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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-07 · 23 (7.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
23 (7.6.1935)
Date
1935-06-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 7 Juni 1935 abverlangte. Er mußte sich eine Bedenkzelt ausbitten und diese immer aufs neue verlängern lassen. In allen Teilen des „More newuchim" hat Bamberger nach einer klaren, philosophischen Definition Gottes gesucht, in der Lehre von den Attributen wie von der Welteinrichtung; im Zweckproblem und in den Anschauungen über Vorsehung und Prophetie: eine einheitliche, widerspruchslose Autwort hat er nicht gefunden. L:r entdeckte sogar gewisse Dunkelheiten und Widersprüche, und andrerseits Ansitze zu den erhabensten, vorschauenden Einsichten. Lind doch ist seine, von großer Sachkunde und feinstem Verständnis zeugende Forschung aufschlußreich, und wird unser Thorawissen befruchten. Denn die Umklammerung durch die herrschende aristotelische Philosophie zu sprengen, war eine Leistung des Maimonides, die uns den Weg zeigt, über alles nur vernunftgemäße Erkennen hinaus in die Sphäre reinen Glaubens vorzudringen, woselbst auch uns ein „A n t m a a m i n be£muna — Scheie m a" beseligt! Dr. Bamberger gibt mit Recht der sogen. Attributenlehre des Maimonides eine Schlüsselstellung; d. h. er zeigt, wieviel von der Beifügung richtiger Aussagen von Oott für die Reinheit und Würde der Gottesauffassung abhängt. Keiner hat ihre Zulässigkeit und Wirkungsbereiche so geprüft und abgegrenzt, wie unser Denker, damit nichts den Glanz des über alles Irdische erhabenen und doch dem Menschenherzen so nahen Gottes trübe. Und er ist dazu gelangt, daß üott nicht, wie in griechischer Weisheit eine natürliche Ursache Das Land der Väter — ein Land der Kinder. Unsere Jugend-Alijah in Erc/.-Israel. Von Landgerichtsdirektor a. D. Martin Alterthum. In dem W irbel der Lindrücke, die täglich von neuem auf Jen Palästina-Touristen einstürmen, in dem unaufhörlichen Wechsel der Bilder, die das neue jüdische Leben in Lrez-Israel bietet, ist eines der schönsten und herrlichsten das Bild der Jugend-Alijah aus Deutschland. Am I. April 1935 waren es bereits 550 junge Menschen im Alter von 15 17 Jahren, die hinübergegangen waren, um einen Ausweg zu suchen in einer Situation, die ihnen mm einmal ausweglos erschien. Aber ihnen ist dieser Weg mehr als ein Ausweg, für sie ist es der Weg zum Sinn und Ziel ihres Lebens. In einer zweijährigen gründlichen Lehrzeit wollen sie sich auf den Beruf des Bauern oder des Handwerkers vorbereiten, um nach beendeter Ausbildung nutzliche Arbeit beim Aufbau der nationalen Heimstätte des judischen Volkes /u leisten, die ihnen ein Leben zwar in harter, aufopfernder Arbeit, aber in Cilück und Würde und Freiheit verheißt. Ich habe sie gesehen in den Städten und auf dein Lande, bei Arbeit und Spiel, bei ihren bahrten durch das Land. Viele von ihnen habe ich gesprochen, aber mehr als das Wort auszudrücken vermochte, sprachen Augen und Haltung: Wir sind glücklich! Es ist rührend zu sehen, wie Lrez-Israel diese Kinder betreut, der ganze lischuw fühlt sich für sie verantwortlich, vereint sich in tiein Bestreben, ihnen die Trennung vom Elternhaus, ihre Einordnung in die neuen, ungewohnten Verhältnisse zu erleichtern, für ihre berufliche und geistige Ausbildung zu sorgen. Für sie werden die besten Untcrkunftsräumc bereitgestellt; wo sie hinkommen, werden sie gastlich und mit Freude empfangen. Sie gehen durch eine besonnte Jugend. Weitaus die meisten von ihnen sind auf dem Lande in den grölleren Kibbuzim wie Ljn-Charod, Giwath Brenner, Kibbuz Rodges. I leganiah, Tcl-Josef und in Ben-Schemen untergebracht. In Kfar- (iileadi sah ich schöne, moderne Steinhäuser, die ihrer Ankunft harren. Der Aiishildungsplan ist fast überall der gleiche. Vormittags von 01 ., bis II*/. Uhr arbeiten sie in allen Zweigen der Wirtschaft, wie Tischlerei, "Schlosserei, Baumschule, Pardesz, Weinberg, Gemüsegarten, Acker, Kuhstall, Pferdestall, Huhnerstall. Die Zeit von lU/i bis U1 , Uhr ist für die Einnahme des Mittagessens vorgesehen, das sie gemeinsam mit den älteren Arbeitskameraden einnehmen, Und dient zugleich der Anfertigung von Schularbeiten und der Ruhe. Von 14' 2 bis 18' ., Uhr ist Unterricht, der zunächst vorwiegend der Erlernung der hebräischen Landessprache gewidmet ist und sich aut Landeskunde, Berufskunde, jüdische Geschichte und Literatur erstreckt. Besondere Kurse, wie Tenach, Soziologie, von sachkundigen Lehrern geleitet, dienen der Vertiefung der jüdischen und allgemeinen Bildung. Die ersten zwei Monate werden als Vorbereitungszeit betrachtet, während deren die Jugendlichen auf ihre besondere Eignung in allen Zweigen der Wirtschaft beobachtet werden. Darnach erhalten sie je nach Eignung und Neigung einen festen Arbeitsplatz, und es war mir eine grolle Freude zu hören, daß der größte Teil von ihnen sich sehr gut eingearbeitet hat. An der Verwaltung des Kibbuz nehmen die jungen Menschen naturgcmäli nicht teil. Sie haben aber eine sehr ausgeprägte Selbstverwaltung und ihre eigenen Ausschüsse. Überall besteht ein der notwendigen, ewigen Welt, also wenn auch als ihre Spitze, zu ihr gehörig und in sie blind verflochten sei! Nein: Israels Oott ist ein aus freiem Willen, aus dem Nichts schaffender (iott; alle (iesetze, die Zeit, der Raum, die Kausalität erfolgen erst n a c h seinem Schaffen; von ihm an läuft das Weltgesetz. Alle Dinge sind Gottes Werk; in ihnen offenbart er sich als der „Steuermann''; und während bei ihm, dem Unerschaffenen, nicht nach dem Warum? und Wozu? gefragt werden kann, hat er uns Menschen offenbart, wie wir handeln sollen, um seinem Wesen und Willen nahezukommen. Gott ist nicht unser Abbild oder gar Wunschbild; sondern umgekehrt unser Ur- und Vorbild. Er ist Inbegriff aller I ugenden, wir sollen ihm nachstreben, gemäß den Worten: Kedoschim tihju. Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich. Seine (iesetze regeln das Leben von Körper und Geist, gründen ideales gesellschaftliches Leben auf Erden. Die sittliche Verpflichtung herrscht so unbedingt, daß sie wie selbstgegeben wirkt, schon im natürlichen, menschlichen Gefühl erfaßt wird. Streng bleibt Maimonides dabei, die Ausbildung der intellektuellen Fähigkeiten von jedem zu fordern und möchte am liebsten die Unwissenden, Abergläubigen und Denkträgen aus der Nähe Gottes verbannt sehen, weil diese sich selbst von (iott trennen. Zuletzt muß er aber doch treu jüdisch der guten Tal den Vorrang lassen: „laasot zedaka, chessed umischpot": dort, wo man Gutes, Liebes und Rechtes tut! Ist das nicht unser Altnculand? Dr. S.S. Waad hatarbuth (Kulturausschuß) und ein Waad chawerim (Gelderverwaltung). Durch diese Ausschüsse vertreten sie ihre Interessen gegenüber dem Kibbuz. Die ganze Ausbildung ist ungemein abwechslungsreich und lebendig, jeder Schematismus wird vermieden, die Kenntnis lies Landes, seiner wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse durch Ausflüge und Besichtigungen vertieft. Diese Ordnung ermöglicht Kinder der Leipziger Jugend-Alijah in Givcath-Brenner. den jungen Menschen, sich gleichsam spielend in die neuen Verhältnisse einzuleben, und es ist erstaunlich zu sehen, wie leicht und ungezwungen der Übergang aus einem oft behaglichen und gesicherten bürgerlichen Milieu in die primitive Umgebung des Landlebens sich vollzieht. Mit den älteren Chawerim teilen sie Sorgen und Freuden, und in gemeinsamer Arbeit, aber auch in gemeinsamen l eiern, schlingt sich um beide Gruppen ein Band der Kameradschaft, wie sie nur das wirkliche Leben schafft. Es ist kein leichtes Lehen, aber es ist ein sinnvolles, ein erfülltes Leben. Das Sozialamt unserer Gemeinde, in dem Bestreben, eine wirklich konstruktive Jugendhilfe zu leisten, hat sich die Förderung der Jugend-Alijah als des vielleicht wichtigsten und produktivsten Zweiges sozialer Jugendhilfe zur besonderen Aufgabe gesetzt. In enger Zusammenarbeit mit dem Zentralausschult für Hilfe und Aufbau, der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah, mit dem Palästina-Amt, sind bisher allein aus Leipzig nicht weniger als 69 Jugendliche zur Alijah vorgemerkt worden, von denen sich bereits über 50 in Erez-lsrael befinden, (iroße Mittel waren erforderlich, um diese Aufgabe durchzuführen, größere noch werden aufgebracht werden müssen, um sie planmäßig und energisch fortzusetzen. Aber diese Opfer werden nicht vergeblich gebracht sein. Jüdische Zeitschau Schowuausaktion des deutschen Keren Hatorah. Das Landesdirektorium des „Keren Hatorah" veröffentlicht als Auftakt zu seiner Schowuausaktion einen Aufruf unter der Devise: „Zurück zur Jeschiwoh". Zwei talmudische Sätze: Habet acht auf die Söhne der Unwissenden, denn durch sie wird die Thora neu belebt! und: Habet acht auf die Söhne der Armen, denn durch sie wird die Thora neu belebt! werden auf unsere Zeit bezogen; wir sind arm und unwissend geworden: „Wir wissen nichts über unser eigenes Morgen, wissen nichts über die nächste Zukunft, geschweige denn, daß wir über die

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