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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-07 · 23 (7.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
23 (7.6.1935)
Date
1935-06-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 7. Juni 1935 Absolut gesehen, ist mit 15,29o/o oder 'iii'is Juden die Abnahme in Mittelfi auken sehr bedeutend. Nach Professor Cohen lebten 1933 26,6 o/o der jüdischen Bevölkerung auf dem Lande, dagegen 73,4 o/o in den Städten. Das Verhältnis ist bei den Juden umgekehrt wie bei der Gesamtbevölkerung. Noch 1925 betrug das Verhältnis von Stadt und Land bei den Juden 71,8 O/o zu 28,20/o. Es ist somit eine erhebliche Verschiebung eingetreten. Beinahe die Hälfte (49,8o/o) der bayerischen Juden wohnten in OroBstidten gegenüber rund 20 0/o der gesamten Bevölkerung. Wahrend bei der gesamten Bevölkerung ein Geburtenüberschuß von 4,S auf 1000 der Wohnbevölkerung vorhanden ist, ergibt sich bei den Juden ein Sterbefiberschuß von 12,6 0/o, her Grund hierfür ist nicht zuletzt in der Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung, in dem Obergewicht der höheren Altersklassen zu suchen; dagegen ist nach Prof. Cohen die Zahl der ehelichen Geburten bei den Juden insbesondere in den größeren Städten nicht wesentlich zu Ungunsten der Juden gestaltet. (1 TA.) Die Zulassung von Zahnärzten und Dentisten zu den Krankenkassen. Im ,,Rcichsgcsct/blatt" wird eine vierte Verordnung über die Zulassung von Zahnärzten und Dentisten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen veröffentlicht, durch die Bestimmungen vorangegangener Verordnungen zusammengefaßt und teilweise ergänzt werden. Die Zulassung von Zahnärzten und Dentisten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen ist von der Eintragung in ein Register abhängig gemacht. Die Eintragung ist nur zulässig, wenn der Antragsteller und sein Ehegatte arischer Abstammung sind. Die durch die dritte Verordnung vom 13. Februar 1935 aufgehobene Ausnahme, wonach die nichtarfsche Abstammung kein Hindernis für die Eintragung ist w enn die Antragsteller im Weltkriege auf seiteu des Deutschen Reiches oder seiner Verbündeten teilgenommen haben oder wenn ihre Vater oder Söhne im Weltkriege gefallen sind, fallt weiterhin fort, so daß in Zukunft auch jüdische I rontkämpfer mit einer Zulassung nicht rechnen können. Dagegen wird durch S W der neuen Verordnung klargestellt, daß diejenigen jüdischen Zahnärzte und Dentisten, die beim Inkrafttreten der Verordnung, dem Ib. l ebt mir l'Hä, im Registei eingetragen waren, zu eleu Krankenkassen zugelassen bleiben . Andererseits werden durch diese Bestimmung jüdische Kriegsteilnehmer, die nicht Frontkämpfer sind, aber bisher zur Hilfeleistung für die Zahnbehandlung bei einem Kassenzahnarzt oder Kassendentisten herangezogen werden konnten, in Zukunft nicht mehr eine AusnahmebehandTung erfahren. Unsere Gemeinde. Bericht über die Gcmcindcsitzung vom 3. Juni 1935. Vor Ein tritt in die Tagesordnung begrüßt Herr Gemeindevorsteher Goldschmidt Herrn Landgerichtsdirektor i. R. Alterthum, der in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied erstmalig an einer Gemeindesitzung teilnimmt. Er hebt dessen bisherigen Verdienste für die Gemeinde al* Dezernent des Sozialamtes hervor und gibt der Hoffnung Ausdruck, dali sich seine weitere Arbeit segensreich gestalten möge. Da- Ministerium für Volksbildung hat verlangt, daß die Qemeinde eine Garantie für davom israelitischen Schulverein unterhaltene jüdische Schulwerk übernehme. Line eingehende Aussprache, die sieh hierüber entspinnt, fuhrt ZU dem Beschluß, dali lieh die Gemeinde bereit erklärt, eine zahlenmäßig begrenzte Bürgschaft gegenüber dem Ministerium auf sich ZU nehmen. Als weiterer Punkt steht auf der ragesordnung eine Aussprache über eine etwaige Verlängerung der Amtszeit der Gemeindevertretung. Zur Vorbereitung der Verhandlungen hierüber wird ein Ausschuß gebildet, in den jede Fraktion zwei Mitglieder entsendet. Herr Dr. Leo (ioldhaber hat mitgeteilt, daß er infolge Weg/ugs aus Leip/ig sein Amt als (ieineindeverord- Lneter niederlegt. Der Vorsitzende spricht ihm den Dank für seine bisher geleistete wertvolle Arbeit aus und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft. An seiner Stelle wird Herr Dr. Woskin zum (lemeindeverordneten gewühlt. Ein Sehreiben des Gcmcindevor- Standes an den Vorstand der Chcwra Kadiseha wegen Erweiterung deren Tätigkeit wird vorgetragen. Herr Markendorf als Vorsitzender der Chewra Kadiseha beklagt -ich über die mangelnde Anteilnahme der Oemeindemitglieder an den Aufgaben der Chcwra Kadiseha. Er bittet die Anwesenden, der Chcwra Kadiseha neue Mitglieder zuzuführen, damit derselben erheblichere Beitrage zufließen und sie ihren Aufgabenkreis erweitern kann. Im Anschluß hieran findet eine vertrauliehe Sitzung statt. „Land der Verheißung". Am 2. Juni gelangte der seit langem angekündigte erste Palästina-Tonfilm ,.Land der Verheißung" in I eip/ig zur Aufführung. Tausende von Zuschauern warteten in grober Spannung der Bilder, die ihnen einen authentischen Eindruck von der Entwicklung und von den Möglichkeiten von Erez Israel vermitteln wiirden. Sie nahmen die Aufführung mit Begeisterung und spontanem Beifall auf. Auch während der Film lief, wurden einzelne Bilder bejubelt, so etwa wenn Kurt Blumenfeld auf der Leinewand erschien oder bei anderen Szenen, zu denen eine besondere Beziehung bestand. Der I ihn gibt ein besonders eindrucksvolles Bild von dem Aufbauwerk in Stadt und Land. Die Wucht seiner Wirkung beruht darauf, daß die Aufnahmen in eleu Arbeitersiedlungen in Palästina, vor allem in Givath Brenner, der besonders von Juden aus Deutschland betriebenen Arbeitersiedlung, gemacht worden sind und Menschen mitten in ihrer schweren Arbeit zeigen. In der Verbundenheit von Wirklichkeit und Kunst läßt der I ihn das neue jüdische Leben und das Schicksal jüdischer Mensehen in Palästina miterleben. Fr zeigt den auffallenden Kontrast zwischen der früheren Verödung und VerfaDenheit des Landes und den Erfolgen der jüdischen Arbeit und der Schaffensfreude des neuen Einwanderimgselements, und dies beruhend auf dem modernen Tempo der Arbeit und der siedlerischen Entwicklung. Ausschnitte aus dem kulturellen und politischen Leben ergänzen die Darstellung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, des Häuser- und Straßenbaus, (ieradezu mitreißend waren die Bilder, die zeigten, wie das neue L tu e k - Lied von Daniel Sambursky im Gcmcinschaftssaalc aufgenommen und, von da aus sich fortpflanzend, zum Gemeingut aller wurde: sein befeuernder Rhythmus, von alt und jung gesungen, im I ihn immer wiederkehrend, teilte sich den Zuschauern derart mit, dali man sie alle beim Verlassen des Hauses die Melodie trällern hörte. Auch die anderen Lieder desselben Komponisten wurden begeistert aufgenommen. Man darf die Urim Palestine Film-Company, die den Film im Auftrage des Keren hajessod hergestellt hat, und diesen selbst zu dem in jeder Hinsicht w ohlgelungenen Werk beglückwünschen. Anerkennung verdient auch die musikalische Untermalimg, ilie von dem Generalmusikdirektor der Paramount, Boris Morros stammt. Eingeleitet wurde die Vorführung durch einen gut dargebotenen Chor des J.P.D., „Lied der Arbeit", in dem der Rhythmus der erfolgreichen Arbeit am Aufbau des Landes wirkungsvoll zur Geltung gebracht wurde. Namens der Zionistischen Vereinigung wies Rechtsanwalt Dr. Lehrfreund auf die außerordentliche Entwicklung hin, die seit der letzten Vorführung eines offiziellen Palästina-Films die Aufbauarbeit des Landes aufzuweisen habe. In eindringlichem Appell forderte er die tatkräftige Unterstützung der für den Aulbau Palästinas tatigen Organisationen und Fonds, insbesondere für Keren hajessod und Keren kajemeth. Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Bei kus Dr. Hirschberg war der uns vom Saalbesitzer zur Verfugung dem am 23. Mai stattgefundenen Vortragsabend des I lernt Syndigestellte Saal so unzureichend, dali ein sehr erheblicher Dil der Gemeindeangehörigen, der den Vortrag hören wollte, bedauerlicherweise nicht mehr Einlaß fand und umkehren mußte. Das kam daher, weil an dem betreffenden Abend es war der einzige Abend, der vor dem Lest in Frage kam die gröberen in Betracht kommenden Säle alle besetzt waren und uns von der Saalleitung erklärt worden war, wir würden einen Saal ausreichender (irölie erhalten. Leider wurde uns dann ein kleinerer Saal, als vereinbart, überlassen. Es ist Vorsorge getroffen, dali bei künftigen Veranstaltungen ausreichend Platz zur Verfügung gestellt wird. Personalnachrichten. Silberne Hochzeit. Am 8. Juni begehen Herr und Frau Hermann Pelz, ihre silberne Hochzeit. An der Familienfeier nimmt ein grober Kreis von Freunden und darüber hinaus ein stattlicher Teil unserer Gemeinde herzlichen Anteil. Hermann Pelz hat sich in seiner vielfältigen gemeinnützigen Tätigkeit, vor allem als Gemeindeverordneter die ilochschätzung und Achtung der Gemeinde erworben. Auch an dieser Stelle seien ihm und seiner Gattin aufrichtige Glückwünsche ausgesprochen. Amtliche Bekanntmachungen. Mädchenkonfirmation. Am Sonntag, 9. Juni 1935, findet vormittags 10' a Uhr in der Gemeindesynagoge die Mädchenkonfirmation statt. Hierzu werden alle Gcmcindemitglicdcr herzlichst eingeladen. Ordnung für die Mädchenkonfirmation: 1. Orgel-Vorspiel: „Weihevolle Stimmung" Adagio F-dur (v. Hans- Erich Cohn) Kapellmeister Simon 2. „Alles, was Er geredet hat, wir tuns" (2. Buch Mose 19,8) Eva Eisenstädt 3. Einsegnungsmotette (v. L. Lewandowski) Chor 4. Gebet Roseruth Messerschmidt 5. Arioso: „Dank sei Dir, Herr" (Ci. F. Händel) Oberkantor Lampel b. Wahlsprüche der Konfirmandinnen: Hilde Cohn, Inge Cohn, Eva Eisenstädt, Margot Kamerling, Roseruth Messerschmidt, Charlotte Moskowitz, Helga Riess, Rosa Schija, Ilse Urbach eingeleitet durch einen Vorspruch Ilse Urbach beschlossen durch einen Nachspruch Margot Kamerling 7. Ansprache des Rabbiners 8. Gelöbnis und Glaubensbekenntnis Hilde Cohn Die Sätze des Glaubensbekenntnisses werden von der Konfirmandin gesprochen und dann von Chor und Gemeinde gesungen 9. „Der Herr hat unser gedacht" (v. L. Lewandowski) Chor 10. Gebet und Segen des Rabbiners 11. Jeworechecha (v. S. Sulzer) Oberkantor Lampel mit Chor 12. Orgel-Nachspiel. Leipzig, 3. Juni 1935. Der Vorstand der israelischen Religionsgemeinde zu Leipzig. | Bgjjjjjg Sie bitte immer den altbekannten fpelSeeiS-TalaSt tOSCatll, Markt 8l\

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