Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 24 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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n V Auflage 4100 Stück ßemeitiö cUatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I JLI Z)7\Clm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I Iii I ^7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schriftleitung i Oemeinderabbiner OustavCobn Leipzig Walter Blumcl-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 24 ■ Jahrgang 11 14.Juni 1935 Anzelgenannahntei E. Ooldfreund, Leipzig OS, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschatt, Leipzig C 1. Der XIX. Zionistenkongress und die Zionistische Bewegung in Deutschland. Die Pressestelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland weist darauf hin, dali die zionistische Bewegung in Deutschland in diesem Jahr mit einer starken Delegation am Zionistenkongrel! teilnehmen wird, um auf die zukünftige Gestaltung des Palästinaatifhaus im Hinblick auf seine zentrale Bedeutung für den größten Teil auch der deutschen Juden Einfluß nehmen zu können. Um die jüdische Öffentlichkeit Deutschlands über die gegenwärtigen Probleme des zionistischen Aufbauwerks und die Aufgaben der zukünftigen Entwicklung zu informieren, verbreitet die Pressestelle einen Artikel unter der Überschrift: „Festigung unnd Fortschritt - Zwei Jahre Palästina-Aufbau", den wir nachstehend veröffentlichen. Die Schriftleitung. Am 20. August ds. Jhrs. wird der Zionistenkongreß, das höchste Organ der zionistischen Bewegung, zum 10. Male zusammentreten. Jn allen Ländern der Galtith ist im Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, zu seiner Vorbereitung die Schekelaktion - der Schekel verkörpert bekanntlich seit Theodor Herzls Zeiten das Bekenntnis zum Zionismus und sichert dem Schekelzahler durch das Wahlrecht die Mitwirkung auf dem Kongreß — in vollem üange. Aus diesem Anlaß legt die Zionistische Exekutive in einem vor kurzem veröffentlichten Manifest der jüdischen Welt Rechenschaft über die Arbeit ihrer Amtsperiode und die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in dieser Zeit ab, die bei allen unerwartet großen Fortschritten Gefahrenmomente und entscheidende Probleme mit sich gebracht hat, deren Lösung nur eine kraftvolle, vom Vertrauen des ganzen jüdischen Volkes getragene Zionistische Organisation in Angriff nehmen kann. In ernster Zeit war der XVIII. Zionistcnkongrcß im August 1933 zusammengetreten. Das Schicksal des deutschen Judentums hatte die Wcltjudenhcit die ganze Fragwürdigkeit jüdischer Galuthcxistcnz erkennen lassen, zugleich aber klargestellt, daß unter den vielen Ländern der Welt Erez Israel allein der Einwanderung jüdischer Massen die Tore geöffnet hielt. Es Waren nicht nur deutsche Juden, welche den ganzen Erdball nach Ländern absuchten, die ihnen eine neue Heimat schaffen wollten. Die Not der jüdischen Welt wuchs von Tag zu Tag. Erez Israel wurde das Zentrum jüdischer Hoffnungen und jüdischen Sehnens. In diesem Augenblick, wo die Judenheit der ganzen Welt erkennen mußte, daß nicht nur die zionistische Erkenntnis der Judenallein richtig gewesen war, sondern dali auch die „Utopie" na, zu dessen Aufbau sich die wenigsten zuvor bekannt hatten klichkeit die einzig reale Chance einer glücklicheren jüdischen t bot, war die Zionistische Organisation schwach. Bitter schien eben zu sollen, dali nur in Zeiten, da es in Palästina gut und vorwärts ging, Juden zur Mitarbeit am Aufbau bereit gewesen waren, in den letzten sechs oder sieben Jahren aber, zur Zeit der Wirtschaftskrise 1027 und nach den Unruhen 1029, ihre Mithilfe versagten. Zwar hatte die Zionistische Organisation auch in diesen Zeiten die oft armselig anmutende Kleinarbeit des Aufbaus, die allein das „Wunder" der 1033 einsetzenden Masseneinwanderung ermöglichte, unermüdlich fortgesetzt. Aber die Eingänge der nationalen Fonds, des Keren Hajcssod und des Keren Kajemeth, der Lebensadern des Aufbaus, waren unaufhörlich zurückgegangen und hatten eine Schuldenlast entstehen lassen, welche die Arbeit der Zionistischen Organisation lahmzulegen drohte und neue Kolonisation für die nächste Zeit unmöglich machte. Während Zehntauscnde vor den Toren Palästinas warteten, schien es nicht mehr möglich, neuen Platz im Lande für sie z.u schaffen. Heute kann kein Zweifel mehr bestehen, daß über den Kreis der organisierten Zionisten hinaus das ganze jüdische Volk der Zionistischen Exekutive, die 1033 die Leitung der Organisation übernahm, zu größtem Dank verpflichtet ist. Durch ihre unablässigen politischen Bemühungen konnten die Möglichkeiten der Einwanderung in einem Mali vergrößert werden, das noch vor wenigen Jahren auch dem gläubigsten Zionisten als unerreichbar erschienen wäre. Während sich die Gesanitcinwandcrung 1031 auf 4500 und noch 1032 auf 14500 Menschen belief, sind in den letzten beiden Jahren mehr als Sil(100 Juden, unter ihnen allein 22000 aus Deutschland, ins Land gekommen. Die jetzt vorliegenden Zahlen für die ersten drei Monate 1035 lassen mit 1S000 Einwanderern noch eine weitere starke Steigerung erkennen. Gewiß entsprechen auch diese Zahlen weder der jüdischen Not in der Welt noch den Bedürfnissen der jüdischen Wirtschaft Palästinas, die in stürmischer Entwicklung noch eine große Zahl von Arbeitern gebraucht. Aber es ist wichtig, zu betonen, daß die Vorstellungen der Exekutive von der Mandatsregierung weit stärker als früher beachtet werden. So hat die Arbeit der Exekutive denn auch zu zwei weiteren grollen Erfolgen geführt, um die sich seit mehr als einem Jahrzehnt die Zionistische Organisation vergeblieh bemüht hat: die Erteilung der H u I e - K o n z e s s i o n und die Gewährung der ersten großen Anleihe. Im vergangenen Jahr konnte die jüdische Presse endlich berichten, daß die Konzession für das große Hule-Gebiet im Norden Palästinas, das, heute versumpft und fieberverseucht, nach der Amcliorierung Platz für mehrere Tausend Familien in landwirtschaftlicher Siedlung bieten wird, auf zionistische Kolonisationsinstanzen übertragen wurde, nachdem syrisch-arabische Gruppen sie zwanzig Jahre lang nicht ausnutzen konnten. Mit dem Erwerb dieses Gebietes eröffnen sich weite Perspektiven: nicht nur, weil durch die Besiedlung dieser fruchtbaren Ebene das gesamte Fundament des Aufbaus tun ein neues Zentrum der Kolonisation vergrößert weiden kann, sondern weil gerade die Geschichte des Erwerbs von Hille symptomatisch