil Wenn ich Wiederkehr nach Jeruschalajim ... In die Vielfalt dieser Tischah-be-Aw-Stimmungen mitten hinein führen uns die „M i d r a s c h i m dir Klage und des Zuspruchs", die einer, der von Jugend an mit diesen Schätzen vertraut ist, der Rabbiner Max Diene mann, für die Bücherei des Schocken-Verlages1) auswählte, übersetzte und einleitete. Dem allgemeinen Ziele dieser Bücherei, aus dem unübersehbaren und schwer zugänglichen jüdischen Schrifttum aller Länder und Zeiten dasjenige ') Midraschim der Klage und des Zuspruchs. Ausgew., übers, u. eingeleitet von Max Dienemann. Bücherei des Schocken-Verlags 3h. «Jüdische Schulen« Das Schulgeld für den Monat August ist — wie bereits bekanntgegeben — unbedingt bis zum 7. Aug.!»».> pünktlich zu zahlen. Leipzig, den 30. Juli 1935 Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V.