Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 27 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 5. Juli 1935 1934 und auf die nicht unbeträchtlich erhöhten Rückstellungen. Er berührte ferner die gesunde Staffelung der Kredite, bei denen der Hauptteil nach wie vor von den Klein- und Mittelkrediten gebildet wird, und die außerordentlich günstige Liciuiditäts-Situation der Genossenschaft. Die Bank stelle heute immerhin iti jüdische Arbeltsplätze vor und mit den auswärtigen Schwesterhanken etwa 10. - Das Jahr 1935 zeige bisher eine weiter aufsteigende Entwicklung. Die Umsätze im I. Halbjahr 1935 seien gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres von ib auf l<> Millionen Mark ge- Stiegen. Die Liquidität habe sich weiterhin gebessert, und auch in Bivuji auf den l rtrag sei mit einein befriedigenden Ergebnis hei entsprechender Weiterentwicklung /u rechnen. Die Versammlung nahm davon Kenntnis, daB im Berichtsjahr der Aufsichtsrat um die Herren R.-A. Kozower und Dr. Oswald Wolf vermehrt worden ist, und ermächtigte den Aufsichtsrat, sich durch Zuwahl weiterer 7 Oenossen zu ergänzen. Nachdem ein Genosse Klage darüber geführt halte, dal! die Iwria sich so stark für den jüdischen Dampfer „Tel Awiw" einsetze, wahrend es der Reederei offenbar nicht gelungen ist. einen jüdischen Generalvertreter für Deutschland /u finden, sprach Herr Cassel dem Vorstand und dein Aufsichtsrat den Dank der Genossen für die Geschäftsführung aus. (JTA.) Die Witwe Edmond de Rothschilds gestorben. Im Alter von B2 Jahren ist in Pari- Baronin Adelheid de Rothschild, die Witwe Baron Edmond de Rothschilds und .Winter des Präsidenten der Palestine Jewish (Kolonisation Association James Edmond Armand de Rothschild, gestorben. In den letzten Tagen war die Baronin nur noch selten bei Bewußtsein. Die Beerdigung fand am 25. Juni statt. Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation. Nahum Sokolow, hat an Baron James de Rothschild anläßlich des Ablebens seiner Mutter folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Aus ganzem Her/en nehmen wir Anteil an Ihrem tiefen Schmer/ anläßlich des Verlustes Ihrer geliebten Mutter, Baronin Edmond de Rothschild. Der Hingang dieser edlen Philanthropin und verehrungswürdigen Mutter in Israel wird von den unzählbaren Massen, denen ihre grolie Freigebigkeit zu Hilfe kam. betrauert und von ganz Israel in Palästina beklagt werden. Wir übermitteln Ihnen. Ihrer Gattin und Ihrer ganzen Familie den Ausdruck unseres herzlichsten Mitgefühls. Nahum Sokolow u. Familie." Baronin Adelheid von Rothschild war am 1(). August 1853 in Krankfurt a. M. als Tochter des strenggläubigen und talmudgelehrten Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild geboren, der ebenfalls ein außerordentlich großzügiger Philanthrop war. Orthodoxe Einrichtungen wurden von ihm reichlich bedacht und für die Armen hinterließ er eine Million Mark. Die Ehe mit Baron Edmond de Rothschild hatte Baronin Adelheid am 21. Oktober 1S77 geschlossen. (JTA.) Der Historiker Simon Askena/.y gestorben. Im Alter von 07 Jahren ist in Warschau der berühmte polnisch-judische Historiker Simon Askenazv gestorben. Im Januar d. J. war Prof. Askena/y schwer erkrankt und /u seiner Behandlung wurde der Leiter der Abteilung für innere Krankheiten am Berliner Jüdischen Krankenhaus, Geheimrat Prof. Dr. Hermann Strauß, nach Warschau berufen. Prof. Askenazv war einer der hervorragendsten Persönlichkeiten der polnischen Judenheit Er war ein Nachkomme des berühmten Gaons Rabbi Askena/y. In politischer Beziehung gehörte er dem assimilatorischen Flügel der polnischen Judenheit an und war wegen dieses Standpunktes oft heftigen Angriffen in der jüdischen Presse ausgesetzt. Gleichzeitig richteten sich gegen ihn dauernd die Angriffe der polnischen Antisemiten wegen seiner Abstammung. In besonders starkem Malle war dies der Fall, als die polnische Regierung i. J. 1022 ihn zum Führer der polnischen Delegation heim Völkerbund und zum ständigen Völkerbunds Vertreter Polens ernannte. Trotz der wertvollen Dienste, die er Polen in dieser Eigenschaft Ki-tete, mußte er infolge der ununterbrochenen Hetze der antisemitischen Presse Polens sein Amt niederlegen und widmete sich seither ausschließlich der wissenschaftlichen Arbeit. 1007 war der Gelehrte zum Professor der Geschichte an der Universität Lemberg ernannt worden. 1922 wurde er von der Regierung als Professor der Geschichte an die Warschauer Universität berufen, doch wurde diese Ernennung niemals ratifiziert, da der Professorenrat die Bestätigung Askcnazyi wegen seiner Abstammung mit Stimmenmehrheit verweigerte. 1926 wurde Prof. Askenazv als Vertreter Polens in das Präsidium der Internationalen Diplomatenakademie in Paris gewählt, und der polnische Außenminister gab zu der Wahl die Zustimmung. Prof. Askenazv war eine der grollten Autoritäten auf dem Gebiet der Napoleonischen Geschichte. Seinem Monumentalwerk „Napoleon und Polen" wird von der Wissenschaft klassische Bedeutung beigemessen. Er hat u. a. eine Reihe bis dahin unbekannter Schriften Napoleons entdeckt. (JTA.) Neue Werke jüdischer Künstler im Berliner jüdischen Museum. Das von Prof. Landsberger geleitete Jüdische Museum hat eine Schau bemerkenswerter Neuerwerbungen und Leihgaben eröffnet, die neben Arbeiten anerkannter jüdischer Künstler der Gegenwart auch verheißungsvolle Leistungsproben aufstrebender Talente enthält. So zieht der ausdrucksvolle in Zement gearbeitete Kopf einer „Deborah" des erst IS jähriger. Peter Fingeslein die Aufmerksamkeit auf sich, ebenso durch besonder» graziöse Linienführung ilie Statuette einer „Knienden" von Elisabeth Wolff. Das „normannische Dorf" von Martin Bloch wirkt kraftvoll in grollflächiger I arbengebung. Max Liebermann ist in der Ausstellung mit ilem vor zehn Jahren entstandenen Porträt seiner Gattin mit Enkeltochter und mit seinem letzten Gemälde an dem er bis kurz vor seinem Tode gearbeitet hat, der „Rückkehr des Tobias" vertreten. Prof. Landsberger hält es für wahrscheinlich, daß für Liebermann bei der Wahl dieses Motivs seine eigene „Rückkehr", die stärkere Hinwendung zum Judentum auf Grund der Erlebnisse der letzten Zeit, mitbestimmend war. Liebermann selbst hat allerdings eine solche Deutung mit dem Bemerken abgelehnt, dali er sich nie von außen, sondern stets nur von innen her in seiner Arbeit bestimmen ließ. Von dem anderen großen jüdischen Maler der letzten Epoche, Lesser Urv, ist ein durch seine leuchtenden hellen Farben und besondere Tiefenwirkung fesselndes Gemälde, eine Landschaft am Ostseestrand darstellend, zu sehen. Das Bild wurde 1894 gemalt. Dem Empfinden der Zeit kommt das Ölgemälde von Julie Wolfthorn „Besinnung" entgegen. Erich Wolfsfeld stellt „Juden in der Mainionidcs- Gasse in Kairo" dar. Von Emil Pottner sieht man farbige Holzschnitte, von Joseph Bato ein ungarisch-ländliches Motiv „Weiße Ochsen". Erwähnenswert Sind Schließlich noch die kunstgewerblichen (legenstände, die zum Teil gekauft, zum Teil dem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden: ein prächtiger sephardischer Talit, eine Wöchnerinnenschale in Keramik, ein Kidduschbecher in Rokokoarbeit usw. (JTA.) Unsere Gemeinde. Betr. Einsendung der Manuskripte! Es wird darauf anfmerksam gemacht, daß Manuskripte, die zur Veröffentlichung im Oemeindeblatt bestimmt sind, bis anf weiteres an: Israelitische Religionsgemeinde, Walter-Blümel-Str. 10, mit dem Vermerk „Oemeindeblatt" zu richten sind. Nachricht des Sozialamtes. Da einer großen Reihe von Chaluzira und von Leuten, die nach Palästina auswandern, dringend Koffer fehlen und diese oftmals aus eigenen Mitteln nicht beschafft werden können, bittet das Sozialamt alle Gemeinde-Mitglieder, die gebrauchte, aber noch gut erhaltene Kotfer, Reisetaschen usw. zur Verfügung stellen können, dem Sozialamt, Fernruf 120'JS, hierüber Mitteilung zu machen, damit dieselben abgeholt werden können. Schach. Altmeister M i e s e s spielte vergangene Woche im Bar Kochha gegen 19 Gegner simultan. In nur l1 , Stunden erzielte er ein ganz ungewöhnliches Ergebnis. Nur 2 von 10 Partien mußte er verloren geben (gegen Baumatz und Dr. Wachs). Die 17 anderen gewann er in überzeugender Manier. Jubiläums-Kundgebung des R.J.F., Leipzig, am 24. Juni d. J. Anläßlich seines 15jährigen Bestehens hatte der R.J.F. zu einer größeren festlichen Veranstaltung in den Theatersaal des Krystallpalastcs gerufen. Der große, treue Freundeskreis des Bundes war trotz aller sommerlichen Hitze vollzählig erschienen, und alle Organisationen hatten Delegierte entsandt. Der persönlich erschienene Bundesvorsitzende, Hauptm. d. Res. a. I). Dr. Löwenstein-Berlin, begegnete allgemeiner Aufmerksamkeit. Nach strammem Einmarsch der Sportfreunde meldete deren Führer dem Bundesvorsitzehden. der sehr erfreut mit einigen kernigen Worten an die Jugend den Abend eröffnete. In festliche Stimmung versetzte dann der Psaltcrion-Chor unter der trefflichen Leitung seines Dirigenten, Herrn Barnet l ieht, mit dem Vortrag aus Handels „Judas Makkahäus"; Herr Santo Sonini brachte das Solo wie immer prächtig zu Gehör. Nach kurzen Begrüßungsworten des 2. Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Bucky, ehrte die Versammlung stehend die Gefallenen in einer Gedenkminute, worauf der Redner mit tiefer Herzlichkeit kameradschaftlichen Dank an den abwesenden Vorsitzenden, Kam. Dr. Alfred Jacoby, aussprach. Auf das ehrenvollste durch langen Beifall begrüßt, trat nun der Bundesvorsitzende, Hauptm. d. Res. a. D. Ür. Löwenstein, ans Rednerpult. Er führte etwa aus: „Der gesamte R.J.T. mit seinen fast 30000 Kameraden dankt der Leipziger OGr. für die 15jährige rührige treue Arbeit, die wie alle Arbeit des Bundes der deutschen Judenheit und dem Vaterlande gegolten hat, für das wir einst gekämpft haben. Die Makkabaeiworte des eben erklungencn Chores seien Symbol des Makkahäer-Geistes, der immer unter uns geherrscht habe, wie dies auch Walter Bim in einst anerkannt habe. Der R.J.F. habe seine kerzengerade Linie — ohne politische Seitensprünge — trotz mancher Verführungsversuche und trotz ihrer öfteren Unpopularität ohne Zugeständnisse an einen sogenannten Zeitgeist innegehalten — der Zcitablauf hat die Richtigkeit dieser Arbeit bestätigt. Jhr hätten wir das Frontkämpfergesetz, das immerhin 201X10 Existenzen, also etwa 60000 Menschen gerettet bat, zu verdanken. Bei aller Anerkennung Palästinas als Zuflucht darf man sagen: der R.J.F. war wirksamer. Der Meinung, daß die Wir-