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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-14 · 24 (14.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
24 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 14 Juni 1935 zeigt, daß nur die der Welt immer deutlicher werdende jüdische Kolonisationsleistung in Palästina selbst geeignet ist, jüdische Forderungen auf Ausweitung des Kolonisationsgehietes (Transjordanien!) und Verstärkung der Einwanderuiigsmöglichkciten zu legitimieren. Dies ist ja auch das System zionistischer Politik seit Aufnahme der praktischen Arbeit gewesen, das mit dem Namen Chajim Weizmann untrennbar verbunden ist. Professor Weizmann, der sich seit 1933 zusammen mit der Exekutive ganz der besonderen Arbeit für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina widmet, hat auch maßgebend an lern Zustandekommen der Anleihe mitgewirkt, die über ihren eigentlichen Charakter hinaus als politischer Erfolg von besonderer Tragweite zu werten ist. Wenn eine der größten englischen Banken vier Jewish Agency und dem Keren Hajessod auf 15 Jahre zu ungewöhnlich niedrigem Zinssatz eine halbe Million Pfund zur Verfügung stellt und damit das Maß ihres Vertrauens in die Stabilität der Verhältnisse und die Aufbauwilligkeit des jüdischen Volkes beweist, so darf auch die jüdische Welt an die schwere Arbeit der neuen Periode mit Kraft und Zuversicht herangehen. Die Anleihe und die im letzten Jahr endlich wieder erheblich gestiegenen Eingänge der nationalen Fonds haben die Exekutive in den Stand gesetzt, die F i n a n z e n der Zionistischen Organisation zu konsolidieren. Sie kann nun nach einer Periode der Stagnation dem XIX. Kongreß ein Budget vorschlagen, das allein für neue Kolonisation den Betrag von 170000 £ vorsieht. Auch dieser Betrag ist noch gering genug. Er wird nicht ausreichen, um alle in Palästina gegebenen Möglichkeiten der Ansiedlung neuer Menschen auch nur entfernt zu erschließen, aber er läßt erkennen, daß wir in der Entwicklung des jüdischen Nationalheims vor einer Periode neuen Wachstums der nationalen Kolonisation stehen. Aufgabe des ganzen jüdischen Volkes muß es sein, durch Stärkung der gestaltenden und leitenden Kraft, der Zionistischen Organisation, dafür zu sorgen, daß die weitere Arbeit nach einheitlichem Plan unter ständiger Beachtung der nationalen Interessen vor sich geht. Noch sind weite l.andstrecken durch jüdische Arbeit zu erobern, noch können große Gebiete in jüdischen Besitz übergeführt werden. Die noch vielfach chaotisch vorwärts stürmende Entwicklung der Wirtschaft, die nicht immer den Lebensnotwendigkeiten des jüdischen Volkes entspricht, gilt es in geordnete fruchtbare Bahnen zu lenken. Den Auswüchsen eines schrankenlosen Individualismus, den manche Einwanderer als Schlacke ihrer üaluthexistenz ins Land gebracht haben und der in mancher Form - Bodenspekulation, Mietwucher, Landflucht — das Aufbauwerk schwerstens gefährdet, muß und kann nur durch systematische nationale Erziehung in der Gallith und in Palästina entgegengewirkt werden. Die Entwicklung der letzten Jahre hat zweifelsfrei ergeben, daß alle diese entscheidenden Aufgaben nur dann zum Wohl des ganzen jüdischen Volkes gelöst werden können, wenn eine kraftvolle, in sich geschlossene Zionistische Organisation die Aufbauarbeit. *rägt. In aller Welt werden die Juden durch Beteiligung am Zionistenkongreß einmütig bekunden, daß ihr Vertrauen die Zionistische Organisation und ihre leitenden Instanzen in die schwere, aber zukunftsfrohe Arbeit der nächsten Zeit geleitet. Und wenn die Zionistische Exekutive, und zusammen mit ihre die Zionistische Vereinigung für Deutschland, in diesem Monat das jüdische Volk zur Zahlung des Schckels aufgerufen hat, so ist dies der Sinn: durch symbolhaftes Bekenntnis soll jeder Jude zeigen, daß er in schwerer Zeit sich in die schöpferischen Kräfte des neuwerdenden jüdischen Volkes einreihen und mit der Zionistischen Organisation um eine glücklichere Zukunft im jüdischen Land kämpfen will. Jüdische Zeitschau Schmarjahu Levin gestorben. Jerusalem, 9. Juni (JTA.). Im Sanatorium des Dr. I ev in Haifa ist Schmarjahu Levin am 9. Juni, S,15 Uhr abends, einein Herzschlag erlegen. Schmarjahu Levin war am Morgen desselben Tages in dem Sanatorium zu einem 1 rcundschaftshcsuch eingetroffen. Den ganzen Tag über fühlte er sich durchaus wohl und war in ausgezeichneter Stimmung. Gegen Abend wurde er von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und verschied nach wenigen Minuten. Er hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Schmarjahu Levin, der 1S(>7 in Swialotsch im Oouvernemenl Minsk geboren wurde, war schon als Student in Berlin, wo er nach dem Besuch mehrerer Talinudschulcii philosophische Studien betrieb, hervorragend in der zionistischen Bewegung tätig. Gemeinsam mit Leo Motzldn stand er an der Spitze der jüdischrussischen Studentenvereine. Nachdem er in Königsberg sein Doktorat gemacht hatte, wurde er Kronrahhiucr in Qrodno und Jckaterinoslaw und später Prediger in Wilua. Oberall bemühte er sich um Verstärkung der nationalen Kultur und veranlaßte die Erweiterung des Hebriischunterrichts in den Schulen. Er hielt Vorlesungen über jüdische Geschichte, die starken Zulauf hatten. 1906 wurde er Abgeordneter in der ersten russischen Duma, wo er eine Reihe eindrucksvoller Reden über judische Probleme hielt. Vom VI. Kongreß an, auf dein er als einer der Vorkämpfer der Zionc-Zionisteu gegen das Uganda-Projekt auftrat, nahm Schmarja Levin an allen Ziollistenkongressen führend teil. Er wurde ins Aktionskomitee gewählt und befaßte -ich insbesondere mit den kulturellen Aufgaben der Bewegung. 1911 1918 war er Mitglied des Engeren Aktionskomitees (l xecunve) du- Zionistischen Weltorganisation. Nach seiner Obersiedlung nach Deutschland wurde er ein eifriger Mitarbeiter des Hilfsirereins der deutschen Juden. AN solcher hat er sich an den Vorarbeiten für die Gründung des Technikums in Haifa in stärkstem Masse beteiligt und den größten Teil der für die Neugrundung erforderlichen Fonds aufgebracht. In den ersten Kriegsjahren führte er in den Vereinigten Staaten eine großzügige zionistische Propaganda durch, die die Entstehung zahlreicher jüdisch-kultureller Einrichtungen im Gefolge hatte. 1920 wurde er einer der führenden Propagandisten des Keren Hajessod, für den er Vorträgst MiruecU in Deutschland und Polen absolvierte. 1921 übersiedelte er nach Palästina, um gemeinsam mit Bialik die Leitung des hebräischen Verlags „Dwir" zu übernehmen. Von Schmarja Levin ist eine Sammlung jiddischer und hebräischer Aufsätze erschienen, die in New York unter dem Titel ..In Kriegszeiten" herausgegeben wurden. 1896 veröffentlichte er eine Anthologie hebräischer Dichtung unter dem Titel „Siwath". Seine mehrbändige Autobiographie, die zuerst 1928 in jiddischer Sprache erschien, wurde später auch in englischer und deutscher Sprache veröffentlicht und errang einen bemerkenswerten literarischen Frfolg. Die deutsche Ausgabe u. d. T. ..Kindheit im! xil" und . Jugend im Aufruhr" (1932 und 19)1) hat in Deutschland Schmarjahu Levin sehr bekannt gemacht Unsere Gemeinde. Betr. Einsendung der Manuskripte! Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Manuskripte, die zur Veröffentlichung im Gemeindeblatt bestimmt sind, in der Zeit vom 16. Juni ab bis aul weiteres an: Israelitische Religionsgemeinde, Walter-BIOmcl-Str. 10, mit dem Vermerk „Genieindeblatt" zu richten sind. » i » Als Abschluß ihrer Winterarbeit brachte die C.V.-Frauengruppe, gemeinsam mit der berufstätigen deutsch-jüdischen Jugend (G.V.), einen Vortrag von Dr. Rudolf Neu mann über „Berechtigung und Grenzen des Totalitätsanspruches der Jugendbünde". Der Redner ging davon aus, daß unabhängig von jüdisch-parteipolitischer Blickrichtung bestimmt werden müsse, was zum Ligenbereich jugendlicher Menschen gehöre. Den Bünden könne wohl größere Unabhängigkeit (Autonomie) zugestanden werden, nicht dagegen ein Anrecht auf völlige Erfassung der ihnen angeschlossenen Jugendlichen in den Fragen der Persönlichkeits- und Lehensgestaltung. Rechenschaftslegungen aus bündischen Kreisen könnten nicht alle bestehenden Zweifel beseitigen. Sämtliche Instanzen unseres jüdischen Lebens hätten hierbei ein Recht zur Interessiertheit. Erfahrungen der früheren, eigentlichen Jugendbewegung und Lehren der Jugendpsychologie rechtfertigten manche kritischen Vorbehalte. Begründete Auffassungen von Schule und Elternhaus fänden nicht immer offenes Ohr. In unserer Zeit, wo das Beharren eine historische Aufgabe geworden sei, müsse man alle mit dem Nachwuchs zusammenhängenden Fragen, auch die der Führungsauslese, ohne jedes Ressentiment betrachten. Eine sehr rege Diskussion schloß den auf ganz besonders hoher Warte stehenden Vortrag. Amtliche Bekanntmachungen. Israelitischer Schulverein Leipzig e.V. Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung Gemäß 15 und 17 der Satzung berufe ich für Montag, den 1. Juli 1935, 20 Uhr pünktlich, die ordentliche Mitgliederversammlung des Schulvereins in das Sitzungszimmer des Gemeindeamts, Walter-Blümel-Str. 10,11, ein. Tagesordnung: 1. Jahresbericht; 2. Bericht des Schuldirektors; 3. Rechnungslegung für das Schuljahr 1934 35; t. Entlastung des Vorstands; 5. Neuwahl des Vorstands; 6. Haushaltplan für das Schuljahr 1935 30; 7. Wahl von zwei Kassenprüfern; 8. Satzungsänderungen. Anträge für diese Mitgliederversammlung müssen gemäß 4$ 15 Abs. 2 der Satzung bis spätestens 24. Juni 1935 schriftlich be Vorstand des Schul Vereins, Walter-Blümel-Str. 10, eingereicht den, falls sie nicht einen Gegenstand der Tagesordnung betrefft i Leipzig, den 12. Juni 1935. Der Vorsitzende des Israelitischen Schulvereins Leipzig e.V.

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